Wie wirkt sich PRISM auf die Umsätze im Cloud-Computing aus?

Im Moment vergeht kein Tag, an dem man in den Medien nicht von neuen Enthüllungen über die ausufernde Spionage amerikanischer Geheimdienste im Internet hört und liest. Hier hat jeder Bürger seine eigene Auffassung darüber, welches Maß an Überwachung angemessen ist und welche geheimdienstlichen Aktivitäten unserer Sicherheit dienen. Doch wie wirkt sich die NSA-Affäre ganz konkret auf Umsätze im Web aus?

Wie wirkt sich PRISM auf die Umsätze im Cloud-Computing aus?

„Wer nicht frei kommunizieren kann, der führt kein freies Leben“

Diese Aussage stammt nicht etwa von einem Bürgerrechtler, sondern vom ehemaligen BND-Präsidenten Hansjörg Geiger. Geiger nimmt in Bezug auf die NSA-Affäre den Standpunkt ein, dass die Bedrohung der Freiheit bereits dann entsteht, wenn der Mensch nicht mehr darauf vertrauen kann frei zu kommunizieren.

Die Enthüllungen des US-amerikanischen Whistleblowers Edward Snowden haben die Gesellschaft merklich aufgeschreckt und eine rege Debatte über die Verhältnismäßigkeit von Sicherheit und Freiheit in Gang gesetzt. Snowden, der bis vor kurzem selber für den US-Geheimdienst tätig war, hatte darüber berichtet, dass Geheimdienste aus den USA und Europa die Kommunikation aller Bürger standardisiert abfangen, speichern, filtern sowie auswerten und dabei jenseits aller grundrechtlichen Bestimmungen agieren.

Die Spitze des Eisberges waren zunächst Informationen über das Spähprogramm PRISM. Hier laufen die Nutzerinformationen der neun größten Internetunternehmen der Welt zusammen. Bisher ist nicht bekannt, ob Anbieter wie Google, Facebook, Apple  und andere freiwillig mit der NSA kooperieren oder ob sie per geheimen Gerichtsbeschlüssen hierzu verpflichtet wurden. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch sehr hoch, dass Suchanfragen bei Google, Mails über den Nachrichtendienst des Konzerns, per Google Docs gespeicherte Dokumente, Freundeskreise bei Facebook, Postings, Kommentare und Likes den Geheimdiensten in scheinbar unbegrenztem Ausmaß zur Verfügung stehen, langfristig gespeichert werden und zur Fahndung und Ermittlung eingesetzt werden.

„Ich habe doch nichts zu verbergen“

Verfolgt man die aktuellen Diskussionen über die Spähpraktiken der Geheimdienste in der Gesellschaft, dann stößt man immer wieder auf dasselbe Argument: Viele Bürger stehen auf dem Standpunkt, dass sie schließlich nichts zu verbergen hätten und es ihnen daher egal wäre, wenn ihre Kommunikation abgehört, gespeichert und ausgewertet wird. Doch trifft es tatsächlich zu, dass die Vorgehensweise der Geheimdienste keinen Einfluss auf Personen hat, die in der geschilderten Weise mit sich selber im Reinen sind?

Grundsätzlich muss man sagen, dass jeder Mensch etwas zu verbergen hat. Wir alle pflegen ein mehr oder weniger ausgeprägtes Privatleben, das wir ganz selbstverständlich vor den Blicken allzu neugieriger Mitmenschen schützen. Warum sonst verwenden wir an unseren Fenstern zu Hause Vorhänge oder Jalousien, halten unsere Türen geschlossen oder nutzen für den Versand von vertraulichen Informationen, zum Beispiel für unsere Steuererklärung, einen Brief und keine Postkarte?

Und selbst wenn man der Auffassung ist, dass sich unsere abgehörten Daten bei einem demokratischen System in guten Händen befinden, kann doch niemand verlässlich prognostizieren, wie unsere politischen Systeme und unsere gesellschaftlichen Werte in 10, 20 oder in 30 Jahren aussehen werden. Kommt es in einem der Länder, die heute massenhaft Daten ihrer Bürger ausspähen, wieder einmal zur Etablierung eines totalitären Systems, dann werden die künftigen Diktatoren leichtes Spiel damit haben, freiheitsliebende Menschen und Kritiker ausfindig zu machen und zu verfolgen. Sie halten eine solche Entwicklung in der heutigen Zeit für unwahrscheinlich? Dann werfen Sie doch einmal einen Blick auf die aktuelle politische Situation in Ungarn, wo Minsterpräsident Viktor Orbán, unter den Augen der EU, massiv Grundrechte abbaut und die Pressefreiheit empfindlich beschneidet.

Nicht zuletzt muss man bedenken, dass auch bei den Geheimdiensten „nur“ Menschen tätig sind. Menschen sind fehlbar, können unverantwortlich handeln oder der Versuchung von Geld und Macht erliegen. Der Fall von Edward Snowden zeigt sehr deutlich, dass die geheimdienstlichen Strukturen nicht wirklich sicher sind. Immerhin gelang es dem Whistleblower, Tausende von streng geheimen Dokumenten an sich zu nehmen und sie zu veröffentlichen. Er handelt dabei in bester Absicht, geht verantwortlich mit seinem Wissen um und verfolgt vor allem das Ziel der Aufklärung der Öffentlichkeit. Ebenso hätte aber auch ein Krimineller an die sensiblen Daten gelangen und diese zum Schaden der Bürger verkaufen oder veröffentlichen können.

Nicht nur das Privatleben ist betroffen, sondern auch die Wirtschaft

Ein Aspekt der NSA-Affäre, der bislang noch nicht sonderlich ausführlich diskutiert wurde, ist das Potenzial an Wirtschaftsspionage, das in der vollständigen Überwachung jeglicher Kommunikation liegt. Immerhin geht es ja nicht nur um das Abhören eher belangloser Gespräche,E-Mails, Chats und Videokonferenzen aus dem privaten Umfeld. Auch äußerst sensible Informationen aus der Welt der Unternehmen landen auf den Servern der Geheimdienste.

Man kann sich leicht vorstellen, wie interessant es für Konkurrenten aus dem Ausland wäre, die Gespräche und Schriftstücke verfolgen zu können, die Vorstände und leitende Manager der großen Unternehmen und Konzerne miteinander austauschen. Hier müssen Unternehmer darauf vertrauen, dass empfindliche Informationen nicht in fremde Hände gelangen. Ob die Grundlage für ein solches Maß an Vertrauen angesichts der zu beobachtenden Geheimniskrämerei allerdings gegeben ist, muss bezweifelt werden.

In den Unternehmen breitet sich eine Mischung aus Sorglosigkeit, Naivität und Vertrauensseligkeit aus. Da werden streng vertrauliche Unternehmenszahlen kurzerhand in der Cloud gespeichert, strategische Pläne per E-Mail versendet oder geheime Konzepte in Skype-Konferenzen besprochen. Die ausgeprägte Arglosigkeit könnte vielen Unternehmen zum Verhängnis werden. Denn wer garantiert uns zurzeit, dass solche Informationen, geplant oder als Folge von Sicherheitslücken, auch zur gezielten Wirtschaftsspionage eingesetzt werden?

PRISM gefährdet Umsätze im Cloud-Computing

Die wirtschaftlichen Folgen der NSA-Affäre werden auch innerhalb der EU-Verwaltung ernst genommen und diskutiert. Immerhin handelt es sich bei den meisten großen Internetunternehmen um Konzerne aus den USA. Diese beginnen nun allmählich, sich um ihre künftigen Umsätze zu sorgen. Die EU-Vizepräsidentin Neelie Kroes, die als EU-Kommissarin gleichzeitig auch für die Digitale Agenda zuständig ist, sieht bereits ernsthafte Einschränkungen in Bezug auf die Umsätze von Unternehmen, die sich mit Cloud-Technologie beschäftigen.

Die Europa-Politikern warf kürzlich die Frage auf: „Warum würden Sie jemanden dafür bezahlen wollen, dass er Ihre geschäftlichen oder sonstigen Geheimnisse hütet, wenn Sie vermuten oder wissen, dass sie gegen Ihren Willen weitergegeben werden? Die Cloud hat viel Potenzial. Aber das zählt wenig in einer Atmosphäre des Misstrauens.“

Die Folgen dieses Misstrauens zeichnet Kroes recht drastisch. Sie sieht das Risiko, dass europäische Kunden der US-Regierung nicht glauben könnten, wenn diese die Sicherheit der Daten garantiert. Ein Verlust des Vertrauens in die amerikanischen Cloud-Anbieter könnte nach der Auffassung der Politikerin Konsequenzen im Bereich von mehreren Milliarden Euro haben.

Einen möglichen Ausweg sieht die EU in der Förderung europäischer Cloud-Dienstleister. Diese könnten die aktuelle Unsicherheit in Wirtschaft und Bevölkerung nutzen und Programme mit einem besseren Schutz der Privatsphäre anbieten. Allerdings ist die konkrete Rolle der einzelnen EU-Staaten innerhalb der NSA-Affäre derzeit noch sehr unklar. Bereits bekannt sind die Abhörprogramme aus England und Frankreich, deren Umfang kaum hinter dem US-amerikanischen Vorbild zurück bleibt. Und auch in Bezug auf die Rolle der deutschen Geheimdienste hat die Affäre wohl kaum ihren Höhepunkt erreicht.

Für Unternehmer und für Privatleute heißt es deshalb, sich auch selber um den Schutz ihrer sensiblen Daten vor Geheimdiensten und Konkurrenten zu kümmern. Unsere 4 Praxistipps helfen Ihnen dabei, sich und Ihre vertraulichen Informationen vor dem Zugriff Unberechtigter zu schützen.

Tipp 1: Entwickeln Sie mehr Sensibilität für Datenschutz

Unter Unternehmern und Verbrauchern hat sich eine große Sorglosigkeit in Sachen Datenschutz breit gemacht. Man will nur ungern auf die Bequemlichkeit bestimmter Kommunikationsgewohnheiten verzichten und verdrängt den Gedanken daran, dass Daten, teilweise mit erheblichen Konsequenzen, in die Hände Dritter geraten können. Sensibilisieren Sie sich für das Thema Datenschutz und machen Sie sich einmal gründlich Gedanken darüber, an welchen Stellen Sie ganz persönlich unvorsichtig und leichtsinnig mit Daten und Informationen umgehen.

Tipp 2: Vertrauliche Informationen gehören nicht in die Cloud

Ebenso wenig, wie Sie sensible Daten unbeaufsichtigt auf Ihrem Schreibtisch herumliegen lassen, gehören vertrauliche Informationen über Ihr Unternehmen in die Cloud. So bequem es auch sein mag, anderen Personen auf einfache Weise Zugriff zu bestimmten Informationen gewähren zu können und selber von jedem Ort und Gerät aus mit Unternehmensinformationen arbeiten zu können: Sie können bei dieser Vorgehensweise nicht ausschließen, dass Unbefugte „mitlesen“ und Ihre Daten unkontrolliert in die falschen Hände geraten.

Tipp 3: Sensible E-Mails sollten verschlüsselt werden

Wenn Sie im Geschäftsleben etwas Vertrauliches mitzuteilen haben, dann wählen Sie ganz sicher keine Postkarte, sondern einen verschlossenen Brief. Bei einer E-Mail handelt es sich allerdings in Bezug auf die Vertraulichkeit und Sicherheit um nichts anderes als eine Postkarte. Und während die Postkarte maximal von einem Mitarbeiter der Post, einem Briefträger oder einem Nachbarn gelesen werden könnte, stehen Ihre E-Mail-Inhalte mehr oder weniger jedem Menschen auf der Welt offen zur Verfügung. Nutzen Sie deshalb, vor allem für vertrauliche Informationen, verschlüsselte E-Mails.

Tipp 4: Ein spurenarmer Umgang mit dem Web schützt vor Risiken

Führen Sie sich vor Augen, dass alles, was Sie im Internet tun, Spuren hinterlässt und Rückschlüsse auf Ihre Person zulässt. Einen Ausweg bietet hier ein besonders spurenarmes Surfen. Nutzen Sie die Sicherheitseinstellungen Ihres Browsers, machen Sie sich mit Alternativen Recherchewegen vertraut, die Ihre IP-Adresse nicht übertragen, und machen Sie sich mit den Möglichkeiten des anonymen Surfens vertraut.

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.