Verpackungsverordnung: Mit der Lizenz zum Verpacken

VerpackungenDie Deutschen gelten als „Müllweltmeister“ – nicht zu Unrecht, schließlich ist das Abfall-Entsorgungssystem hierzulande weit ausdifferenziert und gilt als beispielgebend für andere Länder. Die Verpackungsverordnung allerdings, die viele Online-Händler vor das ein oder andere Rätsel stellt, geht auf eine Richtlinie des EU-Parlaments zurück. Sie zielt auf die Vermeidung von Verpackungsabfällen und nimmt die Verursacher in die Pflicht: Wer als Hersteller oder Händler Verpackungen benutzt, die letztendlich beim Endkunden in dessen gelbe Tonne oder gelben Sack wandern, muss seinen Anteil für diesen Schritt der Abfallentsorgung beitragen. Zu den von diesen Regeln betroffenen Unternehmern gehören auch Online-Händler: Die allermeisten Produkte werden in Kartons oder ähnlichen Verpackungen versendet. Das Kalkül hinter der gesetzlichen Regelung: Hersteller und Vertreiber werden für höchste Kosteneffizienz sorgen und daher überflüssige Abfälle vermeiden.

In der Praxis funktioniert die Kostenbeteiligung über ein Lizenzierungssystem bei verschiedenen Anbietern sogenannter Dualer Systeme. Dort müssen Hersteller und Händler anmelden, wie viele Mengen an Papier und Pappe, Folien und anderen Verpackungsprodukten sie über einen gewissen Zeitraum, meist ein Jahr, voraussichtlich verbrauchen werden. Für diese Mengen ist eine bestimmte Gebühr fällig, aus der die bundesweit flächendeckende Abfallentsorgung mitfinanziert wird. Viele „klassische“ Anbieter Dualer Systeme sind allerdings vorrangig auf Großkunden ausgerichtet. Es gibt jedoch auch Anbieter, die gerade auf die kleineren Händler und Spezialversender konzipierte Produkte entwickelt haben*.

Ein Verstoß gegen die Lizenzierungspflicht kann übrigens teuer werden: Es drohen Abmahnungen durch Wettbewerber und ein Verkaufsverbot in Deutschland. Zudem stellt das Versäumnis eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro geahndet werden kann. Außerdem ist eine Nachlizenzierung fällig, die wiederum mit erhöhten Kosten einhergeht. Dennoch gehen Branchenexperten davon aus, dass sich viele Online-Händler aus Unkenntnis nicht an einem Dualen System beteiligen.

Eine weitere Klippe für Versandhändler ist das Elektrogesetz – denn aus jedem neuen Elektrogerät wird am Ende seiner Lebenszeit Elektroschrott. Auch hier greift das Verursacherprinzip, das Elektrogesetz regelt also (unter anderem), wer für die Entsorgung des Elektroschrotts die finanzielle Verantwortung übernehmen muss. Zunächst sind grundsätzlich die Hersteller an der Reihe: Sie müssen sich bei der zuständigen Behörde, der Stiftung Elektro-Altgeräte Register (EAR), registrieren, eine insolvenzsichere Garantie hinterlegen, Abholanordnungen der EAR erfüllen, ihre Geräte kennzeichnen und die WEEE-Reg.-Nr. in den Geschäftsunterlagen angeben. Aber sobald Händler importierte Produkte in Deutschland anbieten oder Geräte anderer Anbieter unter eigenem Namen weiterverkaufen, müssen sich auch die Händler den Anforderungen des Elektrogesetzes stellen.

 

* darunter beispielsweise das Kölner Entsorgungsunternehmen Zentek mit seinem zmart24-System

 

Über den Autor

Gastautor Nikolas Berger

Artikel des Autors

Nikolas Berger ist Leiter E-Commerce bei Zentek. Zentek betreibt das Portal www.zmart24.de, über das Händler Verpackungen lizenzieren und die EAR-Anmeldung vornehmen können. Das Portal ist wie ein Online-Shop gestaltet, um so die Komplexität möglichst zu reduzieren: Händler können ihre individuellen Lizenzierungskosten direkt online sehen und anschließend einfach, schnell und bequem einen entsprechenden Vertrag abschließen. zmart24 übernimmt anschließend alle weiteren Schritte.