Shareconomy: Modetrend oder nachhaltiger Paradigmenwechsel?

Was die Gründerszene schon seit Langem bewegt, scheint nun auch in der breiten Öffentlichkeit angekommen zu sein: Teilen statt besitzen. Nirgendwo wurde das in diesen Tagen deutlicher als auf der weltgrößten IT-Messe CeBIT, die vom 5. bis 9. März 2013 in Hannover stattfand und das Kofferwort „Shareconomy“ zu ihrem Leitmotto erhob.


Das Internet mit seinen neuen Möglichkeiten ist doch tatsächlich zur Inspirationsquelle einer ganzen Branche geworden. Das sollte clevere Geschäftsgründer hellhörig machen. Wenn die Wirtschaft plötzlich dieses Thema entdeckt, lässt sich erahnen, welche Potenziale die „Shareconomy“ für Start-ups noch birgt. Klar – auf der CeBIT ging es vor allem darum, Systeme zu verkaufen, die Shareconomy technisch unterstützten. Also Sicherheitskonzepte, die Missbrauch eindämmen und Hochleistungsrechenpower und Speichersysteme, welche die anfallenden Datenmengen bewältigen. Doch die CeBIT brachte das Thema endgültig ins breite öffentliche Bewusstsein. Angehende Gründer, die nach einer geeigneten Geschäftsidee suchen, sollten die Gunst der Stunde nutzen, denn sie liegen mit Shareconomy-Projekten jetzt voll im Trend, da etablierte Unternehmen damit beginnen, auf den „Shareconomy-Zug“ aufzuspringen.

Was an Dienstleistungen und Dingen wie geteilt wird, ist im Prinzip zweitrangig. Das können Autos sein, private Unterkünfte, Büroräumlichkeiten, Hard- und Software oder Dinge des täglichen Lebens, die man nur gelegentlich braucht. Portale, auf denen man Dinge ausleihen oder mit anderen teilen kann, werden immer populärer. Zurzeit lässt sich schwer abschätzen, wohin die Reise letzten Endes gehen wird. Das Thema wird die Medien aber mit Sicherheit noch eine ganze Weile beschäftigen. Für Existenzgründer ist die Zeit günstig wie nie, denn es wird leichter, Geldgeber für Geschäftsgründungen in der Welt der Teilen-Ökonomie zu begeistern. Wie bei allem ist auch hier eine gute und durchdachte Geschäftsidee der Schlüssel zum Erfolg.

 

Webhosting – Hardwaresharing der ersten Stunde

In der IT-Welt ist Sharing längst ein alter Hut, auch wenn Sharing nicht im Sinne von Shareconomy wahrgenommen wurde. In gewisser Hinsicht ist Webhosting eine Art Vorläufer des Sharing-Geschäftsmodells und für die meisten Website-Betreiber die Normalität schlechthin. Da der Betrieb eines eigenen Internetservers für Privatanwender und kleine Unternehmen viel zu aufwendig wäre, mieten sie sich bei sogenannten Webhostern benötigte Rechnerleistung und Speicherkapazität, um die eigene Website zu betreiben. Das ist nicht nur bequemer, sondern auch erheblich wirtschaftlicher. Bezahlt wird für die Nutzung, das heißt, den Speicherplatz und die Häufigkeit von Seitenaufrufen durch Website-Besucher. Die Nutzer teilen die Rechner- und Speicherkapazität des Anbieters mit vielen anderen Website-Betreibern und sparen dadurch Zeit und Geld. Webhosting ist somit eine Art von Cloud-Dienst der ersten Stunde. Webhoster gibt es jedoch inzwischen wie Sand am Meer. Gründer, die damit Geld verdienen möchten, müssen spezielle und attraktive Zusatzangebote bieten, um am Markt erfolgreich zu bestehen.

Viel interessanter ist es, Cloud-Dienste zu entwickeln. Software-as-a-Service (SaaS) bietet neben webgestützter Software auch Speicherplatz, um generierte Daten zu archivieren, die bei Bedarf jederzeit abgerufen werden können. Die Vorteile von SaaS-Systemen liegen klar auf der Hand. Wieso Hardware und Software anschaffen, die gewartet und regelmäßig upzudaten ist, um Anwendungen zu nutzen? Immer mehr Anwender stellen sich diese Frage, denn eine betriebswirtschaftliche Anwendung oder ein Redaktionssystem inklusive Datenhaltung kann genauso gut in der Cloud genutzt werden. Während sich Entscheider in großen Unternehmen noch zurückhalten, sind Freiberufler und kleine Unternehmen hier schon sehr viel weiter, indem sie kaufmännische Prozesse komplett in die Cloud auslagern. Hier steckt ein ungeheures Potenzial. Wem es gelingt, Sicherheitsbedenken zu zerstreuen und glaubwürdige Konzepte vorweist, die missbräuchliche Datennutzung sicher ausschließen, wird hier sehr erfolgreich sein.

 

The trend is your friend

Shareconomy umfasst mehr als nur Cloud-Dienste. Autos, Designerkleidung, Büroräume – alle Dinge, deren Kauf oder Miete mit hohen Kosten verbunden ist, kann durch Sharing einem viel größeren Personenkreis zugänglich gemacht werden. Für Stadtbewohner, die nur gelegentlich – vielleicht nur stundenweise – ein Auto benötigen, ist Carsharing ideal. Man muss das Auto nicht besitzen, um es zu nutzen, sondern teilt es einfach mit anderen. Im Gegensatz zur klassischen Autovermietung sind Carsharing-Konzepte durch intelligentes Management von Ressourcen wesentlich flexibler und auch kostengünstiger. In ähnlicher Weise teilen sich Freiberufler Büroarbeitsplätze in Coworking Spaces oder tauschen und teilen Reiselustige ihre Wohnung mit Gleichgesinnten auf der ganzen Welt.

Auch wenn der „Spirit“ der sozialen Netzwerke die Ökonomie des Teilens maßgeblich beeinflusst hat, steckt dieses Wirtschaftskonzept noch in den Kinderschuhen. Durch Großveranstaltungen wie die CeBIT ist es jetzt endgültig im Mainstream angekommen und auf jeden Fall ein megastarker Trend, der Existenzgründern viel Geschäftspotenzial bietet.

 


 

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.