Rücksendungskosten im Online-Handel zukünftig vom Käufer zu tragen?

Bisher war es eine beliebte Praxis bei Online-Shoppern: Man bestellt zum Probieren und Testen einfach mal ein bisschen mehr, schließlich kann man ja alles kostenfrei wieder zurückschicken, was nicht passt oder nicht gefällt. Doch das könnte für die Kunden schon bald eine teure Angelegenheit werden. Oder müssen Online-Händler doch eher mit einem Einbruch der Bestellungen rechnen?

Rücksendungskosten im Online-Handel zukünftig vom Käufer zu tragen

Bereits im Dezember 2011 trat die EU-Richtlinie über die Rechte der Verbraucher (2011/83/EU) in Kraft, die zwei ältere Richtlinien zum Verbraucherschutz ersetzt und Regelungslücken beseitigen soll. Ziel ist die Schaffung eines hohen, einheitlichen Verbraucherschutzniveaus in der gesamten Union. Die zweijährige Frist zur Umsetzung der Richtlinie durch die nationalen Gesetzgeber läuft Ende dieses Jahres aus. Bereits im vergangenen Jahr wurde durch Inkrafttreten der sogenannten „Button-Lösung“ in einem ersten Schritt mit der nationalen Umsetzung der EU-Richtlinie durch den deutschen Gesetzgeber begonnen.

Rücksendungskosten bei Widerruf nicht mehr zwingend vom Verkäufer zu tragen

Eine weitere wichtige Neuerung, die sich durch die EU-Richtlinie in diesem Jahr ergeben wird, betrifft die Rücksendungskosten im Falle eines Widerrufs sowie die Erklärung des Widerrufs an sich. Die Kosten für Rücksendungen sind in Zukunft vom Verbraucher zu tragen, sofern sich nicht der jeweilige Verkäufer zur Übernahme dieser Kosten bereit erklärt. Dies war bislang nur im Rahmen der sogenannten 40-Euro-Klausel möglich. Zu beachten ist hier jedoch, dass Verbraucher bei Vertragsabschluss durch den Verkäufer darüber zu informieren sind, dass Sie die Rücksendungskosten im Falle eines Widerrufs zu tragen haben. Während letzterer bisher nach deutschem Recht durch die bloße Rücksendung der Ware erklärt werden konnte, soll nach Umsetzung der Richtlinie 2011/83/EU künftig die Abgabe einer eindeutigen Widerrufserklärung durch den Verbraucher nötig sein, um sein Widerrufsrecht auszuüben. Hierfür soll es jedoch ein standardisiertes Widerrufsformular geben.

Online-Händler machen Retouren größtenteils kostenpflichtig

Retouren kosten Online-Händler viel Geld, im Schnitt mehr als 10,00 Euro. Im Ernstfall können sich diese Rücksendungskosten zu einer akuten Gefahr für das Unternehmen entwickeln. Aus einer Untersuchung der Universität Regensburg geht laut Spiegel hervor, dass 40 Prozent der Kunden bei einer Bestellung schon eine Rücksendung einkalkulieren. Daher planen mehr als drei Viertel der deutschen Versandhändler, mit Inkrafttreten der neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen die Kosten für diese Retouren an den Besteller weiterzugeben.

Fazit

Mit der vollständigen Umsetzung der EU-Richtlinie über die Rechte der Verbraucher werden sich weitreichende Änderungen in Bezug auf das Bestell- und Rücksendeverhalten der Verbraucher ergeben. Für Online-Händler bringt dies zwar den Vorteil mit sich, dass das Retouren-Risiko zukünftig kalkulierbarer sein wird bzw. die Retourenquoten deutlich zurückgehen könnten. Allerdings könnten die neuen Bestimmungen auch einen Rückgang der Bestellungen bedeuten. Das Online-Bestellverhalten der Verbraucher dürfte sich langfristig wandeln. Online-Käufer werden sich genauer überlegen, was sie bestellen wollen und was nicht. Unter Umständen wird sich aber auch ein anderer Trend im Konsumentenverhalten noch weiter verstärken: dass sich Verbraucher verstärkt im lokalen Einzelhandel mit den Produkten befassen bzw. beraten lassen und anschließend online bestellen.

Durch die neuen Regelungen besteht für Online-Händler jedoch auch die Möglichkeit, durch den Service-Gedanken bei bestehenden und potenziellen Kunden zu punkten, indem man weiterhin an kostenfreien Rücksendungen, generell oder in vorher festgelegten Fällen, festhält.

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.