Gerüchte um Google: Plant die Suchmaschine den Einstieg in den E-Commerce?

Unternehmen von der Größe Googles provozieren geradezu Gerüchte um neue strategische Pläne und Innovationen. Wer die Szene um die Suchmaschine in den letzten Jahren aufmerksam beobachtet hat, der konnte allerdings häufig feststellen, dass es sich bei vielen Mutmaßungen um weitaus mehr als nur unhaltbaren Klatsch und Tratsch gehandelt hat.

Plant Google den Einstieg in den E-Commerce

Google sucht aktiv nach schwarzen Schafen im Online-Handel

Bei Google ist im Zusammenhang mit dem Online-Handel aktuell einiges in Bewegung. Werfen wir zunächst einen kurzen Blick auf das, worauf sich Internetunternehmer in Kürze einstellen müssen, wenn sie ihr gutes Ranking nicht verlieren wollen. Google plant nämlich ganz offensichtlich, die Seiten von Online-Händlern künftig auch vor dem Hintergrund ihrer Zuverlässigkeit und Seriosität zu bewerten.

Bei dieser Meldung handelt es sich keineswegs um ein Gerücht. Vielmehr stammt diese Information direkt von Matt Cutts selber, dem Google-Qualitätsmanager. Cutts hatte anlässlich eines Vortrags auf der SXSW Conference in Texas kürzlich verkündet, Google wolle in der nahen Zukunft schlechte Online-Händler mit einem schlechteren Ranking bestrafen. Web-Verkäufer, die ihren Kunden Anlass zur Unzufriedenheit geben, sollen auf den Suchergebnisseiten weiter unten angezeigt werden als ihre besser arbeitenden Mitbewerber.

Selbst wenn man ein entsprechendes Vorgehen grundsätzlich für begrüßenswert hält und hierzu vor allem das Interesse der Verbraucher in den Mittelpunkt stellt, dann kommt doch die Frage auf, woran Google denn künftig die schwarzen Schafe unter den Online-Händlern erkennen will. Natürlich hat Matt Cutts hierzu keine näheren Auskünfte gegeben. Schließlich lässt sich Google, gerade in Bezug auf Neuentwicklungen, nicht gerne allzu tief in die Karten schauen.

So versucht die Suchmaschine schlechte Händler zu identifizieren

Werfen wir dennoch einen Blick auf die theoretischen Möglichkeiten, anhand derer Google Rückschlüsse auf die Qualität eines Händlers ziehen könnte. Letztlich bleibt immer nur die automatisierte Betrachtung und Analyse der jeweiligen Webseiten, denn natürlich wird Google selber kaum Testbestellungen durchführen, um die Performance von Händlern zu testen.

Möglich wäre beispielsweise, dass Google anhand eines Langzeit-Trackings ermittelt, wie hoch der Anteil an Stammkunden bei einem Shop ist. Kehrt ein Besucher über einen längeren Zeitraum immer wieder zu einem Anbieter zurück, dann kann man daraus schließen, dass er mit den Leistungen des Online-Händlers zufrieden ist. Eine weitere Methode könnte darin bestehen, die Barrierefreiheit eines Web-Shops zu ermitteln und sie als Kennzeichen dafür zu interpretieren, dass sich ein Anbieter besonders gewissenhaft um seine Interessenten und Kunden kümmert.

Auch das Vorhandensein von vielen bekannten Markenprodukten im Sortiment könnte Google einen Hinweis auf eine erfolgreiche Marktposition und eine seriöse Handlungsweise geben. Darüber hinaus könnte auch die technische Ausstattung von Shops analysiert werden. Anbieter, die ihre Kunden mit Wunschlisten, Coupons, Gutscheinen, Verbraucherforen oder innovativen technischen Funktionen versorgen, könnten so durch Google besser bewertet werden.

Online-Händler sollten sich also bereits jetzt darauf einstellen, dass der Kampf um ein gutes Ranking bei Google im E-Commerce künftig deutlich härter werden könnte. Bereits heute sind große Händler und Konzerne deutlich im Vorteil, wenn es um Webseiten geht, die konsequent auf die Anforderungen der Suchmaschinen optimiert werden. Leider spielt hier das Budget, das ein Unternehmen in entsprechende Maßnahmen investieren kann, eine große und entscheidende Rolle.

In diesem Zusammenhang wird sich Google allerdings bald fragen lassen müssen, wie es um die vielzitierte Netzneutralität bestellt ist. Gerade als Monopolist müsste der Suchmaschinengigant im Prinzip alle Anbieter im Web gleich behandeln und keineswegs diejenigen bevorzugen, die es sich wirtschaftlich leisten können, teure Experten damit zu beauftragen, ihre Seiten ständig auf einem (suchmaschinen)optimalen Stand zu halten.

Steigt Google in absehbarer Zeit selber in den E-Commerce ein?

Während die neuen Pläne von Google bereits ausreichenden Zündstoff für kontroverse Diskussionen in der E-Commerce-Szene bieten, gehen einige Beobachter noch einen deutlichen Schritt weiter und sehen in der Konzentration der Suchmaschine auf den Online-Handel ein eindeutiges Anzeichen dafür, dass Google demnächst selber den Einstieg in den Handel mit Produkten im Internet planen könnte.

Anfang März hatte die Online-Plattform TechCrunch entsprechende Mutmaßungen in Umlauf gebracht und sich dabei auf zuverlässige Quellen berufen. Angeblich plant der Suchmaschinengigant demnach, unter dem Arbeitstitel „Google Shopping Express“ in den E-Commerce einzusteigen und damit vor allem Diensten wie Amazon Prime Konkurrenz zu machen. Der Gedanke hinter dem Konzept soll darin bestehen, dass Nutzer künftig Produkte unmittelbar aus den Suchergebnissen heraus kaufen könnten.

Konkrete Anzeichen, die für entsprechende Pläne sprechen, könnten dabei die kürzlich erfolgten Übernahmen der beiden Unternehmen BufferBox und Channel Intelligence durch Google sein. BufferBox betreibt ein Netz mit Packstationen, während sich Channel Intelligence mit Systemen beschäftigt, die eine Artikelverwaltung über mehrere Shops hinweg ermöglichen. Darüber hinaus ist das Unternehmen im Bereich Tracking und Marketing für den E-Commerce tätig.

Würde Google ein entsprechendes Konzept umsetzen, dann könnte die Zahlung im Web über die eigenen Dienste Google Wallet und Google Checkout erfolgen. Führt man sich vor Augen, welch unermessliche Daten über das Einkaufs- und Surfverhalten einzelner Verbraucher dem Suchmaschinenriesen zur Verfügung stehen und wie tief die Einblicke des Konzerns in den internationalen E-Commerce sind, dann kann man sich leicht ausmalen, mit welchem Erfolg Google selber in den Online-Handel einsteigen könnte.

Bislang betrachten die meisten Online-Händler die Suchmaschine noch als fair handelnden Partner, der sie dabei unterstützt, im Internet gefunden zu werden. Das könnte sich schon bald ändern, wenn sich Google tatsächlich als marktbeherrschender Konkurrent im E-Commerce aufstellt.

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.