[Interview] Kopf schlägt Kapital – gelesen, gegründet, erfolgreich

Die Gründer von KoRo wurden vom Buch „Kopf schlägt Kapital“ des Gründerpapstes Prof. Dr. Faltin inspiriert und starteten damit erfolgreich den Handel mit haltbaren Lebensmitteln. Dabei setzen Constantinos Calios und Piran Asci auf Transparenz, Großpackungen und ein angemessenes Preis-/Leistungsverhältnis. Im Start-up-Interview erzählen sie ihren Weg vom Waschmittel- zum Lebensmittel-Händler.

KoRo-Gründer Constantinos Calios und Piran Asci

1. Herr Asci, wer sind Sie?
Ich heiße Piran und bin einer der beiden Geschäftsführer der KoRo Handels GmbH. Zu meinem Background: Ich habe Mathematik und BWL an der Freien Universität Berlin studiert und verantworte bei KoRo die Bereiche Einkauf, Marketing und Vertrieb.

2. Wie würden Sie KoRo selbst beschreiben?
KoRo ist eine vertikal integrierte Marke im Segment der haltbaren Lebensmittel, die durch Weglassen von Zwischenhandel Bauern und Kunden direkt zusammenbringt. Davon profitieren alle Beteiligten: Der Kunde erhält Qualitätsprodukte und spart Geld, die Bauern werden fair entlohnt und KoRo erzielt deutlich höhere Margen als klassische Händler.

3. Seit wann gibt es KoRo und was war der entscheidende Gründungsimpuls?
Die Idee zu KoRo entstand während des Studiums beim Lesen des Buches „Kopf schlägt Kapital“ von Günter Faltin. Ursprünglich boten wir Wasch- und Reinigungsmittel in Großpackungen an: Flüssigwaschmittel, Weichspüler, Spülmaschinentabs als Bruchware. Kanisterweise und direkt vom Hersteller. Die Produkte brachten wir über eBay, Amazon und den Online-Shop an den Mann. Schließlich kam der Frau von Kosta, Michelle, die Idee, naturbelassene Nüsse und Trockenfrüchte anzubieten. Im Einzelhandel seien diese oft geschwefelt und gezuckert. Ganz unkonventionell testeten wir dies. Wir fanden einen Importeur und listeten einige Food-Produkte, unter anderem Trockenfrüchte, Nüsse und Superfoods. Neben den Wasch- und Reinigungsmitteln sah das anfangs für den Kunden sicherlich merkwürdig aus, brachte uns jedoch eine wichtige Erkenntnis: Die Verkäufe der Food-Produkte waren besser als die Verkäufe der durch Marketing beworbenen Wasch- und Reinigungsmittel. So beschlossen wir den Pivot: Wir verkauften die Wasch- und Reinigungsmittel ab und konzentrierten uns ausschließlich auf Food. Zu Food-Experten wurden wir dann nach und nach mit der Zeit.

KoRo - vom Waschmittel- zum Lebensmittelhändler

4. Wo sehen Sie Ihr Alleinstellungsmerkmal (oder USP) gegenüber Ihren Mitbewerbern?
In erster Linie unterscheidet sich KoRo durch das ausschließliche Anbieten von Großpackungen, das attraktive Preis-Leistungsverhältnis und durch eine Bandbreite an exotischen Produkten wie Nussmuse aus Pistazie, Pekannuss und Macadamia von anderen Anbietern, sowie in der grundsätzlichen Kommunikation nach außen: Wir kommunizieren Preisänderungen offen und dokumentieren diese transparent auf den Produktdetailseiten der Produkte via Preisgraphen über Zeit. So kann jeder Kunde nachvollziehen, wann und wieso sich Preise erhöht haben oder gesunken sind. Dieser Transparenzgendanke ist tief in KoRos-DNA verankert. Intern unterscheiden wir uns durch das Zusammenspiel und die technologische Vernetzung von Einkauf und Marketing. Wir können mittels interner Tools nicht nur herausfinden, welche Produkte der Markt nachfragt, sondern haben einen Prozess entwickelt, der SOLL-Einkaufspreise und Absatzvolumina bis auf ein Delta genau prognostiziert. Das erleichtert uns die Arbeit immens und lässt uns unser Portfolio schnell skalieren. Im letzten laufenden Jahr haben wir so über 100 neue Eigenmarken-Produkte entwickelt und über 80 Bestandsprodukte vertikal integriert. Mittlerweile hat KoRo ein Netzwerk von über 1.000 Lieferanten bestehend aus Herstellern, Kooperativen und Importeuren.

5. Welches war die größte Herausforderung, die von Ihnen bewältigt werden musste?
Besonders schwierig für uns war sicherlich die Anfangszeit und später der Sprung von fünf auf 15 Mitarbeiter. In der Anfangszeit ist alles neu. Man ist Quasi-Selbstständiger und versucht, mit kleinsten Mitteln und strenger Liquiditätsplanung voranzukommen. Lange Nächte, ständiges Ausprobieren und die Unsicherheit trieben uns ständig um – wenn auch im positiven Sinne. Man weiß nie, was morgen ist. Später ist es umso wichtiger, nicht alles selbst erledigen zu wollen. Mitarbeiter erfordern Führung und Leadership. Das haben wir stark unterschätzt. Strukturen und Hierarchien, wo keine herrschten, werden notwendig, um skalierbar zu bleiben. Das erfordert Management-Fähigkeiten. Auch in diese mussten wir uns erst einmal einarbeiten. Für den Start haben wir uns durch Business Angels finanziert. In 2016 haben wir dann gezeigt, dass KoRo auf eigenen Beinen stehen kann. Wir haben die Marketingkosten zurückgefahren und erzielten mit unseren Stammkunden einen positiven EBIT. Ende 2016 haben wir dann die Social Chain Group beteiligt und sind seitdem auf Wachstumskurs.

6. Nach dem erfolgreichen Start: Wie schöpfen Sie neue Energie und Motivation für KoRo?
Ich glaube, dass man neue Energie und Motivation verstärkt in der Anfangsphase braucht. Diese sollte aus der gemeinsamen Vision geschöpft werden, die man als Unternehmen anstrebt. So ist das auch bei uns. Wir wollen Europas Nr. 1 im Online-Geschäft für haltbare Lebensmittel werden. Ab einem bestimmten Punkt siegt dann die Gewohnheit und tagtäglich 100% zu geben wird zur Normalität. Die Gewohnheit zahlt auch das Durchhaltevermögen ein. Das ist auch gut so, denn beim Aufbau eines Unternehmens gibt es Phasen, in denen es bergauf aber auch bergab geht, und gibt Tage mit mehr, aber auch Tage mit weniger intrinsischer Motivation. Ich habe drei Grundsätze, nach denen ich mich richte: 1. Bleib‘ neugierig. 2. Höre nie auf zu lernen. 3. Habe Mut! Ich frage mich dann ab und zu, ob ich den Werten entspreche und richte mein Handeln entsprechend danach aus.

KoRo-Mitgründer Piran Asci im internethandel-Interview

7. Welche Eigenschaften sollte ein Existenzgründer mitbringen und welche eigene Erfahrung würden Sie an andere Gründer weitergeben?
Was wir gesehen haben, sind Unternehmer und Gründer, die scheiterten, weil sie für die Gesellschaft auf Produktebene keinen Mehrwert boten. Man muss sich – und davon sind wir überzeugt – substanziell mit dem Kern des Produktes oder der Dienstleitung, die man anbietet oder anbieten möchte, auseinandersetzen, um im ersten Schritt einen Mehrwert zu erkennen und diesen dann im zweiten Schritt an den Kunden weitergeben zu können. Der Markenaufbau allein wird das Problem nicht lösen. Nicht umsonst ist der geschmacklich unnachgeahmte bekannte Schoko-Nuss-Aufstrich strategisch relevant für jeden Einzelhändler. Und nicht umsonst musste der bekannteste Energy-Drink-Hersteller preislich mit den Discounterprodukten mitziehen, weil diese nahezu identisch schmecken.

8. Wo sehen Sie zukünftig die größten Herausforderungen für KoRo und welche sind Ihre nächsten angestrebten Meilensteine?
Wir planen im nächsten Schritt die Produktpreise zu senken und den Einkaufsvorteil für den Kunden zu erhöhen. Aktuell operieren wir mit einer für den Handel überdurchschnittlichen Marge. Für den langfristigen Erfolg von KoRo ist es essentiell, den Einkaufsvorteil bis auf eine für den Handel üblichen Marge an den Kunden weiterzugeben. So grenzen wir uns von der Konkurrenz ab. Unser Ziel ist, unsere Produkte für den Kunden zum Einkaufs-“No-Brainer“ zu gestalten, sprich: dem Kunden ein derart attraktives Preis-Leistungsverhältnis zu bieten, dass man nahezu haltbare Lebensmittel bei KoRo beziehen muss. Das ist nicht so fanatisch gemeint, wie es sich liest – aber die Message ist klar. Für uns heißt das Preise senken, Neukundenakquise und weiter das Produktportfolio ausbauen. Um diese Strategie über eine gewisse Zeit halten zu können, planen wir Anfang Q4 eine Finanzierungsrunde. Wo wir uns in fünf Jahren sehen – das ist eine lange Zeit. Wir sind überzeugt, dass in fünf Jahren der Online-Anteil im Lebensmittelmarkt auf ein zweistelliges Niveau gestiegen ist und wir hoffen, dass wir mit KoRo wiederum einen wahrnehmbaren Teil davon einnehmen werden.

 

 


 

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.