Graph Search: Facebook wird zur Suchmaschine

Facebook hat das soziale Netz zu Anfang dieses Jahres um ein zusätzliches Feature erweitert. Ausgewählte Mitglieder in den USA können seitdem eine neue Suchfunktion nutzen, die unter dem Namen Graph Search eingeführt wurde. Im Laufe der nächsten Monate soll Graph Search weltweit ausgerollt werden. Wir untersuchen, was die Facebook-Suche für Unternehmen bedeutet.

Facebook Graph Search

Steht Graph Search in Konkurrenz zu Google?

Bei Facebook hinterlassen Nutzer Tag für Tag Unmengen an ganz persönlichen Daten: Wo wohne ich, wo habe ich studiert, was ist mein Lieblingsgericht, welche Filme mag ich, was mache ich bevorzugt in meiner Freizeit und mit welchen anderen Nutzern bin ich befreundet. Eigentlich ist es recht naheliegend, die zahlreichen gespeicherten Daten durchsuchbar zu machen. Und genau dazu hat sich Facebook vor kurzer Zeit entschieden.

Mit Graph Search wird es möglich sein, innerhalb des sozialen Netzes auf recht kreative Weise zu suchen. Beispiele für solche Suchvorgänge sind unter anderem: „Welcher meiner Freunde wohnt in derselben Stadt wie ich und besucht gerne dasselbe Restaurant“ oder „Welche meiner Familienmitglieder mögen ähnliche Filme wie ich“. Facebook selber beschreibt seine Suchfunktion so:

„Graph Search is a new way for you to find people, photos, places and interests that are most relevant to you on Facebook.”

Der Algorithmus, der für die Verarbeitung einzelner Suchvorgänge verantwortlich ist, arbeitet dabei völlig anders, als es bei Google der Fall ist. Während sich die Google-Suche an sämtlichen Daten im Netz orientiert und versucht, Ergebnisse anzuzeigen, die im Verhältnis zur eigentlichen Suchanfrage die größte Relevanz aufweisen, greift Facebook Graph Search lediglich auf diejenigen Informationen zurück, die für den jeweiligen Nutzer sichtbar und verfügbar sind. Einbezogen werden also immer nur solche Daten, die entweder öffentlich sind, oder die mit dem Nutzer, der die Suche durchführt, bereits geteilt wurden.

In der ersten Version von Graph Search beinhaltet der Suchvorgang die vier Bereiche Menschen, Orte, Fotos und Interessen. Um auch Ergebnisse anzeigen zu können, die sich außerhalb von Facebook befinden, wurde eine Kooperation mit der Microsoft Suchmaschine Bing gestartet. Facebook-Chef Mark Zuckerberg, der Graph Search im Januar persönlich vorgestellt hat, glaubt nicht, dass Menschen künftig Facebook besuchen, um eine allgemeine Websuche durchzuführen:

„We don’t think a lot of people will come to Facebook to do web searches, but if we can’t find what you’re looking for, it’s good to have this.”

Auch wenn sich im ersten Schritt keine ernsthafte Konkurrenz zu Google abzeichnet: Ohne Zweifel entsteht mit Graph Search derzeit dennoch eine sehr wichtige zusätzliche Funktion im Web, die unter anderem auch großen Einfluss auf die Möglichkeiten und Chancen von Unternehmen haben wird.

Wie können Unternehmen von Graph Search profitieren?

Aus Unternehmersicht gibt es grundsätzlich zwei verschiedene Ansätze, mit denen sich Graph Search nach dem vollständigen Rollout nutzen lassen wird. Der aktive Ansatz ermöglicht es Unternehmen, durch eigene Suchanfragen zusätzliche Erkenntnisse über ihre Zielgruppen und Fans zu gewinnen. Der passive Ansatz besteht darin, dass Unternehmen und ihre Angebote und Leistungen innerhalb der Ergebnislisten auftauchen können, wenn Nutzer eine entsprechende Suchanfrage gestellt haben.

Im Hinblick auf die Bewertung der aktiven Nutzung von Graph Search durch Unternehmen muss man einschränkend anführen, dass hier lediglich auf Daten zurückgegriffen werden kann, die entweder öffentlich sind, oder mit dem Unternehmen bereits geteilt werden. Die Möglichkeiten, die sich hier ergeben, beschränken sich also in erster Linie auf Personen, die mit dem Unternehmen und seiner Facebook-Seite bereits freundschaftlich verbunden sind. Berücksichtigt man diese Einschränkung, dann eröffnet das Modell aber dennoch sehr interessante Optionen, um an vertiefte Informationen über die eigene Zielgruppe, ihre Gewohnheiten, Vorlieben und Wünsche zu gelangen.

Aus der passiven Nutzung, bei der es also darum geht, dass das eigene Unternehmen möglichst häufig angezeigt wird, wenn Facebook-Nutzer eine relevante Suche starten, ergibt sich eine völlig neue Anforderung für Unternehmen. Während fast jeder Internetunternehmer bereits spezifische Aktivitäten in Sachen Suchmaschinenoptimierung (SEO) betreibt, wird hier in sehr kurzer Zeit die Notwendigkeit einer Graph Search Optimierung (GSO) hinzukommen. So wie sich Betreiber von Webseiten und SEO-Experten weltweit ständig mit der Frage beschäftigen, welche Faktoren erfüllt werden müssen, um ein möglichst vorteilhaftes Ranking bei Google zu erreichen, wird sich künftig eine ganz neue Disziplin bilden. Diese wird sich mit der Frage beschäftigen, wie man es als gewerblicher Anbieter im Facebook-Index weit nach vorne bringt.

Bisher sind noch nicht allzu viele Details darüber bekannt, auf welche Weise Facebook innerhalb der Graph Search darüber entscheiden wird, welche Ergebnisse an welcher Position angezeigt werden. Allerdings kann man aus den bisher bekannten Informationen bereits einige grundlegende Rückschlüsse auf den Algorithmus ziehen. Fest steht: Unternehmen, die sich möglichst frühzeitig auf die neue Suchfunktion einstellen und ihre Aktivitäten entsprechend optimieren, werden sich einen deutlichen Startvorteil mit Langzeitwirkung erarbeiten.

Aus diesem Grund präsentieren wir Ihnen im Folgenden einige Tipps, die Ihnen dabei helfen, Ihr künftiges Ranking bei der Facebook Graph Search schon heute positiv zu beeinflussen.

Tipp 1: Vervollständigen Sie den Info-Bereich

Facebook Graph Search greift bei der Bearbeitung von Suchvorgängen auf öffentlich sichtbare oder geteilte Informationen zurück. Achten Sie unbedingt darauf, dass der Info-Bereich Ihres Facebook-Profils vollständig ausgefüllt ist. Tragen Sie nicht nur die Adresse, sondern auch Öffnungszeiten, Internetseiten und sonstige Daten ein, da diese die Voraussetzung dafür bilden, dass Ihr Profil bei Suchvorgängen durch Nutzer einbezogen und angezeigt wird.

Tipp 2: Generieren Sie so viele Aktivitäten wie möglich

Die Platzierung innerhalb der Facebook Suchergebnisse wird wesentlich vom Ausmaß der sozialen Aktivitäten auf Ihrer Seite abhängen. Je größer Ihre Fanbase ist und je intensiver Sie mit Ihren Fans interagieren, desto häufiger und prominenter werden Sie innerhalb der Ergebnisseiten auftauchen. Die Voraussetzung für eine hohe Aktivitätsrate ist dabei vor allem der Content, den Sie Ihren Fans bieten. Nur wenn Sie regelmäßig neue, aktuelle und interessante Inhalte generieren, haben Sie eine Chance auf eine hohe Aufmerksamkeit.

Tipp 3: Beanspruchen Sie Facebook-Orte

Die Graph Search basiert auf Menschen, Orten, Bildern und Interessen. Vor allem wenn Ihr Unternehmen einen lokalen Bezug hat, dann sollten Sie unbedingt darauf achten, dass die Ortsangaben zum Betrieb vollständig und korrekt ausgefüllt sind. Nur so haben Sie die Möglichkeit, dass Ihr Unternehmen bei der Suche nach Orten angezeigt wird. Sie haben darüber hinaus die Möglichkeit, einen bestimmten Facebook-Ort für sich zu beanspruchen. Diesen Vorgang bezeichnet man als Claiming. Hierbei weisen Sie gegenüber Facebook anhand von Dokumenten wie einer Telefonrechnung, einer Stromrechnung oder eines Handelsregisterauszuges nach, dass Sie der tatsächliche und rechtmäßige Besitzer eines Facebook-Ortes sind.

Tipp 4: Setzen Sie auf Grafiken und Bilder

Die Facebook Graph Search referenziert besonders stark auf den geteilten oder öffentlichen Fotos der Freunde eines suchenden Nutzers. Daher sollten Sie als Unternehmer darauf achten, möglichst häufig mit tatsächlich hochgeladenen Abbildungen und nicht mit Links zu Bildern zu arbeiten. Diese tauchen auf den Ergebnisseiten der Facebook-Suche unmittelbar auf und erhöhen die Wahrscheinlichkeit auf einen Klick durch den Nutzer erheblich.

Tipp 5: Optimieren Sie Ihr Ranking bei Bing

Um auch Ergebnisse anzeigen zu können, die außerhalb von Facebook generiert wurden, hat Graph Search die Microsoft Websuche Bing integriert. Bing Ergebnisse werden zum Beispiel immer dann angezeigt, wenn die Graph Search selber keine internen Treffer bei Facebook gefunden hat. Vor diesem Hintergrund wird künftig die Optimierung von Internetseiten für Bing eine deutlich wichtigere Rolle spielen als bisher. Der vergleichsweise geringe Marktanteil des Google-Konkurrenten erlaubte es bislang, auf eine eigenständige Optimierung zu verzichten. Durch Facebook Graph Search ändert sich das jetzt. Beschäftigen Sie sich daher frühzeitig mit den Möglichkeiten, das Ranking Ihrer Seiten bei Bing zu verbessern.

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.