Finanzierungsmöglichkeiten für Jungunternehmer

Ein neu gegründetes Unternehmen braucht erst einmal eins: Die nötige finanzielle Ausstattung, um die Geschäftstätigkeit überhaupt aufnehmen zu können. Die wenigsten Jungunternehmer verfügen ohne fremde Hilfe über die passenden Finanzierungsmöglichkeiten. Geholfen werden kann ihnen durch private Geldgeber oder durch den Staat. Besonders interessant sind die staatlichen Förderungen, die sich zum einen auf die Gewährung von Steuervorteilen, zum anderen auf Fördergelder beziehen. Doch nicht jeder Existenzgründer hat Anspruch auf alle Optionen.

 

Finanzierungsmöglichkeiten

Staatliche Förderungen für Existenzgründer

Der Staat hat verschiedene Möglichkeiten, um Jungunternehmer zu fördern. Am begehrtesten sind Fördergelder, deren besonderer Reiz darin besteht, dass sie vom Empfänger nicht oder nur teilweise wieder zurückbezahlt werden müssen. Für diese sind jedoch bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen. Wer sich nicht für diese Fördergelder qualifiziert, kann zinsgünstige Kredite durch den Staat erhalten. Ausgeschüttet werden diese durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) über spezielle Programme. Die staatlichen Förderungen sind im Einzelnen:

  • Steuervorteile wie der Investitionsabzug
  • Existenzgründerzuschuss vom Arbeitsamt
  • Förderung von Krediten und Darlehen
  • Zuschuss für Coaching und Beratung

Der Staat gewährt Steuervorteile

Jungunternehmer können sich bestimmte Steuervorteile sichern. Diese helfen ihnen vor allem im ersten Jahr ihres Bestehens dabei, über die nötigen Kapitalreserven zu verfügen. So kann beispielsweise der Investitionsabzug genutzt werden, der es ermöglicht, bis zu 40 Prozent zukünftiger Ausgaben bereits im ersten Geschäftsjahr steuerlich geltend zu machen. Später steigt dadurch zwar die Steuerlast, doch gerade in der schwierigen Gründungsphase stellt der Investitionsabzug eine große Hilfe dar. Mit einer Software für Finanzbuchhaltung können die notwendigen Berechnungen ohne größere Probleme erstellt werden.

Existenzgründerzuschuss von der Agentur für Arbeit

Von der Agentur für Arbeit können Jungunternehmer ein halbes Jahr lang den Existenzgründerzuschuss in Höhe des Arbeitslosengeldes I plus 300 Euro für die Sozialabgaben erhalten. Zudem besteht die Möglichkeit, die Pauschale von 300 Euro für weitere neun Monate zu erhalten. Der Zuschuss der Agentur für Arbeit soll ehemaligen Arbeitnehmern die Möglichkeit geben, ihre Arbeitslosigkeit durch eine Existenzgründung zu beenden. Um den Existenzgründungszuschuss zu erhalten, muss deshalb ein Anspruch auf Arbeitslosengeld vorliegen, der  bei Antragstellung zudem noch 150 Tage Gültigkeit besitzt. Der Existenzgründer muss demnach mindestens einen Tag arbeitslos sein, um den Antrag auf Gründungszuschuss stellen zu können. Darüber hinaus muss der Existenzgründer die Tragfähigkeit seiner Geschäftsidee und Fachwissen in dem Gründungsgebiet nachweisen. Die Tragfähigkeit wird nachgewiesen, indem sie von der IHK, der zuständigen Handwerkskammer, einer Bank oder einem Unternehmensberater bestätigt wird. Es liegt allerdings im Ermessensspielraum des zuständigen Sachbearbeiters, ob er den Zuschuss gewährt oder nicht. Wer allerdings einen durchdachten und detaillierten Geschäftsplan vorlegt, hat gute Chancen auf den Gründungszuschuss.

Darlehens- und Kreditförderungen durch den Staat

Abgesehen von den Lebenshaltungskosten bedarf ein Existenzgründer in fast allen Fällen Startkapital, für das oft Darlehen aufgenommen werden. Existenzgründer können dabei vom Staat geförderte Darlehen zu besonders günstigen Konditionen erhalten. Die Förderung erfolgt über die KfW.

Um ein gefördertes Darlehen zu erhalten, ist ein Kreditantrag über die Hausbank zu stellen. Nachdem die KfW den Antrag geprüft hat, finanziert sie zu hundert Prozent die Investitionen. Ein Existenzgründerdarlehen der KfW ist äußerst lohnenswert, da die Darlehen zu sehr günstigen Zinsen vergeben werden und eine tilgungsfreie Anlaufphase von bis zu zwei Jahren beinhalten. Andere Fördermodelle sehen nur eine Teilfinanzierung vor, jedoch ist dabei ein tilgungsfreier Zeitraum bis zu sieben Jahr möglich. Für junge innovative Technologieunternehmen hat der Staat das Beteiligungskapital eingerichtet, das Investitionen in Forschung und Entwicklung erleichtern soll. Um das Beteiligungskapital von der KfW zu erhalten, benötigt die Jungunternehmer allerdings einen weiteren Kapitalgeber. Die KfW beteiligt sich dann zu den gleichen Konditionen wie der Leadinvestor.

Staatliche Beratungsförderung

Da nicht jeder Jungunternehmer über umfangreiches betriebswirtschaftliches Fachwissen verfügt, ist die Beratung oder auch ein Coaching durch einen Experten in den meisten Fällen sinnvoll. Der Experte kann die Geschäftsidee objektiv beurteilen und  steht dem Jungunternehmer beratend zur Seite. Da die Beratung durch einen Experten den Erfolg einer Existenzgründung maßgeblich beeinflussen kann, bezuschusst der Staat die Kosten für Beratung und Coaching im ersten Jahr der Selbstständigkeit. Den Zuschuss können sowohl Existenzgründer aus der Arbeitslosigkeit als auch Gründer, die vorher nicht arbeitslos waren, erhalten. Allerdings unterscheidet sich die Höhe des Zuschusses  für die beiden Zielgruppen. Der Staat erstattet Gründern aus der Arbeitslosigkeit 90 Prozent eines Beratungshonorars von maximal 4000 Euro. Existenzgründer, die sich nicht aus der Arbeitslosigkeit selbstständig machen, erhalten einen Zuschuss von 50 Prozent bei einem maximalen Honorar von 6000 Euro. Es werden jedoch nur allgemeine Unternehmensberatungen übernommen, Rechtsberatung, Steuerberatung oder andere Spezialgebiete hingegen nicht.

 

Über den Autor

Gastautor Jakob Ludwig

Artikel des Autors

Jakob Ludwig ist studierter Volkswirt und arbeitet derzeit als freischaffender Autor und Berufsberater im Onlinebereich für verschiedene Marketingagenturen und Firmenportale.