Eilmeldung: Die Amazon-Preisparität ist am Ende

Der Handelsriese Amazon ist aus einer ganzen Reihe von Gründen umstritten. Während die breite Öffentlichkeit vor allem am Umgang des Konzerns mit seinen Mitarbeitern Anstoß nimmt, war Online-Händlern hauptsächlich die sogenannte Preisparität ein Dorn im Auge. Diese schrieb Verkäufern auf dem Marktplatz vor, ihre Produkte auf keiner anderen Plattform günstiger anzubieten. Doch mit dieser Amazon-Richtlinie ist jetzt wohl endgültig Schluss.

Das Ende der Amazon-Preisparität

Die Preisparität als Marketing-Instrument zulasten der Händler

Amazon will gegenüber der Millionenschaft seiner Kunden vor allem eines sein: billig. Um dieses Ziel zu erreichen und dabei gleichzeitig auch direkt den Mitbewerb zu zügeln, hatte sich die Konzernleitung ein merkwürdiges Konzept einfallen lassen. Per Geschäftsbedingungen wurden dritte Verkäufer auf der Plattform nämlich gezwungen, ihre Produkte über keinen anderen Kanal günstiger anzubieten als bei Amazon. Diese Form des aktiven Einflusses auf die Preispolitik im E-Commerce ist für sich genommen schon eine seltsame Angelegenheit. Bedenkt man darüber hinaus, dass Verkäufer bei Amazon für die Teilnahme an dem Marktplatz erhebliche Gebühren entrichten müssen, dann gerät das Modell Preisparität endgültig zur Farce. Der Konzern verlangt seiner Händlerschaft damit außerordentlich hohe Provisionen ab und verhindert zusätzlich, dass sie diese über den Verkaufspreis wenigstens teilweise refinanzieren können.

Die öffentlichen Diskussionen über die Preisparität reihten sich in eine lange Serie von Auseinandersetzungen über Methoden, mit denen Amazon seine Marktmacht missbraucht. Von Seiten der Verlage wird das Versandhaus zum Beispiel immer wieder für seine überzogenen Rabattforderungen kritisiert, die für die Verlagshäuser mit Umsatzeinbußen verbunden sind, die teilweise nicht mehr finanzierbar sind. Auch der Umgang des Konzerns mit seinen Zustellern und die teilweise desolaten Arbeitsbedingungen im Logistikbereich brachten Amazon so manche negative Schlagzeile ein. Und viele politisch interessierte Zeitgenossen haben es dem Online-Riesen bis heute nicht verziehen, dass er Ende des Jahres 2010 die vertragliche Zusammenarbeit mit WikiLeaks kündigte. Die Enthüllungsplattform hatte die Amazon-Web-Services genutzt, um geheime Dokumente zu veröffentlichen.

In Bezug auf die Amazon-Preisparität sorgte die Empörung der Händler und der konkurrierenden Plattformen und Marktplätze für Widerstand. Während der Mitbewerber Hood.de Klage gegen den Konzern einreichte, nahm auch das Bundeskartellamt Ermittlungen auf, die jetzt zu einem ersten Ergebnis geführt haben.

Bundeskartellamt: Amazon muss endgültig Abstand von der Preisparität nehmen

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Denn wer hätte schon damit gerechnet, dass eine deutsche Behörde ernsthaft und entschlossen gegen die Interessen eines US-amerikanischen Multi-Konzerns vorgehen würde? Im Zuge seiner bisherigen Ermittlungen teilte das Bundeskartellamt jetzt mit, Amazon wolle die bisherige Preisparität gegenüber seinen Händlern auf dem Amazon-Marktplatz nicht mehr durchsetzen. Diese Mitteilung ist insofern glaubwürdig, als dass, zumindest für einen Teil der Händler, die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Plattform bereits entsprechend geändert wurden.

Die betreffenden Änderungen stammen vom 20. August 2013. Amazon versucht mit diesem Schritt innerhalb der sich anbahnenden Auseinandersetzung mit den deutschen Wettbewerbshütern einzulenken. Diese hatten im Rahmen ihrer Untersuchung vor allem auch zahlreiche Händler befragt. Dabei ging es nicht nur um direkte Erfahrungen mit dem Verkauf bei Amazon, sondern auch um allgemeinere, den Markt betreffende Fragen. So erkundigte sich das Bundeskartellamt unter anderem darüber, welche Produkte die Händler über welche Kanäle verkaufen, welche Vorteile der Verkauf bei Amazon gegenüber anderen Marktplätzen hat und ob sie ihre Waren dort günstiger anbieten würden, wenn ihnen Amazon das Recht darauf nicht streitig machen würde.

Der Dreh- und Angelpunkt in Bezug auf die Position des Bundeskartellamtes ist die Behinderung von Amazon-Konkurrenten. Gerade die neueren Marktplätze könnten ihren Händlern niedrigere Gebühren und Provisionen anbieten, um ihre Plattformen durch günstigere Preise in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Durch die Preisparität ist diese Möglichkeit allerdings blockiert, da die endgültigen Preise ohnehin nie den Amazon-Preis unterschreiten dürften. Die Wettbewerbsbehörde kritisierte dabei unter anderem, dass das Amazon-Modell auch zu einem höheren Preisniveau auf Kosten der Verbraucher führt.

Ganz ausgestanden ist die Auseinandersetzung über die Preisparität für Amazon aber noch nicht. Derzeit prüft das Bundeskartellamt, ob die bisherigen Änderungen an den Allgemeinen Geschäftsbedingungen ausreichen, um das Verfahren endgültig abzuschließen. Die Händler können in jedem Fall schon einmal aufatmen. Künftig spricht nichts mehr dagegen, die eigenen Angebote günstiger zu gestalten als bei Amazon.

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.