Der globale E-Commerce in Zahlen: Gute Zeiten für Cross-Border-Shops

Keine Frage: Als Online-Händler haben Sie sich für eine der am schnellsten wachsenden Branchen überhaupt entschieden und damit die Voraussetzungen für nachhaltigen und langfristigen Erfolg geschaffen. Doch wie stark wächst der E-Commerce eigentlich tatsächlich und in welchen Teilbereichen ist er besonders stark ausgeprägt? Wir sind diesen und anderen Fragen nachgegangen.

Globaler E-Commerce: Gute Zeiten für Cross-Border-Shops

Der Online-Handel als globale Branche

Stellen Sie sich in Gedanken einmal eine sehr steil ansteigende Treppe mit insgesamt 15 Stufen vor. Die erste Stufe steht für das Jahr 1999, die letzte für 2013.  Im ersten Jahr beträgt die Stufenhöhe moderate 12,5 Zentimetern und bereits im zweiten Jahr verdoppelt sie sich auf 25 Zentimeter. Das dritte Jahr zeigt wiederum eine Verdoppelung auf inzwischen 50 Zentimeter  und bis zum Jahr 2013 erreicht die Stufe ein schwindelnde Höhe von mehr als 3,3 Metern. Diese Konstruktion erscheint Ihnen aus bautechnischer Sicht unsinnig? Mit dieser Einschätzung haben Sie völlig recht.

Allerdings handelt es sich bei unserer Darstellung lediglich um eine Beschreibung der Steigerungsraten im deutschen E-Commerce von 1999 bis heute. Die 12,5 Zentimeter aus unserem Beispiel stehen für den E-Commerce-Umsatz im Jahr 1999, der damals 1,25 Milliarden Euro betrug. Für das Jahr 2013 prognostizieren Experten und Fachverbände ein Handelsvolumen in Höhe von 33,1 Milliarden Euro. Der wirtschaftliche Anstieg in dieser Branche verlief in den letzten 15 Jahren, so wie die Treppe aus unserem Bild, ausgesprochen steil und zudem auch noch konsequent kontinuierlich. Mit anderen Worten: Jahr für Jahr ist der Branchenumsatz ohne Ausnahme gestiegen. Stagnation oder Rückgang kamen bisher nicht vor.

Eine wesentliche Eigenschaft des Online-Handels ist allerdings dessen internationale Ausrichtung. Das Word Wide Web kennt, wie der Name schon sagt, keine nationalen Grenzen und in wohl kaum einer Branche sind die Voraussetzungen für den internationalen Handel so optimal wie im E-Commerce. Deshalb lohnt es sich, einen Blick auf die weltweite Umsatzentwicklung zu werfen und sich bei der Beurteilung dieses Wirtschaftszweiges nicht auf den deutschen Markt zu beschränken.

Betrachten wir also die globale Entwicklung der Umsätze im Online-Handel. Im Jahr 2012 erreichte die Branche ein weltweites Handelsvolumen in Höhe von 820,5 Milliarden US-Dollar. Dies entsprach, verglichen mit dem Vorjahr, einer Steigerung von 20,6 Prozent. Für das Geschäftsjahr 2013 wird ein Handelsumsatz von 963 Milliarden US-Dollar erwartet. Hier liegt die Steigerungsrate entsprechend bei 17,4 Prozent. Interessant in diesem Zusammenhang: Der Anteil an Einkäufen, die über mobile Endgeräte getätigt werden, steigt stetig an. Im Jahr 2012 machte der sogenannte M-Commerce 20,9 Prozent aus. Bis zum Jahr 2016 soll er jedoch nach Expertenmeinung auf 56,2 Prozent steigen. Für das Jahr 2016 wird ein E-Commerce-Gesamtumsatz in Höhe von 1.097 Milliarden US-Dollar erwartet. Der Anteil an mobilen Einkäufen soll dann also 617 Milliarden US-Dollar entsprechen.

Cross-Border-Shops: Das Ausland bietet interessante Perspektiven

Wir können also feststellen, dass für Online-Händler jenseits der nationalen Grenzen erhebliche zusätzliche Umsätze winken. Einzige Voraussetzung: Das eigene Geschäftsmodell muss dazu internationalisiert werden. Fachleute sprechen bei Verkaufsplattformen, die auch auf andere Länder ausgerichtet sind, von sogenannten Cross-Border-Shops. Wie bereits gesagt, ist der Aufwand der Internationalisierung im Online-Handel deutlich geringer als in anderen Branchen. Ein stationärer Händler müsste in einem anderen Land immerhin erst eigene Geschäfte eröffnen, um dort Umsätze tätigen zu können. Ihr eigener Online-Shop ist dagegen bereits jetzt von jedem beliebigen Land der Welt aus erreichbar.

Um nun auch tatsächlich Umsätze mit ausländischen Kunden zu erzielen, sind natürlich einige Anpassungen erforderlich. Den wichtigsten Aspekt bildet zunächst die Sprache. Ihre Shop- und Verbrauchertexte, die Produktbeschreibungen und andere Texte müssen hierzu in die Sprache des jeweiligen Ziellandes übersetzt werden. Diese Aufgabe ist nicht sonderlich komplex. Allerdings sind auch weitere Vorbereitungsschritte erforderlich. So muss unter anderem das aktuelle Sortiment auf seine Eignung in Bezug auf fremde Zielmärkte hin überprüft werden. Nicht jedes Produkt, das hierzulande ein Verkaufsrenner ist, lässt sich auch in anderen Ländern erfolgreich verkaufen.

Cross-Border-Shops: Erhebliche Umsätze winken jenseits der nationalen Grenzen

Auch in Sachen Marketing, Benutzerführung und hinsichtlich der angebotenen Zahlungssysteme kommt man bei der Internationalisierung nicht um bestimmte Anpassungen herum. Ein wichtiges Thema in diesem Zusammenhang ist die Suchmaschinenoptimierung. Außerdem müssen geeignete Strukturen der Kundenbetreuung in der jeweiligen Landessprache gebildet und logistische Lösungen gefunden werden.

All diese Vorbereitungsschritte sind zwar in ihrem Aufwand nicht zu unterschätzen, allerdings durchaus lösbar. Dies gilt umso mehr, als dass es mittlerweile eine ganze Reihe von qualifizierten Dienstleistern gibt, die sich darauf spezialisiert haben, Online-Händler bei der Internationalisierung zu unterstützen. Offen bleibt allerdings die Frage nach den rechtlichen Bestimmungen, die für den internationalen Handel gelten.

2014 wird das Jahr der europäischen Harmonisierung

Angesichts der Rechtslage können sich Online-Händler bei der Internationalisierung bislang noch eine ganze Reihe von Schwierigkeiten und Konflikten einhandeln. Diese basieren vor allem darauf, dass für Shops, die ihre Produkte gezielt ins Ausland verkaufen, in der Regel die rechtlichen Bestimmungen im Zielland gelten. Unter dem gezielten Verkauf versteht man dabei eine deutliche, klare und eindeutige Ausrichtung des Verkaufsangebotes auf ein bestimmtes Land.

Erkennbar wird diese Ausrichtung für den Verbraucher durch verschiedene Kennzeichen. Hierzu zählen zum Beispiel die Angabe der Versandkosten für das jeweilige Land, die Verwendung der Landessprache, die Nutzung einer ausländischen Top-Level-Domain, die Angabe einer Telefonnummer mit +49-Vorwahl oder die Nennung einer ausländischen Bankverbindung. Kommt es hier zu Auseinandersetzungen mit dem Besteller, dann gelten nicht nur die Gesetze des einzelnen Landes. Der Gerichtsstand liegt in diesem Fall in der Regel auch in dem Heimatland des Kunden und dies kann für den Online-Händler mit einem großen Aufwand und hohen Kosten verbunden sein.

Im kommenden Jahr wird sich die Lage allerdings zumindest in Bezug auf den europäischen Markt stark entspannen. Dann tritt nämlich die neue Verbraucherrechterichtlinie (VRRL) in Kraft, die einen Großteil der rechtlichen Bestimmungen, die innerhalb der Europäischen Union den Online-Handel regeln, harmonisiert. Shop-Betreiber mit einem Interesse am internationalen Verkauf sollten insofern besser abwarten, bis die Richtlinie in den jeweiligen Zielländern Gültigkeit erlangt hat. Die Zeit, bis es so weit ist, kann optimal genutzt werden, um den Shop für den internationalen Verkauf zu optimieren. In der Zwischenzeit können außerdem schon erste Gehversuche über die internationalen Angebote von Amazon oder eBay absolviert werden. So können sich Online-Händler und ihre Teams schrittweise auf die Internationalisierung vorbereiten.

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.