Studie: Digitales Deutschland 2013 – So nutzen die Deutschen Internetangebote

Das Marktforschungsunternehmen comScore hat vor kurzem unter dem Titel „Future in Focus – Digitales Deutschland 2013“ eine Studie veröffentlicht, die die aktuellsten Entwicklungen in der Nutzung digitaler Medien, sowie den Suchmaschinenmarkt, Social Media und E-Commerce in Deutschland und in Europa veranschaulicht. Die Untersuchung soll aber nicht nur Ergebnisse aus 2012 darstellen, sondern auch vermitteln, was diese für die Zukunft bedeuten. Wir haben die Erkenntnisse der Studie für Sie zusammengetragen.

Internetnutzung in Deutschland 2012

Mit 57,4 Millionen Internetnutzern, die im Schnitt mehr als einen Tag pro Monat im Word Wide Web verbringen, liegt Deutschland im europäischen Vergleich auf Platz 2. Größtes „Internet“-Land ist Russland. Im Schnitt verbringen die Europäer jeden Monat 27 Stunden im Internet. Etwas darunter, aber im Mittelfeld, liegen die Deutschen mit 24,6 Online-Stunden pro Monat. Spitzenreiter sind die Briten mit 37,3 Stunden Internetnutzung im Monat.

Mobile Internetnutzung in Deutschland steigt weiter

Die wachsende Nutzung mobiler Endgeräte fragmentiert das Angebot dabei zunehmend. Etwa jeder 10. Seitenaufruf in Deutschland kommt inzwischen von einem mobilen Endgerät. Auch wenn Deutschland noch hinter dem EU5-Durchschnitt (57%) liegt, so waren Ende 2012 mehr als die Hälfte aller genutzten Mobiltelefone schon Smartphones. Der Anteil der neu erworbenen Geräte lag im Jahr 2013 aber immerhin schon bei fast 80%. Der Anteil von Googles Betriebssystem Android stieg dabei stetig an. Mit der Verbreitung der Smartphones schreitet auch der M-Commerce in Deutschland voran: 14% der deutschen Nutzer dieser Geräte haben bereits ein Produkt oder einen Dienst über ihr Smartphone erworben. Bei iPhone-Nutzern ist diese Art des Einkaufens scheinbar besonders beliebt, denn hier liegt der Anteil sogar bei knapp einem Viertel. Interessant ist in diesem Zusammenhang sicher auch die Varianz der Endgerätenutzung über den Tag hinweg. Während um die Frühstückszeit im Schnitt die meisten Seitenaufrufe über Smartphones getätigt werden, erhält der PC bzw. das Notebook während der Arbeitszeit ganz klar den Vorzug. Am Abend greifen die Internetnutzer wiederum lieber zum Tablet. Auch die sozialen Netzwerke werden immer stärker mobil unterwegs genutzt. Bereits 8,4 Millionen Deutsche nutzen Social Media täglich über ihr Mobiltelefon. Insgesamt verbringen die Deutschen monatlich 244 Millionen Stunden mit der Nutzung von sozialen Netzwerken und Blogs. Damit liegt die Nutzungsdauer dieser Dienste vor der aller anderen Online-Angebote. Unter den meistbesuchten Webseiten befinden sich, wie zu erwarten war, solche Internetgrößen wie Google, Facebook, Amazon oder eBay auf den vorderen Plätzen. Mit der Deutschen Telekom, der Axel Springer AG und Hubert Burda Media befinden sich aber auch einige deutsche Unternehmen unter den Top 10. Die Anzahl der mobilen Online-Video-Nutzer hat sich in Deutschland 2012 mehr als verdreifacht, was sicher auch der rasanten Verbreitung von Smartphones und Tablets geschuldet ist.

Online-Suchverhalten in Deutschland

Sieht man sich die Anzahl der Suchanfragen je Suchmaschinennutzer an, so rangiert Deutschland mit 115 Suchanfragen pro Nutzer auf einem der hinteren Plätze, wobei das Feld hier insgesamt sehr dicht beieinander liegt. Spitzenreiter und einer der wenigen Ausreißer ist die Türkei, die mit 243 Suchanfragen je Nutzer weit über dem europäischen Durchschnitt von 138 Anfragen liegt. Bei den in Deutschland genutzten Suchmaschinen zeichnet sich, das dürfte die wenigsten überraschen, ein klares Bild ab: Marktführer Google kann hier einen Marktanteil von 96% für sich verbuchen. Andere Suchmaschinen kann man hierzulande schon als Exoten bezeichnen. Platz 2 belegt mit gerade einmal 1,4% Bing, die Suchmaschine des Konkurrenten Microsoft. Um Platz 3 kämpfen die Suchmaschinen Ask Network, Yahoo! Search und Web.de Search, jeweils mit Marktanteilen von weniger als einem Prozent. In diesem Zusammenhang muss jedoch auch erwähnt werden, dass die Deutschen für die Online-Suche nicht nur auf die klassischen Suchmaschinen zurückgreifen, sondern Suchanfragen oft auch gezielt direkt bei Online-Marktplätzen wie Amazon und eBay eingeben oder nach Neuigkeiten auf Facebook suchen. Spitzenreiter bleibt jedoch auch bei dieser Betrachtung das Angebot der verschiedenen Google-Dienste.

Digitale Werbung und Social Media

Facebook als wichtiger Kommunikations- und InformationskanalDie wachsende Bedeutung des Internets im Alltag macht dieses Medium auch für die Werbetreibende immer interessanter und wichtiger. Während die herkömmliche TV-Werbung heute oftmals einfach weggeschaltet oder dank Festplattenrekordern gespult werden kann, bieten sich im World Wide Web ständig neue Möglichkeiten zur Online-Display-Werbung. 762 Milliarden Display Ad Impressions wurden im vergangenen Jahr in Deutschland ausgeliefert, von denen 27% auf Social Media-Seiten erschienen. Zu den größten Auftraggebern dieser Anzeigen zählten die Deutsche Telekom, Zalando, eBay, Microsoft und Otto mit zusammen knapp 8,7 Milliarden Display-Anzeigen. Neben den klassischen Werbebannern und Anzeigen sind hier vor allem mobile Werbeangebote wie Gutscheine und Deals in Social Networks, Social Media Posts von Unternehmen oder die sogenannte In-Game-Werbung stark verbreitete Mittel zur Kundengewinnung. Mehr als 46 Millionen Deutsche nutzen die sozialen Netzwerke über ihren PC. Wie bereits erwähnt checken täglich 8,4 Millionen Deutsche die sozialen Netze und Blogs, um über Neuigkeiten informiert zu sein bzw. sich darüber auszutauschen. Das erklärt auch, warum der Bereich Social Media so wichtig für die Online-Werbung geworden ist. An unangefochtener Spitze der sozialen Medien steht nach wie vor Facebook mit knapp 13 Millionen täglichen Besuchern. In weiter Ferne folgen dann Xing, Stayfriends.de und Twitter. Das deutschsprachige Business-Netzwerk Xing kann sich hierzulande nicht nur über mehr Besucher als der internationale Konkurrent Linkedin freuen, sondern auch über fast doppelt so hohe Aufenthaltszeiten seiner Nutzer.

Vor allem in der Kombination mit der Ausrichtung auf mobile Endgeräte durch zum Teil sehr umfangreiche Apps gelang es den sozialen Netzwerken, eine derart bestimmende Rolle in den medialen Nutzungsgewohnheiten der deutschen Internetnutzer einzunehmen. Die Anzahl der täglichen Nutzer ist im vergangenen Jahr um fast 70% angestiegen.

Schlussfolgerungen: Was sagen uns die Studienergebnisse eigentlich?

Ein zentraler Trend des letzten Jahres, der sich auch in unmittelbarer Zukunft fortsetzen wird, ist die zunehmend plattformunabhängige Mediennutzung. Nahezu alle digitalen Inhalte können heute über Smartphone, Tablet, Notebook oder PC konsumiert werden. Dass die Nutzer dabei auch auf mehrere verschiedene Geräte zurückgreifen, hat bereits die Statistik zum Nutzungsverhalten von Endgeräten über den Tagesablauf hinweg weiter oben gezeigt. Für Unternehmen heißt das ganz konkret: sie müssen die Nutzung ihrer eigenen Inhalte stärker auch in Bezug auf die jeweils genutzten Endgeräte messen und analysieren und das eigene Internet-/Medianangebot dahingehend optimieren.

Ebenso muss auch die Platzierung von Werbung in den Online-Medien stärker auf Qualität und Leistungsstärke untersucht werden. Einflussfaktoren auf den Erfolg solcher Anzeigenschaltungen sind etwa die Platzierung auf einer Seite, das Umfeld einer Anzeige und die Sichtbarkeit in der Zielgruppe. Werbetreibende sollten sich also verstärkt über die technischen Möglichkeiten zur Messung, Bewertung und Erfolgskontrolle der eigenen Ad Impressions informieren.

Interessant für den Handel: Zu den Top-Retail-Aktivitäten auf Smartphones gehören der mobile Vergleich von Produktpreisen, die Recherche nach Produktinformationen und die Standortsuche nach lokalen Ladengeschäften. Dies betont nicht nur die Relevanz einer gut konzeptionierten Online-Strategie in Bezug auf eine weit gestreute Online-Präsenz sowie die mobile Optimierung der eigenen Informationsangebote im World Wide Web. Es zeigt auch, dass lokale Geschäfte, auch wenn diese bislang auf einen Online-Shop verzichtet haben, um eine eigene Online-Präsenz schon lange nicht mehr herum kommen. Vor allem die sogenannten Local Services wie Google Places, Qype oder Foursquare, die übrigens kostenlose Accounts anbieten, sollten durch Ladenbesitzer einmal genauer unter die Lupe genommen werden.

Die Studie kann hier heruntergeladen werden (PDF, ca. 2,8 MB):
www.comscore.com/content/download/19685/955759/file/comScore-2013-Germany-Digital-Future-in-Focus.pdf

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.