Die Button-Lösung: Sinnvolle Maßnahme oder überflüssige Regelung?

Wiljo Krechting„Shopbetreiber abgemahnt, Online-Shop erfüllt nicht die neuen gesetzlichen Informationspflichten für Verbraucher“. Genau diese Schlagzeile könnte ab dem 1. August 2012 vielen Shopbetreibern in die Quere kommen, wenn Sie ihren Shop nicht entsprechend den gesetzlichen Vorgaben in den nächsten Wochen umrüsten. Konkret geht es um die Button-Lösung und das Aussehen der Bestellseite speziell für B2C Online-Shops. Während der Gesetzgeber das Ziel verfolgt, den Verbraucher bestmöglich zu schützen, sehen viele Geschäftsleute die Button-Lösung als falschen Weg an. Doch wobei handelt es sich bei der Button-Lösung eigentlich genau und was müssen Shopbetreiber beachten?

Nach Meinungen vieler ist bei der Umsetzung der Regelung augenscheinlich lediglich der Bestell-Button in ein Feld mit den Worten „Zahlungspflichtig bestellen“* umzubenennen, um den Shop rechtskonform zu halten. Doch die Button-Lösung verlangt mehr. Gemäß §312g Abs. 2 BGB n.F. sind Shopbetreiber verpflichtet, dem Verbraucher weitaus mehr Informationen als bislang mitzuteilen und sich zudem an ein komplexes Regelwerk zu halten. Konkret sind die wesentlichen Merkmale der Ware oder Dienstleistung auf der Bestellseite aufzuzeigen. Dazu gehören z.B. Größen-, Farbangaben und u.U. Materialzusammensetzung bei T-Shirts oder andere, detaillierte Produkteigenschaften bei alternativen Produkten. Hinzu kommt die Tatsache, dass all diese Informationen räumlich unmittelbar zusammenhängen müssen und dazwischen keine gestalterischen Mittel mehr zu platzieren sind. Dies ist besonders unvorteilhaft für all diejenigen Shopbetreiber, die die Bestellseite mit zusätzlichen Funktionen ausgestattet haben, die künftig weichen müssen. Viele Shopbetreiber sehen darin deutliche Einschränkungen in den bislang recht freien Gestaltungsmöglichkeiten z.B. auch aus Marketingsicht und haben Angst vor Kaufabbrüchen, weil Sie z.B. Prämienartikel oder Gutscheinfunktionen oder Banner nicht mehr so platzieren dürfen, wie sie es bislang gemacht haben.
Unzulässig ist ebenfalls eine falsche Positionierung oder Benennung der Inhalte. So muss der Bestell-Button entsprechend platziert sein, dass der Verbraucher quasi „gezwungen“ wird, alle Informationen zur Kenntnis zu nehmen, bevor er den Bestell-Button betätigen kann. Der Bestell-Button ist somit unterhalb dieser Informationen zu platzieren und zudem muss er neuerdings z.B. „zahlungspflichtig bestellen“ heißen, ein einfaches „Bestellen“ reicht zukünftig nicht mehr aus.

Hohe Abmahngefahr

Neben einer hohen Abmahngefahr bei Nichteinhaltung der neuen Vorschriften muss der Shopbetreiber übrigens noch mit viel weiter reichenden Konsequenzen rechnen. Beispielsweise kommt beim Klick auf den bisherigen „Bestellen“-Button u.U. rechtlich nicht mal mehr ein Vertrag zustande. Ein guter Ratschlag ist daher für Shopbetreiber, sich mit der Button-Lösung intensiv und kurzfristig zu beschäftigen und den Web-Shop rechtskonform umzustellen. Viele Anwälte sind aktuell sensibilisiert und beschäftigen sich mit dem Thema. Die einen versuchen, meist gemeinsam mit E-Commerce-Spezialisten das neue Gesetz richtig auszulegen, die anderen bereiten sich mit hoher Wahrscheinlichkeit schon darauf vor, Online-Shops abzumahnen. Ob diese große Abmahnwelle anrollt und wer wie einen Rechtsstreit in Zukunft tendenziell gewinnt, kann man aktuell jedoch noch schwer sagen, da es hier noch keine Musterprozess-Erfahrungen gibt.

„Einen komplexen, individuell gestalteten Online-Shop mit wenig Aufwand und Kosten auf die neuen gesetzlichen Regelungen umzustellen, wird viele Shopbetreiber vor sehr große Herausforderungen stellen“, weiß auch Sebastian Hamann, Vorstand bei der shopware AG. Ein Beispiel für einen Online-Shop, der gerade die Button-Lösung implementiert, ist Frosta. Manuel Rosenboom betreut mit seiner Agentur „Farbweiss Media“ den Shop des Tiefkühlkostherstellers. Rosenboom ist ein gutes Exempel dafür, wie de Button-Lösung die Gemüter spaltet. Tendenziell sieht er die Button-Lösung jedoch eher kritisch, wie viele seiner bekannten Geschäftsleute ebenfalls: „Ich kann natürlich verstehen, dass die Verbraucher vor Abo-Fallen gewarnt werden müssen. Ich glaube jedoch nicht, dass die Button-Lösung der richtige Weg ist. Außerdem sind die Abo-Betrüger schon längst wieder auf andere Züge wie Mobile aufgesprungen“, sagte Rosenboom. Der Unternehmer glaubt weiterhin, dass die Button-Lösung für viele Anwälte, die hauptberuflich Abmahnungen verschicken, nach ihrem Inkrafttreten der am 1. August ein gefundenes Fressen sein wird.

Problem für die Großen

Doch ob August überhaupt ein angemessener Zeitrahmen ist, bleibt fraglich, da insbesondere große Shops auf zeitliche Schwierigkeiten stoßen könnten. Erstens sind viele große Shops aufgrund ihrer Komplexität, Größe und Individualität nicht in der Lage, hier so schnell eine Lösung zu schaffen. Zweitens verschlafen viele das Thema erst einmal bewusst und warten ab, was passiert oder warten aus den o.g. Gründen aus marketingtechnischer Sicht erst mal ab, weil sie Umsatzeinbußen befürchten und diese mit den Kosten und dem Risiko einer Abmahnung abwägen. Außerdem sind die Kosten, die insbesondere bei großen Shops für die Umrüstung anfallen, auch ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Kleine und mittelständische Online-Shopbetreiber sind da zumeist flexibler, haben ihre eigene Designabteilung im Haus oder setzen auf bewährte Standardsysteme, deren Hersteller die Kunden über Änderungen Informieren bzw. sich um die Integration der Lösung bemühen.

Wer als kleiner und mittlerer Shopbetreiber nichts von seinem Hersteller hört, der sollte sich an seinen Fachanwalt wenden, den jeder Shopbetreiber haben sollte. Denn Abmahnungen drohen nicht nur ab dem 1. August, sondern hängen aufgrund häufiger Gesetzes-Novellierungen im Online-Handel als Damoklesschwert ständig über den Köpfen jedes Shopbetreibers.

 

* Anmerkung der Redaktion:
Alternativ ist auch eine Bezeichung des Bestell-Buttons mit „kostenpflichtig bestellen“, „zahlungspflichtigen Vertrag schließen“ oder „kaufen“ zulässig (Gesetzesentwurf BT-Drs. 17/7745, S. 12. vom 16.11.2011).
» Gesetzesentwurf als PDF (318kb)
» White Paper zur „Button-Lösung“

 

Über den Autor

Gastautor Wiljo Krechting

Artikel des Autors

Wiljo Krechting ist eCommerce-Experte und Manager Public Relations bei der shopware AG im westfälischen Schöppingen. Das Unternehmen kreiert und vertreibt Software für Online-Shops jeglicher Größe, hat sich jedoch auf kleinere und mittelständische Kunden spezialisiert. Mit aktuell mehr als 8000 Kunden und 250 Vertriebspartnern ist die shopware AG einer der erfolgreichsten Hersteller von Shopsoftware in Deutschland.