Deutlichere Kennzeichnungspflicht für bezahlte Google-Ergebnisse

Suchmaschinen im Internet bilden die Schnittstelle zwischen Verbrauchern auf der einen und Unternehmen auf der anderen Seite. Wer sich als Konsument für ein Produkt oder eine Dienstleistung interessiert, landet mit großer Wahrscheinlichkeit bei Google & Co. Dort ist es für den durchschnittlichen Nutzer aber oft nicht möglich, zwischen bezahlten und natürlichen Suchergebnissen zu unterscheiden. Das soll sich nach dem Willen der US-amerikanischen Federal Trade Commission jetzt ändern.

Deutlichere Kennzeichnungspflicht für bezahlte Google-Ergebnisse

Die Federal Trade Commission (FTC) setzt die Suchmaschinen unter Druck

Die Federal Trade Commission hat sich schriftlich an die Betreiber von Suchmaschinen gewandt und von ihnen gefordert, dass sie bezahlte Suchergebnisse künftig wesentlich deutlicher hervorheben müssen. Es soll für den Nutzer auf Anhieb erkennbar sein, ob es sich bei einem angezeigten Ergebnis um bezahlte Werbung oder ein organisch entstandenes Suchergebnis handelt. Die Kommission beschränkt ihre Forderung dabei nicht auf klassische Suchmaschinen, sondern auch auf neuere Technologien aus dem Bereich der mobilen Suche oder der Suche per Sprachsteuerung.

Um die Tragweite dieser Initiative zu verstehen, muss man sich kurz vor Augen führen, um was für eine Art von Institution es sich bei der FTC überhaupt handelt. Es handelt sich hier um eine Bundesbehörde mit Sitz in Washington, die bereits im Jahre 1914 gegründet wurde. Die Aufgabe der Kommission besteht darin, unfaire und täuschende Praktiken im Wirtschaftsleben aufzudecken und abzustellen, um das Funktionieren des auf Konkurrenz basierten Marktes zu gewähren. Da die Federal Trade Commission auch auf Beschwerden von Konsumenten hin aktiv werden kann, muss man sich ihre Rolle, übertragen auf Deutschland, wie eine Mischung aus Wettbewerbsbehörde und Verbraucherschutzorganisation vorstellen.

Bisher nur ein Vorschlag, aber das kann sich schon bald ändern

Das Schreiben der Federal Trade Commission stammt vom 25. Juli 2013 und ist zunächst nicht viel mehr als die freundliche Aufforderung an die Betreiber von Suchmaschinen, sich nach den Wünschen und Forderungen der Kommission zu richten. Kommen die betreffenden Unternehmen dem Aufruf der FTC nicht nach, dann stehen ihr allerdings diverse Möglichkeiten zur Verfügung, ihre Forderungen durchzusetzen. Als Bundesbehörde, deren Leiter unmittelbar durch den US-amerikanischen Präsidenten ernannt und durch den Senat bestätigt werden, hat die Federal Trade Commission einen großen Einfluss, der auch auf die Initiative für neue Gesetze und verbindliche rechtliche Regelungen ausgedehnt werden kann.

Die Grundlage für die Forderungen der FTC bildet die Erkenntnis, dass rund 45 Prozent der Nutzer von Suchmaschinen diese künftig nicht mehr besuchen wollen, wenn es ihnen nicht möglich ist, bezahlte Werbung von organischen Ergebnissen unterscheiden zu können. Andererseits sind aber 62 Prozent der Online-Nutzer aktuell gar nicht in der Lage, den Unterschied überhaupt wahrzunehmen. Lediglich 18 Prozent können glaubhaft versichern, dass sie über die Kenntnisse und das Wissen verfügen, natürliche Suchergebnisse von Werbeanzeigen unterscheiden zu können.

Die organische Suche wird durch den Vorstoß der FTC deutlich wichtiger

Die Nachricht über die Initiative der Federal Trade Commission ist insofern interessant, als dass sie eine deutliche Auswirkung auf die Praxis der Suchmaschinenoptimierung haben wird. Unabhängig davon, ob die Suchmaschinen die Forderungen der Kommission bereits jetzt freiwillig oder erst später unter dem Druck des Gesetzes umsetzen werden, wird es früher oder später dazu kommen, dass die bezahlten Suchergebnisse wesentlich deutlicher gekennzeichnet werden.

Dies hat allerdings Auswirkungen auf die derzeitige SEO-Praxis. Hierzu muss man grundsätzlich wissen, dass die meisten Internetnutzer nicht bereit sind, nach der Suche in einer Suchmaschine auf ein als Werbung erkennbares Ergebnis zu klicken. Die hohen Klickraten, die sich heute mit der Schaltung bezahlter Anzeigen erreichen lassen, basieren insofern größtenteils auf der Unfähigkeit der User, den Unterschied zwischen natürlichen und bezahlten Ergebnissen zu erkennen. Sobald dieser aber deutlich hervorhoben werden muss, wird sich das Klickverhalten entscheidend verändern. Bezahlte Ergebnisse haben dann kaum noch eine Chance, während die organische Suchmaschinenoptimierung wesentlich an Bedeutung gewinnen wird.

Heute nutzen viele Unternehmen die Möglichkeit, sich durch die Buchung von Anzeigen an die Spitze der Suchergebnisseiten zu katapultieren. Im Gegensatz zur natürlichen Suchmaschinenoptimierung ist diese Strategie sofort wirksam und sehr einfach in der Anwendung. Wer seine Angebote stattdessen über die organische Suche gut positioniert wissen will, der muss nicht nur einen deutlich größeren Aufwand in Kauf nehmen, sondern auch Zeit einplanen, bis die Aktivitäten zu messbaren Ergebnissen führen.

Die Nutzung bezahlter Anzeigen für die Suchmaschinenoptimierung hat vor allem den Nachteil, dass ihr Effekt exakt nur so lange anhält, wie man die entsprechenden Einträge bucht. Sobald man die jeweilige Kampagne einstellt, gehen die Besucherzahlen sofort auf den ursprünglichen Wert zurück und man hat für die organische Anzeige der eigenen Ergebnissen nichts gewonnen.

Online-Händler sollten sich vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen bereits jetzt darauf einstellen, sich künftig stärker mit der natürlichen Suchmaschinenoptimierung beschäftigen zu müssen. Hierbei steht vor allem der Content im Web-Shop im Vordergrund. Um Google & Co. nämlich zu signalisieren, dass es sich bei den eigenen Seiten um relevante und interessante Informationsangebote handelt, müssen regelmäßig frische und einzigartige Inhalte hinzugefügt werden. Ohne entsprechende Aktivitäten könnte der Traffic im Online-Shop in nächster Zeit drastisch an Fahrt verlieren.

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.