Das SEPA-Lastschriftverfahren und seine Auswirkungen auf den Online-Handel

Das derzeitige Lastschriftverfahren wird zu Beginn des Jahres 2014 durch das europäisch einheitliche SEPA-Verfahren ersetzt. Da in Deutschland knapp 20 Prozent aller Zahlungen im Online-Handel per Lastschrift erfolgen, hat die Umstellung große Auswirkungen auf Shop-Betreiber. Diese sollten sich spätestens jetzt mit der neuen Struktur beschäftigen und ihre Geschäftsprozesse entsprechend anpassen.

SEPA-Lastschrift

Was ist SEPA?

SEPA steht für Single Euro Payments Area und bezeichnet einen neuen Standard für das bisherige Lastschriftverfahren. Die Zielsetzung der Umstellung besteht darin, dass Zahlungen im Euro-Verkehrsraum künftig wie inländische Zahlungen behandelt werden. Angesichts des grenzüberschreitenden Handels innerhalb der EU ist die Maßnahme natürlich sinnvoll und wird für die Marktteilnehmer eine ganze Reihe von Vorteilen mit sich bringen. Allerdings erfordert die Umstellung auch Anpassungen der bisherigen Zahlungsprozesse, die vor allem von Online-Händlern berücksichtigt werden müssen.

Der Stichtag für die verbindliche Einführung von SEPA ist der 1. Februar 2014. Ab diesem Zeitpunkt werden Abbuchungen von Kundenkonten nicht mehr nach dem herkömmlichen Verfahren erfolgen können. Ursprünglich hatten die Initiatoren der entsprechenden Verordnungen und Gesetze damit gerechnet, dass sich das Verfahren am Markt von selber durchsetzen würde. Da dies aber bislang nicht geschehen ist, sah sich der Gesetzgeber genötigt, eine klare zeitliche Grenze festzulegen. Dies geschah innerhalb der sogenannten SEPA-Verordnung, die bereits am 31. März 2012 in Kraft getreten ist. Bislang haben sich allerdings viele Banken und die meisten Online-Händler noch nicht auf die Veränderungen eingestellt. Hier sollte man unbedingt beachten, dass die Zeitspanne bis zur endgültigen Einführung von SEPA nur noch recht kurz ist.

Bedenken Sie als Online-Händler bitte, dass Sie im Rahmen des kommenden Weihnachtsgeschäftes vielleicht keine Gelegenheit mehr haben werden, sich rechtzeitig um die Umstellung zu kümmern, und leiten Sie die erforderlichen Schritte besser in den nächsten Wochen ein.

Wie unterscheidet sich SEPA vom bisherigen Verfahren?

Ein wesentliches Unterscheidungskriterium zwischen SEPA und der herkömmlichen Lastschrift ist die zwingende Verwendung von IBAN (International Bank Account Number) anstelle der bisherigen Kontonummer und BIC (Business Identifier Code) anstelle der bisherigen Bankleitzahl. Die IBAN ist deutlich länger als gewöhnliche Kontonummern, da sie die Bankleitzahl, die Kontonummer, eine Länderkennzeichnung und eine zweistellige Prüfziffer zu einer langen Ziffernfolge kombiniert. Der BIC ist ein 11-stelliger Code, mit dem weltweit jedes Geldinstitut eindeutig identifiziert werden kann.

Unterschieden wird zwischen einer sogenannten SEPA-Basislastschrift (SEPA Core Direct Debit) und einer SEPA-Firmenlastschrift (SEPA Business to Business Direct Debit). Die Firmenlastschrift wird dabei ausschließlich verwendet, wenn zwei Geschäftskunden untereinander Zahlungen austauschen. Ihre Besonderheit besteht darin, dass Lastschriften nach ihrer Einlösung nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Die SEPA-Basislastschrift wird eingesetzt, wenn zum Beispiel ein Unternehmen bei einer Privatperson einen Betrag vom Konto einziehen möchte, wie es also zur Zeit bei Lastschriften als Zahlungsmittel im Online-Handel der Fall ist.

Ein weiterer Unterschied zwischen der herkömmlichen Lastschrift und dem SEPA-Verfahren besteht darin, dass die SEPA-Lastschrift über ein festes Fälligkeitsdatum verfügt. Die bisherige Einzugsermächtigung wird stattdessen „bei Sicht“ verbucht, also ausgeführt, sobald sie der Bank zur Kenntnis gelangt. Darüber hinaus müssen bei SEPA-Lastschriften bestimmte Vorlauffristen beachtet werden. So muss eine SEPA-Basislastschrift der Bank den Zahlenden fünf Geschäftstage vor der Fälligkeit vorliegen, wenn es sich hierbei um eine einmalige Zahlung oder einen erstmaligen Buchungsvorgang handelt. Bei regelmäßigen Abbuchungen genügt ab der zweiten Ausführung ein Vorlauf von lediglich zwei Tagen.

Der letzte und wichtigste Unterschied zwischen der herkömmlichen Lastschrift und dem SEPA-Verfahren liegt allerdings darin, dass SEPA ein schriftliches Mandat voraussetzt. Auch die bisherige Lastschrift ist durch das Einverständnis des Kunden mandatiert. Allerdings reichte hierzu bislang eine elektronische Einverständniserklärung des Zahlenden aus, die im Rahmen des normalen Checkout-Prozesses im Online-Handel erteilt wurde. Künftig werden Online-Händler, so sehen es zumindest die rechtlichen Regelungen vor, eine schriftliche Bestätigung ihres Kunden vorlegen müssen, um den fälligen Betrag von dessen Konto einziehen zu können.

Liegt eine entsprechende Einverständniserklärung nicht vor, dann kann die Lastschrift bis zu 13 Monaten nach der Zahlung zurückgegeben werden. Hierzu ist nicht einmal die Angabe von Gründen erforderlich.

SEPA: Verpflichtung zum schriftlichen Mandat

Was müssen Online-Händler bei der Umstellung beachten?

Das kleinste Problem bei der Umstellung von Lastschrift auf SEPA dürfte die zwingende Verwendung der IBAN anstelle der Kontonummer sein. Schließlich setzt sich die neue Nummer aus bereits bekannten Bestandteilen zusammen und kann deshalb rein elektronisch nachgebildet werden. Darüber hinaus planen die Banken, ihren Kunden in der Übergangszeit Systeme zur Verfügung zu stellen, die aus Kontonummer und Bankleitzahl automatisch die IBAN erstellen.

Dagegen dürfte die obligatorische Vorlauffrist von fünf Geschäftstagen für Online-Händler schon zu größeren Problemen führen. Letztlich leidet unter der Regelung die Liquidität der Händler, die deutlich später über die eingezogenen Gelder verfügen können als bisher. Da es hier allerdings lediglich um wenige Tage geht, ist das Problem überschaubar und wird vermutlich niemanden vor unlösbare Schwierigkeiten stellen.

Ganz anders sieht das allerdings bei der Verpflichtung zum schriftlichen Mandat aus. Diese macht aktuell sowohl den Banken als auch den Online-Händlern aus gutem Grund Kopfzerbrechen. Unternehmen, die regelmäßig einen identischen Betrag vom Konto ihrer Kunden abbuchen, haben es hier vergleichsweise leicht: Stammt die letzte Einzugsermächtigung aus der Zeit nach dem 9. Juli 2012, dann ist kein neues Mandat erforderlich, um auch weiterhin abzubuchen.

Ganz anders ist die Lage allerdings bei einmaligen Abbuchungen, wie sie im Online-Handel üblich sind. Geht man hier alleine nach dem Gesetz und seinen Richtlinien, dann werden Online-Händler künftig für jede Abbuchung von einem Käuferkonto eine schriftliche Einverständniserklärung von diesem benötigen. Sie können sich vorstellen, dass der extreme zusätzliche Aufwand die ansonsten sehr beliebte Zahlungsmethode schnell unattraktiv machen wird.

Das sehen auch die meisten Banken so und scheinen mit dem Gedanken zu spielen, die SEPA-Regelungen recht frei zu interpretieren. Experten gehen davon aus, dass einige Geldinstitute den normalen Einkaufs- und Zahlungsprozess im Online-Handel bereits als ausreichendes schriftliches Mandat betrachten werden, um ihren angeschlossenen Online-Händlern das Tagesgeschäft zu erleichtern. Abschließend lässt sich hier bisher noch keine Prognose abgeben. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden die entsprechenden Fälle erst nach der offiziellen SEPA-Einführung am 1. Februar 2014 vor den Gerichten landen und dort letztendlich entschieden werden.

Bis dahin sollten Sie als Shop-Betreiber so schnell wie möglich Kontakt zu Ihrer Hausbank aufnehmen und sich dort informieren, wie das Institut mit den SEPA-Richtlinien umgehen wird. Hiervon ist dann abhängig, ob Sie künftig tatsächlich ein schriftliches Mandat von Ihren Kunden benötigen oder ob die bisherige Vorgehensweise ausreicht.

Darüber hinaus sollten Sie rechtzeitig die interne Verarbeitung von Zahlungsdaten in Ihrem Shop-System überprüfen oder überprüfen lassen. Klären Sie mit Ihrem Software-Anbieter oder Ihrem Programmierer, ob das System bereits auf SEPA und den Umgang mit IBAN und BIC ausgerichtet wurde und lassen Sie sich schriftlich bestätigen, dass Ihre Software auch nach dem 1. Februar 2014 allen Anforderungen an das SEPA-Lastschriftsystem entspricht.

Neben den zahlreichen Unwägbarkeiten in Bezug auf die Rechtspraxis und die künftigen Abwicklungsprozesse sollten Sie als Shop-Betreiber allerdings auch den wesentlichen Vorteil der SEPA-Lastschrift nicht aus den Augen verlieren. Immerhin handelt es sich dabei um ein System, dass es Ihnen erlaubt, Zahlungen von Kunden innerhalb der gesamten Eurozone mit vergleichsweise wenig Aufwand und innerhalb einer überschaubaren Zeit abzubuchen. In Bezug auf die internationale Ausrichtung von Web-Shops bildet das einen unschätzbaren Vorteil und einen weiteren guten Grund, sich jetzt mit dem grenzüberschreitenden Handel zu beschäftigen.

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.