Das Ende der Wegwerfgesellschaft: Re-Commerce als Nachhaltigkeitsmodell

F-Commerce, M-Commerce, A-Commerce und jetzt Re-Commerce? Kein Wunder, dass sich manch Marktteilnehmer angesichts der vielen Variationen auf E-Commerce vor die Frage stellt, wohin die ständig neuen Wortschöpfungen noch führen werden. Den Re-Commerce sollte man sich allerdings einmal näher anschauen, da er das Potenzial hat, die Zukunft des Online-Handels maßgeblich mitzubestimmen.

Das Ende der Wegwerfgesellschaft

Unbegrenzter Konsum oder verantwortlicher Umgang mit Ressourcen?

Unser Konsumverhalten ist von einer eigenartigen Mentalität geprägt: Wir sind mehr und mehr daran gewöhnt, jederzeit zu neuen Produkten zu greifen und die noch voll funktionstüchtigen Vorgängermodelle in Schubladen, auf Dachböden oder in Kellern verstauben zu lassen und schließlich gedankenlos dem Müllkreislauf zuzuführen. Gerade in Bezug auf Smartphones, Tablets und Notebooks, aber auch zunehmend im Bereich der Unterhaltungselektronik oder sogar hinsichtlich unserer Kleidung setzt es sich zunehmend durch, dass man Produkte, die noch vor kurzer Zeit dem aktuellen Trend entsprachen, schon nach wenigen Monaten als hoffnungslos veraltet empfindet und sie ersetzen will.

Für unsere Elterngeneration war die Anschaffung eines Fernsehgeräts oder einer Stereoanlage noch eine Entscheidung auf Jahre und Jahrzehnte. Wir selber binden uns dagegen meist nur noch auf Monate an ein bestimmtes Gerät und sind dabei ständig von der Sorge getrieben, einen neuen technischen Trend zu verpassen und in der Öffentlichkeit als altmodisch oder arm zu gelten. Was wir allerdings bei dieser Konsumgewohnheit außer Acht lassen ist, dass für die Herstellung jeden Gerätes wertvolle Ressourcen unwiederbringlich verbraucht werden. Wir verschwenden daher notorisch Rohstoffe, Arbeitskraft und Energie, belasten die Umwelt und erzeugen Unmengen von CO2.

Jedem, der vernünftig über das Thema der exponentiellen Verschwendung nachdenkt, wird klar, dass es auf Dauer so nicht weitergehen kann. Und doch setzen wir den täglichen Einkaufswahn ungerührt fort und warten darauf, dass zuerst die anderen damit beginnen sollen, etwas an unserem Konsumverhalten zu verändern.

Genau an diesem Punkt setzt das noch recht junge Konzept des Re-Commerce an. Doch um was genau handelt es sich bei diesem Geschäftsmodell und auf welche Weise kann es unsere Konsumgewohnheiten verändern?

eBay hat einst den Anfang gemacht und startet in die nächste Runde

Mit der Gründung des Online-Auktionshauses eBay im Jahre 1995 hat sich in der Art, wie Verbraucher mit nicht mehr benötigten Produkten umgehen, eine erhebliche Änderung ergeben. Natürlich gab es in Form von Flohmärkten, Kleinanzeigenmärkten und Tauschbörsen auch vorher bereits die Möglichkeit, gebrauchte Waren zu Geld zu machen. Doch erst mit eBay hat sich eine weitgehend standardisierte Form der Zweitverwertung etabliert. Heute ist es für die meisten Menschen ganz normal, von Zeit zu Zeit ihre Wohnungen nach wertvollen „Schätzchen“ zu durchstöbern und diese bei dem Online-Auktionshaus anderen zum Kauf anzubieten.

Seit 2011 ist eBay einen deutlichen Schritt weitergegangen. Seitdem betreibt der Marktplatz eine gesonderte Microsite (sofortverkauf.ebay.de), auf der Verbraucher ihre gebrauchten Elektronikgeräte zu standardisierten Konditionen sofort verkaufen können. Hierzu wird lediglich die Bezeichnung des Gerätes in ein Suchfeld eingetragen. Ist das passende Produkt gefunden, erscheint auf dem Bildschirm ein kurzer Fragenkatalog, mit dem sich der Zustand des Gerätes beschreiben lässt. Sind alle Optionen ausgefüllt, berechnet das System unmittelbar einen Verkaufspreis. Wenn der Anbieter mit dem Preis einverstanden ist, sendet er das Produkt kostenlos ein und bestimmt, ob er den Verkaufserlös per PayPal oder per Banküberweisung erhalten möchte.

eBay bietet diesen besonderen Service gemeinsam mit dem Kooperationspartner FLIP4NEW an.

FLIP4NEW – einer der führenden Anbieter im Re-Commerce

FLIP4NEW hat sich darauf spezialisiert, Verbrauchern die Möglichkeit zu geben, gebrauchte Waren unkompliziert und sicher zu verkaufen oder in Zahlung zu geben. Den Anfang machte das Unternehmen mit dem Ankauf gebrauchter Unterhaltungselektronik. Mittlerweile wurde das Portfolio deutlich erweitert und beinhaltet inzwischen auch PC- und Konsolenspiele, CDs, DVDs, Blu-rays und Bücher. Unter www.flip4new.de steht der Service privaten Endverbrauchern zur Verfügung. Darüber hinaus haben gewerbliche Unternehmen die Möglichkeit, größere Bestände an gebrauchten Artikeln zu Kapital zu machen.

Für Online-Händler ist allerdings ein anderes Geschäftsmodell von FLIP4NEW interessant. Das Unternehmen bietet nämlich eine innovative inStore-Lösung an, die in beliebige Online-Shops integriert werden kann. Das Prinzip ist dabei ganz einfach: Besucher im Online-Shop erhalten die Möglichkeit, vor dem Kauf eines neuen Artikels ein gebrauchtes Produkt in Zahlung zu geben. Hierzu wird die bereits vorgestellte Ankaufmechanik direkt im Shop angezeigt. Der Kunde entscheidet, welches Produkt er verkaufen will und beschreibt dessen Zustand. Im nächsten Schritt erfährt er den konkreten Betrag, den sein gebrauchter Artikel Wert ist und erhält, wenn er mit dem Preis einverstanden ist, einen Gutschein, den er beim nun folgenden Einkauf unmittelbar einlösen kann.

Die Vorteile liegen auf der Hand. Die Möglichkeit, ein gebrauchtes Vorgängermodell unmittelbar zu Geld machen zu können, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Kunde tatsächlich für einen Einkauf entscheidet. Schließlich reduziert sich der Kaufpreis um die Höhe des Gutscheins und wirkt sich so förderlich auf die Kaufentscheidung aus. Darüber hinaus zeigt eine Integration von FLIP4NEW aber auch das Verantwortungsbewusstsein des Shop-Betreibers und sein Bemühen um einen nachhaltigen Handel. Der Kunde entdeckt eine sinnvolle Möglichkeit, sein gebrauchtes Produkt wirtschaftlich vorteilhaft verwerten zu können, ohne dass es nutzlos zuhause herumliegt und ohne, dass er es mit schlechtem Gewissen entsorgen muss. Die Wiederverwertung von Gebrauchtem schont wertvolle Ressourcen, vermeidet CO2 und nutzt der Umwelt.

Re-Commerce-Lösungen, dies zeigt auch das entsprechende Engagement großer stationärer Händler, werden künftig unsere Handelslandschaft immer stärker prägen. Wer seinen Kunden als Online-Händler Verantwortungsbewusstsein und Nachhaltigkeit signalisieren will und gleichzeitig seine Verkaufsquote steigern möchte, der sollte sich zeitnah mit einem entsprechenden Modell beschäftigen und seinen Kunden die Möglichkeit bieten, gebrauchte Produkte unmittelbar während des Einkaufs zu verwerten.

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.