Bio-Produkte im Online-Handel: Das sollten Sie beim Verkauf beachten

Bio ist gefragt. Immer mehr Verbraucher legen heute Wert auf hochwertige Lebensmittel, die unter strengen Richtlinien erzeugt und hergestellt wurden. Viele Online-Händler erkennen in diesem Trend eine interessante Chance auf zusätzliche Umsätze. Allerdings unterliegen Shop-Betreiber in Deutschland einigen Auflagen und Vorschriften, wenn Sie selber Bio-Produkte anbieten wollen. Wir erklären, was Sie dabei unbedingt beachten sollten.

Bio-Produkte im Online-Handel

Von der Nische zum Massenmarkt: Bio ist auf dem Vormarsch

Es ist noch gar nicht lange her, da wurden Verbraucher, die bei ihren Produkten Wert auf Bio-Qualität legten, von vielen Menschen eher mitleidig belächelt. Man stand der Bewegung grundsätzlich skeptisch gegenüber und verband Bio-Lebensmittel vor allem mit ungenießbaren Körnern, winzigen Früchten mit ausgeprägten Druckstellen und rätselhaften Rohstoffen mit seltsamen Farben, Gerüchen und Geschmacksrichtungen.

An der öffentlichen Einstellung zum Thema Bio hat sich in den vergangenen Jahren viel geändert. Schuld daran sind unter anderem die zahlreichen Lebenmittelskandale, die uns immer wieder vor Augen führen, dass bei der Erzeugung von konventionellen Nahrungsmitteln immer wieder gepfuscht und betrogen wird.

Wer sich vor zweifelhaften Tierhaltungsmethoden, schädlichen Farb- und Zusatzstoffen oder der Belastung mit Pestiziden und anderen ungesunden Substanzen schützen will, der greift heute immer häufiger zu Produkten mit dem Bio-Siegel. Die großen Discounter haben den Trend längst aufgriffen und bieten ihren Kunden ein stetig wachsendes Sortiment an entsprechend gekennzeichneten Bio-Lebensmitteln. Die Zeiten, in denen man die hochwertigen Nahrungsmittel in kleinen und meist entlegenen „Bio-Lädchen“ eingekauft hat, sind lange vorbei. Heute sind Bio-Produkte fast überall verfügbar und dementsprechend wächst auch das Angebot in entsprechend aufgestellten Online-Shops.

Da sich der Verbraucher bei diesen Produkten auf eine einwandfreie Qualität verlassen soll, gelten für die Herstellung und den Verkauf der Bio-Waren strenge Regeln und Vorschriften, von denen der Online-Handel in besonderem Maße betroffen ist. Wir klären darüber auf, an welche Richtlinien Sie sich halten müssen, wenn Sie in Ihrem Online-Shop mit Bio-Produkten handeln. Bitte berücksichtigen Sie, dass Ihnen ernsthafte rechtliche Konsequenten drohen, wenn Sie den geltenden Vorschriften zuwiderhandeln.

 


 

Online-Händler müssen sich für den Bio-Verkauf zertifizieren lassen

Grundsätzlich sind Verkäufer, die ihre Bio-Produkte an Endkunden verkaufen, von der Melde- und Kontrollpflicht befreit. Für Online-Händler gilt diese Regelung aber leider nicht, da er Gesetzgeber die Auffassung vertritt, dass es sich beim Handel im Internet nicht um einen direkten Verkauf unter Anwesenheit des Endkunden handelt. Diese Bewertung führt dazu, dass sich Online-Händler offiziell zertifizieren lassen müssen, bevor Sie Bio-Ware anbieten und bewerben dürfen.

Hierzu ist es erforderlich, eine geeignete Kontrollstelle auszuwählen. Hierbei handelt es sich um Unternehmen der privaten Wirtschaft, die sich auf die Inspektion und Zertifizierung  von ökologischen und biologischen Produktionsbetrieben spezialisiert haben. Im nächsten Schritt schließt der Online-Händler einen Vertrag mit der ausgewählten Kontrollstelle.

Daraufhin führt das Unternehmen eine Überprüfung durch und zertifiziert den Shop-Betreiber, sofern alle geltenden Bedingungen erfüllt werden. Hierzu zählen vor allem die Bestimmungen, die regeln, unter welchen Bedingungen ein Produkt mit dem Zusatz „Bio“ gekennzeichnet werden darf. Festgeschrieben sind die einzelnen Regelungen in der EG-Öko-Verordnung, im Ökolandbaugesetz und im Öko-Kennzeichnungsgesetz.

Will der Händler zusätzlich zu der textlichen Auszeichnung seiner Produkte auch das offizielle Bio-Siegel verwenden, dann muss er dies zuvor an die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung melden.

Shop-Betreiber, die gegen die geltenden Vorschriften verstoßen, müssen nicht nur mit hohen Ordnungsstrafen rechnen, sondern können von Mitbewerbern darüber hinaus abgemahnt werden, was ebenfalls mit hohen Kosten verbunden ist.

 


 

Die Produktauszeichnung unterliegt strengen Regeln

Auch für die Beschreibung und Bewerbung von Bio-Produkten gelten besondere Bestimmungen. Dabei macht der Gesetzgeber keinen Unterschied, ob der Anbieter auch selber der Erzeuger der Waren ist oder sie nur verkauft. Die rechtlichen Vorschriften basieren darauf, dass die Produktbeschreibungen im Online-Handel mit der Etikettierung von Produkten im stationären Handel gleichgesetzt wird. Alle Informationen, die ein lokaler Händler auf dem Etikett seiner Bio-Produkte angeben muss, sollen insofern auch im Produkttext des Online-Shops auftauchen.

Das wichtigste Element innerhalb der Produktauszeichnung ist dabei der Code der jeweils zuständigen Bio-Kontrollstelle. Dieser setzt sich aus einem Ländercode (z.B. „DE“ für Deutschland), einer Abkürzung für die Art der Erzeugung (z.B. „Bio“) und einer individuellen Referenznummer zusammen. Der Code soll es Verbrauchern ermöglichen, auf unkomplizierte Weise nachzuvollziehen und zu überprüfen, ob es sich bei dem Händler tatsächlich um ein offiziell zertifiziertes Unternehmen handelt.

Darüber hinaus müssen Online-Händler jede Form der irreführenden Werbung unterlassen. Hierunter fallen zum einen jegliche Versuche, offizielle Öko-Siegel nachzuahmen. Wer gegenüber seinen Besuchern und Kunden den Eindruck erweckt, seine Produkte seien biologisch erzeugt und hierzu ein eigenes Signet verwendet, das mit den offiziellen Öko-Siegeln verwechselt werden kann, der riskiert rechtliche Konsequenzen und Abmahnungen.

Dasselbe gilt auch in Bezug auf entsprechende Begriffe und Werbeaussagen. Wirbt ein Händler beispielsweise bereits auf der Startseite seines Web-Shops mit seinem „Bio-Sortiment“, in dem allerdings nur vereinzelte Produkte tatsächlich Bio-Qualität aufweisen, dann kann dies als irreführend beurteilt und entsprechend abgestraft werden.

 


 

Der Handel mit Bio-Produkten lohnt sich, wenn man das geltende Recht beachtet

Keine Frage: Die große Nachfrage nach Bio-Produkten weist auf einen deutlichen Trend am Markt hin und derzeit deutet nichts darauf hin, dass sich hieran in absehbarer Zeit etwas ändern könnte. Für Online-Händler, die bereits in einem passenden Segment tätig sind, kann es sich also sehr lohnen, ihr Sortiment in Richtung Bio zu lenken.

Hierbei ist es allerdings sehr wichtig, verschiedene Regeln und gesetzliche Bestimmungen peinlich genau zu beachten. Einerseits drohen bei Verstößen empfindliche Strafen und teure Abmahnungen. Anderseits ist man seinen Kunden aber auch einen transparenten und ehrlichen Umgang schuldig. Schließlich liegt der Entscheidung für ein Bio-Produkt meist der begründete Zweifel an der Qualität und Herkunft konventionell erzeugter Waren zugrunde. Und aus der Sorge der Verbraucher um ihre Gesundheit und die Umwelt sollte man auf unehrliche Weise kein Kapital schlagen.

Wenn Sie Ihr eigenes Sortiment in Richtung Bio verändern wollen, dann helfen Ihnen die folgenden Praxistipps bei einer sicheren und erfolgreichen Umsetzung.

Tipp 1: Bleiben Sie ehrlich und transparent

Für den Handel mit Bio-Produkten sollten Sie sich nur dann entscheiden, wenn Sie vom Prinzip der ökologischen Erzeugung von Nahrungsmitteln und anderen Produkten überzeugt sind. Wer hier angesichts des aktuellen Trends ausschließlich aus wirtschaftlichen Erwägungen handelt, der wird große Schwierigkeiten damit haben, seinen Besuchern die erforderliche Authentizität zu signalisieren. Kritische Konsumenten achten sehr auf Transparenz und einen ehrlichen Umgang und werden schnell misstrauisch, wenn der Anbieter nicht durch und durch seriös und verlässlich wirkt.

Tipp 2: Bio-Produkte immer zertifizieren lassen

Bevor Sie mit dem Verkauf von Bio-Produkten beginnen, müssen Sie alle entsprechenden Artikel von einer offiziellen Kontrollstelle zertifizieren lassen. Nur so erwerben Sie den Anspruch, die jeweiligen Produkte mit dem Begriff „Bio“ zu bewerben. Die Adressen der Öko-Kontrollstellen in Ihrer Region erfahren Sie zum Beispiel auf den Internetseiten der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, Geschäftsstelle Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) unter www.oekolandbau.de

Tipp 3: Den Code der Öko-Kontrollstelle gut sichtbar anzeigen

Verbraucher sollen in die Lage versetzt werden, die Zertifizierung von Produkten und Anbietern auf einfache Weise überprüfen zu können. Daher sind Sie als Online-Händler angehalten, den Code der Öko-Kontrollstelle innerhalb der Beschreibungen Ihrer Produkte anzuzeigen. Hierbei unterliegen Sie denselben Pflichten, wie stationäre Händler in Bezug auf die Etiketten Ihrer Produkte. Beachten Sie, dass Sie Ordnungsgelder und Abmahnungen riskieren, wenn Sie sich nicht an diese Auflage halten. Darüber hinaus sollte es Ihnen aber auch gegenüber Ihren Kunden selbstverständlich sein, offen und transparent mit der Herkunft Ihrer Produkte umzugehen.

Tipp 4: Vorsicht beim Einsatz von Bio-Siegeln

Das Bio-Siegel entwickelt eine Signalwirkung auf den Verbraucher und hilft Ihnen dabei, Ihre Bio-Produkte erfolgreich zu vermarkten. Allerdings müssen Sie seine Verwendung bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung anzeigen. Weitere Informationen hierzu finden Sie auf einer der Internetseiten der Bundesanstalt, die Sie unter www.bio-siegel.de erreichen. Unter keinen Umständen sollten Sie nachgeahmte Siegel verwenden, da Sie sich ansonsten der Irreführung von Verbrauchern schuldig machen könnten.

Tipp 5: Vermeiden Sie irreführende Werbung

Auch in Bezug auf Ihre Werbung, die Texte auf Ihren Internetseiten und insbesondere die Produktbeschreibungen im Shop müssen Sie jede Form der Irreführung von Konsumenten strikt vermeiden. Hierzu zählt insbesondere, von einem nicht zertifizierten Artikel den Eindruck zu erwecken, es handle sich um ein Bio-Produkt. Es spricht grundsätzlich nichts dagegen, mit einem gemischten Sortiment aus konventionellen und ökologischen Waren zu handeln. Allerdings sollten Sie in diesem Fall besonderen Wert darauf legen, dass Ihre Besucher und Kunden den Unterschied auf den ersten Blick erkennen können.

 

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Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.