Wo verkaufen? – Alle 7 Shoptypen im Detail

Es gibt unzählige Möglichkeiten und Wege, Produkte verschiedenster Art über das Internet zu vertreiben. Doch nicht jede ist für jedes Produkt gleichermaßen geeignet. Die folgenden Shoptyp-Charakteristika stellen einen Leitfaden dar, durch den der passende Shoptyp zu den eigenen Produkten schnell ermittelt werden kann.


Shop-typ 1: Kaufshop

Klassische Kaufshops entstammen der Ära, als die Shopsoftware noch via CD-ROM auf dem eigenen Server oder PC installiert und zu moderaten Preisen angeboten wurde, da die Zielgruppe u.a. im Lowbudget-Bereich lag. Aktuell findet man das Kaufshop-Modell jedoch fast ausschließlich in Form von „Kauflizenzen“ im niedrigen vierstelligen Bereich wieder. Die Zielgruppe hat sich somit klar in Richtung etablierter, mittelgroßer Online-Shops verschoben.

Durch das Gebührenmodell der Einmalzahlung anstatt z.B. monatlicher Grundgebührzahlungen bei Mietshops versuchen Anbieter von Kaufshop-Software ihre Kunden durch Kosteneinsparungen langfristig an sich zu binden. Die langfristige Bindung des Shopbetreibers an den Shopanbieter kann jedoch als Shoptyp-unabhängiges Primärziel angesehen werden, da erfahrungsgemäß ein Wechsel des Shopsystems aufgrund der enormen Wechselkosten seitens der Shop-Betreiber um jeden Preis vermieden werden sollte. Beginnende Online-Händler sollten daher sehr genau prüfen, ob ein u.U. relativ günstiger Kaufshop aufgrund der langfristigen Ausrichtung bei gewöhnlich anfangs stark ausgeprägten Unsicherheiten (Geschäftsmodell, Ziele) wirklich für sie geeignet ist.

Shop-typ 2: Mietshop

Die Vorteile eines Mietshops liegen primär in der meist überschaubaren Erstinvestition und der hohen Flexibilität. Durch die Möglichkeit, Kapazitäten durch einen Tarifwechsel/-Upgrade hinzuzukaufen, ist ein schnelles Wachstum zwar besser händelbar, das zuvor erwähnte Kostenrisiko eines späteren Shopwechsels aufgrund benötigter Funktionen besteht jedoch auch hier. Bei Mietshoptarifen gibt es teils gravierende Unterschiede hinsichtlich der Einrichtungskosten wie auch der umsatzabhängigen Provisionsgebühren. Werden pro Verkauf zusätzlich zur zum Teil niedrigen Grundgebühr noch prozentuale Provisionen auf den Verkaufspreis erhoben, so schmälert dies die Gewinnmarge vor allem bei Sortimenten mit hochpreisigen Artikeln und hohem Absatzwachstum. In vielen Fällen ist es daher sinnvoll, einen provisionsfreien Mietshop unter Hinzunahme einer höheren Grundgebühr einzusetzen.

Da bei Mietshops das Hosting fast ausnahmslos im Zuständigkeitsbereich des Shopanbieters liegt, ist man in hohem Maße bzgl. Support von der Erreichbarkeit, Reaktionsschnelligkeit und der Kompetenz der Shopanbieter-Mitarbeiter abhängig. Vor allem beim 24h-Support –  gerade auch am Wochenende – werden die Leistungsunterschiede schnell deutlich.

Das Kostenniveau der Mietshoplösungen reicht von wenigen Euro bis hin zu niedrigen vierstelligen Beträgen pro Monat. Da für nahezu jede Unternehmensgröße passende Mietshops existieren, zeigt dies die Allround-Einsatzmöglichkeit dieses Shoptyps.

Shop-typ 3: Marktplatz / Portal

Markplätze wie z.B. ebay.de, rakuten.de oder amazon.de verrechnen bei jedem Verkauf kategorie-abhängige Provisionen von bis zu 15% auf den Endkundenpreis (brutto). Durch die relativ neuen Marktplätze meinpaket.de, bepado.de oder aboutyou.de stehen aber mittlerweile zu prüfende Alternativen zur Verfügung, die z.B. die Unterschiede der Provisionshöhen betreffend, eine attraktive Preispolitik verfolgen. Zunehmend erheben auch Portale Grundgebühren, um u.a. Verkäufer von geringen Stückzahlen zu größeren Umsätzen zu animieren. Doch gerade das „Antesten“ von (neuen) Produkten auf Portalen ohne großes Marketing- und Shop-Softwarebudget ist nach wie vor einer der überragenden Vorteile von Marktplätzen. Seit dem Wegfall der Preisparität bei Amazon sollten auch etablierte Shopbetreiber den Vertrieb ihrer – um die Provisionshöhe angepassten – Produkte auf den Marktplatzkanälen testen. Man sollte sich auch bewusst sein, dass die eigenen Produkte durch einen Verkauf auf Portalen einem großen Pool an Bestandskunden dargeboten werden, die nicht erst teuer akquiriert werden müssen (vgl. Neukundengewinnung).

Shop-typ 4: Widgetshop

Nicht selten soll in eine bestehende Hersteller-, Blog- oder Themenwebseite eine Shopfunktion integriert werden. Bedeutete dies vor kurzem noch zwangsweise eine Übernahme der textuellen Inhalte in ein neues Shopsystem oder auf zwei getrennte Webseiten (shop.domain.de), so bieten immer mehr Shopanbieter wie z.B. OXID, 3dcart, woocommerce  „Widget-Lösungen“ an, die meist durch Einbettung von Javacode-Schnipseln in bereits existierende Content-Seiten eine Shop- und Warenkorb-Funktionalität „nachrüsten“. Die Vorteile hierbei liegen hauptsächlich in einer schnellen Umsetzung und dem Fortbestand des existierenden CMS (Content Management System). So können shopanbieterabhängig auch mehrere Domains das gleiche Shopsystem nutzen (Multisite). Durch die Schnittstelle zwischen Shop und Webseite ist diese Lösung jedoch u.U. störempfindlicher, z.B. aufgrund von Updates des Shop- oder CMS-Systems. Als etwas „umständlich“ muss die bei den meisten  Shopanbietern auftretende „Doppel-Login-Problematik“ bezeichnet werden, die dazu führt, dass z.B. ein eingeloggter Website-Autor zum Einsehen des Bestellprozesses erneut seine (evtl. abweichenden) Login-Daten eingeben muss.

Shop-typ 5: Facebook-Shop

Facebook-Shops sind eng mit Widget-Shops verwandt. Während die Zahl an Shop-Systemen, die eine direkte Facebook-App für im Shopsystem verwaltete Produkte bereitstellt, ständig wächst, gehen Anbieter wie santu oder Sellaround einen anderen Weg. Diese ermöglichen den Verkauf von einzelnen bis wenigen Produkten z.B. direkt auf der Facebook-Pinnwand und verschmelzen somit die Werbeanzeige mit dem Einkaufskorb. So entstehen neue Marketing- und Verkaufsmöglichkeiten, z.B. durch die gezielte Promotion von Produkten ausschließlich an die eigenen Facebook-Fans. Auch der Vertrieb von socialcommercenahen Produkten wie Musik, E-Books oder Eintrittskarten wird durch derlei Facebook-Shops ermöglicht. Der Verkauf von Produkten über die Zahlungsabwicklung von Facebook selbst – bislang nur per Kreditkarte möglich – steckt nach wie vor in den Kinderschuhen (fest).

Shop-typ 6: Open-Source / Community Editions

Von den Herstellern der bekanntesten Shopsysteme (Magento, Oxid und Shopware) wird als Alternative zu den kostenpflichten Produkten auch eine kostenlose Community-Edition zum Download angeboten. Im ersten Moment mag dies erstaunlich klingen, jedoch veröffentlichen die genannten Unternehmen diese Versionen nicht ohne Hintergedanken. Zum einen fördert der Einsatz von Community-Shops durch technisch versierte Shopbetreiber die Verbreitung der Shop-Software, zum anderen bieten alle großen Open-Source-Shopsysteme sog. „Plugin-Stores“ mit kostenpflichtigen Erweiterungen an. Diese können auch zur Funktionserweiterung der Community-Editions verwendet werden und bescheren den Shopanbietern so zusätzliche Einnahmen. Der größte Unterschied einer Community-Edition (CE) zu den teilweise 1.000 Euro pro Monat kostenden Mietshops besteht hingegen beim Support. Da in der Regel ein Mitarbeiter „inhouse“ weder die Detail-Kenntnisse über das CE-System besitzt noch diese kurzfristig erwerben kann, wechseln viele Shopbetreiber nach kurzer Zeit von Community-Editions hin zu kostenpflichtigen Tarifen.

Shop-typ 7: CMS – Shoperweiterungen

Mit dem anhaltenden Siegeszug der Content-Management-Systeme (CMS) – allen voran WordPress – sind im Netz, und immer öfter auch in Deutschland, Online-Shops mit CMS-Basis anzutreffen. Die Rechtssicherheit (Button-Lösung etc.) ist nun seit Längerem durch diverse Erweiterungen gegeben und somit kann sich bei existierenden Content-Webseiten mit CMS ein Vergleich der jeweiligen zur Verfügung stehenden Plugins lohnen. Aufgrund der insgesamt sehr niedrigen Investitionskosten bei gleichzeitig sehr großer Flexibilität, z.B. im Hinblick auf automatische Kunden-Benachrichtigungs-E-Mails, sollte man selbst bei kleineren E-Commerce-Projekten – ohne bereits vorhandene CMS-Seiten – den Einsatz einer CMS-basierten E-Commerce-Lösung in Erwägung ziehen. Ein großer Nachholbedarf der CMS-Shop-Erweiterungen liegt hingegen bei der noch kargen Auswahl an vorbereiteten Schnittstellen zu traditioneller Unternehmenssoftware wie z.B. einer Warenwirtschaftslösung. Den Bedarf von Schnittstellen gilt es daher explizit vor der Realisierung zu klären, um das Shopsystem dahingehend prüfen zu können.

FAZIT und Ausblick

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Auswahl des genutzten Shoptyps von großer Bedeutung für den Erfolg der Vertriebsaktivitäten  ist. Langfristig erfolgreiche Online-Händler erwägen auch die Kombination verschiedener Shoptypen (Multichannel), um so alle Kunden dort zu erreichen, wo sie nach den entsprechenden Produkten suchen. Gerade in Anbetracht der stark wachsenden Mobile-Commerce-Umsätze sowie Shopsystemerweiterungen wie shopgate oder QR-Shopping ist ein detaillierter Vergleich von Shopsystemen notwendig. Um den worst-case eines vorzeitigen Shopsystemwechsels zu vermeiden, sollten auch aktuelle und zukunftsorientierte Shopping-Funktionen in die strategische Planung und Anforderungsdefinition des künftigen Shopsystems mit einbezogen werden.

Die abschließende Tabelle ermöglicht eine erste Abschätzung des einzusetzenden Shoptyps.

Kleines Sortiment Großes Sortiment Geringes technisches Knowhow ausreichend Zeitbedarf für Einrichtung Unabhängigkeit
Kaufshop – – ++ – – + – –
Mietshop + ++ +
Marktplatz ++ + – – ++
Widget-Shop + – – o o
Facebook-Shop + o o +
OpenSource o + – – ++ – –
CMS-Erweiterung + o o

++ sehr gut | + gut | o neutral | schlecht | – – sehr schlecht

 

Über den Autor

Gastautor Alexander Hofmann

Artikel des Autors

Berater, Online-Händler, Verfechter von Transparenz im E-Commerce und Gründer und Mitgeschäftsführer der HOWADO GmbH. Der Dienst ecomparo.de ermöglicht individuelle und umfassende Shopsystem-Vergleiche. Die Vergleichsdienstleistungen wurden insbesondere für direktvertreibende Hersteller, Shopbetreiber, Agenturen, eigentlich für alle interessierten Personen an Shopsystemen entwickelt.