Wie gut ist meine Geschäftsidee wirklich? 6 Strategien zur kritischen Prüfung

Der Weg in die berufliche Selbständigkeit ist verlockend und kann sich für den Gründer lohnen. Wäre da nur nicht die Unsicherheit über die eigene Geschäftsidee und ihre Markttauglichkeit. Dabei gibt es bewährte und effektive Möglichkeiten, den eigenen geschäftlichen Einfall auf Herz und Nieren zu prüfen, bevor man ihn in die Tat umsetzt.

Die berufliche Selbständigkeit als Chance und Risiko

Der Volksmund sagt, dass es am Ende nichts umsonst gibt und hat damit in vielerlei Hinsicht recht. Fast alles hat nämlich seinen Preis, selbst dann, wenn man oft erst spät erkennt, welche Gegenleistungen im Einzelnen fällig werden. Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass die berufliche Selbständigkeit für ihren Gründer durch und durch positiv ist. Und in der Tat gibt es ausgesprochen viele gute Effekte, von denen ein Unternehmer profitiert, wenn er sich erst einmal dazu entschieden hat, seine Geschäftsidee zu verwirklichen und seinen eigenen Betrieb zu gründen.

Da ist zum Beispiel das hohe Maß an Freiheit und Selbstbestimmung. Es ist einfach motivierend, niemandem Rechenschaft zu schulden und alle wesentlichen Entscheidungen frei und unabhängig zu treffen. Als Selbständiger entscheidet man persönlich über die eigenen Arbeitszeiten. Niemand schreibt einem vor, wann man das Büro betritt oder es wieder verlässt. Niemand muss den eigenen Urlaub genehmigen und wir müssen niemanden mehr überzeugen und überreden, wenn wir uns einen neuen Chefsessel, einen neuen Schreibtisch oder einen neuen Firmenwagen wünschen. Unser Gehalt ist in der Regel deutlich höher als das eines Angestellten. Wir genießen einen guten sozialen Status und ein hohes Ansehen. Und wenn wir geschickt und klug vorgehen, dann können wir deutlich früher in einen finanziell sorglosen Ruhestand wechseln, als die abhängig arbeitende Bevölkerung.

 

Der Preis des beruflichen Erfolges

Doch was ist eigentlich der Preis für die vielen Vorzüge des Unternehmertums? Viele Gründer und angehende Unternehmer nennen auf diese Frage hin als erstes den hohen Zeiteinsatz und die schwer wiegende Verantwortung, die damit verbunden sind, wenn man selber Chef des eigenen Betriebes ist. Nun muss man hierzu sagen, dass ein Unternehmer, der persönlich dauerhaft übermäßig viel arbeitet, ganz offensichtlich etwas verkehrt anpackt. Dies soll kein Aufruf zum Müßiggang sein. Allerdings sollte man den vollmundigen Aussagen vieler Unternehmer, die von sich behaupten, über Jahre und Jahrzehnte hin 14, 16 oder gar 18 Stunden am Tag zu arbeiten, misstrauen. Das Leben als Chef ist in vielerlei Hinsicht süß und angenehm und fast jeder Unternehmer fürchtet sich davor, zum Opfer der Neidgefühle seiner Mitarbeiter und seines sozialen Umfeldes zu werden. Von daher wird in diesem Berufsstand vorsorglich sehr gerne über fast unglaubliche Arbeitszeiten geklagt.

Hierzu muss man klar sagen: Wer es als Unternehmer innerhalb von Jahren nicht geschafft hat, die eigene Arbeitslast auf einen normalen Stand herunterzubringen, dem fehlt ganz offensichtlich das Talent zum Delegieren, die Fähigkeit zur Organisation und die Durchsetzungskraft, ein gut ausgewähltes Team souverän zu führen. Der eigentliche Preis, den der Unternehmer zahlen muss, ist das Risiko, das mit der Selbständigkeit verbunden ist. Unternehmen können nämlich scheitern und wenn das geschieht, dann steht auch der beliebteste Chef plötzlich mutterseelenallein da und muss selber mit seinem Scheitern und dessen Folgen zurecht kommen.

 

Ist das Scheitern die Folge von bestimmten Fehlern?

Das Scheitern eines Unternehmens ist immer eine schlimme Angelegenheit, die oft viele Personen gleichzeitig betrifft. Kunden verlieren ihren Lieferanten und Lieferanten verlieren ihren Kunden. Mitarbeiter verlieren ihren sicher geglaubten Arbeitsplatz, Immobilienbesitzer verlieren ihren Mieter, Banken und Investoren verlieren nicht selten viel Geld und der Unternehmer selber, der verliert am Ende des Tages eigentlich alles. Natürlich gibt es eine ganze Reihe unterschiedlicher Gründe, die im Einzelfall dazu führen können, dass ein Unternehmen den harten Kampf am Markt nicht überlebt.

Man kann zum Beispiel einfach Pech haben, indem verschiedene negative Ereignisse zufällig kurz hintereinander geschehen und das Unternehmen in den Abgrund reißen. Man kann Opfer unfairer Konkurrenten oder missgünstiger Mitarbeiter werden oder an der eigenen Unfähigkeit als Unternehmer scheitern. In sehr vielen Fällen beginnen die Ursachen für das Scheitern aber deutlich früher. Und zwar bei der Entscheidung für die ursprüngliche Geschäftsidee und an dem Festhalten an einer Idee, die sich längst als unzureichend oder fehlerhaft erwiesen hat.

Wenn man sich als angehender Unternehmer oder Gründer also fragt, wie man das Risiko, das mit der Selbständigkeit verbunden ist, möglichst gering halten kann, dann lautet die Antwort, dass man die eigene Geschäftsidee mit größter Sorgfalt und mit viel Selbstkritik prüfen muss, bevor es an die eigentliche Umsetzung geht. Die folgenden sechs Strategien zeigen Ihnen, wie man eine Geschäftsidee auf Herz und Nieren untersucht, Schwachstellen identifiziert und damit eine ganz wesentliche Ursache für das vorzeitige Scheitern junger Unternehmen eliminiert.

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Strategie 1: Die kritische Selbsteinschätzung

Als Gründer und angehender Unternehmer sind Sie selber Ihr bester Kritiker und Ihr vertrauenswürdigster Berater. Nutzen Sie den Prozess der ersten Ideenfindung für Ihr geplantes Unternehmen vor allem zur Selbsterkenntnis. Führen Sie sich Ihre Stärken und Schwächen vor Augen, werden Sie sich über langfristige Interessen klar und denken Sie darüber nach, welche bereits vorhandenen Kenntnisse und Fähigkeiten gut zu einer möglichen Geschäftsidee passen würden. Führen Sie sich dabei immer wieder vor Augen, dass es eine Grundvoraussetzung für jeglichen Erfolg ist, dass Ihre Geschäftsidee optimal zu Ihnen passt.

Wenn Sie bereits erste Ideen entwickelt haben, dann spüren Sie Ihrem Gefühl in Bezug auf jedes Konzept nach. Trauen Sie nicht nur Ihren konkreten Gedanken, sondern auch Ihren Emotionen in Bezug auf bestimmte Geschäftsideen. Ihre Gefühle verraten Ihnen oft eine begründete Abneigung, die Sie nur noch nicht in Worte fassen können.

Unser Tipp: Konzentrieren Sie sich bereits bei der Entwicklung Ihrer ersten Geschäftsideen immer zunächst auf Ihre persönlichen Interessen, Kenntnisse, Fähigkeiten und Stärken. Je mehr Ihr geschäftliches Konzept mit Ihnen selber zu tun hat, desto leichter wird es Ihnen fallen, Tag für Tag die nötige Motivation aufzubringen, um Ihr Unternehmen nach vorne zu bringen. Außerdem werden Sie alle anstehenden Entscheidungen mit großer Souveränität und Sicherheit treffen können, wenn Sie sich Ihrem Geschäftsgegenstand sehr nahe fühlen.

 

Strategie 2: Die gründliche Recherche im Web

Wenn Sie selber unter all Ihren Einfällen eine Geschäftsidee ausgewählt und diese von allen Seiten betrachtet und vor dem Hintergrund Ihrer persönlichen Einschätzungen für gut befunden haben, dann ist es an der Zeit, Ihr Konzept einer ersten Überprüfung anhand externer Fakten zu unterziehen. Das Internet erleichtert Ihnen diesen Schritt erheblich. Recherchieren und forschen Sie einfach in Bezug auf das anvisierte Geschäftsmodell und achten Sie dabei sowohl auf die Anbieterseite, also Ihre künftige Konkurrenz, als auch auf die Konsumenten und damit Ihre künftigen Kunden.

Nehmen Sie sich für diese Recherche so viel Zeit wie erforderlich. Es kann Stunden oder sogar Tage dauern, bis Sie allen Impulsen, Links und Bruchstücken gefolgt sind, die Ihnen Aufschlüsse über Qualität und Potenzial Ihrer Idee geben können. Wichtig ist dabei, dass Sie Dinge, die Ihnen auffallen, sorgfältig protokollieren. Hierzu zählen sowohl nützliche Ergänzungen Ihres Konzeptes und bestätigende Informationen als auch Fakten, die ein eher kritisches Licht auf Ihre Geschäftsidee werfen.

Unser Tipp: Ihre Recherche im Internet sollte sich nicht auf den deutschen oder den deutschsprachigen Markt beschränken. Dehnen Sie Ihre kleine Marktforschung unbedingt auf andere Länder aus, auch wenn Sie dazu sprachliche Barrieren überwinden müssen. Je nach Branche werden Sie schnell feststellen, dass bestimmte Länder und deren Märkte teilweise deutlich weiter entwickelt sind, als es hierzulande der Fall ist und dass Sie daher gerade von ausländischen Unternehmen viel lernen können.

 

Strategie 3: Das nächste soziale Umfeld

Sie haben Ihre Geschäftsidee jetzt sowohl anhand Ihrer eigenen Einstellungen und Einschätzungen als auch vor dem Hintergrund externer Informationen aus dem Internet geprüft. Wenn Sie nach wie vor von Ihrem Konzept überzeugt sind, dann steht Ihnen jetzt die Aufgabe bevor, zum ersten Mal mit anderen Menschen über Ihren Einfall zu sprechen. Diese Form der Kommunikation ist etwas ganz Besonderes. Wenn Sie sich wirklich für die Geschäftsidee entscheiden, dann werden Sie in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren noch unzählige Male über Ihr Konzept sprechen. Allerdings liegt nun das ebenso schwierige wie spannende erste Mal vor Ihnen.

Holen Sie hierzu eine Gruppe von Menschen aus Familie, Freundes- und Bekanntenkreis oder Ihrem beruflichen Umfeld zusammen und präsentieren Sie Ihre Geschäftsidee so kurz und knapp wie möglich und so ausführlich wie nötig. Versuchen Sie es zu vermeiden, Ihr Konzept allzu positiv vorzustellen und verschweigen Sie eigene Zweifel nicht. Nehmen Sie aber auch keine überkritische Position ein, sondern lassen Sie ruhig Ihre Begeisterung und Überzeugung durchblicken.

Unser Tipp: Wenn Sie Ihre Geschäftsidee in der Familie oder im Freundeskreis vorstellen, dann werden Sie dort nicht nur auf versierte Geschäftsleute und erfahrene Strategen stoßen. Stattdessen begegnen Ihnen dort ganz normale Verbraucher und Sie sollten nicht den Fehler begehen, deren Auffassungen, Einwände und Anregungen nicht ernst zu nehmen. Bedenken Sie, dass Sie bei solchen Gelegenheiten die Chance haben, Ihre künftige Zielgruppe kennenzulernen und hören Sie vor allem Ihren Kritikern ganz genau zu.

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Strategie 4: Der solide Businessplan

Wenn Sie nach dieser Erstpräsentation immer noch an Ihre Geschäftsidee glauben, dann wird es jetzt Zeit, die wirtschaftlichen Aussichten, Chancen und Risiken Ihres künftigen Unternehmens aus dem Stadium des Hoffens und Wünschens herauszuführen und stattdessen auf eine fundierte und belastbare Planung zu setzen. Sie benötigen einen Businessplan, der simulieren soll, wie sich Ihr Betrieb innerhalb der ersten Monate und Jahre wirtschaftlich darstellen wird. Der Businessplan dient dabei zum einen Ihrer eigenen Orientierung. Er wird Ihnen die Frage beantworten, ob es sich lohnt, sich weiterhin mit der Geschäftsidee zu beschäftigen. Darüber hinaus bildet er aber auch die Grundlage für spätere Gespräche mit strategischen Partnern, Geldgebern, Lieferanten oder Kunden.

Der Businessplan gliedert sich in einen qualitativen und einen quantitativen Teil. Im qualitativen Teil beschreiben Sie mit eigenen Worten die eigentliche Geschäftsidee, schildern die Marktsituation und erläutern Ihre individuelle Positionierung. Im quantitativen Teil untersuchen Sie auf der einen Seite die Einnahmen und auf der anderen Seite die Kosten Ihres Geschäftsmodells, um möglichst exakt zu simulieren, wie sich das künftige Unternehmen entwickeln wird.

Unser Tipp: Es ist nicht einfach, einen Businessplan für das eigene Unternehmen zu erstellen und dennoch bei allen Annahmen und Prognosen immer ganz neutral zu bleiben. Zu sehr sind wir von dem Wunsch beseelt, dass sich unser Unternehmen auch rechnerisch gut darstellt und dabei neigen wir dazu, zu sehr auf unser künftiges Glück zu vertrauen. Ziehen Sie daher zur Erstellung des Businessplans nach Möglichkeit solche Menschen hinzu, deren Beruf es bereits mit sich bringt, besonders kritisch und eher pessimistisch zu sein. Wenden Sie sich dazu zum Beispiel an einen versierten Steuerberater oder an einen erfahrenen Gründungscoach.

 

Strategie 5: Die offizielle Meinung

Mit der Erstellung des Businessplans haben Sie eine ganz wesentliche Hürde auf dem Weg zum eigenen Unternehmen genommen. Sie wissen nun genau, ob sich Ihr Einfall in ein tragfähiges Geschäftsmodell verwandeln lässt oder ob es zum Scheitern verurteilt wäre. Sie werden an Ihrer Geschäftsidee und an Ihrem Businessplan so lange feilen und optimieren, bis Sie entweder mit dem Zahlenmaterial zufrieden sind oder bis Sie einsehen, dass Sie auf das falsche Pferd gesetzt haben und sich nach einer ganz anderen Geschäftsidee umschauen müssen.

Wenn es Ihnen gelungen ist, einen fundierten, belastbaren und lohnenswerten Business-Case aufzubauen, dann sollten Sie Ihre Geschäftsidee im nächsten Schritt mit professionellen Gesprächspartnern diskutieren. Hierbei kann es sich zum Beispiel um potenzielle Kapitalgeber, um strategische Berater, um mögliche Geschäftspartner oder auch einfach nur um erfahrene Unternehmer handeln, die bereit sind, Ihnen ein wenig Ihrer Zeit zu opfern.

Unser Tipp: Viele Unternehmer haben große Angst davor, dass Ihre Geschäftsidee von anderen Firmen nachgeahmt werden könnte, wenn sie zu offen darüber kommunizieren. Daher ziehen Sie es vor, über die eigenen Pläne zu schweigen und verzichten dadurch auf manch guten Rat. Die Praxis zeigt, dass es ausgesprochen selten passiert, dass eine Geschäftsidee in einer solch frühen Phase tatsächlich kopiert wird. Außerdem haben Sie selbst in einem solchen Fall durch die bereits absolvierten Schritte immer ein gutes Stück Vorsprung. Sprechen Sie also offen mit Profis über Ihre Geschäftsidee, um ein qualifiziertes Feedback zu erhalten.

 

Strategie 6: Die langfristige Praxis

Sie haben nun sehr viel dafür getan, Ihre Geschäftsidee vor der eigentlichen Umsetzung auf Herz und Nieren zu prüfen. Sie haben exakt untersucht, ob Ihr Konzept zu Ihnen selber passt. Sie haben recherchiert, ob Marktsituation und Konkurrenz Ihnen genug Raum für eine positive Entwicklung lassen. Sie haben das Unternehmen in Ihrem sozialen Umfeld zur Diskussion gestellt und einen belastbaren und soliden Businessplan erarbeitet. Und Sie haben sich mit erfahrenen Profis darüber beraten, ob Ihre Idee Aussicht auf Erfolg hat.

Damit sind die notwendigen und sinnvollen Vorbereitungen abgeschlossen. Wenn Sie im Rahmen der bisherigen Strategien keine ernsthaften Einwände gegen Ihr Konzept entdecken konnten, dann können Sie mit einer recht guten Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass Ihre Geschäftsidee geeignet ist, Märkte und Verbraucher zu überzeugen und Sie zum erfolgreichen Unternehmer zu machen.

Unser Tipp: Klammern Sie sich nicht an eine Geschäftsidee, wenn Sie in der Praxis feststellen, dass Sie sich nicht so erfolgreich umsetzen lässt wie angenommen. Nutzen Sie stattdessen die Chance, Änderungen an Ihrem Konzept vorzunehmen, um Ihr Unternehmen doch noch auf einen guten Weg zu bringen. Bedenken Sie, dass jeder Monat, den Sie eine schlechte Geschäftsidee unverändert weiterlaufen lassen, Sie ein gutes Stück näher an den wirtschaftlichen Abgrund bringt und steuern Sie unbedingt gegen, bevor es zu spät ist.

 


 

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.