Web-Hosting auf dem Prüfstand: So erkennen Sie einen zuverlässigen Dienstleister

Jedem Online-Händler ist klar, wie wichtig Faktoren wie Geschäftsidee, Sortiment, Shop-System oder Zahlungssysteme für den geschäftlichen Erfolg seines Unternehmens sind. Dagegen wird die Bedeutung des Dienstleisters für das Web-Hosting der eigenen Seiten häufig unterschätzt. Dabei hängt nicht nur die gesamte Existenz eines Web-Shops von seiner Verbindung in das World Wide Web ab. Es gibt auch große Unterschiede zwischen den zahlreichen Anbietern am Markt. Wir erklären Ihnen, warum das Hosting im E-Commerce so wichtig ist und worauf man bei der Auswahl des Dienstleisters achten sollte.

Web-Hosting auf dem Prüfstand

Web-Hosting ist heute ein komplexer und unübersichtlicher Markt

Grundsätzlich versteht man unter Web-Hosting oder auch Net-Hosting eine Dienstleistung, bei der ein Anbieter seinem Kunden eine Kombination aus Webspace, Webserver und Netzwerkanbindung zur Verfügung stellt. Diese Art von Dienstleister wird als Internet Service Provider (ISP) bezeichnet. Der Markt für Web-Hosting ist in den vergangenen Jahren immer stärker gewachsen. Heute ist das Angebot unübersichtlich und für viele Kunden mehr als verwirrend. Das liegt vor allem daran, dass der Internet Service Provider in der Regel nicht nur die reine Netzanbindung zur Verfügung stellt, sondern seine Server darüber hinaus mit einer Reihe von Funktionen und Features ausstattet, die für viele Anwendungen, vor allem im E-Commerce unverzichtbar sind. Hierzu zählt zum Beispiel die Unterstützung bestimmter Skript-Sprachen oder Datenbankmodelle, die Bereitstellung von Content-Management-Systemen oder die Integration von moderner Sicherheitstechnik.

Darüber hinaus unterscheiden sich die verschiedenen Hosting-Modelle vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen technischen Struktur, die auch einen erheblichen Einfluss auf die Kosten der Nutzung hat. So findet man am Markt zum Beispiel kostenlose Web-Hosting-Angebote, die sich in der Regel durch Werbung finanzieren und die für die gewerbliche Anwendung nicht geeignet sind. Die nächste Stufe bilden Modelle, bei denen alle auf einem Server vertretenen Domains gemeinsame Ressourcen nutzen und die als Shared Web-Hosting Service bezeichnet werden. Hier sind die Individualisierungs- und Steuerungsmöglichkeiten für den einzelnen Kunden naturgemäß stark eingeschränkt, was diese Lösung für den Einsatz im E-Commerce nicht gerade zur ersten Wahl macht. Professioneller wird es bei den sogenannten Virtual Dedicated Servern. Hier können den verschiedenen Kunden bereits individuelle Ressourcen zugewiesen werden, wobei diese separate Struktur lediglich virtuell simuliert wird. Für kleine und mittlere Online-Shops kommen solche Modelle bereits durchaus in Frage. Darüber sind die Dedicated Hosting-Modelle angesiedelt. Hier steht dem Kunden ein eigener Server zur Verfügung, über den er die volle Kontrolle hat. Das beinhaltet allerdings auch die Verantwortung für Aufgaben aus den Bereichen Wartung und Sicherheit und setzt auf Seiten des Kunden ausgeprägte Kenntnisse voraus.

Eine noch vergleichsweise neue Technologie ist das Cloud-Hosting, bei dem Datenspeicherung und Rechenleistungen auf geclusterten Servern ausgeführt werden. Der Vorteil liegt hier vor allem in der hohen Verfügbarkeit auch dann, wenn es zu unerwartet großem Besucheraufkommen kommt. Allerdings können bei diesem Modell Probleme mit der Datensicherung bestehen. Nicht unerwähnt bleiben sollte die Möglichkeit, im Unternehmen einen eigenen Server zu betreiben. Diese Form des Hostings wird als Home-Server bezeichnet und bietet dem Anwender natürlich die volle Kontrolle. Allerdings gelten Home-Server im gewerblichen Bereich als ausgesprochen riskant, da normale Büros in aller Regel nicht über sonderliche Sicherheitsausstattungen oder eine Notstromversorgung verfügen, was sie gegenüber den professionellen Rechenzentren deutlich unterlegen macht.

Die Anforderungen sind so verschieden wie die Anbieter selber

Wir haben Ihnen die wichtigsten Hosting-Formen deshalb so ausführlich vorgestellt, um Ihr Verständnis dafür zu schärfen, dass es in diesem Bereich keine standardisierte Optimallösung gibt, sondern dass sich das beste Modell und der optimale Anbieter immer nur in Verbindung mit Ihren individuellen Anforderungen definieren lassen. Hier kommt es vor allem darauf an, über welche technischen Kenntnisse, Fähigkeiten und Ressourcen Sie und Ihre Mitarbeiter verfügen. Je weniger ausgeprägt Ihre Expertise in diesem Bereich ist, desto umfassendere Leistungsmerkmale muss Ihnen Ihr Internet Service Provider bieten. Stellen Sie sich daher vor allem die Frage, ob Sie bestimmte Sicherheits- und Wartungsaufgaben in Bezug auf Ihren Server selber darstellen können und wollen. Ist dies nicht der Fall, dann sind Sie mit einem Service-Paket, bei denen Ihnen der Anbieter diese Aufgaben abnimmt, grundsätzlich besser bedient. Allerdings sollten Sie immer bedenken führen, dass auch in dieser Branche gilt, dass zusätzlicher Service auch mit zusätzlichen Kosten verbunden ist. Da es sich hierbei um dauerhafte und wiederkehrende Ausgaben handelt, kann die Überlegung durchaus sinnvoll sein, alternativ eine eigene IT-Abteilung aufzubauen.

Wichtig ist natürlich, dass Sie sich vor der Entscheidung für einen passenden Dienstleister Gedanken darüber machen, welchen Speicherplatz und welches Datenvolumen Sie benötigen. Der Speicherplatz legt fest, wie groß Ihre komplette Shop-Anwendung mit allen  Einzelseiten, Texten, Bildern, Grafiken und sonstigen Bestandteilen insgesamt sein darf. Während kleinere Sites mit wenig Unterseiten bereits mit einem Speicherplatz von wenigen MB auskommen, benötigen professionelle Shop-Seiten mit vielen Produkten und einer komplexen Struktur deutlich mehr Platz auf dem Server des jeweiligen Anbieters. In Bezug auf den zu erwartenden Datenverkehr können Sie sich zunächst mit der Faustregel behelfen, dass ein Besucher auf Ihren Seiten im Durchschnitt zwischen 50 und 100 KB Datenverkehr auslöst. Mit einem Volumen von 2 GB könnten Sie auf diese Weise also zwischen 20.000 und 40.000 Kunden pro Monat empfangen.

Ein sehr wichtiger Aspekt ist darüber hinaus die Verfügbarkeit eines Servers, die auch als Uptime bezeichnet wird. Gemessen wird dieser Wert in Prozent. Der konkrete Prozentsatz teilt Ihnen dabei mit, an wie vielen Tagen im Jahr der Server für Ihre Kunden erreichbar ist. Nun könnte man fälschlicherweise davon ausgehen, dass es sich bei einer Verfügbarkeit von 90 Prozent bereits um einen guten Wert handelt. Beachten Sie allerdings, dass dies bedeutet, dass Ihr Server an 36,5 Tagen des Jahres nicht erreichbar ist. Dies entspricht einer Downtime von 72 Stunden pro Monat oder 16,8 Stunden pro Woche. Sie können sich wohl selber vorstellen, dass Sie mit dieser Performance sehr schnell Ihre Kunden vergraulen würden. Zum Vergleich: Bei einer Verfügbarkeit von 99 Prozent ist der Server lediglich an 3,65 Tagen des Jahres, an 7,2 Stunden pro Monat und an 1,68 Stunden pro Woche nicht zu erreichen. Mit diesem Wert lässt es sich im direkten Vergleich als Shop-Betreiber also deutlich besser leben.

Sicherheit sollte ein bestimmender Auswahlfaktor sein

Auf der Such nach dem optimalen Web-Hosting-Anbieter sollten Sie den Aspekt der Sicherheit auf keinen Fall vernachlässigen oder unterschätzen. Hierzu sollte zwischen verschiedenen Faktoren unterschieden werden. Zunächst sollten Sie sich einen Eindruck darüber verschaffen, mit welchen Techniken und Methoden Ihre Daten bei dem Internet Service Provider gegen Verlust gesichert werden. Der Dienstleister sollte hierzu über ein fortschrittliches Backup-System verfügen, das Ihre Daten auch dann schützt, wenn mehrere Systeme gleichzeitig ausfallen oder beschädigt werden. Zweitens müssen Sie und Ihre Kunden sicher vor unbefugten Zugriffen auf die hinterlegten Daten sein. Niemand soll von außen Zugriff auf interne Unternehmensinformationen oder die sensiblen Daten Ihrer Kunden erhalten. Der Internet Service Provider muss Ihnen klar darlegen können, in welcher Weise er sein Netzwerk und seine Infrastruktur vor Angriffen schützt.

Drittens benötigt auch das Gebäude, in dem gehostet wird, eine angemessene Schutzausrüstung. Das Rechenzentrum sollte beispielsweise rund um die Uhr bewacht und zusätzlich gegen Feuer und Wasser gesichert sein. Außerdem müssen Vorkehrungen für den Fall von Stromausfällen getroffen werden, die es mindestens erlauben, die Server ordnungsgemäß herunterzufahren, wenn der Strom einmal ausfällt. Viertens sollten Sie sich ausführlich darüber informieren, in welcher Weise Ihnen der Internet Service Provider unterstützend zur Seite steht, wenn Ihr Shop das Opfer von Hackangriffen wird. Hierbei geht es vor allem um sogenannte DDoS-Attacken, mit denen Erpresser, Konkurrenten oder verärgerte Kunden mit vergleichsweise geringem Aufwand selbst große Internetseiten zeitweilig zum Erliegen bringen können. Der Dienstleister sollte für solche Fälle über geregelte Abläufe, Vorkehrungen und Strukturen verfügen, mit denen sich das Problem schnell und kostengünstig lösen lässt.

Schritt für Schritt zum passenden Anbieter für Web-Hosting

Um nun selber in der Lage zu sein, sich für den optimalen Internet Service Provider zu entscheiden, sollten Sie in gut durchdachten und strukturierten Schritten vorgehen. Definieren Sie zuerst Ihre individuellen Anforderungen und Bedürfnisse. Stellen Sie fest, welchen Speicherplatz Ihre Shop-Plattform aktuell verbraucht und prognostizieren Sie sorgfältig, wie sich dieser Bedarf in der Zukunft verändern wird. Fügen Sie dem Wert zusätzlich eine Reserve hinzu. Untersuchen Sie nun die Anzahl der monatlichen Besucher und den sich dadurch ergebenden Datenverkehr. Auch hier sollten Sie versuchen, einen Blick in die Zukunft zu werfen und vor allem darauf achten, zu welchem Datenaufkommen es kommen kann, wenn Sie besondere Aktionen durchführen oder wenn Werbung und Marketing dazu führen, dass Ihr Shop von besonders vielen Verbrauchern besucht wird.

Darüber hinaus sollten Sie selbstkritisch einschätzen, welche Kenntnisse und Fähigkeiten im Unternehmen zur Verfügung stehen und welche Aufgaben in Sachen Sicherheit, Wartung und Betrieb Sie selber professionell darstellen können. Bestehen keine sonderlichen Kenntnisse, dann sollten Sie sich für einen entsprechend umfangreichen Service entscheiden. Können Sie bestimmte Aufgaben dagegen selber übernehmen, dann benötigen Sie von Ihrem künftigen Internet Service Provider deutlich weniger Leistungen. Der letzte Aspekt, den Sie untersuchen müssen, ist die Frage, welche technische Ausstattung, welchen Leistungsumfang und welche Zusatzfunktionen Ihr Shop-System benötigt. Hierzu zählen insbesondere bestimmte Skript-Sprachen, Datenbankmodelle, Auswertungsmöglichkeiten, Schnittstellen oder Content-Management-Systeme.

Nachdem Sie nun sämtliche Anforderungen sorgfältig ermittelt und notiert haben, können Sie damit beginnen, sich einen Überblick über den sehr komplexen und umfangreichen Markt zu verschaffen. Ihr Nachteil in dieser Phase besteht darin, dass es sehr viele Anbieter gibt, die vergleichbare Leistungen im Programm haben. Der Vorteil ist allerdings, dass die meisten Internet Service Provider ihren jeweiligen Leistungsumfang sehr standardisiert beschreiben, sodass die verschiedenen Dienstleister sehr leicht zu vergleichen sind. Bevor Sie nach geeigneten Anbietern suchen, sollten Sie sich bei Kollegen, in Web-Foren und in Fachartikeln über Internet Service Provider informieren, mit denen andere Anwender bereits gute Erfahrungen gesammelt haben und die allgemein empfohlen werden. Stellen Sie sich nun eine Liste von Dienstleistern zusammen, die sowohl einen guten Ruf besitzen als auch sämtliche Anforderungen erfüllen, die Sie im ersten Schritt definiert haben.

Im letzten und wichtigsten Schritt geht es nun darum, Anbieter gezielt herauszufiltern, die in Bezug auf ihre Leistungen, ihre Vertragsbedingungen oder sonstige Aspekte nicht als seriös einzustufen sind. Achten Sie in diesem Zusammenhang unter anderem darauf, dass die AGB des Unternehmens schnell zu finden und verständlich formuliert sind. Prüfen Sie die Allgemeinen Geschäftsbedingungen in Bezug auf versteckte Klauseln, die nachteilig für Kunden sind. Achten Sie außerdem darauf, dass die Vertragslaufzeit nicht länger als 12 Monate ist und die Kündigungsfrist maximal 30 Tage beträgt. Ein sehr wichtiger Aspekt ist darüber hinaus, dass die benötigten Domains auf Ihr Unternehmen und nicht auf den Internet Service Provider registriert werden.

Verschaffen Sie sich einen Eindruck über die Service-, Support- und Hilfsangebote des Dienstleisters. Forschen Sie insbesondere nach Seiten mit FAQs und informieren Sie sich darüber, ob der Internet Service Provider im Falle von Problemen durchgängig erreichbar ist. Achten Sie darüber hinaus darauf, ob der Dienstleister seinen Kunden anbietet, im laufenden Betrieb Speicherplatz oder Datenvolumen ohne sonderliche Aufpreise jederzeit zu erhöhen und anzupassen.

Wenn Sie all die genannten Aspekte und Faktoren überprüft haben, sollte Ihnen nun eine Liste mit besonders leistungsfähigen Web-Hostern zur Verfügung stehen, die Ihre sämtlichen Anforderungen erfüllen und die insgesamt über einen guten Ruf verfügen. Nun bleibt Ihnen noch der Preisvergleich zwischen den verschiedenen Dienstleistern. Beachten Sie, dass sich die Kosten für die Services teilweise erheblich voneinander unterscheiden können und wählen Sie von allen optimalen Internet Service Providern am Ende den günstigsten aus.

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.