Vorsicht beim internationalen Handel: 7 Profi-Tipps, die Ihre Position verbessern

Als Online-Händler steht man im Grunde genommen immer mit einem Bein vor Gericht, sobald man seine geschäftliche Tätigkeit aufgenommen hat. An jedem einzelnen Tag kann man als Internetunternehmer verklagt, abgemahnt oder vor Gericht gezerrt werden. Die zunehmende Verbreitung des internationalen Handels hat diese Problematik nicht gerade entschärft. Wir sagen Ihnen, was Sie unternehmen können, um bei gerichtlichen Auseinandersetzungen wenigstens Ihren eigenen Geschäftsort als Gerichtsstand durchzusetzen.

Gerichtsstand im internationalen Handel

Das Internet kennt keine Landesgrenzen

Wir alle wissen, dass es im Internet keine wirksamen Ländergrenzen gibt. Der grenzübergreifende Charakter der Internetkommunikation wird vor allem dann deutlich, wenn Sie sich vor Augen führen, dass Sie jederzeit einen Artikel in einem Online-Shop aus Timbuktu bestellen können. Ebenso ist es natürlich auch einem Internetnutzer aus Timbuktu möglich, Waren in Ihrem Shop zu ordern. Es liegt auf der Hand, dass es bei dieser Form von Geschäften schnell zu rechtlichen Auseinandersetzungen kommen kann. Welche Gesetze gelten für solche internationalen Transaktionen? Die des Landes, in dem der Shop beheimatet ist, oder die des Staates, aus dem der Besteller stammt?

Viele Faktoren entscheiden über den jeweiligen Gerichtsstand

Unabhängig von den juristischen Feinheiten dürfte es für Online-Händler und ihre Kunden vor allem von Interesse sein, welcher Gerichtsstand im Falle von Auseinandersetzungen gilt. Unter dem Gerichtsstand bezeichnen Juristen den Ort, an dem eventuelle Gerichtsverfahren stattfinden und an dem entsprechend auch erforderliche Klagen gestellt werden müssen. Wenn wir zu unserem Beispiel mit dem Besteller aus Timbuktu zurückkehren, wird schnell deutlich, warum der Gerichtsstand eine durchaus wichtige Sache ist: Sie würden nämlich im Falle einer Auseinandersetzung mit Ihrem Besteller wohl kaum ein Interesse daran haben, einen Anwalt in Westafrika zu beauftragen, um bei einem dortigen Gericht Klage einzureichen.

Der Gerichtsstand ist also eine außerordentlich wichtige Angelegenheit und zumindest innerhalb der EU gibt es für Online-Händler seit einiger Zeit durch eine entsprechende Verordnung ein wenig mehr Rechtssicherheit. Hier wurde nämlich festgelegt, dass der Gerichtsstand im Land des Online-Händlers liegen kann, wenn er sein Angebot im Web nicht explizit auf die Bevölkerung in dem Land gerichtet hat, aus dem der Kunde stammt, mit dem es eine rechtliche Auseinandersetzung gibt. Hiermit ist gemeint, dass ein Kunde es nicht für sich beanspruchen kann, dass der Gerichtsstand sich in seinem Land befindet, wenn Sie es als Händler gar nicht beabsichtigt haben, Handel mit ihm zu treiben.

Sie können sich bereits vorstellen, dass man wahrscheinlich lange darüber streiten kann, ob sich ein Angebot im Web explizit an die Bevölkerung eines bestimmten Landes wendet. Damit sich der Gerichtsstand aber nach Möglichkeit in Ihrem Land befindet, wenn sich einmal ein ausländischer Kunde auf Ihre Seiten verirrt und dort etwas bestellt, sollten Sie eine Reihe von Tipps und Empfehlungen einhalten, die wir Ihnen im Folgenden vorstellen wollen. Dies gilt natürlich nur dann, wenn Sie tatsächlich nicht am Aufbau einer regelmäßigen Geschäftsbeziehung mit Kunden aus dem jeweiligen Land interessiert sind. Ist dies der Fall und beschäftigt sich Ihr Angebot dementsprechend eindeutig mit Kunden aus anderen Ländern, dann müssen Sie wohl oder übel damit leben, sich im Falle von rechtlichen Auseinandersetzungen mit ausländischen Gerichten beschäftigen zu müssen.

Tipp 1: Die Top-Level-Domain

Stellt ein Richter oder ein Ermittler fest, dass Sie Ihre Inhalte im Web auch unter der Top-Level-Domain anbieten, um deren Land es bei der gerichtlichen Auseinandersetzung geht, dann wird es sehr schwierig, zu behaupten, man habe die betreffende Bestellung unbeabsichtigt erhalten. Versuchen Sie von daher, sich auf eine eindeutige „-de-Domain“ zu beschränken, wenn Sie den Eindruck vermitteln wollen, ausschließlich Kunden im eigenen Land anzusprechen.

Tipp 2: Fremde Sprachen im Shop

Ebenso sollten Sie die Inhalte auf Ihren Internetseiten nicht in fremden Sprachen verfassen, wenn Sie gleichzeitig behaupten, Ihre Leistungen lediglich Kunden aus Deutschland anzubieten. Zumindest bräuchten Sie in diesem Fall einen guten Grund für das Auftauchen entsprechender Übersetzungen. Sie könnten sich zum Beispiel darauf herausreden, Ihren Kunden aus Belgien und der Schweiz französische Inhalte anzubieten, die allerdings nicht für Kunden aus Frankreich bestimmt sind.

Tipp 3: Internationale Vorwahlen

Wenn Sie im Kontaktbereich internationale Vorwahlen angeben, dann brauchen Sie sich nicht zu wundern, wenn Gerichte zu der Auffassung gelangen, dass Ihre Angebote nicht ausschließlich auf Kunden in Deutschland zugeschnitten sind. Wenn Sie diesen Eindruck vermitteln wollen, dann sollten Sie auf die Erwähnung von internationalen Vorwahlen ebenso verzichten, wie auf das Länderkennzeichen „D“ in Ihrer Adresse.

Tipp 4: Eindeutige Informationen

Wenn Sie bereits auf der Startseite deutlich machen, dass Sie sich auch sehr über den Besuch internationaler Kunden auf Ihren Shop-Seiten freuen und gerne dazu bereit sind, Ihre Waren in andere Länder zu versenden, dann wird es nicht sonderlich glaubwürdig wirken, wenn Sie gleichzeitig behaupten, sich nicht explizit um Kunden aus dem Ausland zu bemühen. Verzichten Sie also lieber auf eine allzu direkte Ansprache internationaler Besucher.

Tipp 5: Erwähnung internationaler Kunden

Ebenso wie es gilt, eine internationale Ansprache von Kunden aus dem Ausland zu vermeiden, so sollten Sie auch darauf verzichten, mit Ihren vielen zufriedenen Käufern aus der ganzen Welt zu werben. Gehen Sie davon aus, dass im Falle einer rechtlichen Auseinandersetzung sehr genau auf die Inhalte Ihrer Internetseiten geachtet wird. Entsteht dabei der Eindruck, dass Sie bewusst um Kunden aus anderen Ländern geworben haben, werden Sie keine guten Chancen auf ein Gerichtsverfahren im eigenen Land haben.

Tipp 6: Anzeige internationaler Kundenbewertungen

Achten Sie darauf, dass Ihnen keine Nachlässigkeiten wie die Anzeige von Kundenbewertungen aus dem Ausland unterlaufen, wenn Sie auf der anderen Seite glaubwürdig versichern wollen, dass Ihr Shop lediglich inländische Kunden ansprechen soll. Die Überprüfung Ihrer Shop-Seiten wird im Zweifelsfall jedes noch so kleine Detail umfassen.

Tipp 7: Internationale Wegbeschreibungen

Wenn es um die Überprüfung von Shop-Seiten bezüglich ihrer internationalen Ausrichtung geht, dann schauen Juristen und Ermittler gerne auf die Wegbeschreibungen innerhalb der Kontaktbereiche. Wenn Sie hier Beschreibungen oder Karten liefern, die bis an die Grenze des jeweiligen anderen Landes reichen, dann wird es sehr schwer werden, zu behaupten, dass Sie die dortigen Kunden nicht explizit ansprechen.

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.