[Interview] Smartcar zum Nachrüsten – Das Carkit für die modernere Mobilität

Wer sich als Auto Autofahrer sicherer, stressfreier und günstiger fortbewegen möchte, für den ist PACE ein echtes Hilfsmittel. Das markenunabhängige Connected Car System zum Nachrüsten bieten neun innovative Features, wie Beispielweise den Performance Monitor, der in Echtzeit Öltemperatur und Motorauslastung und vieles mehr ausgibt. Im Interview beschreibt Mitgründer Dr. Martin Kern, wie der Start von PACE verlief.

 

1. Herr Kern, wer sind Sie?
Ich bin Martin Kern, einer der drei Gründer und Geschäftsführer der PACE Telematics GmbH und im Berliner Büro von PACE insbesondere für Marketing, automotive Kooperationen und Finanzen verantwortlich. Neben PACE bin ich auch privat sehr autobegeistert und hin und wieder als Amateur im Marathonrallyesport aktiv.

2. Wie würden Sie PACE selbst beschreiben?
PACE bietet ein markenunabhängiges Connected Car-System zum Nachrüsten an. Für den Autofahrer gestaltet PACE das Autofahren sicherer, stressfreier und günstiger, indem wir ihm 9 innovative Funktionen bieten. Beispielsweise ein elektronisches Fahrtenbuch, eine Fehlercodeanalyse, einen Performance Monitor mit Echtzeitdaten und einen automatischen Notruf. Darüber hinaus bietet PACE auch für B2B-Kunden viele attraktive Mehrwerte. Beispielsweise können Werkstätten PACE zur Remote-Diagnose und Kundenbindung nutzen und Versicherungen können auf Basis von PACE neuartige Tarifmodelle anbieten. Die Basis für all dies ist die von uns selbst entwickelte PACE Cloud. Um Autos in die Cloud zu verbinden, bestehen unterschiedlichste Möglichkeiten. Eine Möglichkeit ist beispielsweise der von uns selbst entwickelte PACE Link: ein bluetoothfähiger Adapter für die Serviceschnittstelle des Autos – den sogenannten OBD2-Port, der ab Baujahr 1996 in fast allen Fahrzeugen vorhanden ist.

3. Seit wann gibt es PACE und was war der entscheidende Gründungsimpuls?
Die PACE Telematics GmbH wurde im April 2015 von Robin Schönbeck, Philip Blatter und mir gegründet. Wir sind alle drei sehr auto- und technikbegeistert und unser initialer Gründungsimpuls war, dass wir das „Smartcar für jedermann“ ermöglichen wollten. Inzwischen hat sich PACE daraus zu einer herstellerunabhängigen Connected Car-Plattform entwickelt, die auch moderne Connected Cars integriert und zur zentralen Anlaufstelle für alle Autofahrer und B2BPartner wie z. B. Werkstätten und Versicherungen werden wird – sozusagen eine Art „Facebook fürs Auto“.

 

4. Wie verlief die eigentliche Gründungsphase? Beschreiben Sie Ihre Sorgen und Bedenken im Vorfeld der Gründung.
Wir hatten von Beginn an sehr hohe Anforderungen an Datensicherheit und Datenschutz sowie den Funktionsumfang für Autofahrer und B2B-Kunden wie Werkstätten und Versicherungen. Es wurde dabei sehr schnell klar, dass wir das gesamte System und insbesondere auch die Hardware von Grund auf selbst entwickeln mussten. Da das für ein junges Start-up natürlich eine Herkulesaufgabe darstellt, haben wir dafür von Beginn an mit einem großen Automobilzulieferer zusammengearbeitet. Dadurch konnten wir eine hohe Qualität und notwenige Zertifizierungen sicherstellen.

5. Wie wurde das Gründungskapital finanziert und war die Finanzplanung auch für kritische Momente innerhalb der ersten sechs Monate ausgelegt?
Am Anfang haben wir drei Gründer PACE aus eigener Kraft finanziert. Anschließend folgte eine siebenstellige Seed-Finanzierungsrunde und im April 2016 dann unsere Kickstarter-Kampagne, die wirklich legendär war. PACE kam so gut an, dass wir in weniger als 24 Stunden 250 Prozent des Funding-Ziels erreicht hatten. Um das Potenzial von PACE voll auszuschöpfen, konnten wir Ende 2016 mit der L-Bank und Business Angels aus dem Telematik-Umfeld weitere kompetente und finanzstarke Partner gewinnen.

6. Wo sehen Sie Ihr Alleinstellungsmerkmal (oder USP) gegenüber Ihren Mitbewerbern?
Das wichtigste Alleinstellungsmerkmal ist die Flexibilität und der große Funktionsumfang, der mit der PACE Cloud darstellbar ist. Neben der Verbindung über OBD2 mit unserem PACE Link können wir zum Beispiel auch Neufahrzeuge direkt über das Steuergerät in PACE einbinden. Dies haben wir bereits mit der ABT-Sportsline GmbH, dem führenden Tuner für Fahrzeuge des Volkswagenkonzerns, umgesetzt. Die PACE App kommuniziert hier direkt mit dem Steuergerät und es wird kein OBD2-Adapter mehr benötigt. Daneben sind der große Funktionsumfang der PACE App für den Autofahrer, die sehr günstige Kostenposition – ohne laufende monatliche oder jährliche Gebühren – und die extrem kleine Bauform des PACE Link weitere USPs von PACE. Und nicht zuletzt zeichnet sich PACE durch eine einzigartige Sicherheitsarchitektur zum Schutz vor unberechtigtem Zugriff und zur Gewährleistung des Datenschutzes aus, die uns stark von vielen anderen Anbietern unterscheidet.

 

7. Welches war die größte Herausforderung, die von Ihnen bewältigt werden musste?
Die technologische Komplexität einer solchen Lösung, die mit Tausenden unterschiedlicher Fahrzeugmodelle und einer Vielzahl unterschiedlicher Handymodelle zuverlässig funktionieren muss, war bei der Entwicklung von PACE sicher die größte Herausforderung.

8. Was würden Sie rückblickend auf die Startphase von PACE ändern?
Nach unserem gemeinsamen Auftritt auf der IAA mit unserem Partner SAP sind wir von der großen Nachfrage nach PACE im B2B-Bereich ein bisschen überrollt worden. Das heißt, rückblickend würden wir sicher etwas früher mehr Kapazitäten für B2B-Kooperationen aufbauen.

9. Gab es während der Gründungszeit auch unerwartete Fortschritte oder Meilensteine? Welches Gefühl hatten Sie bei dem ersten Kunden?
Die größte und schönste Überraschung war unsere Community, die von Sekunde 1 Vollgas gegeben hat. Wir haben in den ersten paar Stunden unserer Kickstarter – Kampagne über 1000 PACE Links verkauft. So einen Ansturm hatten wir nicht erwartet. Einer der ersten Kunden war ich übrigens selbst und der bestellte PACE Link steht immer noch originalverpackt in unserem Meetingraum.

 

10. Nach dem erfolgreichen Start: Wie schöpfen Sie neue Energie und Motivation für PACE?
Unsere Gespräche mit neuen Partnern geben uns eine Menge Fahrtwind. Gemeinsam mit SAP setzen wir unser „Connected Fueling“ und „Connected Parking“ um. PACE-Kunden können mit der PACE App also in Zukunft beim Tanken und Parken mobil bezahlen. Dieses Jahr wird es mit weiteren namhaften Kooperationen und neuen Features weitergehen. Die Namen sind groß, aber sie werden noch nicht verraten.

11. Welche Eigenschaften sollte ein Existenzgründer mitbringen und welche eigene Erfahrung würden Sie an andere Gründer weitergeben?
Ein hohes Durchhaltevermögen und einen außergewöhnlichen Willen zum Erfolg.

12. Wo sehen Sie zukünftig die größten Herausforderungen für PACE und welche sind Ihre nächsten angestrebten Meilensteine?
Neben der Weiterentwicklung des PACE-Systems mit Funktionen wie Connected Fueling, IFTTT oder Social Media-Integrationen, liegt unser Fokus in 2018 auf der Skalierung unseres B2B-Geschäfts. Eine der größten Herausforderungen wird dabei das Recruiting für den weiteren Teamaufbau sein.

 

 


 

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.