Selber machen oder machen lassen: Autodidakten gegen Outsourcer

Diese Frage spaltet die Internetunternehmer traditionell in zwei Lager: Soll man bestimmte Aufgaben im Online-Handel lieber selber übernehmen oder an einen externen Experten übertragen. Outsourcing lautet in diesem Zusammenhang das bestimmende Schlagwort und es ist nicht einfach, an dieser Stelle eine grundlegende Empfehlung zu geben, die für alle Online-Unternehmen gleichermaßen zutrifft. Wir betrachten im Folgenden die Vor- und Nachteile von Outsourcing und stellen Ihnen unterschiedliche Modelle zur Erledigung von anspruchsvollen Aufgaben vor.

Outsourcen oder selber machen

Der moderne Internetunternehmer: Ein Spezialist für vieles

Als Online-Händler muss man heute Spezialist und Fachmann für eine Vielzahl von verschiedenen Themen sein. Man ist Verkäufer und Einkäufer, Unternehmer und Innovator, Grafiker und Programmierer, Texter und Werber, Marketer und Marktforscher, Dienstleister und Kundenberater in einem und muss ein Maß an Vielseitigkeit aufbringen, das beispiellos ist. Kein Wunder, dass sich vor allem Selbständige im E-Commerce immer wieder fragen, ob sie bestimmte Aufgaben selber übernehmen oder doch lieber einen externen Experten hinzuziehen sollen. Die Antwort auf diese Frage ist alles andere als leicht.

Auf der einen Seite führt die wahre Flut an Aufgaben und erforderlichen Fähigkeiten fast von selber zu einer heillosen Überforderung und einer sehr hohen beruflichen Belastung. Der Tag hat nun einmal nur 24 Stunden und wer als Unternehmer auf zu vielen verschiedenen Hochzeiten tanzt, der verliert schnell den Überblick, verzettelt sich und endet schließlich im Chaos. Auf der anderen Seite soll und will man als Gründer und Selbständiger die wichtigsten Kernkompetenzen im eigenen Unternehmen halten. Lagert man nämlich jedes Thema von Bedeutung an einen externen Anbieter aus, dann verbleiben bald kein Insiderwissen und keine außergewöhnlichen Fähigkeiten mehr im Unternehmen selber. Hinzu kommt die ständige Sorge davor, dass besondere Innovationen und herausragende Entwicklungen, die über einen externen Anbieter erarbeitet werden, schnell auch bei der Konkurrenz landen könnten. Und nicht zuletzt kostet die Beauftragung von Experten eine ganze Menge Geld und muss von daher auch aus wirtschaftlichen Gründen streng abgewogen werden.

Und so bleibt es für den Internetunternehmer meist dabei, dass er zwischen Selbermachen und Outsourcen hin und her gerissen ist und mit wachsender Verzweiflung nach einer sinnvollen Lösung dieses Dilemmas sucht.

Weg vom Schwarz-Weiß-Denken: Flexibilität ist gefragt

Eine Sache sollte man sich als Unternehmer in dieser Situation immer vor Augen halten: Die Welt – und vor allem die Arbeitswelt – ist nicht Schwarz-Weiß und von daher besteht die optimale Lösung weder darin, alle anfallenden Aufgaben selber zu erledigen, noch sämtliche Arbeiten an externe Partner zu übertragen. Stattdessen ist ein angemessener Mittelweg gesucht, der sowohl die eigenen und die Ressourcen der Mitarbeiter bestmöglich nutzt und gleichzeitig Kompetenzlücken und zeitliche Engpässe durch die Unterstützung von Dienstleistern außerhalb des Unternehmens überbrückt.

Dabei sollte man darauf achten, dass man wirklich wichtiges und zentrales Branchenwissen nicht vollständig aus der Hand gibt. Für die Identität jedes Unternehmens ist es ausgesprochen wichtig, sich seine eigenen Kompetenzbereiche aufzubauen, diese zu pflegen und aus ihnen eine individuelle strategische Positionierung abzuleiten. Wer als Unternehmer ausschließlich einen Stab externer Fachleute koordiniert und nicht mehr dazu in der Lage ist, bestimmte Aufgaben selber zu übernehmen, der verliert auf Dauer gesehen sein erkennbares Profil und verliert in der Folge rasch Kunden und Marktanteile.

Außerdem dürfen, neben den strategischen Überlegungen, auch wirtschaftliche Abwägungen nicht zu kurz kommen. Als verantwortlicher Unternehmer sollte man grundsätzlich die Kosten seiner Entscheidungen im Auge behalten und gerade das Wechselspiel zwischen dem Selbermachen und dem Outsourcing zur Kostenoptimierung einsetzen. Im Folgenden stellen wir Ihnen 5 Bereiche im E-Commerce vor, bei denen es sich lohnen kann, darüber nachzudenken, die damit verbundenen Aufgaben an externe Experten auszulagern.

Texte für den Online-Shop

Jeder Online-Händler benötigt mehr oder weniger regelmäßig professionelle Texte. Ob Verbraucher- oder Produkttexte, Kategorie-Beschreibungen oder Blog-Artikel, Texte für den Newsletter oder Postings innerhalb der sozialen Netze: Nur wenn die Worte, die man an Besucher, Interessenten und Kunden richtet, professionell, ansprechend, mitreißend und natürlich fehlerfrei sind, erreichen sie bei der Zielgruppe auch die erwünschte Wirkung. Mit dem Verfassen von Texten ist das so eine Sache, da ja im Prinzip fast jeder Mensch schreiben kann. Diese grundlegende Fähigkeit reicht allerdings keineswegs aus, um ein erfolgreicher Texter zu werden. Hierzu ist vielmehr zum einen ein gewisses Talent und zum anderen ein fundiertes Fachwissen und sehr viel Übung erforderlich. Es stellt sich vor diesem Hintergrund also die Frage, ob man sich selber mit dem Verfassen von Texten beschäftigen sollte oder doch lieber auf einen entsprechenden Dienstleister setzt.

Eines vorweg: Grundsätzlich spricht nichts dagegen, dass Sie als Online-Händler selber an den Texten für Ihren Shop arbeiten. Allerdings sollten Sie dies zum einen in einer guten Qualität erledigen können und es sollte Ihnen zum anderen Spaß bereiten. Geht der Hang zum Selbermachen zu Lasten der Professionalität und Überzeugungskraft Ihrer Texte, dann sollten Sie ebenso Abstand davon nehmen, wie wenn es Sie die Erledigung dieser Aufgabe übermäßige Überwindung kostet. Setzen Sie in diesem Fall lieber auf eine Textagentur, einen freiberuflichen Texter oder einen Autoren-Pool im Internet. Alternativ bietet sich in diesem Fall auch an, einen versierten Mitarbeiter einzustellen, der sich mit den Texten für Ihren Shop beschäftigt. Ob sich dies rechnet, hängt aber natürlich davon ab, wie viele Texte Sie tatsächlich regelmäßig benötigen.

Grafik und Design

Im Internet stößt man immer noch auf viel zu viele Web-Shops, deren Gestaltung ganz offensichtlich vom Betreiber selber übernommen wurde, der offenbar der Auffassung war, dass es doch nicht so schwierig sein könnte, einen ansprechenden Internetauftritt in Eigenregie zu entwerfen. Leider liegt man mit dieser Auffassung völlig verkehrt. Beim Beruf des Grafik-Designers oder Web-Designers handelt es sich um anspruchsvolle Ausbildungen, innerhalb derer sich nur ein gewisser Teil mit dem eigentlichen Gestalten beschäftigt. Darüber hinaus geht es um die Wirkung von bestimmten Farben, Formen und Elementen auf die Kauflust des Betrachters, um Designs, die sich technisch optimal umsetzen lassen, um die Psychologie des Gestaltens und um Aspekte aus den Bereichen Werbung und Marketing. Es liegt auf der Hand, dass Sie als Shop-Betreiber solche komplexen Kenntnisse nicht damit ersetzen können, dass Sie selber einen vielleicht sogar ansehnlichen Entwurf erarbeiten und dabei zwangsläufig sehr viele wichtige Aspekte allein schon deshalb unberücksichtigt lassen, weil Sie sie gar nicht kennen.

Sie merken schon: Im Bereich Grafik und Design geht unsere Empfehlung ganz unbedingt zum Outsourcing, da es für den Erfolg Ihres Shops sehr wichtig ist, mit einer durch und durch professionellen Gestaltung zu arbeiten. Dies gilt übrigens ebenso für Ihre Geschäftsausstattung, Banner und Anzeigen, die Gestaltung Ihres Newsletters oder für die Bearbeitung von Produktbildern im Shop. Je nach Umfang der benötigten grafischen Erzeugnisse kann es sich für Sie durchaus lohnen, einen ausgebildeten Designer fest anzustellen. Ist dies nicht der Fall, dann sollten Sie sich einen externen Grafiker suchen, mit dem Sie regelmäßig zusammenarbeiten und der Ihre Anforderungen und Wünsche im Laufe der Zeit ganz genau kennt.

Programmierung und Scripte

Kommen wir zum nächsten Bereich, innerhalb dessen sich Online-Händler überlegen müssen, ob sie hier selber aktiv werden wollen oder ob es sinnvoller ist, die anfallenden Aufgaben per Outsourcing zu vergeben. Die Rede ist von der Programmierung und der Erstellung von Scripten. Hier gilt es im ersten Schritt einmal Ihren individuellen Bedarf festzustellen. Wenn Sie mit einer fertigen Software-Lösung arbeiten, die bereits sämtliche benötigten Funktionen enthält und die vom Anbieter regelmäßig aktualisiert und angepasst wird, dann ist der Bereich Programmierung für Sie wahrscheinlich verzichtbar. Sollte es doch einmal erforderlich sein, ein individuelles Script oder eine besondere Schnittstelle programmieren zu müssen, so finden Sie in Ihrem Software-Anbieter sicherlich einen guten ersten Ansprechpartner, der Ihnen gerne weiterhelfen wird. Anders sieht es aus, wenn Sie mit einem gekauften System oder einer Shop-Oberfläche aus dem Open-Source-Bereich arbeiten oder wenn Ihr Geschäftsmodell auf eine spezielle Software angewiesen ist. In diesem Fall wird es immer wieder vorkommen, dass zusätzliche Funktionen, Schnittstellen zu weiteren Anwendungen oder andere Dinge individuell programmiert werden müssen.

Eines vorab: Es kann in keinem Fall etwas schaden, wenn Sie als Shop-Betreiber selber über Grundkenntnisse in Sachen IT und Programmierung verfügen. In diesem Fall sind Sie nämlich deutlich besser in der Lage, Ihren individuellen Bedarf einschätzen zu können, einen externen Experten zu briefen und dessen Arbeit qualifiziert zu überprüfen. Daraus allerdings gleich selber einen eigenen Aufgabenbereich abzuleiten ist in den meisten Fällen nicht sinnvoll, da Sie eine solche Tätigkeit von anderen wichtigen Aufgaben abhalten würde. Wenn Sie lediglich selten kleinere Programmieraufgaben zu vergeben haben, dann sollten Sie sich auf die Zusammenarbeit mit einem externen Dienstleister beschränken. Kommt es aber regelmäßig zu entsprechenden Aufgabenstellungen, dann kann es sich lohnen, wenn Sie über die Einstellung einer Fachkraft nachdenken. Ein solches Team-Mitglied könnte sich zusätzlich um das Netzwerk, die Rechner der anderen Mitarbeiter und um den Datenschutz im Unternehmen kümmern und wäre so sicherlich gut ausgelastet.

Marketing und Werbung

Marketing und Werbung haben einen erheblichen Einfluss darauf, wie erfolgreich sich ein Internetunternehmen entwickelt und sind von daher für jeden Online-Händler besonders wichtig. Hinzu kommt, dass gerade das moderne Online-Marketing mittlerweile so komplex, vielseitig und auch kompliziert geworden ist, dass schon ein gewisses Maß an Expertise dazugehört, sich in angemessener Weise um diesen Bereich zu kümmern. Aus diesen Gründen neigen viele Internetunternehmer dazu, Marketing und Werbung an externe Dienstleister und Berater auszulagern. Selbst wenn der eine oder andere Grund für eine solche Vorgehensweise spricht, so wollen wir in diesem sensiblen Bereich doch eher vom Outsourcing abraten und Ihnen stattdessen empfehlen, sich selber darum zu kümmern.

Marketing gehört unmittelbar zu Ihrem eigentlichen Geschäftsmodell. Es entscheidet maßgeblich darüber, wie Sie sich gegenüber der Konkurrenz am Markt positionieren können. Ein so wichtiger Kompetenzbereich sollte unter allen Umständen im eigenen Unternehmen aufgebaut und gehalten werden, da Sie die Entscheidung über Erfolg oder Scheitern ansonsten aus der Hand geben. Ihre Kenntnisse und Fähigkeiten im Bereich Marketing werden im Laufe der Zeit immer ausgeprägter und besser. Diesen Lernprozess sollten Sie für sich selber in Anspruch nehmen, da er Ihnen in jeder späteren beruflichen Situation sehr nützlich sein kann. Außerdem macht die Beschäftigung mit Werbung und Marketing großen Spaß. Gönnen Sie sich daher das Vergnügen, sich im eigenen Unternehmen mit einem der anspruchsvollsten und schönsten Aufgabenbereiche überhaupt zu beschäftigen.

Logistik im Online-Handel

Während es bisher mit Text, Design, Programmierung und Marketing um eher kreative und geistige Bereiche im Unternehmen ging, wollen wir uns abschließend mit einer durch und durch mechanischen und handwerklichen Disziplin beschäftigen. Die Rede ist von der Lager- und Versandlogistik im Online-Handel. Bei den meisten kleinen und mittleren Händlern wird dieser Bereich ganz automatisch im eigenen Hause dargestellt. Dies lässt sich vor allem dadurch erklären, dass die eigenhändige Abwicklung in der Anfangszeit meist die erste und einzige Wahl war. Mit ein oder zwei Bestellungen am Tag kommt man als Gründer ganz sicher nicht auf die Idee, einen professionellen Logistik-Dienstleister zu beauftragen. Stattdessen verpackt man die Ware kurzerhand selber und fährt sie am Abend zur Post. Wird das Bestellvolumen größer, dann stellt man vielleicht einen ersten Mitarbeiter ein, der sich um Lagerung und Versand kümmert. Im Laufe der Zeit wachsen Lagerfläche und Personalstamm ganz von selber und man versäumt es, noch einmal gründlich darüber nachzudenken, ob man die Logistik nicht besser auslagern sollte.

Um diese Entscheidung zu treffen, sollten Sie zunächst sehr gründlich Ihren Bedarf an Fläche und Versandkapazität ermitteln. Sprechen Sie im nächsten Schritt einfach eine Reihe von Dienstleistern an und holen Sie entsprechende Angebote ein. Diese können Sie dann mit Ihren eigenen Kosten für Miete und Personal vergleichen, um eine erste Einschätzung darüber zu erhalten, ob und wie viel Sie durch Outsourcing sparen können. In aller Regel dürften sich hierbei Einsparungsmöglichkeiten abzeichnen, da größere Logistik-Unternehmen mit vielen verschiedenen Kunden weitaus effizienter arbeiten können als ein einzelner Online-Händler, der diesen Bereich im eigenen Unternehmen darstellt.

 


 

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.