Mit Sicherheit zum optimalen Shopsystem: Ratgeber und Checkliste

Wer Produkte im Internet verkaufen will, der benötigt dazu einen Online-Shop. Ganz gleich, ob es sich um wenige Verkäufe im Monat oder Hunderte von Transaktionen pro Tag handelt: Ohne ein passendes Shopsystem ist kein E-Commerce möglich. Parallel zum Online-Handel ist von daher auch die Branche für Shop-Lösungen in den letzten Jahren immer stärker gewachsen. Gerade für Einsteiger in diesem Bereich gestaltet sich die Auswahl einer geeigneten Software daher als ausgesprochen schwierig. Wir erklären Ihnen, wie wichtig die passende Shop-Lösung ist, stellen Ihnen die unterschiedlichen Nutzungsmodelle vor, klären über die verschiedenen Anforderungsprofile auf und versorgen Sie mit einer hilfreichen Checkliste.

Mit Sicherheit zum optimalen Shopsystem

Die Shop-Software ist das Herzstück jedes Online-Handels

Im einfachsten Fall ist ein Shopsystem nicht mehr als Produktregal, Ladentheke und Kasse. Und doch kommt kein Online-Händler ohne einen passenden Web-Shop aus, der im Idealfall all seine Anforderungen souverän erfüllen und dabei vor allem zukunftssicher sein sollte. Letztlich entspricht die Shop-Lösung des Internetunternehmers dem Ladenlokal eines stationären Händlers. Es ist Verkaufsfläche, Firmenzentrale und Kundencenter in einem und sollte von daher mit großer Sorgfalt ausgewählt werden.

Zwar entscheiden vor allem der gewählte Geschäftsbereich sowie das kaufmännische und strategische Geschick des Händlers über dessen Erfolg. Ohne einen professionellen Web-Shop braucht er seine selbständige Karriere allerdings gar nicht erst zu starten. Und selbst das beste Konzept wird sich ohne eine optimale Software nicht erfolgreich verwirklichen lassen. Der Markt für Shopsysteme ist dabei mittlerweile so umfangreich und komplex geworden, dass es gerade für E-Commerce-Einsteiger fast unmöglich ist, sich einen vollständigen Überblick zu verschaffen und die bestmögliche Lösung auszuwählen.

Mieten, kaufen oder kostenlos nutzen?

Betrachten wir zunächst einmal die unterschiedlichen Nutzungsmodelle der Shopsysteme am Markt. Hiervon hängt vor allem ab, welche einmaligen und laufenden Kosten auf den Unternehmer zukommen. Grundsätzlich lassen sich drei Nutzungskonzepte unterschieden: Ein Shopsystem kann gemietet oder gekauft werden und es gibt zusätzlich Lösungen, die kostenlos eingesetzt werden können.

Sie werden sich jetzt wahrscheinlich fragen, warum es überhaupt Händler gibt, die eine mit Kosten verbundene Lösung auswählen, wenn es doch so viele kostenlose Open Source-Modelle gibt. Dies liegt vor allem daran, dass ein Gratis-System fast immer eine professionelle und fachkundige Einrichtung voraussetzt, die wiederum mit Kosten verbunden ist. Miet- und Kauf-Shops stellen sich dagegen eher als schlüsselfertige Systeme dar, an denen sich zwar auch noch Anpassungen in gewissem Umfang vornehmen lassen, die aber von Anfang an in Bezug auf die wichtigsten Grundfunktionen arbeitsfähig sind.

Allgemein kann man sagen, dass ein Shopsystem auf Mietbasis vor allem für kleine und mittlere Unternehmen geeignet ist, die ihre Kosten niedrig halten wollen, kein Interesse an sonderlichen Investitionen haben und dennoch nicht auf eine professionelle Lösung verzichten möchten. Meist handelt es sich hier um sogenannte „All-in-one-Systeme“, bei denen sowohl die eigentliche Shop-Software als auch deren Wartung und der eigentliche Webserver mit Webspace und Traffic bereits enthalten sind. Die Abrechnung erfolgt entweder pauschal, auf Basis der genutzten Funktionen und Features oder vor dem Hintergrund der Anzahl an eingestellten Artikeln oder Menge von Verkäufen. Abgerechnet werden diese Gebühren in der Regel monatlich. Einige Anbieter erheben zusätzlich eine Einrichtungsgebühr. Nachteilig bei Miet-Shops sind die Abhängigkeit vom jeweiligen Provider und gewisse Einschränkungen in Bezug auf die Integration von zusätzlichen Funktionen, die vom Betreiber nicht vorgesehen sind. Vorteilhaft ist dagegen ohne Zweifel, dass sich ein Miet-System meist sofort einsetzen lässt, dass man sich als Händler nicht sonderlich intensiv mit der Software-Frage beschäftigen muss und dass die Kosten vergleichsweise niedrig sind.

Entscheidet man sich stattdessen für eine Kauflösung, dann schafft man als Internetunternehmer selber eine Software an, für die man einmalig bezahlt und deren Nutzungsrechte dann auf den Online-Händler übergehen. Die Anschaffungskosten hängen dabei von vielen Faktoren ab und können zwischen einigen hundert und mehreren tausend Euro betragen. Nach oben hin gibt es in diesem Bereich kaum Grenzen. Während solche Kauf-Shops früher als vergleichsweise schwer einzurichten und zu administrieren galten, hat sich die Branche in den letzten Jahren stark verändert und bietet ihren Kunden mittlerweile sehr kundenfreundliche Systeme an. Viele mitgelieferte Shop-Vorlagen und  Anleitungen wie auch Tutorials, Foren und individuelle Beratungsmöglichkeiten erleichtern hier den Einstieg und erlauben es auch Internetunternehmern mit weniger ausgeprägten Programmierkenntnissen, einen professionellen Shop einzurichten. Nachteilig bei der Entscheidung für einen Kauf-Shop ist die langfristige Abhängig von einer bestimmten Software. Von Vorteil sind dagegen die vielfältigen Anpassungs- und Individualisierungsmöglichkeiten und die lediglich einmalig anfallenden Kosten.

Bleiben noch die kostenlosen Open Source-Lösungen, für deren Nutzung keine Lizenzgebühren anfallen und deren Quellcode öffentlich verfügbar ist. Hierzu muss man deutlich sagen, dass es sich nicht um schlüsselfertige Lösungen handelt, die sofort in Betrieb genommen werden können. Stattdessen sind hier vielfältige Anpassungsarbeiten erforderlich, ohne die das Shopsystem meist nicht lauffähig ist. Nachteilig beim Einsatz von Open Source-Modellen sind die hohen Kosten, die mit der Einrichtung, Anpassung und der regelmäßigen Wartung verbunden sind. Vorteile bestehen zum einen in den völlig unbeschränkten Möglichkeiten zur Individualisierung und der guten Verfügbarkeit von Fachleuten für die Einrichtung und zum anderen im Wegfall von Lizenzgebühren.

Die eigene Anforderungsklasse kennen und verstehen

Die Suche und Entscheidung für ein passendes Shopsystem bedingt die exakte Definition der eigenen Anforderungen und die Entwicklung eines Verständnisses dafür, welcher konkrete Bedarf sich hieraus ergibt. Grundsätzlich kann man die verschiedenen Anforderungsklassen in vier Kategorien einteilen:

Einsteiger-Klasse

Hiermit sind Anbieter gemeint, die lediglich eine kleine Auswahl an Produkten im Internet anbieten wollen und deren Bestellvolumen einen gewissen Rahmen nicht überschreitet. In diesem Fall können entsprechend aufgestellte Unternehmer durchaus auf eine Lösung auf der Basis von SaaS (Software as a Service) zurückgreifen, die für sehr kleines Geld und ohne Einrichtungsaufwand zu haben sind. Dem Anwender muss allerdings bewusst sein, dass sich an dem System selbst geringfügige Änderungen oder Individualisierungen nicht durchführen lassen. Deshalb eignet sich die Einsteiger-Klasse nur dann, wenn man sicher gehen kann, dass sich auch mittelfristig nichts an den Anforderungen ändert.

Mittel-Klasse

Die Anforderungen der meisten Internetunternehmer, hierzu zählt vor allem die riesige Gruppe der kleinen und mittleren Online-Händler, bewegen sich im Bereich der Mittelklasse. Entsprechend aufgestellte Unternehmen benötigen viele Funktionen, Schnittstellen, Optionen und Erweiterungsmöglichkeiten, wünschen sich ein hohes Maß an Individualisierbarkeit und müssen sich vor allem in Bezug auf moderne und innovative Reporting- und Marketing-Funktionen auf eine hohe und professionelle Performance verlassen können. Bei überschaubaren Sonderanforderungen kann man hier unter Umständen noch mit einer Miet-Lösung von der Stange auskommen. Sobald aber individuelle Wünsche und Bedürfnisse hinzukommen, sollte man eher über einen Kauf-Shop nachdenken.

Profi-Klasse

In der Profi-Klasse sind solche Anbieter angesiedelt, die darauf angewiesen sind, dass besondere Funktionen in den Shop integriert werden können. Hierbei kann es sich zum Beispiel um spezielle Design-Tools für den Verkauf von personalisierbaren Produkten, um Systeme zur Verwaltung von Curated-Shopping-Modellen oder um Abonnement-Systeme handeln, die jeweils eine individuelle Programmierung erfordern. In der Regel werden sich solche Online-Händler für eine Kauf-Lösung entscheiden, die in der Folge an die persönlichen Bedürfnisse und Anforderungen angepasst wird. In diesem Fall kann allerdings ebenso eine Open Source-Lösung in Frage kommen, da ja ohnehin Programmierer und Designer beschäftigt werden müssen, um die gewünschten Zusatzfunktionen zu realisieren.

High-Tech-Klasse

In der High-Tech-Klasse tummelt sich schließlich nur noch die Crème de la Crème der Online-Händler, die sich meist durch ein extrem hohes Bestellvolumen auszeichnet. In diesem Bereich wird daher meist auf komplette Eigenentwicklungen zurückgegriffen, die von einem Stab eigener Programmierer und Designer geplant, konzipiert, realisiert und dauerhaft betreut wird. Es versteht sich von selber, dass bei dieser Art von Lösung alle Wünsche und Anforderungen lückenlos erfüllt werden können, wobei entsprechende High-Tech-Systeme und ihre Betreuung natürlich auch mit sehr hohen Kosten verbunden sind.

Shopsysteme: Fakten, Features, Funktionen 

INTERNETHANDEL führte vor einiger Zeit eine umfangreiche Leserumfrage durch und stellte die beliebtesten Shopsysteme in der Ausgabe „Shopsysteme: welches passt zu mir?“ detalliert vor.

» Welches Shopsystem passt zu Ihnen?

Checkliste zur Bewertung von Shopsystemen

Wir haben Ihnen nun verschiedene Arten von Shopsystemen und unterschiedliche Anforderungsprofile vorgestellt, die Ihnen dabei helfen sollen, ihre eigenen Bedürfnisse hinsichtlich der passenden Shop-Lösung besser einschätzen zu können. Wenn Sie in der Folge das eine oder andere System in die engere Auswahl genommen haben, dann hilft Ihnen unsere Checkliste dabei, das jeweilige Programm besser beurteilen und mit anderen Systemen vergleichen zu können.

Checkpoint 1: Anschaffungskosten

Mit welchen Ausgaben ist das jeweilige System verbunden? Handelt es sich um eine Miet-Lösung, ein Kauf-System oder ein lizenzkostenfreies Open Source-Programm? Welche einmaligen und monatlichen Kosten fallen gegenüber dem Anbieter an und mit welchen zusätzlichen Kosten für Einrichtung und Wartung müssen Sie rechnen?

Checkpoint 2: Administration

Wie lässt sich das Shopsystem von Ihnen und Ihren Mitarbeitern bedienen? Ist die Administration einfach und erklärt sich weitgehend von selber oder ist es erforderlich, dass Ihr Team zuvor geschult werden muss? Erfolgt die Bedienung über Web-Schnittstellen oder wird eine entsprechende Client-Lösung auf den Rechnern in Ihrem Unternehmen installiert?

Checkpoint 3: Stammdatenverwaltung

Wie stellt sich die Verwaltung Ihrer Stammdaten im System dar? Genügen die Masken und Datenfelder für die Artikel-, Kunden- und die Auftragsverwaltung Ihren Anforderungen oder fehlen hier bestimmte Eintragungsmöglichkeiten, die innerhalb Ihrer täglichen Arbeit wichtig sind?

Checkpoint 4: Design- und Formatvorlagen

Bietet Ihnen das System professionelle Vorlagen für verschiedene Shop-Designs und die Gestaltung von bestimmten Unterseiten? Sind zum Beispiel Formatvorlagen für Formulare, Listen oder Detailseiten vorhanden und entsprechen diese in ihrer Qualität Ihren Anforderungen und Wünschen?

Checkpoint 5: Struktur und Navigation

Wie beurteilen Sie die allgemeine Shop-Struktur und die Navigation, die im System vorgegeben ist? Lassen sich Produkte und Kategorien schnell auffinden und empfinden Sie die Kaufabwicklung und den Checkout-Prozess als kundenfreundlich und leicht verständlich? Gibt es eine interne Suchfunktion und arbeitet diese intelligent?

Checkpoint 6: Produktbeschreibungen

Haben Sie die Möglichkeit, Ihre Produkte so zu beschreiben, wie es gegenüber Ihren Kunden sinnvoll ist? Stehen ausreichend Datenfelder für kurze und lange Beschreibungen, für Abbildungen und Videos, für Varianten und zur Aufnahme individueller Informationen zur Verfügung ?

Checkpoint 7: Zahlungssysteme

Verfügt das Shopsystem über alle gängigen Zahlungssysteme, die von modernen Online-Kunden genutzt werden? Welche Kosten fallen für Sie bei der Nutzung der einzelnen Methoden an? Haben Ihre Kunden die Möglichkeit, auf Rechnung bei Ihnen einzukaufen und wird die Bonität des jeweiligen Verbrauchers im Vorfeld geprüft?

Checkpoint 8: Warenwirtschaft

Wenn Sie selber bereits ein eigenständiges Warenwirtschaftssystem einsetzen, dann sollten Sie darauf achten, dass die Shop-Lösung über geeignete Schnittstellen verfügt, damit Produkt-, Bestands- und Auftragsdaten automatisch zwischen den Systemen ausgetauscht werden können. Alternativ oder ergänzend kann es auch sinnvoll sein, wenn das Shopsystem selber über eine eigene Warenwirtschaft verfügt.

Checkpoint 9: Schnittstellen

Gute Shopsysteme müssen vor allem zukunftssicher sein. Hierfür ist es empfehlenswert, wenn die Lösung über möglichst viele Schnittstellen verfügt. Auch wenn Sie viele hiervon aktuell noch nicht verwenden, so könnten sich Ihre Anforderungen doch in der näheren Zukunft ändern. Achten Sie also auf möglichst viele Schnittstellen im System.

Checkpoint 10: Reporting und Statistik

Um Ihren Shop kaufmännisch erfolgreich überprüfen und steuern zu können, benötigen Sie eine möglichst breite Basis an Daten und Informationen. Achten Sie darauf, dass Ihnen das System möglichst viele Optionen in Sachen Reporting und Statistik anbietet.

Checkpoint 11: Marketing-Funktionen

Ihr Erfolg als Online-Händler hängt nicht zuletzt davon ab, ob es Ihnen gelingt, Ihre Zielgruppe mit den Instrumenten und Mitteln des modernen Online-Marketings anzusprechen. Ihre Shop-Lösung sollte deshalb unbedingt über wichtige Funktionen in Sachen Werbung und Marketing verfügen.

Checkpoint 12: Referenzen

Wenn Sie in Bezug auf die Seriosität und Professionalität eines bestimmten Anbieters unsicher sind, dann können Sie sich nach aktuellen Referenzen erkundigen. So erkennen Sie schnell, ob andere Online-Händler bereits erfolgreich mit dem System arbeiten und können diese im Zweifelsfall auch direkt kontaktieren und über ihre Erfahrungen und ihre Zufriedenheit befragen.

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.