[Interview] Von Männern für Männer – Philipp Roth von soberberlin.com

Sober aus Berlin besetzt seit 2017 eine Marktlücke im Premium-Männerkosmetik-Segment, die große Marken und bekannte Anbieter bisher nicht geschlossen haben. Sober bietet alles für die perfekte Nassrasur und die entsprechenden Pflegeprodukte für die spezielle Männerhaut. Im Interview mit internethandel berichtet Mitgründer Philipp Roth über den Start von sober und die Herausforderungen bei der Entwicklungen von eigenen Pflegeprodukten.

1. Herr Roth, wer sind Sie?
Mein Name ist Philipp Roth. Ich bin mittlerweile 34 Jahre alt und habe zusammen mit meinem Geschäftspartner Simon Schier bereits mehrere Internetunternehmen im B2B-Bereich gegründet, die größtenteils alle noch erfolgreich und aktiv sind. Als gelernter Grafiker verantworte ich bei sober vor allem die Themen Marketing und Corporate Identity des Unternehmens.

2. Wie würden Sie sober beschreiben?
sober bietet Rasur- und Hautpflegeprodukte exklusiv für Männer an. Aufgrund unserer hohen Ansprüche an Qualität und Verarbeitung unserer Produkte und des daraus resultierenden Preises verorten wir uns selbst im Premium-Kosmetik-Segment.

3. Seit wann gibt es sober und was war der entscheidende Gründungsimpuls?
Wir haben das Unternehmen vor nicht einmal einem Jahr, Mitte 2017, gegründet. Vorausgehend ging unsere Feststellung, dass wir speziell für Männerhaut kaum passende Pflegeprodukte gefunden haben – und wenn, oft von großen Weltmarken die lediglich Verpackungen angepasst haben – ohne auf die besonderen Bedürfnisse der Männerhaut einzugehen. Erschreckend ist leider auch oft die Inhaltsstoffliste (INCI) führender Produkte.

4. Wie verlief die eigentliche Gründungsphase? Beschreiben Sie Ihre Sorgen und Bedenken im Vorfeld der Gründung.
Wenn man im Beauty-Markt anfängt, macht man sich natürlich schon seine Gedanken zum Erfolg in einem Bereich, der wie kein zweiter von sehr großer Konkurrenz bestimmt wird. Zudem benötigt man einen langen Atem, um eine neue Marke etablieren zu können.

5. Wie wurde das Gründungskapital finanziert und war die Finanzplanung auch für kritische Momente innerhalb der ersten sechs Monate ausgelegt?
Unsere Produktion und das Unternehmen sind komplett eigenfinanziert. Wir nutzten Rücklagen, die wir in den vergangenen Jahren mit unserer Geschäftstätigkeit in anderen Unternehmen erwirtschaftet haben. Markenaufbau – gerade in einem Bereich, der noch zu einer Nische gehört (Männerkosmetik) – dauert und ist nicht direkt abhängig vom eingesetzten Kapital.

6. Wo sehen Sie Ihr Alleinstellungsmerkmal (oder USP) gegenüber Ihren Mitbewerbern?
Wir setzen nicht auf fertige Rezepturen anderer Hersteller, welche am Ende nur aus Marketing bestehen würden, sondern entwickeln und forschen komplett selbst. Hierzu konnten wir einen namenhaften wissenschaftlichen Beirat gewinnen, da wir als Gründer uns zwar gut in Dinge hineindenken können, allerdings keinen wissenschaftlichen Hintergrund haben.

7. Welches war die größte Herausforderung, die von Ihnen bewältigt werden musste?
Im „analogen Business“ werden reale Güter bewegt. Das war für uns schon eine neue Erfahrung, gerade hinsichtlich Lieferzeiten und Vorplanung bei der Produktion – zugleich aber auch äußerst spannend, wenn Waren über die halbe Welt reisen und man nicht in Tagen, sondern in Monaten planen muss.

8. Was würden Sie rückblickend auf die Startphase von sober ändern?
Eigentlich nichts. Scherz beiseite: Wir würden keine Vorbestellungen von Produkten mehr durchführen, welche wir zum Start angeboten haben (Stichwort reale Güter – Für Unwetter, Unfälle etc. können wir zwar nichts direkt, es schadet trotzdem der Marke, wenn man im Vorfeld genaue Daten kommuniziert hat).

9. Gab es während der Gründungszeit auch unerwartete Fortschritte oder Meilensteine? Welches Gefühl hatten Sie bei dem ersten Kunden?
Die positive Resonanz auf unser Produkt hat uns schon überrascht. Wir konnten es kaum glauben, als wir plötzlich nach den ersten Werbemaßnahmen etliche Anfragen von Händlern erhielten und die Verkäufe täglich gestiegen sind. Es ist schön, wenn Qualität und Arbeit honoriert werden und macht einen am Ende des Tages natürlich auch ein wenig stolz.

10. Nach dem erfolgreichen Start: Wie schöpfen Sie neue Energie und Motivation für sober?
Ich bewege mich gern in unterschiedlichem Umfeld, um neue Impulse und Inspirationen für die Marke finden zu können. Sport nutze ich als Ausgleich und zur Entspannung, damit der Kopf wieder frei wird. Reisen hilft mir ebenfalls sehr, um Eindrücke aus anderen Kulturkreisen in meiner Arbeit einfließen zu lassen.

11. Welche Eigenschaften sollte ein Existenzgründer mitbringen und welche eigene Erfahrung würden Sie an andere Gründer weitergeben?
Durchhaltevermögen, Ehrgeiz und keine Angst vor Neuem. Ich denke, das Wichtigste ist, auch bei kleinen Rückschlägen nicht sofort aufzugeben, sondern einfach weiterzumachen. Wer für etwas brennt, kann auch andere begeistern.

12. Wo sehen Sie zukünftig die größten Herausforderungen für sober und welche sind Ihre nächsten angestrebten Meilensteine?
Wir arbeiten derzeit an der Verfügbarkeit im Einzelhandel, ein für uns neuer Bereich, bei welchem wir aber kürzlich kompetente Unterstützung erhalten konnten. Insofern freuen wir uns, 2018 auch in den ersten Ladengeschäften verfügbar zu sein.

 

 


 

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.