[Interview] Elektrisch durchs Leben skaten – Das Skateboard mit Motor

Das Start-up Mellow Boards bietet einen elektrischen Antrieb, der nahezu jedes Skate- oder Longboard motorisiert. Der flexibel montierbare elektrische Skateboard-Antrieb unterstützt seit März 2017 die Vision der nachhaltigen Mobilität in Städten. Im Interview verrät Mitgründer Johannes Schewe, wie das Start-up die komplexe Gründungsphase mit vielen verschiedenen Herausforderungen erfolgreich bestand.

1. Herr Schewe, Herr Green wer sind Sie?
Wir sind zwei sympathisch-sportliche junge Männer die daran glauben mit ihrem Tun, einen positiven Impact auf die Welt leisten zu können. Ich steuere das Blut eines Boardsportlers und Ökonomen bei, das Kilian mit dem Herzen eines Elektro-Nerds und ehemaligen BMW-Ingenieurs ergänzt.

2. Wie würden Sie Mellow selbst beschreiben?
Mellow verfolgt eine klare Vision: In Zukunft wird nicht mehr das Auto im Zentrum urbaner Mobilität stehen, sondern innovative, nachhaltige Lösungen, die das Verkehrschaos reduzieren und unsere Städte lebenswerter gestalten. Mellow macht darüber hinaus Mobilität zum Erlebnis. In einer innovativen Form der Elektromobilität holen wir das Surfgefühl auf die Straße.

3. Seit wann gibt es Mellow und was war der entscheidende Gründungsimpuls?
Die Idee entstand 2010 aus der Mobilitätsproblematik, die ich beim Reisen immer wieder hatte. Autos stehen in der Stadt mehr, als dass sie fahren, Busse und Bahnen sind unflexibel und bringen dich nie direkt dorthin, wo du hin möchtest. Darüber hinaus warten wir extrem viel Zeit an Ampeln, im Stau oder an der Bushaltestelle und die Fahrt ist meist ermüdend.

4. Wie verlief die eigentliche Gründungsphase?
Die größte Sorge war, mit zu kleinen Taschen zu starten, also sollte es mindestens eine GmbH sein. Von 2012-2014 habe ich sehr viele Gespräche mit Banken und Fördereinrichtungen geführt. Nach dem letzten großen erfolglosen Bemühen um Fördermittel im Dezember 2014 (InoRampUp Hamburg) haben wir unseren ganzen Mut zusammengenommen und mit Geld von Familie und Freunden die GmbH gegründet und haben unser Projekt auf Kickstarter gelauncht.

5. Wie wurde das Gründungskapital finanziert und war die Finanzplanung auch für kritische Momente innerhalb der ersten sechs Monate ausgelegt?
Wichtigster Grundstein war das Eigenkapital von Familie und Freunden. Unser Finanzplan sah vor, so schnell wie möglich Geld aufzutreiben, was dann 5 Monate später mit einem Crowdfunding in Höhe von 310.000 € über Kickstarter geklappt hat. Wir sind quasi losgesprungen, ohne zu wissen, wo wir landen.

6. Wo sehen Sie Ihr Alleinstellungsmerkmal gegenüber Ihren Mitbewerbern?
Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal ist Qualität und High-End-Technik: Unser Produkt ist in Deutschland auf Automotive Standard entwickelt und bietet das höchste Maß an Sicherheit. Darüber hinaus produzieren wir lokal und nachhaltig in Deutschland, anstatt in Billigländern produzieren zu lassen. Durch unsere komplett individuell entwickelten und aufeinander abgestimmten Komponenten liefern wir ein einzigartiges Fahrgefühl und ein neues Niveau an Performance. Und wir haben neue Standards in Punkto Produktdesign gesetzt, wofür wir mit dem Red DotAward sowie dem German Design Award ausgezeichnet wurden.

7. Welches war die größte Herausforderung, die von Ihnen bewältigt werden musste?
Die eine Herausforderung gab es nicht, es waren eine ganze Reihe: vom Aufbau eines komplett dezentral organisierten Teams über die Finanzierung von Hardware Made in Germany, die schließlich im Wesentlichen über unseren Investitions- und Produktionspartner TQ Systems erfolgte, bis zu Billigkopien aus China, die vor uns am Markt waren.

8. Was würden Sie rückblickend auf die Startphase von Mellow ändern?
Realistischere Projektplanung – wir haben uns zweimal ganz schön in die Nesseln gesetzt. Wenn man auf der Bühne steht und was ankündigt, sollte man besser sicherstellen, dass es auch zu 100% klappt.

9. Gab es während der Gründungszeit auch unerwartete Fortschritte oder Meilensteine?
Jede Menge – die Liste ist voller toller Erlebnisse und auch positiver Überraschungen. Am meisten war ich überrascht, wie perfekt unser Produkt von Anfang an unsere Werte transportiert hat und sich auf unsere Kunden übertragen hat. Nachhaltigkeit und für eine bessere Zukunft zu kämpfen, rechnen uns unsere Kunden hoch an und das motiviert extrem.

10. Nach dem erfolgreichen Start: Wie schöpfen Sie neue Energie und Motivation für Mellow?
Seit 2017 bin ich verheiratet und wir haben einen 9 Monate alten Sohn, die beiden geben mir am meisten Energie.

11. Wie oft nutzen Sie selbst Mellow?
Das Mellow Board ist zu einem festen Alltagsgegenstand für mich geworden. Es ist ein unglaubliches Gefühl, morgens ins Office zu surfen und am Abend wieder zurück. Egal wo es hingeht, das Mellow Board ist immer dabei und flexibel einsatzbereit

12. Welche Eigenschaften sollte ein Existenzgründer mitbringen und welche eigene Erfahrung würden Sie an andere Gründer weitergeben?
Mut, gesunder Menschenverstand und Durchhaltevermögen. Mein Tipp: kostenlose Ratschläge sind die besten und lasst euch nicht von eurem Weg abbringen, ihr könnt die Welt sinnvoll verändern, egal ob in jungen Jahren oder im hohen Alter – Zeit ist relativ, es zählt nur eurer Wille, weil der kann bekanntlich Berge versetzen.

13. Wo sehen Sie zukünftig die größten Herausforderungen für Mellow und welche sind Ihre nächsten angestrebten Meilensteine?
Der nächste große Schritt ist, die Straßenverkehrsordnung in Deutschland und in anderen Ländern zu verbessern. Das Ein-Mann-Transportmittel für die erste und letzte Meile spielen da noch keine Rolle. Bis 2020 wollen wir mit Mellow beweisen, dass 0-Emissionen und schnelle, flexible Mobilität die Lebensqualität in den Städten deutlich verbessert.

 

 


 

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.