[Interview] Outfits aus Secondhand-Kleidung bei Second Life Fashion

Kleidung ein zweites Leben schenken – mit diesem Konzept vertreibt das Start-up Second Life Fashion perfekt aufeinander abgestimmte Outfits aus Second Hand Kleidung. Durch eine handverlesene Qualitätskontrolle werden die alten Kleidungsstücke überprüft und daraus moderne fertige Outfits zusammengestellt, die die Kundinnen online zu Schnäppchenpreisen erwerben können. Im Interview stellt sich Gründer Florian Hagn unseren Fragen.

1. Herr Hagn, wer sind Sie?
Mein Name ist Florian Hagn, ich bin Gründer und Geschäftsführer der Second Life Fashion GmbH. Ich bin 23 Jahre alt und habe vor kurzem mein Studium Internationales Management abgeschlossen.

2. Wie würden Sie Second Life Fashion selbst beschreiben?
Second Life Fashion ist ein junges Unternehmen, das sich zum Ziel gesetzt hat, gebrauchter Kleidung ein zweites Leben zu schenken. Bei uns werden aus Einzelteilen komplette Outfits zusammengestellt, die in dieser Form auch einzigartig sind. Das Besondere dabei ist auch, dass wir für jeden Anlass das passende Outfit anbieten. Aktuell gibt es Second Life Fashion ausschließlich für Frauen, wir möchten uns an dieser Stelle auf dieses Kundensegment spezialisieren.

3. Seit wann gibt es Second Life Fashion und was war der entscheidende Gründungsimpuls?
Second Life Fashion gibt es seit Ende Januar 2016, der Online-Shop ist seit August 2016 live. Meine Partnerin Lisa hatte schon eine Weile vorher immer wieder ihre Kleidung auf verschiedenen Internetmarktplätzen verkauft, wodurch die Idee so langsam entstand. Als wir zusammen einen Vortrag der Gründerin von „Outfittery“ gehört haben, war die Idee geboren, gebrauchte Kleidung in Form von fertig kombinierten Outfits in unserem eigenen Shop anzubieten.

 

4. Wie verlief die eigentliche Gründungsphase?
Zu Beginn haben wir viel an dem Geschäftsmodell geschliffen. Zugleich wurden natürlich umfangreiche Marktrecherchen und verschiedenste Tests durchgeführt, um zu analysieren, ob die Idee auch Abnehmer findet. Zudem haben wir von vorne bis hinten und wieder zurück kalkuliert, ob das Geschäftsmodell rentabel ist und man damit ein erfolgreiches Unternehmen aufbauen kann. Sehr wichtig waren für uns hierbei auch immer die Gespräche und Diskussionen mit unserem Mentor, der selbst sehr erfolgreicher Unternehmer ist.

5. Ist Ihre Finanzplanung auch für kritische Momente ausgelegt?
Wir haben unsere Finanzplanung natürlich auch für sehr kritische Momente ausgelegt. Uns ist bewusst, dass ein unternehmerisches Risiko beim Aufbau eines Unternehmens bei vielen Entscheidungen vorhanden ist, aber wir versuchen natürlich dieses immer so gut wie möglich unter Kontrolle zu halten und dementsprechend vorausschauend zu handeln und zu entscheiden.

6. Wo sehen Sie Ihr Alleinstellungsmerkmal gegenüber Ihren Mitbewerbern?
Unser Alleinstellungsmerkmal ist ganz klar der Verkauf von fertig zusammengestellten Outfits aus Secondhand-Kleidung. Wir haben klar die Preisführerschaft in dieser Branche. Zugleich gehen wir noch sehr nachhaltig mit unserer Umwelt um, da wir keine Ressourcen verschwenden, sondern bereits bestehende Ware wieder in den Kreislauf bringen. Außerdem bieten wir durch die fertigen Kombinationen schon vor dem Kauf eine Modeberatung an, wobei die Kundin aber selbst die Entscheidung treffen darf, was ihr gefällt und was nicht.

 

7. Welches war die größte Herausforderung, die von Ihnen bewältigt werden musste?
Die größte Herausforderung, mit der wir uns beschäftigen, liegt in der Verbesserung der Prozessschritte. Vom Eingang der Ware bis zum Versand der verkauften Kleidung liegen sehr viele Schritte, die wir ständig verbessern müssen, um noch schneller zu werden.

8. Wie überzeugen Sie potenzielle Kleidungsspenderinnen von Ihrem Konzept?
Leider ist die Situation in Deutschland so, dass viel der vermeintlich gespendeten Kleidung nicht da ankommt, wo man es denkt und es sich natürlich auch wünscht. Bei uns ist so, dass wir auf Wunsch den Betrag, den wir für die Kleidung im Ankauf ausbezahlen, auch direkt an gewünschte Organisationen spenden. In den meisten Fällen kann an dieser Stelle mit Geld mehr erreicht werden.

9. Gab es während der Gründungszeit auch unerwartete Fortschritte?
Tatsächlich bekamen wir kurz nach unserem ersten Zeitungsartikel in einer regionalen Zeitung unglaublichen Zuspruch und sehr viele Bestellungen. Diese Erfahrung hat uns in unserem Tun noch weiter bekräftigt, da es toll ist zu sehen, dass die eigene Idee auch tatsächlich super von den Menschen angenommen wird.

 

10. Nach dem erfolgreichen Start: Wie schöpfen Sie neue Energie und Motivation für Second Life Fashion?
Da ich genau weiß, wie meine persönliche Vision ist und wohin ich möchte, stehe ich jeden Morgen voller Motivation auf, egal wie lange ich am Abend vorher in der Firma gearbeitet habe. Für mich persönlich versuche ich immer mein magisches Dreieck, das aus meiner Gesundheit, meinem Beruf und meinen Beziehungen zu den wichtigsten Menschen in meinem Leben besteht, auszubalancieren. So schaffe ich es, voller Energie zu sein.

11. Welche Eigenschaften sollte ein Existenzgründer mitbringen?
Jeder Existenzgründer sollte wissen, dass er/sie die Verantwortung dafür trägt, was er tut und lässt. Man sollte immer offen für einen Gedankenaustausch sein und sich stets bemühen, sich selbst immer weiterzuentwickeln. Das Wichtigste ist vermutlich, dass man sich klar über die Vision ist und alles dafür vollbringt, um diese zu erreichen. Die eigenen Werte sind an dieser Stelle natürlich genauso wichtig.

12. Wo sehen Sie zukünftig die größten Herausforderungen für Second Life Fashion?
Wir möchten mit Second Life Fashion das Image der Secondhand-Branche revolutionieren. Das ist die Herausforderung, der wir uns verschrieben haben. In den nächsten Monaten werden wir Schritt für Schritt weiteres Personal aufbauen, die Prozesse optimieren und an unserem Internetauftritt arbeiten, um unseren Kundinnen ein perfektes Einkaufserlebnis voller Inspirationen bieten zu können. Es ist jetzt die Aufgabe, das Unternehmen zu stabilisieren.

 


 

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.