[Interview] Modekompetenz in einer Box von ModeFREYHaus.de

Bei ModeFREYHaus.de wird jedes Outfit persönlich von einem Modefachberater zusammengestellt – mit der Kleidung und den Erfahrungen aus den 3 stationären Modehäusern. Im Interview mit INTERNETHANDEL beschreibt Helmut Hagner aus der Unternehmensleitung die digitale Transformation des stationären Handels mit Einkaufserlebnissen und den Begegnungen zwischen Menschen in die neue Online-Plattform ModeFREYHaus.de.

 

1. Herr Hagner, wer sind Sie?
Ich leite die FREY Unternehmensgruppe mit 3 Modehäusern und 3 Einrichtungshäusern in Zeiten der digitalen Transformation. Ich bin ein leidenschaftlicher Verfechter des stationären Handels, mit Einkaufserlebnissen und den Begegnungen zwischen Menschen.

2. Wie würden Sie ModeFREYHaus.de selbst beschreiben?
Als ein Online-Outfit-Portal, das aus dem stationären Modehandel heraus geboren wurde. Bei ModeFREYHaus. de wird jedes Outfit persönlich von einem Modefachberater zusammengestellt – aus dem stationären Handel. Wir packen unseren Kunden damit deutschlandweit unsere Kompetenz in die Modebox und liefern sie in die eigenen vier Wände.

3. Seit wann gibt es ModeFREYHaus.de und was war der entscheidende Gründungsimpuls?
Uns gibt es seit März 2016. Der entscheidende Gründungsimpuls kam dabei aus unserer jahrzehntelangen stationären Modekompetenz. Mit ModeFREYHaus.de wollten wir diese unseren Kunden auch online jederzeit zugänglich machen. Wir dürfen uns unsere Mode-Kompetenz nicht von irgendwelchen Internet-Algorithmen wegnehmen lassen – bei einer Expertise von über 100 Jahren.


4. Wo sehen Sie Ihr Alleinstellungsmerkmal gegenüber Ihren Mitbewerbern?
Das ist ganz klar unser Knowhow und unser Service im Bereich Mode. Wer sein Outfit bei ModeFREYHaus. de bestellt, bekommt keine Stangen- oder Lagerware, die ins Paket gesteckt wird. Sondern individuelle perfekt sitzende Mode, die von Hand gepackt und zuvor von einem unserer Modeexperten zusammengestellt wird. Hinzu kommt, dass wir ein reales Unternehmen sind. Damit sind wir für den Kunden greifbar, haben einen regionalen Bezug und interagieren mit unseren Online-Kunden auch in der Wirklichkeit. So können unsere Kunden auch in die Filialen kommen und ihre Bestellung am Ladentisch umtauschen. Viele von ihnen suchten den Zweitkontakt bereits direkt in unseren ModeErlebnisKaufhäusern, weil sie von ihrer Modebox so begeistert waren und unser Unternehmen bzw. ihren Lieblingsberater einmal persönlich kennenlernen wollten.

5. Wie verlief die eigentliche Gründungs- bzw. Implementierungsphase?
Das Eröffnen einer neuen Filiale ist immer von Sorgen, aber auch Hoffnungen begleitet – so auch bei unserem Online-Outfit-Portal. Allerdings kam hierbei noch die Ungewissheit hinzu. Wenn wir im Vorfeld eine neue Filiale planen, haben wir bereits Erfahrung durch bereits vollzogene Filialgründungen. Dadurch ist das Risiko etwas geringer bzw. für uns besser kalkulierbar – diese Erfahrungen hatten wir online nicht. Der Bereich war komplettes Neuland für uns. Wir mussten viel Lehrgeld bezahlen. Allerding überwog die Chance, die wir als stationärer Händler dadurch hatten und haben, in das digitale Zeitalter zu gelangen und entsprechende Lösungen für unsere Kunden anzubieten.


6. Welches war die größte Herausforderung, die von Ihnen bewältigt werden musste?
Einerseits eine Internetfirma mit komplett eigenen Abläufen in einen Warenwirtschaftsprozess zu implementieren. Andererseits das Umdenken. Digital denkt man einfach anders als im stationären Handel. Auch die Mitarbeiter mussten ‚mitgenommen‘ werden. Es braucht eine ganz andere Verkaufslogik, denn sie sehen den Kunden und seine Proportionen nicht mehr Face-to-Face, sondern müssen sich auf die online gemachten Angaben verlassen.

7. Welche Vorteile konnten Sie zum Start von ModeFREYHaus.de aus der bereits existierenden FREY-Unternehmensgruppe ziehen?
Die Vorteile waren enorm, denn wir leben Mode seit über 100 Jahren und können auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Durch unseren stationären Handel wissen wir, welche Trends der Kunde mag, zu welchen Marken, Farben, Stoffen und Kleidungsstücken gerne gegriffen wird. Dieses Wissen haben wir stets ganz aktuell und sind damit in der Lage, es sofort in das Paket zu packen. Wir lernen täglich vom stationären Handel für das Online-Geschäft und umgekehrt. Diesen Vorteil haben reine Internethändler nicht. Unsere ausgebildeten Modeberater haben auf der Fläche Tag für Tag Kontakt mit Hunderten von Kunden. Daher kennen sie ihre Bedürfnisse und Anforderungen an die Mode sehr genau.

8. Wie wurde das Gründungskapital finanziert und war die Finanzplanung auch für kritische Momente innerhalb der ersten sechs Monate ausgelegt?
Wir haben das Kapital für solche Projekte bereits aus dem stationären Handel beiseitegelegt. Werbemaßnahmen und Produktentwicklungen hielten wir bewusst in einem überschaubaren Rahmen.

9. Was würden Sie rückblickend auf die Startphase von ModeFREYHaus.de ändern?
Nichts. So wie alles begann und wie es sich entwickelt hat, war es gut. Jeder Fehler, den wir gemacht haben, war wertvoll für den Projektfortschritt.

10. Gab es während der Gründungszeit auch unerwartete Fortschritte oder Meilensteine?
Unerwartet nicht. Die Kunden, die bei uns ihre Outfits bestellen, sind sehr zufrieden und begeistert vom Service. Ich vertraue meinen Mitarbeitern voll und ganz, daher war es für mich natürlich schön zu sehen, dass wir auf unsere Leistung auch sofort positive Rückmeldungen durch Kundenmeinungen bekamen – auf ganz digitaler Ebene.

11. Welche Eigenschaften sollte ein Existenzgründer mitbringen und welche eigene Erfahrung würden Sie an andere Gründer weitergeben?Ehrgeiz, Ausdauer, Selbstvertrauen und Fleiß sind Tugenden, auf die man nicht verzichten kann, wenn man sich selbstständig machen möchte. Hinzu kommen ein gutes Organisationstalent und die Fähigkeit, alle Fäden zusammenzuhalten. Eines der jedoch größten Herausforderungen für einen Gründer ist es, das Feuer, das in einem selbst für sein Projekt brennt, auch in den Mitarbeitern zu entfachen und immer brennen zu lassen. Das hat sehr viel mit Motivation zu tun und ist eine große, nie endende Aufgabe.

12. Wo sehen Sie zukünftig die größten Herausforderungen für ModeFREYHaus.de und welche sind Ihre nächsten angestrebten Meilensteine?
Die größte Herausforderung liegt für uns darin, unseren Online-Outfit-Shop auch weiterhin mit unserer stationären Expertise verbinden zu können und natürlich unsere stationären ModeKaufHäuser zu halten. Wir wollen eine Symbiose schaffen zwischen online und stationärem Handel. Dabei muss es uns auf Dauer gelingen, unsere Bedürfnisse nicht dem Kunden aufzudrücken, sondern unsere Abläufe an die Bedürfnisse des Kunden anzupassen – unter anderem durch ständige Optimierung der Vertriebswege. Wir wollen dem Kunden künftig noch mehr Lösungen für seine Modefragen bieten, sei es über spezielle Pakete für bestimmte Anlässe (Krankenhausaufenthalt, Wellnessanwendungen, etc.) oder über fertig zusammengestellte und direkt bestellbare Kombinationen wie zum Beispiel eine Anzugkombination mit passender Krawatte, Einstecktuch, Gürtel und Schuhe.

 


 

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.