[Interview] Handverlesen. Besonders. Aus Deiner Stadt. PRODUCTMATE

Das Hamburger Start-up PRODUCTMATE entdeckt Manufakturen, Concept Stores und Designer abseits des Mainstreams und macht diese online sichtbar. Dabei spielt der regionale Bezug von Kunden und den vorgestellten Produkten eine besonders große Bedeutung, wie Mitgründer Benedict Sebesta im Start-up-Interview mit INTERNETHANDEL erklärt.

1. Herr Sebesta, wer sind Sie?
Mein Name ist Benedict Sebesta und ich bin einer der Gründer von PRODUCTMATE. Wir drei haben uns während meiner Schulzeit in Hamburg und Schleswig-Holstein kennengelernt. Seitdem sind wir enge Freunde und ein eingespieltes Team. Studiert habe ich International Management mit den Schwerpunkten Marketing und Entrepreneurship in Hamburg und Paris. Nach dem Studium habe ich dann gleich mit den Jungs PRODUCTMATE gegründet.

2. Wie würden Sie PRODUCTMATE selbst beschreiben?
Mit PRODUCTMATE machen wir das Beste lokaler Unternehmen im Web erlebbar. Das Konzept dahinter ist so simpel wie effektiv. PRODUCTMATE entdeckt besondere Dinge abseits des Mainstreams in den Einkaufsstraßen und enthüllt sie online. Der User lernt die Macher hinter dem Portfolio über Kurzportraits kennen und kann sich über das Produkt hinaus ein Bild des jeweiligen Stores verschaffen.

3. Seit wann gibt es PRODUCTMATE und was war der entscheidende Gründungsimpuls?
Die PRODUCTMATE GmbH haben wir im März 2013 in Hamburg gegründet. Anfang 2014 sind wir mit einer ersten Testversion online gegangen. Der entscheidende Gründungsimpuls hat sich aus verschiedenen Faktoren ergeben. Über Online-Shopping und die Schwierigkeiten des Einzelhandels wurde damals intensiv in den Medien berichtet. Zudem haben wir festgestellt, dass die Sichtbarkeit von besonderen lokalen Unternehmen im Web eher schwach war. Das Wegbrechen von lokalen Geschäften und das Aufploppen von Ketten und großen Einkaufszentren war ein Zustand, den wir nicht tatenlos hinnehmen wollten, denn wir glauben, dass jeder die Möglichkeit haben sollte, die Vielfalt lokaler Produkte in seiner Nähe zu entdecken.

 

4. Wie konnten Sie die ersten lokalen Fachgeschäfte in Hamburg für Ihr Konzept gewinnen?
Im Endeffekt größtenteils über den direkten Austausch mit verschiedenen Geschäftsinhabern. Wir sind damals in Hamburg mit Broschüren und unserem Prototypen von Geschäft zu Geschäft gegangen, haben unser Konzept präsentiert und uns Feedback eingeholt. So erhielten wir direkte Reaktionen und haben wichtige Learnings für die Weiterentwicklung von PRODUCTMATE generiert.

5. Welchen Vorteil sehen Sie, als Online-Business lokale Geschäfte zu unterstützen?
Einer der Vorteile ist, dass wir Geschäftsinhabern aus Deutschland, die ihrer Leidenschaft folgen und in der lokalen Szene unterwegs sind, eine Plattform bieten und sie lokal sowie überregional bekannter machen. Ebenso geben die Werbewirksamkeit in der Gemeinschaft oder Kooperationen mit anderen Partner-Unternehmen die Möglichkeit, die eigene Reichweite zu erhöhen und sein Angebot besser zu vermarkten. Weitere Vorteile sehen wir auch ganz klar bei der Online-Vorabrecherche (ROPO), da das sog. Webrooming immer stärker im Kommen ist.

6. Wie wurde das Gründungskapital finanziert?
Wir haben anfangs etwas Kapital aus unseren Ersparnissen genommen und zusätzlich ein Darlehen aufgenommen. Ende 2014 haben wir dann unsere erste Finanzierungsrunde abgeschlossen. Woraufhin im Februar 2015 ein Zuschuss vom Förderprogramm InnoRampUp von der Hamburgischen Investitions- und Förderbank, der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation sowie der Europäischen Union kam.

 

7. Wo sehen Sie Ihr Alleinstellungsmerkmal (oder USP) gegenüber Ihren Mitbewerbern?
Vorteile gegenüber Wettbewerbern sehen wir klar bei der Auswahl unserer Partnerunternehmen, da wir so einen langfristig hohen Qualitätsstandard gewährleisten können. Mit dem Fokus auf Manufakturen, Designern, handwerklichen Produkten uvm. liefern wir einen qualitativ hochwertigen Zugang zu den besten Shopping-Inhalten in Deutschland, was so in dieser Form kein anderer anbietet.

8. Welches war die größte Herausforderung, die von Ihnen bewältigt werden musste?
Zu den größten Herausforderungen haben auf jeden Fall der Aufbau unseres Teams und unserer Partnerunternehmen aus Designern, Individualisten und Manufakturen gezählt. Unser Fundament. Zudem ist es nicht immer leicht gewesen, unserem hohen Anspruch an Qualität und Ästhetik gerecht zu werden.

9. Was würden Sie rückblickend auf die Startphase von PRODUCTMATE ändern?
Wenn überhaupt Kleinigkeiten. Diese wären z.B. gewisse Dinge bzw. Aufgaben direkt anzupacken, nicht zu lange darüber zu diskutieren, sie einfach zu erledigen und daran zu wachsen. So wären wir mit Sicherheit etwas schneller gewesen. Hier gibt es auch dieses Sprichwort „Perfect is the enemy of done.“ Ansonsten muss ich ganz klar sagen, dass wir vieles auch nur wegen unserer Fehler letztendlich besser angepackt haben, indem wir durchs Ausprobieren unseren Markt besser kennengelernt haben, um anschließend wiederum bessere Entscheidungen treffen zu können, was uns zu weitsichtigeren Unternehmern gemacht hat.

 

10. Welche Eigenschaften sollte ein Existenzgründer mitbringen und welche eigene Erfahrung würden Sie an andere Gründer weitergeben?
Ganz weit oben steht auf jeden Fall, eine gewisse Risikoaffinität zu besitzen. Ein Existenzgründer sollte zudem ein Teamplayer sein, seine Skills richtig einsetzen und nicht vorhandene Skills mit weiteren Teammitgliedern ausgleichen. Es kommt auf jeden Fall ziemlich stark aufs Team an. Letztendlich wirst du eh nie alles allein bewältigen können, deshalb ist der Austausch mit anderen so wertvoll, woraus spannende und unternehmensfördernde Kooperationen entstehen können.

11. Wo sehen Sie zukünftig die größten Herausforderungen für PRODUCTMATE?
Die größte Herausforderung wird die Messbarkeit am ‚Point of Sale‘ (PoS) sein. Hier gibt es verschiedene Ansätze und Möglichkeiten. Für uns heißt das, weiter den Markt beobachten und an der bestmöglichen Lösung feilen.

 


 

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.