Internationalisierung im E-Commerce: 5 Überlegungen auf dem Weg ins Ausland

Es ist Ihnen als Online-Händler gelungen, ein einträgliches Geschäftsmodell aufzubauen, mit dem Sie verlässliche Umsätze und Gewinne erzielen? Dann geht Ihnen mit Sicherheit regelmäßig die Frage durch den Kopf, wie Sie Ihren Erfolg multiplizieren könnten. Immerhin haben Sie mit Ihrem Business bereits unter Beweis gestellt, dass Sie genau wissen, wie man es im E-Commerce zu etwas bringt. Werfen Sie doch einfach einmal einen Blick über den eigenen Tellerrand und beschäftigen sich gedanklich mit einer Expansion auf ausländische Märkte. Was Sie dabei beachten sollten, entdecken Sie in unseren 5 Überlegungen zur Shop-Internationalisierung.

Internationalisierung im E-Commerce

Unsere Wirtschaft wird immer globaler: Machen Sie mit!

Wie klein ist unsere Welt in den letzten Jahren doch geworden. Kein Land der Erde liegt heute weiter als ein paar Mausklicks von uns entfernt und dementsprechend spielt es auch beim Handel kaum noch eine Rolle, aus welcher Region unseres Planeten ein Produkt stammt. Lassen Sie einfach einmal Ihren Blick über alle Gegenstände schweifen, die Sie in dem Raum, in dem Sie sich gerade befinden, aufbewahren. Computer, Bildschirme, Peripheriegeräte, Möbel, Schreibgeräte, Accessoires, elektronische Helfer, Kabel, Werkzeuge oder Deko-Artikel: Wir gehen jede Wette ein, dass nur der geringste Teil dieser Dinge in Deutschland hergestellt wurde und selbst Produkte mir europäischer Herkunft dürften eher selten sein. An dieser kleinen Beobachtung können Sie sofort erkennen, dass die Globalisierung der Wirtschaft unglaublich weit fortgeschritten ist.

Als Verbraucher profitieren Sie davon insofern, als dass der Markt Ihnen sowohl eine größere Auswahl an Produkten als auch günstigere Preise bietet. Die Hersteller können sich heute Märkte fernab des eigenen Landes und des eigenen Kontinents erschließen und sich dadurch über weitaus höhere Absatzzahlen freuen. Und für die Händler ergeben sich aus den Möglichkeiten des internationalen Handels Umsatzpotenziale, die weit über das hinausgehen, was sich innerhalb des eigenen Landes erwirtschaften lässt.

Wenn Sie bislang lediglich als Verbraucher davon profitiert haben, dass unsere Welt in Bezug auf den Handel sehr klein geworden ist, dann sollten Sie einmal darüber nachdenken, dass andere Unternehmen bereits kräftig am internationalen Boom verdienen. Ihnen muss klar sein, dass jeder Gegenstand in Ihrem Besitz, der nicht in Deutschland hergestellt wurde, die Kasse von mindestens einem ausländischen Hersteller, weiterhin meist eines Exporteurs und in vielen Fällen auch die eines Händlers, großzügig gefüllt hat. Wir sind der Meinung, dass es höchste Zeit wird, dass Sie als Online-Händler auch Ihren Teil des großen Kuchens beanspruchen sollten, bevor er vollständig unter denen aufgeteilt wurde, die schneller sind als Sie.

Internationalisierung: Nicht so schwer, wie man denkt und doch nicht trivial

Bevor wir uns mit der Frage beschäftigen, wie einfach oder wie schwierig es ist, sein eigenes Geschäftsmodell auf ausländische Märkte zu übertragen, wollen wir uns zunächst einen Moment lang gemeinsam darüber freuen, dass Sie Online-Händler sind. Hätten Sie sich stattdessen nämlich für eine Karriere als Besitzer eines stationären Ladens entschieden, wäre Ihre internationale Expansion deutlich komplizierter. Bei einem Web-Shop spielt es dagegen kaum eine Rolle, von wo aus ein Kunde Ihre Seiten besucht. Während der stationäre Händler zwingend ein Ladenlokal an jedem ausländischen Standort anmieten, einrichten und mit Ware und Personal ausstatten müsste, bewegt sich der rein technische Aufwand der Internationalisierung im E-Commerce auf eine Reihe von Einstellungen und Anpassungen im Shop.

Wir wollen an dieser Stelle allerdings streng realistisch bleiben und Ihnen daher nicht verschweigen, dass die Internationalisierung Ihres Shops, auch wenn sie sich vergleichsweise einfach gestaltet, doch mit einer Reihe von ernsthaften Barrieren, Hürden und Schwierigkeiten verbunden ist. Diese sind sicherlich alles andere als unlösbar. Sie müssen sich aber mit jedem einzelnen Aspekt beschäftigen und jeweils eine Lösung dafür finden.

Bei diesem Artikel handelt es sich nicht um eine detaillierte Anleitung, mit der Sie Ihren Web-Shop an ausländische Märkte anschließen können. Sie entdecken hier stattdessen eine Reihe von Überlegungen, die Sie anstellen sollten, bevor Sie Ihre Produkte und Angebote auch im Ausland präsentieren. Je besser Sie diesen Schritt vorbereiten, desto positiver fallen Ihre geschäftlichen Chancen aus und desto kleiner stellen sich die Risiken der Internationalisierung dar.

Überlegung 1: Chancen und Möglichkeiten prüfen

Für die meisten Web-Shops ist eine internationale Expansion mit guten Möglichkeiten verbunden, um höhere Umsätze und Gewinne zu erzielen. Dies liegt nicht nur an den zusätzlichen potenziellen Kunden, sondern auch an möglicherweise höheren Verkaufspreisen und niedrigeren Marketing-Kosten im Ausland. Die exakte Größenordnung dieser Potenziale sollte allerdings vor der eigentlichen Internationalisierung sorgfältig ermittelt werden. Schwierig ist dies insofern, als dass sich die genannten Konditionen von Land zu Land und von Produkt zu Produkt stark unterscheiden. Prüfen Sie deshalb pro Produkt oder zumindest pro Produktbereich und pro Zielland die konkreten Bedingungen und verschaffen Sie sich auf diese Weise ein Bild darüber, an welchen Märkten Sie welche Teile Ihres Sortiments besonders gut und vorteilhaft verkaufen können.

Überlegung 2: Landesspezifische Eigenheiten analysieren

Wenn Sie verschiedene Länder in Bezug auf die Verkaufschancen Ihrer Produkte analysiert und überprüft haben, dann entsteht schnell ein erster Eindruck, an welchen ausländischen Märkten Sie Ihren Shop zuerst präsentieren sollten. Nutzen Sie in dieser Phase die Gelegenheit, sich über die Länder in Ihrer engeren Wahl und vor allem die dort geltenden rechtlichen Bestimmungen und kulturellen Gebräuche zu informieren. Aufgrund abweichender Bedingungen eignet sich nicht jedes Land gleichermaßen gut für den internationalen Handel. Während Sie als Online-Händler innerhalb der EU zumindest ein gewisses Maß an rechtlicher Verlässlichkeit genießen, kann das außerhalb der Europäischen Union schon ganz anders aussehen. Nutzen Sie das Internet zur Recherche und versuchen Sie nach Möglichkeit, sich mit anderen Shop-Betreibern auszutauschen, die bereits im jeweiligen Zielland Erfahrungen gesammelt haben.

Überlegung 3: Anfänger-Fehler konsequent vermeiden

Wer sich nicht gründlich genug auf die Internationalisierung vorbereitet, der läuft als Online-Händler Gefahr, eine Reihe von Fehlern zu begehen, die teilweise mit sehr nachteiligen Konsequenzen verbunden sein können. Hierunter fallen vor allem Shop-Betreiber, die davon ausgehen, dass es völlig ausreichend ist, die Texte im eigenen Shop in die jeweilige Landessprache zu übersetzen. Vor den meisten Pannen und Irrtümern in diesem Bereich schützt eine sorgfältige Marktanalyse. Achten Sie vor allem darauf, welche Suchmaschinen im Zielland vorrangig verwendet werden und informieren Sie sich über deren Kostenmodelle und Gebühren. Machen Sie sich mit den landestypischen Zahlungsmethoden ebenso vertraut wie mit den Gewohnheiten, Anforderungen und Bedürfnissen der einheimischen Verbraucher in Bezug auf Versand, Rücksendung und Kundenservice. Holen Sie Erkundigungen über lokale Gütesiegel ein und beschaffen Sie sich Informationen über die populären sozialen Netze. Gehen Sie insgesamt an den ausländischen Markt mit derselben Aufmerksamkeit und demselben Interesse heran, wie an den deutschen Markt, bevor Sie Ihren Web-Shop eröffnet haben.

Überlegung 4: In kleinen und sicheren Schritten zum Erfolg

Viele Online-Händler machen den Fehler, die Internationalisierung deutlich zu schnell voranzutreiben und in der Folge an Problemen und Schwierigkeiten zu scheitern, die sich aus der schnellen Wachstumsgeschwindigkeit ergeben. Gehen Sie stattdessen lieber langsam und in kleinen Schritten voran. Nach einer ausführlichen Vorbereitungs- und Planungsphase sollten Sie Ihre ersten Erfahrungen mit dem internationalen Handel zunächst über einen der großen Marktplätze sammeln. Nutzen Sie also zum Beispiel eBay oder Amazon, um Ihre Produkte in aussichtsreichen Ländern anzubieten und einen persönlichen Eindruck von den Möglichkeiten, Risiken und Chancen zu erhalten. Erst nach dieser Vorbereitungsphase sollten Sie daran gehen, Ihr Geschäftsmodell auf den ersten ausländischen Markt zu übertragen. Erst wenn Ihnen diese internationale Aktivität gelungen ist und Sie nach einiger Zeit positive Zahlen erwirtschaften, sollten Sie über weitere Länder und deren Märkte nachdenken.

Überlegung 5: Selber umsetzen oder Hilfe in Anspruch nehmen

Bei der Internationalisierung Ihres Internet-Business stehen Ihnen grundsätzlich drei verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Erstens können Sie sich darauf beschränken, Ihre Produkte über die bereits erwähnten Marktplätze im Ausland anzubieten und hierbei in den Genuss einer besonders mühelosen und komfortablen Abwicklung zu kommen. Zweitens können Sie die anstehenden Vorbereitungsarbeiten, Anpassungen und die dauerhafte Vermarktung Ihrer Angebote im Ausland in die eigenen Hände nehmen und sich allen anfallenden Aufgaben selber stellen. Drittens haben Sie die Möglichkeit, einen speziellen Dienstleister damit zu beauftragen, Sie bei der Internationalisierung aktiv zu unterstützen und Ihnen sein Fachwissen und seine Erfahrung zur Verfügung zu stellen. Für welche dieser Varianten Sie sich entscheiden, hängt letztlich zum einen von Ihrem Sicherheitsbedürfnis und zum anderen von dem Maß Ihrer Bereitschaft, sich selber mit dem internationalen Handel zu beschäftigen, ab.

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.