[Gründerstory] runtastic.com – Fitness als Unternehmenskonzept

Wenn man in der heutigen Zeit im Internetumfeld ein modernes Unternehmen gründet, dann muss man sich entscheiden, ob hierbei Hardware, Software oder Services im Vordergrund stehen sollen. Die vier Gründer von runtastic haben beschlossen, alle drei Bereiche gleichzeitig zu bedienen und wurden für ihr Engagement und ihre Dynamik mit durchschlagendem Erfolg belohnt.

 

Die Unterstützung von Sportlern als Geschäftsidee

Laufen ist als Sportart unter anderem bei so vielen Menschen beliebt, weil man zu ihrer Ausübung eigentlich nichts braucht, außer ein paar Laufschuhen und auf das Wetter abgestimmte Kleidung. Doch lässt sich diese eher puristische Definition in Zeiten der sozialen Medien wirklich aufrechterhalten? Vier engagierte Gründer aus Österreich haben diese Frage schon im Jahr 2009 mit „Nein“ beantwortet und sollten damit recht behalten. Wir stellen Ihnen im Rahmen unserer Gründerstory das erfolgreiche Start-up runtastic und seine vier Initiatoren vor, werfen einen Blick hinter die Kulissen, zeichnen die bisherigen Meilensteine nach und analysieren die entscheidenden Erfolgsfaktoren.

 

Die kurze Vorgeschichte einer langen Erfolgsstory

Florian Gschwandtner, Alfred Luger, René Giretzlehner und Christian Kaar beschäftigten sich im Rahmen eines Studienprojektes im Jahr 2009 mit einem System zur Auswertung von Positionsdaten von Segelbooten. Die vier Österreicher hatten sich im Studiengang „Mobile Computing“ an der FH in Hagenberg kennengelernt. Bei aller Begeisterung für das gemeinsame Projekt wurde schnell klar, dass man mit einer Anwendung für den Segelsport kaum einen Massenmarkt bedienen kann. Und so kamen die engagierten und einfallsreichen Initiatoren schnell auf den Breitensport Laufen. Im Vordergrund stand dabei die Frage, welches digitale Hilfsmittel sowohl Einsteigern als auch fortgeschrittenen Läufern das Training erleichtern könnte. Und die Antwort auf diese Frage wurde mit der ersten runtastic App schnell gefunden.

 

runtastic: Die wirksame Unterstützung auf dem Weg zum erfolgreichen Sportler

Das Angebot von runtastic teilt sich in insgesamt drei Bereiche. Im Mittelpunkt stehen dabei die verschiedenen Apps, die das Unternehmen seinen Kunden mittlerweile anbietet. Diese beziehen sich auf unterschiedliche Sportarten und Trainingsgewohnheiten, sodass sowohl Hobbysportler als auch ambitionierte Profis schnell die passende Lösung für die eigenen Anforderungen entdecken. Hinzu kommt eine große Auswahl an Hardware. Hierbei handelt es sich zum Beispiel um GPS-Uhren, Fitness-Armbänder, Brustgurte oder um Waagen zur Gewichtskontrolle. Die Hardware arbeitet natürlich nahtlos mit den verschiedenen Apps zusammen, sodass sich ohne Probleme und Komplikationen schnell interessante und individuelle Kombinationen erstellen lassen. Komplettiert wird das Angebot von einer ganzen Reihe verschiedener Services. Hierzu zählen unter anderem unterschiedliche Auswertungen der persönlichen Leistungen, regelmäßige Berichte über individuelle Fortschritte, hochwertige Trainingspläne oder sorgfältig aufbereitete Dokumentationen über lohnenswerte Strecken und außergewöhnliche Tracks.

Während im Rahmen der kostenlosen Basis-Mitgliedschaft viele der runtastic-Leistungen gratis zur Verfügung stehen, haben interessierte Sportler auch die Möglichkeit, sich für den kostenpflichtigen Premium-Zugang zu entscheiden. Hierbei stehen viele weitere Funktionen und Features zur Verfügung. Darüber hinaus wird Premium-Mitgliedern keine Werbung eingeblendet. Vorteilhaft bei dieser Konstruktion ist, dass jeder potenzielle Nutzer die Angebote von runtastic unverbindlich und kostenlos kennenlernen kann. Und selbst der Premium- Zugang lässt sich jederzeit kündigen.

Die Einnahmen von runtastic werden also auf vier verschiedene Arten erwirtschaftet: Erstens durch den Verkauf von Hardware, zweitens durch Premium-Mitgliedschaften, drittens durch kostenpflichtige Leistungen für Basis-Mitglieder und viertens durch den Verkauf von Werbung.

 

Schritt für Schritt von Ziel zu Ziel

Verfolgt man die bisherige Geschichte von runtastic seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 2009, dann entsteht ein beeindruckendes Bild. Das Start-up hat bislang jedes Ziel souverän erreicht und dabei die eigenen Erwartungen in vielen Fällen deutlich übertroffen.
Zwischen der Firmengründung im Oktober 2009 und dem Launch der ersten App verging gerade einmal ein Monat. Finanziert wurde das Start-up dadurch, dass die vier Gründer nebenher Business-Anwendungen für Dritte entwickelten. Die erste Version der runtastic App vom November 2009 ist für iOS bestimmt. Im Mai 2010 folgt dann die Android Version. 2011 entscheiden die Gründer Florian Gschwandtner, Alfred Luger, René Giretzlehner und Christian Kaar, künftig auf eine Multi-App-Strategie zu setzen.

 

So werden individuelle Anwendungen für bestimmte Sportarten aber auch interaktive Trainingspläne und andere Tools zur Unterstützung der Sportler entwickelt und angeboten. Im Jahr 2012 steigt runtastic dann ins Hardware- Geschäft ein und schafft damit einen entscheidenden Schritt in Richtung Geschäftsausbau. Bereits Mitte 2011 hatte das Start-up die Marke „Cash-flow positiv“ erreicht. In dieser Phase beteiligen sich eine Reihe von strategischen Partnern, Business Angels und Investoren an dem jungen Unternehmen und ermöglichen dem Gründerteam den stetigen Ausbau der Geschäftsidee. Im Jahr 2013 kommt es zur ersten größeren Übernahme: Der Axel Springer Verlag übernimmt eine Mehrheit der Anteile von 50,1 Prozent. Zu dieser Zeit wird der Unternehmenswert bereits mit 22 Millionen Euro beziffert. Im Jahr 2014 engagiert runtastic seinen 100. Mitarbeiter. Und im August 2015 gelingt schließlich ein beispielloser Deal: Der Sportartikelhersteller Adidas übernimmt runtastic für insgesamt 220 Millionen Euro. Die vier Gründer bleiben auch nach der Übernahme in ihren ursprünglichen Positionen an Bord und begleiten das Start-up weiterhin.

 

Dynamik und Kontinuität: Die Erfolgsfaktoren von runtastic in der Übersicht

Der Beginn der Geschichte von runtastic ist von dem Grundsatz geprägt: Mit dem richtigen Produkt zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Die Gründer haben einen Zeitpunkt abgepasst, an dem das öffentliche Interesse an einer neuen Art von Sport und Fitness sehr groß war und sich allmählich mit dem Wunsch verband, eigene Fortschritte über elektronische Geräte verfolgen und vor allem innerhalb der sozialen Netze teilen zu können.

 

Hätten sich die Gründer darauf beschränkt, die erste App weiterzuentwickeln und das Geschäftsmodell auf dieser Basis fortzusetzen, dann wäre dies sicher ebenfalls von Erfolg gekrönt gewesen. Man entschied sich jedoch zu einer starken Weiterentwicklung des Grundkonzeptes und legte damit den Grundstein für den bahnbrechenden Erfolg.

Die Kombination von Hardware, Software und kostenpflichtigen Services war dabei mit Sicherheit der klügste Schachzug. Auf diese Weise entstanden unterschiedlichste Einnahmemodelle, die sich gegenseitig stützen und fördern. Im Mittelpunkt, auch hierbei handelt es sich um eine herausragende Stärke von runtastic, steht aber nach wie vor der ursprüngliche Grundgedanke: Man will Sportler, egal ob Amateur oder Profi, dabei unterstützen, mit allen erdenklichen Hilfsmitteln, Tools und Werkzeugen, ihre persönlichen sportlichen Leistungen zu messen, zu analysieren und zu teilen. und auf diese Weise individuelle Ziele schneller und einfacher zu erreichen.

 


 

 


 

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.