[Gründerstory] Testbirds nutzt die Crowd für das professionelle Testen

Die sogenannte Crowd, also der Superorganismus, der aus einer riesigen Menschenmenge entsteht, spielt heute in vielen Zusammenhängen eine wichtige Rolle. Die Testbirds GmbH hat mit dem Crowdtesting ein neues Konzept ins Leben gerufen, das die Schwarmintelligenz der Internetgemeinde nutzt, um Apps, Games, Webanwendungen und mehr unter realen Praxisbedingungen zu testen.


 

Crowdtesting mit der Schwarmintelligenz der Internetgemeinde Fasst man die beiden Begriffe Croudsourcing und Softwaretesting zusammen, dann entsteht der Neologismus Crowdtesting. Und genau damit landet man bei dem Geschäftsmodell der Testbirds GmbH aus München, das sich über mangelnden Erfolg ganz sicher nicht beschweren kann. Die drei Gründer Markus Steinhauser, Georg Hansbau und Philipp Benkler haben ab 2011 ein Unternehmen aufgebaut, das sich ganz dem Testen von Apps für die komplette Geräte- und Betriebssystemlandschaft mithilfe der Internetgemeinde verschrieben hat und mit diesem Konzept erhebliche Erfolge feiert. Im Rahmen unserer Gründerstory stellen wir Ihnen das Start-up Testbirds ausführlich vor, werfen für Sie einen gründlichen Blick hinter die Kulissen, erläutern Geschäftsmodell und Werdegang und analysieren die entscheidenden Erfolgsfaktoren.

 

Wir testen eigentlich alles, was eine grafische Benutzeroberfläche besitzt

Wir leben in einer Zeit, in der Tag für Tag Tausende von Webseiten, Apps und Games das Licht der Welt erblicken. Hinzu kommen Wearables und andere intelligente Gegenstände, die mit ausgeklügelten Funktionen ausgestattet sind. All diese innovativen Entwicklungen haben dabei eines gemeinsam: Sie werden von Menschenhand erarbeitet und erstellt und weisen daher das grundsätzliche Risiko auf, Fehler, Nachlässigkeiten und offensichtliche Verbesserungspotenziale zu enthalten. Um dieses Risiko deutlich zu mindern, ist es erforderlich, Software und Hardware eingehenden Tests zu unterziehen. Solche Tests sind, wenn man sie in Eigenregie durchführt, allerdings sehr kostspielig, arbeitsintensiv und dennoch nicht immer lückenlos. Schließlich gibt es heute so viele verschiedene Endgeräte, Betriebssysteme und Browser, dass die möglichen Kombinationen eine Größenordnung angenommen haben, die sich innerhalb einze+lner Projekte kaum überblicken, geschweige denn testen lassen. Hierbei sind zielgruppen- spezifische Überlegungen und Einschränkungen nicht einmal mitberücksichtigt.

 

Die Testbirds GmbH hat sich mit exakt diesem Problem der Software- und Hardware-Branche eingehend beschäftigt und liefert eine mehr als überzeugende Lösung an. Das Unternehmen bietet ein innovatives Testverfahren an, das es mithilfe der Crowd ermöglicht, beliebige Anwendungen innerhalb von kurzer Zeit von einer Vielzahl von Konsumenten mit extrem vielen unterschiedlichen Geräten, Betriebssystemen und Browsern prüfen zu lassen. Derzeit stehen weltweit bereits über 80.000 Tester zur Verfügung, die gemeinsam mehr als 200.000 Geräte nutzen, auf denen getestet werden kann. Im Mittelpunkt stehen dabei Prüfungen in Bezug auf Fehler und auf die Usability.

 

Aus der Sicht des Kunden stehen grundsätzlich zwei verschiedene Service-Level zur Auswahl. Der Managed Service beinhaltet die Betreuung des gesamten Testprozesses durch einen erfahrenen und qualifizierten Projektmanager. Im Self-Service nutzt der Kunde stattdessen den Zugriff auf sämtliche Testunterlagen eigenständig. Testprojekte im Self-Service sind bereits ab einem Kostenrahmen in Höhe von 1.500 Euro möglich. Aus Sicht der Tester stellt sich das Geschäftsmodell von Testbirds ebenso einfach dar. Nach einer kurzen Registrierung und dem Anlegen eines Profils absolvieren die Tester, bei Testbirds werden sie liebevoll „Birds“ genannt, einen Einstiegstest und bestätigen in Bezug auf sämtliche Testdaten ihre Verschwiegenheit. Im Anschluss erhalten sie regelmäßig Einladungen zu Testprojekten und werden dabei mit einer fixen Vergütung in Höhe von mindestens 10 Euro pro Stunde honoriert. Für das Auffinden von Fehlern können die Birds weitere Einnahmen erhalten.

 

Die wichtigsten Meilensteine auf dem Weg zum Erfolgsunternehmen

Die Geschichte der Testbirds GmbH ist ebenso jung wie erfolgreich. In der Zeit zwischen 2011 und 2012 wurden das Start-up und sein Geschäftskonzept geplant und gegründet. Bereits im Mai 2012 können sowohl die fertige Testerplattform als auch ein erster Kundenstamm vorgewiesen werden. Die Anschubfinanzierung erfolgt dabei durch ein EXIST – Gründerstipendium an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Im Anschluss daran erhält Testbirds mit Unterstützung des Finanzierungsnetzwerkes evobis eine siebenstellige Finanzspritze von der Walter Beteiligungen und Immobilien AG.

 

Bis März 2013 wird Testbirds bereits zum Marktführer im DACH-Raum. Im Jahr 2014 investiert der französische Venture Kapitalgeber Seventure Partners 2,1 Millionen Euro in das Start-up. Mit dem im Juli 2015 vorgestellten „Code of Conduct“ bekennt sich Testbirds gemeinsam mit dem Deutschen Crowdsourcing Verband und mit den Unternehmen clickworker und Streetspotr zu einem selbstauferlegten Verhaltenskodex, der Richtlinien und Regeln für einen fairen und transparenten Umgang zwischen Dienstleistern, Kunden und Crowdworkern definiert. Heute beschäftigt das Unternehmen über 60 Mitarbeiter in Büros in München, London, Stockholm und Amsterdam, setzt Franchisenehmer in Budapest und Bratislava ein und unterhält internationale Partnerschaften in den USA, in Kanada und in Italien. Mittlerweile sind weltweit über 80.000 registrierte Tester mit mehr als 200.000 Geräten für Testbirds tätig und erlauben die effiziente Durchführung von komplexen und großen Testaktionen innerhalb von kurzer Zeit.

 

Die entscheidenden Erfolgsfaktoren eines innovativen Start-ups

Keine Frage: Das Crowdtesting nach Art der Testbirds GmbH steht ohne Zweifel voll im Trend und trifft einen spannenden Nerv unserer Zeit. Die stetige Entwicklung neuer Anwendungen und Geräte bedingt eine Testlandschaft mit extremer Leistungsfähigkeit und genau die kann das innovative Start-up aus München seinen Kunden bieten. Hierbei lassen sich selbst komplexe Tests schnell, einfach und vor allem preiswert durchführen. Der gesamte Prozess ist dabei eng auf die schwierigen Arbeitsbedingungen bei den potenziellen Auftraggebern abgestimmt und passt sich optimal in deren Gegebenheiten ein.

 

Ein ganz wesentlicher Erfolgsfaktor von Testbirds ist dabei die enorme Endgerätevielfalt, mit der das Unternehmen punkten kann. Über 200.000 mobile und stationäre Geräte stehen über die insgesamt 80.000 Tester zur Verfügung. Auf diesen Endgeräten läuft eine Vielzahl an Zusammensetzungen aus Betriebssystemen und Browsern, sodass jede noch so exotische Kombination zur Verfügung steht und getestet werden kann. Einen weiteren Grund für diverse Unternehmen, mit Testbirds zusammenzuarbeiten, bietet die sehr stark ausgeprägte Zielgruppenrelevanz. Hier erhält man als Auftraggeber die Möglichkeit, exakt zu definieren, welche Gruppen von Nutzern die eigenen Anwendungen, Games, Apps, Webseiten oder Geräte testen sollen.

 

Die Testergemeinde ist dabei längst umfangreich genug, um interessante und aussagekräftige Gruppen und Cluster bilden zu können. Testbirds gibt sich mit dem bisher Erreichten übrigens nicht zufrieden. Das Unternehmen will auch in Zukunft auf Wachstumskurs bleiben und strebt mittelfristig das Ziel an, sich als Europas führendes und innovativstes Crowdtesting-Unternehmen zu positionieren. Es kann kaum ein Zweifel daran bestehen, dass dies in absehbarer Zeit gelingen wird.

 


 

 


 

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.