[Gründerstory] Mit einer Häkelmütze: myboshi.net erobert die Welt

Wer ein erfolgreiches Unternehmen gründen möchte, der muss sich dazu nicht unbedingt auf ein besonders innovatives Thema stürzen. Manchmal lassen sich auch mit eher traditionell orientierten Geschäftsideen große Erfolge feiern. Wir stellen Ihnen das Start-up myboshi vor, dem es gelungen ist, eine längst vergessene Handarbeitsidee wieder zu beleben und damit einen regelrechten Hype auszulösen.


 

Tragen Sie bereits bunte, fantasievolle und fröhliche Häkelmützen? Wenn nicht, dann gehören Sie vielleicht schon bald zu einer Minderheit. Denn bereits seit 2009 erobert ein Klassiker der traditionellen Handarbeit die moderne Welt und hinterlässt fast überall pure Begeisterung. Die myboshi GmbH aus dem bayerischen Konradsreuth lässt die gute alte Häkelmütze in ganz neuem Licht erstrahlen und zählt längst zu den jungen Unternehmen im E-Commerce, denen die Bewunderung der ganzen Szene gewiss ist. Und das, obwohl die ungewöhnliche Idee zu Beginn von vielen nur mitleidig belächelt wurde. Wir stellen Ihnen das Start-up der beiden jungen Gründer Thomas Jaenisch und Felix Rohland ausführlich vor, erklären, was es mit myboshi auf sich hat, berichten über den bisherigen Werdegang des Unternehmens und sprechen über die entscheidenden Erfolgsfaktoren.

 

Was Skilehrer, Japan, Häkelmützen und Seniorinnen miteinander zu tun haben

Eigentlich sind Thomas Jaenisch und Felix Rohland Studenten gewesen. Als die beiden im Jahr 2009 zu einem Skilehreraustausch im japanischen Skigebiet Hachi-Kogen fuhren, konnten sie wohl kaum ahnen, dass sie mit einer wirklich bemerkenswerten Geschäftsidee im Gepäck nach Hause zurück gelangen würden. Den Impuls dazu gab, wahrscheinlich ganz unbewusst, eine spanische Kollegin der beiden späteren Gründer. Diese vertrieb sich die Abende auf der Skihütte mit Häkeln und bot dabei an, Thomas und Felix in diese Handarbeitskunst einzuführen. Nach anfänglichem Zögern ließen sich die beiden schließlich auf das Experiment ein und begannen mit der Anfertigung ihrer ersten beiden selbstgemachten Häkelmützen.

 

Kurz darauf war die eigentliche Geschäftsidee geboren. Thomas Jaenisch und Felix Rohland beschlossen, jedem zu seiner individuellen Häkelmütze zu verhelfen. Ein entsprechender Web-Shop mit einem passenden Konfigurator wurde aufgesetzt und bereits wenige Monate nach dem Start mussten sich die einfallsreichen Gründer Verstärkung für die Fertigung der Mützen holen, weil sie selbst mit den vielen Aufträgen nicht mehr nachkamen. Bis heute beschäftigt das Start-up rund 30 „Häkelomis“, die sich mit viel Leidenschaft und in Heimarbeit der Anfertigung der immer populärer werdenden Mützen widmen.

 

Der Firmen- und Produktname lag dabei von Anfang an auf der Hand. Die gehäkelten Kopfbedeckungen wurden kurz und knapp Boshi genannt, was auf japanisch einfach nur Mütze bedeutet. Als Markenname kam daher nur noch die Wortschöpfung „myboshi“ in Frage, die sich bis heute bewährt hat und unter der die textilen Erzeugnisse von Thomas und Felix mittlerweile einer riesigen Fangemeinde bestens bekannt sind.

 

Die schönste Verbindung von Tradition und Style: Der Werdegang von myboshi

Anfänglich drehte sich bei myboshi alles um die Möglichkeit, per Konfigurator eine individuelle Mütze zu kreieren, die dann in der Folge von fleißigen Helfern gehäkelt wurde. Auch wenn das gesamte Geschäftsmodell mittlerweile deutlich komplexer geworden ist, so steht der Mützen-Konfigurator nach wie vor zur Verfügung. Hier entscheidet sich der Kunde zunächst für eines von über 40 Grundmodellen. Diese unterscheiden sich unter anderem in Bezug auf die jeweilige Form und das Muster. In einem zweiten Schritt können nun individuelle Farben festgelegt werden. Außerdem entscheidet sich der Kunde für eine Größe und stattet seine Mütze auf Wunsch mit einer Bommel aus. Auch deren Farbe lässt sich individuell bestimmten. Das fertige Ergebnis wird nun in den Warenkorb gelegt und bestellt. Die Lieferzeit beträgt, je nach Auslastung, zwischen drei und vier Wochen. Man hätte sich an Stelle der Gründer durchaus mit dem bis jetzt Erreichten Status zufrieden geben können. Schließlich handelt es sich bei der Anfertigung und dem Verkauf der individuellen Häkelmützen bereits um eine exzellente Geschäftsidee mit viel Potenzial. Thomas Jaenisch und Felix Rohland haben sich allerdings frühzeitig dazu entscheiden, mit myboshi eine ganze Reihe weiterer Schritte zu absolvieren.

 

Sie erweiterten das Geschäftsmodell kurzerhand um ein Do-it-yourself- Konzept und versuchten erfolgreich, die schnell wachsende Fangemeinde davon zu begeistern, selbst zur Häkelnadel zu greifen und eigene Kreationen zu realisieren. Alles, was man hierzu benötigt, findet man im myboshi- Shop. Man wählt hierzu einfach das gewünschte Mützenmodell aus und erhält neben einer detaillierten Anleitung, der benötigten Wolle und einer passenden Häkelnadel sogar das kleine Label, das nach Fertigstellung aufgebügelt oder aufgenäht werden kann und die Mütze für jeden als selbstgemachte myboshi-Kreation erkennbar macht.

Längst beschränkt sich das Angebot von myboshi nicht mehr nur auf das Häkeln und die Mützen. Mittlerweile berücksichtigt die Plattform viele andere Arten von Handarbeiten und hat das Sortiment auf die Bereiche Mode, Accessoires, Wohnen und Lifestyle ausgedehnt. Umfangreiche Videoanleitungen bringen immer mehr Menschen die Anfertigung von angesagten Produkten mit traditionellen Handarbeitstechniken näher. Thomas und Felix sind inzwischen unter die Bestseller-Autoren gegangen und haben bereits ihr sechstes Buch mit Anleitungen, Tipps und Tricks rund um Nadel, Faden und Garn herausgegeben. Hierbei handelt es sich übrigens um die erfolgreichsten Handarbeitsbücher in Deutschland.

 

Und damit nicht genug: In vielen Handarbeitsgeschäften in ganz Deutschland werden inzwischen die myboshi-Garne in unterschiedlichen Farben und Qualitäten angeboten. Eigene Verkaufsständer weisen sofort darauf hin, dass es sich um Originalware von myboshi handelt. Bei einer derart rasanten Entwicklung kann man gespannt darauf sein, was den beiden kreativen Gründern wohl als nächstes einfallen wird. Mit ihren Ideen sind Thomas und Felix mit Sicherheit noch lange nicht am Ende.

 

Schritt für Schritt immer in die optimale Richtung: Die Erfolgsfaktoren von myboshi

Die Untersuchung der Erfolgsfaktoren von myboshi nimmt nicht viel Zeit in Anspruch. Es sind wenige und dafür sehr klare Aspekte, die zu der schnellen und erfolgreichen Entwicklung geführt haben. Da ist zum einen der Mut, mit einer sehr ungewöhnlichen Idee, die von vielen belächelt wird, an den Markt zu gehen und sich bei der Umsetzung nicht beirren zu lassen.

 

Da ist zum anderen der ausgezeichnete Instinkt, immer genau den richtigen nächsten Schritt auszuwählen und die Fan- und Kundenbase dadurch stetig aber in gesunden Portionen zu vergrößern. Und nicht zuletzt gehört myboshi eindeutig zu den Geschäftsideen, die durch die Authentizität der beiden Gründer überzeugt. Man glaubt Thomas und Felix sofort, dass sie selbst die größten Fans ihrer Mützen sind und diese hohe Glaubwürdigkeit überträgt sich sofort auf die Produkte und das gesamte Konzept.

 


 

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.