[Gründerstory] Geschäftsidee oder Philosophie: Re-Commerce als Gründungskonzept

Lange Zeit war eBay die erste Adresse, wenn es um den An- und Verkauf gebrauchter Produkte ging. Mit dem Erfolgsunternehmen reBuy hat das Online-Auktionshaus, zumindest in diesem Segment, eine ernstzunehmende Konkurrenz erhalten. Wir stellen reBuy im Rahmen unserer Gründerstory vor, skizzieren den Werdegang des Unternehmens und beleuchten die entscheidenden Erfolgsfaktoren.


 

Dem Start-up, das wir Ihnen in diesem Monat im Rahmen unserer Gründerstory vorstellen wollen, liegt nicht nur eine pfiffige Geschäftsidee, sondern direkt eine ganze Philosophie zugrunde. Gründer und Geschäftsführer Lawrence Leuschner zählt mit seinem Unternehmen reBuy zu den Pionieren und den erfolgreichsten deutschen Vertretern des sogenannten Re-Commerce. Da es sich hierbei um die sinnvolle Verwertung gebrauchter Produkte handelt, steht der Re-Commerce für Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein und einen sparsamen und verantwortlichen Umfang mit unseren immer knapper werdenden Ressourcen. Ob bei Lawrence Leuschner solche ethischen Überlegungen oder doch eher das Interesse am Geld verdienen im Vordergrund stehen, darüber muss sich jeder Leser sein eigenes Urteil bilden. Dazu stellen wir Ihnen das Start-up und sein ungewöhnliches Geschäftskonzept vor, berichten über die Gründungsgeschichte und den Werdegang des Unternehmens und untersuchen die entscheidenden Erfolgsfaktoren.

 

Ankaufen, aufarbeiten, abverkaufen: Drei Schritte zum Erfolg

Betrachten wir in aller Kürze das eigentliche Geschäftsmodell von reBuy, um besser zu verstehen, warum das Start-up so erfolgreich ist. Im Mittelpunkt des Konzeptes steht der Handel mit gebrauchten Produkten. Dabei geht es vorrangig um Handys, Bücher, Videospiele, Filme, Tablets, Konsolen oder Tonträger. Die Ware stammt von den Verbrauchern selber. Diese können Artikel aus den genannten Kategorien einfach an reBuy schicken und erhalten innerhalb von wenigen Tagen einen angemessenen Geldbetrag, der entweder direkt im reBuy-Shop ausgegeben oder per Überweisung auf das eigene Konto angefordert werden kann. Besonders praktisch für den Verkäufer: Im Gegensatz zum Handel auf eBay müssen hier keine Produkte mühevoll und einzeln eingestellt werden. Alle nicht mehr benötigten Artikel werden einfach in einen Karton gelegt und an reBuy geschickt. Um den Rest kümmert sich das Unternehmen. Im nächsten Schritt werden die eingehenden Gebrauchtwaren nun von reBuy-Mitarbeitern überprüft, gereinigt und, wenn erforderlich, um fehlendes Zubehör ergänzt oder repariert. Anschließend wandern die Artikel, ausgestattet mit einer 18 Monate-Garantie, in den eigenen Online-Shop und werden dort, mit einer Preisreduzierung von bis zu 50 Prozent im Vergleich zum Neupreis, einem breiten Publikum zum Kauf angeboten.

 

In 10 Jahren vom elterlichen Keller ins 10.000 m² große Logistikzentrum

Obwohl Lawrence Leuschner sein Unternehmen in der öffentlichen Wahrnehmung sicherlich dominiert, sollte nicht unerwähnt bleiben, dass reBuy von einem insgesamt 5-köpfigen Team gegründet wurde. Da ist zunächst der Jugendfreund und Klassenkamerad Marcus Börner, mit dem Leuschner bereits in der Schulzeit erste Geschäftsideen erdenkt. Ergänzt wird das Start-up-Team dann noch um die Mitgründer Daniel Freudenberger, Tim Fronzek und Olivier Mackovic und gemeinsam entwickelt man im Jahr 2004 eine Plattform im Internet, auf der gebrauchte Computerspiele und die zunächst den Namen „trade-a-game“ trägt. Die erste Finanzierung stammt noch aus dem engeren Bekanntenkreis, da zu diesem Zeitpunkt weder Banken noch Investoren in das Konzept einsteigen wollen. Das sollte sich allerdings schon sehr bald ändern.
Zunächst steht aber im Jahr 2006 ein Umzug nach Berlin an. Die Gründer starten gemeinsam eine WG, die gleichermaßen als Geschäftszentrale dient. Ein einzelnes Billy-Regal bildet das erste Lager und in der WG-Küche wird gleichzeitig gekocht, gegessen, ausgepackt, eingepackt und rund um die Uhr konferiert. Bis 2008 bleibt es bei diesem eher improvisierten Geschäftssitz. Dann wird es höchste Zeit für eigene Büroräume und ein erstes Logistikzentrum. 2009 beschließt das dynamische Team, die Angebotspalette auf Bücher, Filme und Musik auszudehnen und entsprechend auch den Namen von trade-a-game auf reBuy zu ändern. Im Jahr 2012 erfolgt der Umzug in den heutigen Firmensitz in Berlin-Rudow. Hier stehen nicht nur rund 10.000 m² Lagerfläche für Millionen von Produkten, sondern auch ausreichend Platz für die inzwischen knapp 400 Mitarbeiter zur Verfügung.
2013 kann das reBuy-Team ausgiebig feiern, da seit der Gründung insgesamt 50 Millionen Euro an die Verkäufer gebrauchter Produkte ausgezahlt wurden. Damit ist das Start-up nun endgültig Deutschlands größte Re-Commerce-Plattform. Und in diesem Jahr wurde bereits die 80 Millionen Euro Auszahlungsmarke geknackt und reBuy scheint auf dem Weg an die Spitze des Re-Commerce nicht mehr aufzuhalten zu sein. Heute werden pro Tag rund 90.000 Artikel abgewickelt und 20.000 Pakete an Kunden verschickt. Um interessierte Geldgeber müssen sich Lawrence Leuschner und sein Team längst keine Sorgen mehr machen. Insgesamt 17 Gesellschafter haben sich mittlerweile an dem Unternehmen beteiligt und ihm ein sprunghaftes Wachstum ermöglicht. In 2013 lag der Gesamtumsatz von reBuy übrigens bei mehr als 55 Millionen Euro.

 

 

Warum ist das Start-up reBuy so erfolgreich?

Der durchschlagende Erfolg von reBuy lässt sich nur erklären, wenn man sich eine ganze Reihe von Faktoren vor Augen führt. Da ist zum einen der geschäftliche Instinkt von Lawrence Leuschner, der bereits als Kind durch das Im- und Export-Lager seines Vaters lief, um sich dort auf die Suche nach aussichtsreichen Restbeständen für den privaten Verkauf zu begeben. Sein Talent und sein Weitblick wurden sinnvoll mit den verschiedenen Fähigkeiten seiner Mitgründer kombiniert, sodass innerhalb des Gründerteams viele der anstehenden Aufgaben auch ohne externe Unterstützung professionell dargestellt werden konnten.
Nächster Aspekt: Das langsame und vorsichtige Wachstum. Wir haben es hier nicht mit einem der Start-ups zu tun, die bereits nach der ersten Erfolgswelle kräftig expandieren und deren Gründer sich innerhalb von kürzester Zeit aus dem operativen Geschäft zurückziehen. Stattdessen erleben wir hier eine Geschäftsleitung, die voll und ganz auf dem Boden der Tatsachen geblieben ist, nicht zu übertriebenen Entscheidungen neigen und sich durch einen bescheidenden Realismus auszeichnen.
Gleichzeitig trifft das Geschäftsmodell aber auch den Zeitgeist. Immer mehr Menschen betrachten den allzu sorglosen Umgang mit Ressourcen und Umwelt kritisch und denken, wenn Anschaffungen anstehen, über den Einsatz gebrauchter Produkte nach. Auf der anderen Seite spricht die Plattform aber auch Verbraucher an, die gebrauchte Waren auf besonders bequeme Weise loswerden und damit einen angemessenen Geldbetrag erwirtschaften wollen. Eine einzelne Einstellung solcher Artikel ist bei reBuy nicht erforderlich. Man packt einfach alle Dinge, die man nicht mehr gebrauchen kann, in einen Karton, schickt ihn an das Start-up und erhält kurze Zeit später eine angemessene und faire Vergütung.

 


 

 


 

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.