[Gründerstory] Für männliche Modemuffel – Outfittery

Im Mittelpunkt unserer aktuellen Gründerstory stehen zwei starke und engagierte Frauen, die sich von Grund auf mit dem Thema Curated Shopping spezialisiert haben. Lernen Sie Outfittery und seine beiden Gründerinnen Julia Bösch und Anna Alex kennen und erfahren Sie, warum es so erfolgreich ist, wenn Frauen sich entscheiden, Männer anzuziehen.


 

Curated Shopping ist im deutschen E-Commerce ein Trend mit einer vergleichsweise jungen Geschichte. Wörtlich übersetzt bedeutet der Begriff soviel wie betreutes Einkaufen. Diese Übersetzung trifft den Nagel auf den Kopf, vor allem dann, wenn man sich die Geschäftsidee von Outfittery anschaut. Das Berliner Start-up, das wir Ihnen im Rahmen dieser Gründerstory vorstellen, verdient sein Geld nämlich mit dem Verkauf von Mode an eine Zielgruppe, die entweder keine Zeit oder keine Lust auf ausgedehnte Einkaufstouren und schier unendliche Shopping-Trips hat. Von Männern ist die Rede. Genauer gesagt von modebewussten Männern mit einem Hang zu guter Kleidung, die es vorziehen, dass sich jemand anderes auf professionelle Weise um ihre Garderobe kümmert. Und diese Aufgabe übernehmen die Stylistinnen von Outfittery seit 2012 mit Bravur.

Erfahren Sie im Folgenden, wer hinter diesem außergewöhnlichen Startup steht, wie sich die Gründung und die frühe Wachstumsphase vollzog und welche Faktoren das junge Unternehmen so erfolgreich machen.

 

Frauen ziehen Männer an: Der Online-Handel für den erklärten Shopping-Muffel

Die Geschäftsidee hinter Outfittery ist im Prinzip simpel und vollzieht sich in drei einfachen Schritten. Männer, die zwar gerne gut gekleidet sein möchten, denen es aber an Zeit, Lust oder Interesse mangelt, sich selbst um Ihre Garderobe zu kümmern, füllen im ersten Schritt einen einfachen Fragebogen aus, bei dem es vor allem darum geht, unter einer Reihe von Outfits diejenigen auszuwählen, die einem für verschiedene Anlässe und Gelegenheiten möglichst gut gefallen. Nachdem man sich durch eine Reihe von Kleidungsstücken, Schuhen, Marken, No-Gos geklickt, eine Entscheidung für die bevorzugte Form der Unterwäsche getroffen und seine Erwartungen an Outfittery festgelegt hat, erfolgt die Registrierung.

Im Anschluss daran setzt sich zu einem zuvor festgelegten Wunschtermin eine der Outfittery-Stylistinnen mit dem jeweiligen Kunden in Verbindung, um noch offene Fragen zu besprechen. Genau diese Expertin wird in der Folge eine individuelle Outfittery-Box zusammenstellen, die dann kurzfristig verschickt wird. Versand und Rückversand sind hierbei übrigens kostenlos. Zu Hause kann man nun die ausgewählten Artikel in aller Ruhe begutachten und anprobieren. Man behält nur die Stücke, die den eigenen Geschmack treffen und schickt den Rest der Bestellung unkompliziert zurück.

 

Probleme erkennen, Lösungen entwickeln, Ideen erfolgreich verwirklichen

Ein gutes Rezept für eine erfolgreiche Gründung sieht eigentlich immer ziemlich gleich aus. Man muss ein möglichst weit verbreitetes Problem identifizieren, eine praktikable und möglichst einfache Lösung dafür entwickeln und das so entstehende Geschäftsmodell mit Nachdruck und Engagement in den Markt bringen. Genau so sind die beiden Gründerinnen Julia Bösch und Anna Alex vorgegangen, als sie ihrem gemeinsamen Projekt Outfittery Anfang 2012 in Berlin Leben eingehaucht haben. Schauplatz der Ideenfindung und der ersten operativen Monate war, wie kann es anders sein, das Wohnzimmer einer WG. Aus diesen Räumlichkeiten wuchs das Start-up mit einsetzendem Erfolg aber schnell heraus, sodass kurzfristig echte Geschäftsräume gefunden werden mussten.

Julia Bösch war im Vorfeld für Zalando tätig, während Anna Alex bei dem Inkubator Rocket Internet engagiert war. Beide Arbeitsbereiche stellten sicher keine schlechte Voraussetzung für das eigene Gründungsvorhaben dar. Im Mai 2013 erhielten wir im Rahmen eines Interviews ein sehr authentisches und sympathisches Statement von Outfittery: „Wir haben in den ersten Tagen nach dem Launch natürlich jede Bestellung gefeiert und uns über jeden neuen Kundennamen gefreut. Die Kunden waren aber natürlich erst mal alle Freunde und Bekannte. Irgendwann kam der Moment, als wir uns gegenseitig fragten: „Kennt den jemand?“ – Das war unser erster „echter“ Kunde. Letzte Woche saß ich in der S-Bahn und plötzlich stieg jemand mit einer Outfittery-Box ein. Das sind die Momente, die richtig Spass machen.“

 

Finanziert wurde die Gründung des Start-ups übrigens von Holtzbrinck Ventures und dem High-Tech Gründerfonds. Beide Investoren haben das Potenzial von Outfittery frühzeitig erkannt und damit zu einem Zeitpunkt reagiert, als Curated Shopping am deutschen Markt noch eine Seltenheit war. Optimismus und Willenskraft betrachten Bösch und Alex als besonders wichtige Eigenschaften von potenziell erfolgreichen Gründern. Als Stärke des eigenen Start-ups betrachten es die beiden Unternehmerinnen, dass sie mit dem eigenen Produkt bereits in einer sehr frühen Phase an den Markt gegangen sind. Das virale Potenzial der Geschäftsidee war für die beiden Gründerinnen überraschend. Man hatte in Berlin nicht damit gerechnet, dass Männer so ein ausgeprägtes Interesse daran entwickeln würden, ihren Freunden und Bekannten ausgiebig von dem assistierten Einkaufserlebnis zu erzählen. Für die nähere Zukunft ist Outfittery vor allem an der fortschreitenden Internationalisierung des eigenen Konzeptes interessiert. Das könnte umso wichtiger sein, als dass Zalando Ende letzten Jahres bekannt gegeben hat, ab Frühjahr 2015 ebenfalls ins Curated Shopping einzusteigen.

 

Eine Idee, über die man spricht: Die Erfolgsfaktoren von Outfittery

Die Geschäftsidee von Outfittery hat alles, was ein erfolgreiches Business-Konzept braucht. Es handelt sich um eine gute und pfiffige Idee, die auf eine sehr große Zielgruppe trifft und deren Umsetzung in der Realität nicht auf allzu große Probleme und Schwierigkeiten stößt. Der eigentliche Kern von Outfittery ist im Prinzip nichts anderes, als ein Online-Shop für Herrenmode. Außergewöhnlich wird das Konzept, weil dieser Ansatz mit einem innovativen Service verbunden wird: Die Kunden lassen sich ihre Einkäufe von einer Expertin auswählen, anstatt ihre Entscheidungen selbst zu treffen.

Ob sich eine solche Geschäftsidee gegenüber einer weiblichen Zielgruppe durchsetzen könnte, muss kritisch hinterfragt werden. Ohne hier auf allzu stereotype Zuweisungen von geschlechtsspezifischen Merkmalen abzuheben, kann man sagen, dass der Einkauf von Kleidung Frauen oft deutlich mehr Spaß macht, als Männern. Viele Männer – und genau hier definiert sich die Zielgruppe von Outfittery – haben nicht das geringste Interesse daran, stundenlang im Stadtzentrum oder im Internet unterwegs zu sein, um ihre Garderobe zu vervollständigen.

Die gute Idee mit ihrem großen Potenzial führt unmittelbar zu einer entscheidenden Marketing-Strategie: Über das Geschäftskonzept von Outfittery spricht man einfach gerne, weil es so authentisch, sympathisch und ungewöhnlich ist. Und genau das haben in den Jahren seit der Gründung nicht nur potenzielle Kunden, sondern auch jede Menge Medienvertreter getan, was dem Start-up zu einer großen Bekanntheit verholfen hat.

 


 

 


 

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.