[Gründerstory] Der Coffee Circle im Gründerportrait

Eine Geschäftsidee muss nicht unbedingt von Innovation geprägt sein. Manchmal sind es die Projekte, bei denen das Engagement für Menschen im Vordergrund steht, die den Durchbruch schaffen. In unserer Gründerstory stellen wir Ihnen das Start-up Coffee Circle aus Berlin vor, das die Leidenschaft für guten Kaffee überzeugend mit sozialem Engagement verbindet.

 

Der Wunsch nach beruflicher Selbständigkeit und die vielen damit verbundenen Vorteile und Privilegien bilden den Motor, der das Handeln der meisten Gründer antreibt. Sich erfolgreich im eigenen Unternehmen am Markt bewähren, Verantwortung übernehmen und ein leistungsfähiges Team führen, viel Geld verdienen und einen hohen sozialen Status genießen: So würden viele Jungunternehmer ihre zentralen Motive wohl beschreiben. Doch was geschieht eigentlich, wenn eine Gründung im heutigen E-Commerce vor allem auf der Überzeugung basiert, anderen Menschen helfen zu wollen und seine eigene soziale Verantwortung ernstzunehmen?

Eine mögliche Antwort auf diese Frage ist das Berliner Start-up Coffee Circle, das sich auf den ersten Blick lediglich dem Handel mit Kaffee verschrieben hat. Auf den zweiten Blick erkennt man allerdings, dass der Gründung von Martin Elwert, Robert Rudnick und Moritz Waldstein- Wartenberg weit mehr zugrunde liegt. Im Rahmen unserer Gründerstory laden wir Sie dazu ein, den Coffee Circle, seine Gründer und seine Geschichte aus der Nähe kennenzulernen. Wir stellen Ihnen das Geschäftsmodell und vor allem das ethische Konzept dahinter vor, berichten über den bisherigen Werdegang des Unternehmens und untersuchen für Sie die entscheidenden Erfolgsfaktoren.

 

Der Wunsch zu helfen als Gründungsimpuls

Im Jahr 2007 beteiligte sich Moritz Waldstein-Wartenberg im äthiopischen Addis Abeba an einem Projekt, in dessen Mittelpunkt der Bau einer Schule für Waisenmädchen stand. Als die Schule zwei Jahre später kurz vor der Eröffnung stand, überredete er seinen späteren Mitbegründer Martin Elwert dazu, ihn nach Afrika zu begleiten. Gemeinsam erkundeten die beiden Freunde das Land und machten dabei die Entdeckung, wie eng der Kaffee mit der Kultur Äthiopiens verbunden ist. Man war begeistert vom unvergleichlichen Geschmack der örtlichen Kaffeesorten und musste bei näherer Betrachtung der Umstände gleichzeitig feststellen, unter welch bedenklichen, armen und menschenunwürdigen Bedingungen Anbau und Verkauf des Kaffees erfolgte.

 

Aus dieser Erfahrung heraus begann im Jahr 2010 schließlich die eigentliche Gründung des Coffee Circle. Martin Elwert, Robert Rudnick und Moritz Waldstein-Wartenberg waren dabei von dem Wunsch getragen, die besten Kaffeesorten der Erde für alle Menschen verfügbar zu machen und dabei gleichzeitig das Leben der Kaffeebauern und ihrer Angehörigen maßgeblich und nachhaltig zu verbessern. Heute beschäftigt das Unternehmen bereits 26 Mitarbeiter und ist mit seinem Konzept erfolgreich. Im Jahr 2013 hat sich Mitgründer Moritz Waldstein-Wartenberg dazu entschieden, das Unternehmen zu verlassen, um sich anderen Aufgaben widmen zu können. Martin Elwert und Robert Rudnick führen das Start-up dagegen bis zum heutigen Tage.

 

Die Quadratur des Kreises: Sozial verantwortlicher Handel in Höchstform

Die Frage, warum sich die Gründer ausgerechnet für den Firmennamen Coffee Circle, also Kaffee Kreis, entschieden haben, lässt sich mit einem Blick auf das umfassende unternehmerische Konzept leicht beantworten. Es geht hierbei nämlich um eine kreisförmige und direkte Verbindung zwischen Produzenten und Konsumenten. Die Produzenten, also Kaffeebauern aus Äthiopien, stellen ausgezeichnete Kaffeesorten her und erhalten hierfür eine Vergütung, die um 300 bis 400 Prozent über den marktüblichen Preisen liegt. Der Kaffee wird nun nach Deutschland gebracht, dort von erfahrenen Spezialisten sorgsam geröstet und an die Verbraucher ausgeliefert. Deren Bezahlung wiederum finanziert unmittelbar die Erzeuger vor Ort, wodurch sich der Kreis, in der Verbindung zwischen Produktion und Verbrauch, schließt.

 

Die Unterstützung, die Kunden von Coffee Circle den Kaffeebauern in Äthiopien dabei zukommen lassen, beschränkt sich nicht auf die eigentliche Vergütung. Darüber hinaus stellt das Start-up nämlich für jedes verkaufte Kilo Kaffee einen Euro zur Verfügung, der in soziale und nachhaltige Projekte vor Ort investiert wird. Kunden haben während ihrer Bestellung übrigens die Möglichkeit, aktiv darüber zu entscheiden, welches konkrete Projekt durch ihre Bezahlung unterstützt werden soll.

 

Einfach, transparent, authentisch: Die Erfolgsfaktoren im Überblick

Das Gesamtkonzept von Coffee Circle zeichnet sich vor allem durch drei zentrale Eigenschaften aus: Einfachheit, Transparenz und Authentizität. Einfach gehalten wurden vor allem das Warenangebot, das Shop-Design und die Bedienung der Shop-Oberfläche. Alle Elemente sind hervorragend aufeinander abgestimmt und wirken tadellos zusammen. Und trotz der Simplizität stehen dem Besucher vielfältige Möglichkeiten und Angebote zur Verfügung. So erhält man aufwendig aufbereitetes Hintergrundwissen über Kaffee, Äthiopien oder über die optimale Methode, Kaffee zuzubereiten. Interessierte Kunden entdecken im Shop selber übrigens nicht nur die detailliert präsentierten Kaffee- und Espresso-Sorten, sondern auch eine schöne Auswahl an Zubereitungsgeräten und Zubehör. Transparent ist nicht nur die Vorstellung des unternehmerischen Konzeptes, der angeschlossenen Partner oder des Coffee Circle Teams.

Sämtliche Aussagen des Start-ups lassen sich über die Internetseiten und über externe Quellen zusätzlich Punkt für Punkt nachvollziehen und überprüfen. Letztlich lässt sich das Unternehmen von seinen Kunden beständig über die Schulter blicken und man hat unter keinen Umständen den Eindruck, dass hier wichtige Informationen verschwiegen oder verheimlicht werden. Selbst die Erklärung, warum sich Coffee Circle nicht an eines oder mehrere der bereits am Markt vorhandenen Qualitäts- oder Fairness-Siegel angeschlossen hat, ist plausibel. Man will hier keine garantierten reise für mittelmäßige Produkte gewähren, sondern absolute Spitzenpreise für absoluten Spitzenkaffee bezahlen. Außerdem legen die Geschäftsleitung und das gesamte Team größten Wert auf eine durchgängig direkte Abwicklung. Man will die Kaffeebauern persönlich auswählen, sich einen eigenen Eindruck von den Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen vor Ort verschaffen und sich daher nicht an eine institutionelle und daher unpersönliche Struktur anschließen.

 

Authentisch wird der Coffee Circle vor allem durch die direkte Berichterstattung über die unterstützten Projekte. Hier können interessierte Besucher viele interessante Fakten und Details unmittelbar nachvollziehen und sich so einen eigenen Eindruck vom Engagement des Startups verschaffen. Auch ein eigenes Blog mit vielen Informationen über Kaffee, Äthiopien, die Erzeuger vor Ort, das Team in Berlin oder aktuelle Trends und traditionelle Verfahren in Sachen Kaffeezubereitung steht zur Verfügung und bietet tiefe Einblicke. Und selbst an die CO2 Belastung durch den Transport des Kaffees von Äthiopien nach Deutschland hat der Coffee Circle gedacht: Im Rahmen der konkreten Transportmengen werden Projekte unterstützt, die sich aktiv für die Reduzierung von Emissionen einsetzen, um auf diese Weise einen wirksamen Ausgleich zu schaffen.

 


 

 


 

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.