Gründererfolg hängt nicht vom Alter ab: Konzepte für Jugendliche und Senioren

Was ist die beste Zeit im Leben, um ein eigenes Unternehmen zu gründen? Gibt es auf diese Frage wirklich eine zutreffende Antwort oder kann man den Schritt in die berufliche Selbständigkeit in jedem Alter wagen? Wir untersuchen diese Frage und konzentrieren uns dabei vor allem auf Jugendliche und Senioren als Gründer.

Ein gesellschaftliches Klischee: Der Gründer im besten Alter

Wenn Sie an einen Unternehmensgründer denken, dann haben Sie wahrscheinlich das Bild eines Mannes im Alter zwischen 30 und 40 Jahren vor Augen. So zumindest stellen sich die meisten Menschen jemanden vor, der ein Unternehmen gründet. Der Gründer steht mitten im Leben und fest auf seinen eigenen Beinen. Er verfügt bereits über eine Ausbildung und über ausgeprägte berufliche Erfahrungen. Er hat sich die sprichwörtlichen Hörner schon abgestoßen und bringt doch immer noch genügend Energie auf, um sich auf ein abenteuerliches Gründungsvorhaben einzulassen. Und er zeichnet sich durch Ehrgeiz, Durchsetzungsvermögen und den Willen zum Erfolg aus.

Dieses von vielen Klischees geprägte Bild mag in einigen Fällen tatsächlich zutreffen. Das liegt allerdings nicht zuletzt auch daran, dass sich ein in der Gesellschaft tief verankertes Image immer auch auf die Realität auswirkt. In diesem Fall: Menschen, die dem allgemeinen Bild des Gründertypus entsprechen, kommen eher auf den Gedanken, ein eigenes Unternehmen zu gründen, als solche, die sich stark vom gesellschaftlichen Image unterscheiden.

Dabei gibt es im Prinzip überhaupt kein ideales Alter, das einen in besonderem Maße zum Gründer befähigt. Vielmehr stellt sich die Situation so dar, dass es so viele verschiedene Arten von Unternehmen gibt, dass die Anforderungen an den jeweiligen Gründer ganz unterschiedlich ausfallen. Konsequent zu Ende gedacht führt uns diese Einsicht unmittelbar zu der Annahme, dass es Gründungsvorhaben gibt, die sich zum Beispiel gerade für besonders junge oder für besonders reife Menschen eignen. Betrachten wir daher einmal näher, was diese Gründungstypen jeweils auszeichnet und welche Geschäftsideen sich für Jugendliche und für Senioren eignen.

 

Jugendliche als Gründer: Innovationskraft, Mut und gute Verbindungen

Zugegeben: Viele Jugendliche würden überhaupt nicht auf den Gedanken kommen, sich bereits in jungen Jahren mit dem Thema „berufliche Selbständigkeit“ zu beschäftigen. Zu sehr werden sie von ihrem schulischen und privaten Alltag in Anspruch genommen und vom anstrengenden Heranwachsen in Atem gehalten. Von Zeit zu Zeit stößt man aber dennoch auf den einen oder anderen jungen Menschen, den die üblichen Beschäftigungen nicht ausfüllen und der sich aktiv mit dem Gedanken über ein eigenes Unternehmen befasst.

Jugendliche bringen dabei eine ganze Menge Eigenschaften mit, die sie geradezu dafür prädestinieren, sich selbständig zu machen. Sie verfügen von vornherein über eine ausgeprägte Innovationskraft und interessieren sich meist für alles Neue und Ungewöhnliche. Sie haben keine Angst vor modernen Technologien, sondern nutzen sie mit höchster Souveränität und ohne jegliche Scheu. Für sie sind Chancen viel greifbarer als Risiken, was ihnen einen besonders ausgeprägten Mut einbringt. Die Furcht vor dem Scheitern ist nebensächlich. Wenn man stürzt, dann steht man eben wieder auf und versucht es noch einmal. Hinzu kommt, dass die meisten Jugendlichen begnadete Netzwerker sind. Im schulischen und im privaten Umfeld pflegen sie sowohl im „real life“ als auch in den sozialen Netzen eine Vielzahl von Kontakten. Wenn jemand gebraucht wird, der etwas Bestimmtes weiß, über eine besondere Fähigkeit verfügt oder jemand wichtigen kennt, dann finden Jugendliche denjenigen mit Sicherheit in ihrem Smartphone.

Es gibt noch eine weitere spannende Eigenschaft, über die nur Jugendliche verfügen: Gegenüber der eigenen Altersgruppe werden sie als absolut authentisch wahrgenommen. Man nimmt ihnen das ab, was sie sagen und ist bereit, ihnen zu vertrauen.

Geeignete Geschäftsideen für Jugendliche sind daher zunächst einmal alle Konzepte, bei denen es um wirklich ungewöhnliche Innovationen geht. Diese können sowohl technischer als auch gesellschaftlicher oder modischer Natur sein und sollten sich dabei unmittelbar an den Bedürfnissen und Wünschen der eigenen Altersgruppe orientieren. Ob es sich dann schließlich um eine soziale Plattform, einen Blog bzw. einen Video-Blog oder um die Verwirklichung einer neuen Technologie handelt, spielt nur eine sekundäre Rolle.

Wenn Dinge benötigt werden, für die man besondere Fähigkeiten benötigt, also zum Beispiel die Programmierung einer App oder einer Webseite, ein Design, Fotos oder auch Texte, dann stellt das jugendliche Gründer nicht vor besondere Schwierigkeiten. Unter Garantie gibt es im eigenen sozialen Umfeld jemanden, der die Aufgabe erledigen kann und das wahrscheinlich sogar umsonst. Für Jugendliche misst sich nämlich der Erfolg von einem Projekt nicht so sehr in Euro und Cent, sondern stattdessen vor allem am Spaß und an der Freude, die mit der Realisierung verbunden sind. Diese Grundhaltung macht jugendliche Gründer besonders gelassen und entspannt. Sie benötigen keine hohen Einkünfte, um einen ausgeprägten Lifestyle zu finanzieren und leiden daher auch lange nicht so stark an Leistungsdruck wie erwachsene Gründer.

Starten Sie jetzt den besten Online-Handel der Welt. Ihren.

 

Senioren als Gründer: Erfahrung, Gelassenheit und Seriosität

Wenden wir uns nun einer Gruppe von Gründern zu, von denen man meinen könnte, dass sie die Zeit der aktiven Berufstätigkeit bereits hinter sich gelassen haben und von denen fast niemand mehr erwartet, dass sie sich noch einmal dazu aufraffen, unter die selbständigen Unternehmer zu gehen. Die Rede ist von Senioren, die bereits das Rentenalter erreicht haben und die sich oft eher aus Langeweile als aus Geldmangel mit dem Gedanken beschäftigen, ein eigenes Unternehmen zu gründen.

Diese Altersgruppe zeichnet sich vor allem durch zwei zentrale Eigenschaften aus: Senioren verfügen über ein riesiges Potenzial an Erfahrung und sind oft besonders gelassen. Sie haben in ihrer Vergangenheit bereits viele berufliche Schlachten geschlagen, kennen alle Tricks und Kniffe und sie lassen sich so schnell nichts vormachen. Sie haben viel Zeit gehabt, um ihren Horizont immer wieder zu erweitern und verfügen oft über ein geradezu erstaunliches Fachwissen. Die Gelassenheit des Alters ist vor allem in Kombination mit dieser Eigenschaft sehr wertvoll. Ihnen geht die nervöse Quirligkeit jüngerer Gründer komplett ab. In aller Ruhe können Sie abwarten, bis ihre Chance gekommen ist und dann überlegt und überlegen zuschlagen. Hinzu kommt, dass ältere Gründer in der öffentlichen Wahrnehmung als besonders seriös gelten. Man nimmt ihnen das, was sie sagen ab und sie stehen nicht im Verdacht, an halbseidenen Machenschaften beteiligt zu sein. Diese hohe Maß an Vertrauenswürdigkeit kann in der beruflichen Selbständigkeit sehr nützlich sein.

Senioren können als Gründer die Chance nutzen, sich mit Geschäftsideen zu beschäftigen, auf die man erst ab einem bestimmten Alter überhaupt aufmerksam wird. Hierbei handelt es sich um Konzepte, die Probleme, Schwierigkeiten und Bedürfnisse von Menschen in derselben Altersgruppe aufgreifen und überzeugend lösen. Hierbei kann es sich ebenso um ausgeklügelte Produkte wie auch um praxisgerechte Dienstleistungen handeln. Beispiele sind Produktideen, die sich mit der Situation älterer Menschen beschäftigen, Dienstleistungen, die häusliche Schwierigkeiten erleichtern oder Kurse, in denen anderen Senioren der Umgang mit modernen Technologien vermittelt wird.

Solange der ältere Gründer dabei zulässt, dass seine eigene Person erkennbar im Mittelpunkt seines Unternehmens steht, wird er durch ein hohes Maß an Authentizität immer zu überzeugen wissen. In dieser Hinsicht ähneln sich übrigens der Jugendliche und der Senior als Gründertypus. Und auch in einem anderen Bereich weisen beide Gruppen Ähnlichkeiten auf: Sie sind nicht unbedingt am wirtschaftlichen Erfolg interessiert. Viel wichtiger sind Werte wie Freude, Spaß und Erfüllung. Genau das zeichnet sowohl Jugendliche sowie auch Senioren als Gründer mit einem erheblichen Potenzial aus, wenn sie nur den Mut finden, sich selbständig zu machen, obwohl sie auf den ersten Blick so stark vom öffentlichen Bild des Gründers abweichen.

 


 

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.