Gründerszene 2013: 5 Tipps zur Vermeidung von Start-up-Fehlern

Den Sommer haben viele angehende Unternehmer zur Inspiration genutzt. Da geht man aufmerksam durch die Welt und sammelt Ideen für die eigene Selbständigkeit, die man in den langen Herbst- und Wintermonaten dann am gemütlichen Schreibtisch detailliert ausarbeitet. Doch wie das Wall Street Journal kürzlich berichtete, scheitern heute drei von vier Start-ups. Dabei wären viele Fehler vermeidbar, wenn man nur die Ursachen des Scheiterns berücksichtigen würde.

Start-up-Fehler vermeiden

Vermeidbar: Drei von vier jungen Unternehmen scheitern

Die Zahl ist alarmierend: Lediglich 25 Prozent der jungen Unternehmer können sich mit ihren Geschäftsideen erfolgreich am Markt durchsetzen. Drei Viertel der Neugründungen scheitern dagegen, noch bevor der Traum von der beruflichen Selbständigkeit richtig begonnen hat. Dabei fängt es bei allen Gründern ganz ähnlich an, denn gute Gründe für den Schritt in die Selbständigkeit gibt es genug.

Das eigene Unternehmen bietet eine bevorzugte Arbeitsumgebung. Frei von Druck durch Vorgesetzte und ohne den ständigen Ärger über schlecht gelaunte oder sogar hinterhältige Kollegen kann man sich auf dem Chefsessel frei entfalten. Man entscheidet selber, in welche Richtung man das Unternehmen steuern möchte, realisiert eigene Ideen und entwickelt eine ganz neue Form der Kreativität. Über die eigenen Aufgabenbereiche und Arbeitszeiten bestimmt man allein und niemals muss man sich gegenüber einem Vorgesetzten für seine Entscheidungen rechtfertigen. Dazu genießt man auch noch deutlich bessere Verdienstmöglichkeiten, weiß bei jeder Anstrengung, dass man sie für sich selber absolviert und profitiert von einem hohen Ansehen in der Gesellschaft.

So ausgeprägt die Vorteile des Unternehmertums aber auch sein mögen, so groß ist auch die Fallhöhe, aus der man abstürzt, wenn das Gründungsvorhaben scheitert. Oft hat man nicht nur seine ganze Zeit und Aufmerksamkeit, sondern auch Rücklagen und Erspartes in  die Verwirklichung des Traums von der Selbständigkeit investiert. Im besten Fall verliert man nur sein mühsam erworbenes Vermögen. Im schlechtesten Fall hat man über Jahre mit hohen Schulden zu kämpfen. Und immer verliert man zunächst die berufliche Kontinuität und muss sich wieder am freien Arbeitsmarkt um eine Stelle als abhängig Beschäftigter bemühen. Gerade dieser Schritt fällt den „gefallenen Unternehmern“ oft besonders schwer. Schließlich müssen sie erneut lernen, sich einem Arbeitgeber unterzuordnen und Anweisungen auszuführen, statt sie zu erteilen.

Ein solches Horror-Szenario lässt sich nur vermeiden, indem man alles dafür tut, dem eigenen Unternehmen zum maximalen Erfolg zu verhelfen. Doch was sind eigentlich die hauptsächlichen Ursachen, die zum vorzeitigen Scheitern von selbständigen Existenzen führen?

Fehler vermeiden heißt, den Ursachen des Scheiterns auf den Grund gehen

Die Gründe für das Scheitern junger Unternehmen sind zwar vielfältig. Am Ende läuft es allerdings immer darauf hinaus, dass den Gründern die finanziellen Mittel ausgehen, um ihr Vorhaben aufrecht zu erhalten. Es ist normal und vernünftig, zu Beginn der beruflichen Selbständigkeit nur kleine Schritte zu machen und dabei sehr sorgfältig auf die Finanzen zu achten. Jede Ausgabe muss kritisch abgewogen und geprüft, jede Einnahme mit Sorgfalt geplant und dann teilweise investiert und teilweise zurückgelegt werden. Wenn der junge Unternehmer merkt, dass die finanzielle Masse nicht mehr ausreicht, um damit verantwortlich und sinnvoll zu wirtschaften, ist es leider oft schon zu spät. Dann werden verzweifelt Löcher gestopft und Gelder verschoben. Die Bezahlung von Rechnungen oder Steuern und Abgaben wird verzögert, Kunden werden um eine möglichst schnelle Bezahlung gebeten und manchmal leiht man sich in einer solchen Situation sogar Geld von Freunden oder Verwandten. Das alles geschieht nur, um den Zeitpunkt, zu dem man sich das Scheitern eingestehen muss, hinauszuzögern.

Doch damit ist letztlich niemandem gedient. Genau jetzt entscheidet sich nämlich, ob Sie als Gründer mit einem blauen Auge davon kommen oder ob Sie auf Jahre mit den Folgen des Scheiterns zu kämpfen haben werden. Besser ist es natürlich, wenn Sie es gar nicht erst so weit kommen lassen. Doch um Fehler während der Gründungsphase zu vermeiden, ist es unabdingbar, sich mit den Ursachen auseinanderzusetzen, die dazu führen, dass junge Unternehmen Schiffbruch erleiden. Aus der Beobachtung dieser Fehler lassen sich Hinweise und Ratschläge ableiten, mit denen man die Überlebenschancen des eigenen Unternehmens deutlich verbessern kann.

Die folgenden 5 Tipps helfen Ihnen dabei, die neuralgischen Punkte und Fehlerpotenziale Ihrer Selbständigkeit früh genug zu erkennen und daraus die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Bedenken Sie: Je gründlicher Sie sich im Vorfeld mit diesen Aspekten beschäftigen, desto besser stehen die Chancen für einen langfristigen Erfolg.

Tipp 1: Der lange Atem zählt

Wer damit rechnet, dass sich seine frisch realisierte Geschäftsidee bereits während der ersten Tage und Wochen zur Höchstform entwickelt, programmiert die Enttäuschung selber vor. Unternehmen brauchen nun einmal eine gewisse Zeit, um zu wachsen und um sich zu entwickeln. Selbst wenn das Geschäftskonzept noch so überzeugend, das Produkt noch so marktgerecht und das Marketing noch so wirksam ist: Die ersten Einnahmen werden erst mit einer gewissen Verzögerung in die Tasche des Gründers sprudeln und diese Zeit gilt es einzuplanen und zu überbrücken.

Planen Sie deshalb von Anfang an eine gewisse Entwicklungszeit ein und werden Sie nicht ungeduldig. Berücksichtigen, dass Sie während dieser Startphase sowohl genug Geld für Ihre unternehmerischen Ausgaben als auch für Ihren Lebensunterhalt benötigen und stellen Sie diesen Finanzierungsbedarf vor der eigentlichen Gründung sicher.

Tipp 2: Keep it simple

Da die Konkurrenz nie schläft und es zu jeder noch so ausgefallenen Geschäftsidee immer den ein oder anderen cleveren Unternehmer gibt, der das Konzept bereits am Markt verwirklicht hat, ist die Versuchung für junge Gründer groß, ihr eigenes Produkt mit immer neuen Finessen, Varianten und Ergänzungen aufzupeppen. So soll eigentlich der Blick des Verbrauchers von den Angeboten der Konkurrenz auf das eigene Unternehmen gelenkt werden. Doch leider hat diese übermäßige Aufladung häufig genau den gegenteiligen Effekt. Wird das Produkt nämlich zu kompliziert, dann wenden sich potenzielle Kunden schnell ab.

Als Unternehmer muss Ihr Motto grundsätzlich lauten: Keep it simple. Ein Produkt ist nur dann gut, wenn der Verbraucher dazu in der Lage ist, es in wenigen Sekunden zu verstehen und seine Vorteile zu erkennen. Mehr Zeit bleibt Ihnen im schnelllebigen digitalen Zeitalter nämlich nicht, um Ihre potenziellen Kunden von Ihrem Angebot zu überzeugen.

Tipp 3: Marketing ist unverzichtbar

Viele Online-Händler können das Wort Marketing einfach nicht mehr hören. Im Kopf verbinden sie diesen Begriff sofort mit einem unglaublich coolen Berater, der vollmundig erklärt, was man alles falsch macht und dessen Stundenhonorar bereits höher ist als das gesamte Werbebudget. Deshalb entscheiden sich viele Gründer, der Einfachheit halber, lieber vollständig auf eine Marketing-Strategie zu verzichten. Stattdessen hoffen sie darauf, dass ihr Produkt den Online-Kunden auch ohne Werbung und Kommunikation erreichen und überzeugen wird. Diese Entscheidung ist gefährlich, da gerade im Online-Handel ohne Marketing gar nichts funktioniert.

Auch wenn Sie noch so überzeugt von Ihrem Produkt sind, in der Gründungsphase ohnehin sehr viel Stress haben und keinerlei Lust verspüren, sich mit Online-Marketing zu beschäftigen: Verzichten Sie unter keinen Umständen auf die Chance, potenzielle Kunden auf Ihre Produkte hinzuweisen und Ihre Produkte und Services möglichst eng an den Bedürfnissen Ihrer Zielgruppe auszurichten. Nicht mehr und nicht weniger bedeutet nämlich Marketing. Und als Online-Händler können Sie es sich nicht leisten, darauf zu verzichten.

Tipp 4: Guter Rat kann Existenzen retten

Wer den Weg in die berufliche Selbständigkeit wählt, der will sich und anderem beweisen, dass er das Zeug zum Unternehmer hat, dass er ein Siegertyp ist und dass er alle Herausforderungen ganz allein meistern kann. Ein gutes Selbstbewusstsein ist für Gründer zwar viel wert. Allerdings sollte man dennoch nicht darauf verzichten, andere um Rat zu fragen. Dies mag zwar im ersten Moment wie ein Eingeständnis von Schwäche wirken, kann jedem angehenden Unternehmer auf lange Sicht aber herbe Enttäuschungen ersparen. Schließlich ist niemand als erfolgreicher Unternehmer geboren und jeder Existenzgründer ist darauf angewiesen, von anderen zu lernen.

Werfen Sie falsche Scham über Bord und trauen Sie sich, um Rat zu fragen, wenn Sie unsicher sind oder etwas nicht wissen. Hilfe kommt hier oft von ganz unerwarteter Seite. Sie werden schnell feststellen, dass Ihnen die Menschen in der Familie, aus dem Freundeskreis oder aus dem beruflichen Umfeld mit Rat und Tat zur Seite stehen können, wenn Sie nur über Ihren Schatten springen und sich trauen, um Hilfe zu fragen.

Tipp 5: Die richtigen Leute in der richtigen Position

Viele junge Unternehmen kranken an personellen Fehlbesetzungen. Da werden oft wesentlich zu schnell die falschen Mitarbeiter eingestellt und bekanntlich ist es wesentlich leichter, ein neues Teammitglied zu engagieren, als es danach wieder loszuwerden. Die Versuchung, sich als großzügiger Chef zu inszenieren und Freunden oder Bekannten lukrative Jobs im eigenen Unternehmen anzubieten, ist groß. Die Frage nach der Qualifikation oder der Notwendigkeit eines neuen Mitarbeiters gerät dabei leider oft in den Hintergrund. In der Folge steigen die Personalkosten schnell ins Unermessliche, während es für dringend anstehende Aufgaben dennoch an passendem Personal mangelt.

Seien Sie, vor allem zu Beginn Ihrer Selbständigkeit, sehr vorsichtig in Bezug auf die Einstellung von neuen Mitarbeitern. Jedes Teammitglied kostet Sie Monat für Monat viel Geld und Sie sollten sehr gründlich abwägen, ob Sie den personellen Zuwachs wirklich benötigen und ob Sie dafür überhaupt aufkommen können. Die Einstellung von Mitarbeitern aus dem persönlichen Umfeld sollte dabei von Anfang an tabu sein. Erklären Sie Freunden und Bekannten freundlich aber bestimmt, dass Sie Beruf und Privatleben deutlich trennen.

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.