[Gründerstory] Willkommen im Club: Die brands4friends Story

Die Köpfe, von denen unsere Gründerstory handelt, sind genau genommen gar keine Gründer mehr. Die haben ihr Start-up nämlich bereits kurz nach dem ersten Marktgang für einen Traumpreis an eBay verkauft. Wir zeigen Ihnen, mit welchen Konzepten man das Interesse des Online-Auktionshauses auf sich zieht und stellen Ihnen dazu brands4friends vor.


 

Der Online-Shopping-Club brands4friends ist wie kaum ein anderes Unternehmen mit dem Begriff der künstlichen Verknappung verbunden. Hiervon spricht man immer dann, wenn ein Angebot so präsentiert wird, als stünde es nur eingeschränkt zur Verfügung, um damit das Verlangen und Begehren der Verbraucher maximal zu entwickeln. Bekannte Beispiele für solche Konzepte sind das Modell der Bertelsmann Buchclubs aus den 1950er Jahren, in denen nur Mitglieder einkaufen durften oder die Erfolgsgeschichte des Energy-Drinks Red Bull, der anfangs nur an sehr wenigen Verkaufsstellen angeboten wurde. Aber auch fast jeder Club und jede Diskothek greift auf diesen Marketing-Kniff zurück, wenn sie einen Teil der Einlass begehrenden Gäste durch den Türsteher abweisen lässt. Für alle anderen scheint das Lokal damit nämlich umso begehrenswerter. Nicht anders ist auch der Shopping-Club brands4friends aufgebaut, denn auch dort gilt: Nur für Mitglieder. Wer Zugang zu den vielen Sonderangeboten aus den Bereichen Bekleidung, Wäsche, Beauty, Uhren, Schmuck, Accessoires, Elektronik, Lifestyle, Kinder oder Sport haben will, der muss sich hierfür zunächst registrieren. In unserer Gründerstory stellen wir Ihnen brands4friends und seine Initiatoren vor. Wir werfen einen Blick auf die Erfolgsfaktoren des Club-Konzeptes und zeichnen eine der schönsten Exit-Geschichten der vergangen Jahre nach.

 

Gründungsgeschichte und Erfolgsfaktoren

Die vier Gründer Constantin Bisanz, Christian Heitmeyer, Nicolas Speeck und Mario Zimmermann hatten die erste Idee zur Gründung von brands4friends im Berliner Kultlokal Café St. Oberholz. So berichtet es zumindest der Gastronom und Buchautor Ansgar Oberholz, der den Szenetreff der digitalen Boheme am Rosenthaler Platz betreibt. Das Konzept, das schließlich im Jahr 2007 das Licht der Welt erblickte, war ebenso einfach wie ungewöhnlich. Die vier Gründer boten ihren Kunden nämlich in regelmäßig wechselnden Kampagnen hochwertige Markenprodukte zu deutlich reduzierten Preisen an. Auf diese Weise lassen sich im Vergleich zu den jeweiligen Straßenpreisen bis zu 70 Prozent sparen.

Insgesamt setzte das Geschäftsmodell von Beginn an auf die Strategie der künstlichen Verknappung. Zum einen mussten interessierte Kunden nämlich zunächst einmal Mitglied im Shopping-Club werden, um die aktuellen Angebote überhaupt sehen zu können. Dafür genügte zum zweiten allerdings keine gewöhnliche Registrierung. Man musste nämlich von jemandem, der bereits Mitglied war, eingeladen werden, um der exklusiven Community beitreten zu dürfen. Drittens wurden die einzelnen Kampagnen zeitlich begrenzt angeboten und viertens stand auch nur eine limitierte Stückzahl der einzelnen Produkte zur Verfügung.

Nun könnte man auf den Gedanken kommen, dass das grundsätzlich funktionierende Prinzip der Verknappung hier ein wenig zu sehr auf die Spitze getrieben wurde. Mit dieser Einschätzung liegt man allerdings gründlich falsch, denn wie es aussieht, lieben es die deutschen Internetnutzer, wenn ihnen die Verbrauchernase durch begrenzende Bedingungen besonders lang gemacht wird. Entsprechend positiv fielen damit übrigens nicht nur Reaktionen der Kunden aus. Auch die Fachleute der Branche zeigten sich begeistert und verliehen eine ganze Reihe an Preisen an das junge Start-up.

Im Prinzip hat sich bis heute nicht viel am grundsätzlichen Geschäftsprinzip von brands4friends geändert. Lediglich auf den Zwang zur Empfehlung durch ein anderes Mitglied hat man mittlerweile verzichtet. Ansonsten zeigt sich der Club für unangemeldete Surfer ebenso verschlossen wie zu Beginn. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen rund 200 Mitarbeiter im Durchschnittsalter von 35 Jahren. Eine Besonderheit besteht darin, dass die gesamte Produktion im Hause selber umgesetzt wird. Hierzu zählen insbesondere die Bereiche Einkauf, Fotografie, Bildbearbeitung, Webdesign und Programmierung.

 

Ein atemberaubender Exit mit einem wahren Traumpartner

Eines fällt allerdings auf, wenn man sich auf den Internetseiten von brands4friends umschaut. Unsere vier Gründer Constantin Bisanz, Christian Heitmeyer, Nicolas Speeck und Mario Zimmermann tauchen nämlich weder im Impressum des Unternehmens auf, noch sind sie als Mitarbeiter gelistet. Und das hat seinen guten Grund. Ende des Jahres 2010 wurde das Start-up nämlich ausgesprochen erfolgreich an den Traumpartner eBay verkauft. Das Online-Auktionshaus hatte hierfür satte 150 Millionen Euro auf den Tisch des Hauses gelegt, was einige Beobachter stark überraschte. Immerhin hatte Tengelmann als Investor zu Beginn des Jahres für lediglich zehn Millionen Euro noch einen Anteil von 10 Prozent an brands4friends erwerben können und konnte sich schon kurze Zeit später über eine Rendite von glatten 50 Prozent freuen.

Den jungen Gründern ist es mit brands4friends somit innerhalb von nur sehr kurzer Zeit gelungen, einen Exit-Deal zu erreichen, der von vielen Mitbewerbern im E-Commerce neidvoll beäugt wurde. Seitdem sind drei der vier Gründer als Investoren und Berater tätig. Lediglich Mario Zimmermann ist seit 2011 als Partner und Geschäftsführer bei Brille24 tätig und hat den Gewinn, zumindest teilweise, in ein neues Erfolgsmodell investiert.

 


 

 


 

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.