[Gründerstory] Die Nachhaltigen: Avocado Store im Portrait

Immer mehr Verbraucher achten auf Öko-Siegel, faire und sozial gerechte Herstellungsverfahren oder Nachhaltigkeit, bevor sie sich für ein bestimmtes Produkt entscheiden. Allerdings konnte bislang kaum ein Internetgeschäftsmodell aus diesem Trend wirklich Gewinn schlagen. Mit einer Ausnahme: Der Marktplatz Avocado Store hat sich äußerst erfolgreich auf den Handel mit nachhaltigen Produkten spezialisiert.


 

Spätestens seit Philipp Gloeckler und Stephan Uhrenbacher als Gründer des Avocado Stores im Jahr 2010 den WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerb für sich entscheiden konnten, ist das innovative Geschäftsmodell des dynamischen Duos in aller Munde. Doch was hat es mit dem nachhaltigen, fairen und gesunden Konzept tatsächlich auf sich und wie ist es zu erklären, dass die Geschäftsidee genau zu diesem Zeitpunkt auf so günstige Marktbedingungen trifft? Wir sind diesen Fragen im Rahmen unserer Gründerstory nachgegangen und stellen Ihnen das Start-up Avocado Store und seine Initiatoren ausführlich vor.

 

Avocado Store: Die klügste Antwort auf den Bio-Boom

In Deutschland ticken die Verbraucher seit einiger Zeit anders. Pflegte man früher den hemmungslosen Konsum bis zur maximalen Obergrenze seiner finanziellen Möglichkeiten und machte sich dabei keine großartigen Gedanken über Nachhaltigkeit, Gesundheit und Sozialverträglichkeit, so sind viele der deutschen Konsumenten in den letzten Jahren deutlich sensibler geworden. Da reagiert man auf das 5-Euro-Shirt von Lidl doch das eine oder andere Mal mit einer kritischen Nachfrage, weil es irgendwie doch klar ist, dass zu diesem Preis kein Arbeiter in Bangladesch fair entlohnt werden kann. Da zeigt man Unverständnis über Obst und Gemüse, das zu Lasten des Weltklimas um den halben Erdball geflogen wird, nur damit wir auch im tiefsten Winter in einen frisch gepflückten Apfel beißen können. Oder man denkt darüber nach, wie es dazu kommen kann, dass ein Kilo Schweinefilet mittlerweile gerade einmal halb so viel kostet wie ein Kilo Tofu.

Kein wirtschaftlich aktiver Mensch und erst recht niemand, der im ECommerce tätig ist, kann diesen Trend übersehen. Doch stellt sich hier dennoch für jeden Unternehmer die schwierige Frage, was man geschäftlich mit dem frisch aufkeimenden Bewusstsein für Nachhaltigkeit, Fairness, Gesundheit, Tierschutz, ökologische Verantwortung oder soziale Gerechtigkeit anfangen soll. Natürlich kann man, so zeigen es die Supermärkte und Discounter schließlich, das eigentlich konventionelle Sortiment durch das eine oder andere Öko-Produkt aufwerten und auf diese Weise den einen oder anderen Kunden hinzugewinnen. Wirklich überzeugend ist dieses Vorgehen allerdings nicht.

Deutlich konsequenter ist das Geschäftsmodell von Avocado Store, welches aktuell von Gründer Stephan Uhrenbacher und Mimi Sewalski geleitet wird. Hierbei handelt es sich nämlich um einen umfangreichen und ausgesprochen vielseitig bestückten Marktplatz, der sich auf den Handel mit nachhaltigen Produkten spezialisiert hat. Dieses Konzept trifft exakt den Nerv der Zeit und ist damit sicherlich mit Abstand das Klügste, was man aus dem deutschen Bio-Boom generieren kann.

 

So funktioniert Avocado Store und aus diesen Gründen ist das Start-up erfolgreich

Avocado Store ist seit Anfang 2010 der „Marktplatz für eco fashion & green lifestyle“. Marktplatz bedeutet dabei zunächst einmal, dass der Betreiber selber, hierbei handelt es sich um die Avocado Store GmbH mit Sitz in Hamburg, keine eigenen Produkte verkauft, sondern bestimmten Händlern lediglich eine Plattform zum Verkauf zur Verfügung stellt. Im konkreten Fall sind dies aktuell rund 300 ausgewählte Anbieter, die insgesamt den Zugriff auf mehr als 45.000 Produkte bieten.

Diese Produkte sind in die Kategorien Damen, Herren, Babys & Kinder, Wohnen & Leben, Taschen, Wellness & Pflege, Lesenswert, Tiere & Garten, Technik sowie Sale aufgeteilt und müssen jeweils mindestens eines von insgesamt zehn Nachhaltigkeitskriterien erfüllen. So können die Rohstoffe eines Artikels zum Beispiel aus dem Bioanbau stammen oder besonders ressourcenschonend hergestellt sein. Ebenso ist es möglich, dass fair und sozial oder CO2-sparend produziert wurde, oder dass ein Produkt besonders haltbar ist, um nur einige Beispiele für die Kriterien zu nennen.

Der Anbieter versichert also im ersten Schritt, dass sein Produkt mindestens einer der Anforderungen in Sachen Nachhaltigkeit entspricht und kann den Artikel dann bei Avocado Store einstellen. Hierzu hat er nach einer Registrierung die Möglichkeit, einen eigenen Shop zu eröffnen, wofür eine einmalige Aufnahmegebühr in Höhe von derzeit 65,00 Euro zzgl. Mehrwertsteuer fällig wird. Darüber hinaus zahlt er eine monatliche Marktplatzgebühr in Höhe von 15,00 Euro und eine Provision für alle erfolgten Verkäufe von 15 Prozent bezogen auf den Bruttoverkaufspreis an die Avocado Store GmbH. Sobald ein Produkt eingestellt wurde, haben die Nutzer des Marktplatzes die Möglichkeit, die Angaben der Anbieter zu bestätigen oder durch kritische Kommentare Zweifel anzumelden.

Apropos Nachhaltigkeit: Die Gründer von Avocado Store haben sich einen besonderen Mehrfachnutzen einfallen lassen. Die Marktplatz-Software kann nämlich gegen Bezahlung auch von anderen Internetunternehmen in Lizenz genutzt werden. Auf diese Weise refinanziert sich der Aufwand der Entwicklung direkt mehrfach. Insgesamt handelt es sich bei Avocado Store um ein ebenso glaubwürdiges wie einträgliches Konzept, das hervorragend in unsere Zeit passt und dessen Erfolg mit Sicherheit nicht allzu schnell nachlassen wird.

 


 

 


 

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.