[Gründerstory] Die Erfinder des Social-Commerce: Fab im Gründerportrait

Die sozialen Netze gelten heute als einer der stärksten Umsatzmotoren für den E-Commerce. Doch warum verbindet man dann nicht einfach direkt einen Online-Shop mit einer Plattform zum sozialen Austausch? Die beiden US-Amerikaner Jason Goldberg und Bradford Shellhammer haben genau das projektiert und erobern mit ihrem Unternehmen „Fab“ seitdem die ganze Welt im Sturm.


USA im Jahr 2010. Die beiden Geschäftspartner Jason Goldberg und Bradford Shellhammer gründen gemeinsam das soziale Netzwerk Fabulis und führen die Plattform überaus erfolgreich an den Markt. Doch bereits ein Jahr später, im Februar 2011, entscheiden sich die Gründer, das Projekt zu stoppen und nehmen die erfolgreiche Seite vom Netz. Was vielen Beobachtern wie eine aberwitzige Fehlentscheidung vorkommen musste, war in Wirklichkeit der Startschuss für eine der erfolgreichsten E-Commerce-Geschichten aller Zeiten. Doch was ging Jason Goldberg und Bradford Shellhammer durch den Kopf, als sie Fabulis beendeten, um den Weg für ihr neues Projekt Fab zu bahnen?

Im Interview schildern die beiden Gründer die Gedanken, die zu der folgenschweren Entscheidung führten. Man sah damals keine Möglichkeit, aus dem frisch gegründeten sozialen Netzwerk ein wirklich großes Geschäft zu entwickeln. Außerdem fehlte den beiden die Anerkennung aus dem persönlichen Umfeld. Niemand hatte angesichts von Fabulis gesagt „I love this product“. Und so entstand in den Köpfen der beiden Unternehmer die Frage: „Warum sollten wir nur einen erneuten Tag und einen weiteren Dollar in ein Projekt investieren, von dem wir denken, dass es niemanden wirklich begeistert.“ Also suchten Jason Goldberg und Bradford Shellhammer nach einer neuen Geschäftsidee und gründeten bereits im Juni 2011 die Social-Commerce-Plattform Fab.

 

Nur ein schicker Online-Shop oder doch viel mehr?

Auf den ersten Blick ist Fab nichts anderes als ein moderner und auffallend schön gestalteter Online-Shop. Interessierte Besucher entdecken hier Tausende von hochwertigen und anspruchsvollen Produkten in allen Preisklassen. Die Betreiber beteuern, dass sie ausschließlich mit Originalware handeln, zu deren Verkauf sie autorisiert sind. Ab einem Einkaufswert von 49,00 Euro ist der Versand kostenlos und auch für den Rückversand muss der Kunde nichts bezahlen. Die angebotenen Waren gliedern sich in die Kategorien Möbel, Zu Hause, Kunst, Vintage, Schmuck, Frauen, Männer, Haustiere und Spaß. Allen Artikeln ist dabei gemeinsam, dass sie von mehr oder weniger bekannten Designern stammen. Über die kreativen Köpfe hinter den einzelnen Produkten erfährt man dann auch innerhalb der ausführlichen Artikelbeschreibungen einiges.

Auf den Gedanken, dass es sich bei Fab aber mehr als um nur einen weiteren Online-Shop handelt, kommt man, sobald man ein Produkt in den Warenkorb legen will. Um hier einkaufen zu können, muss man nämlich zuerst Mitglied werden. Es handelt sich bei Fab also um einen Shopping-Club, aber auch das ist noch nicht die ganze Wahrheit. Die angemeldeten Mitglieder, weltweit zählt das Unternehmen mittlerweile mehr als 13 Millionen, können, sollen und wollen auf der Plattform nämlich auch miteinander interagieren und kommunizieren. Man tauscht sich über Produkte und Designer aus, zeigt sich gegenseitig, was man gerade gekauft hat und beschäftigt sich auch ansonsten mit allem, was ein soziales Netzwerk kennzeichnet. Bei Fab verschmelzen also ein Social-Network und ein erstklassiger Online-Shop zu einem Gesamtprojekt. Social-Commerce lautet das Stichwort, unter dem Fab mittlerweile Fans in der ganzen Welt gefunden hat.

 

Drei Fragen und nur eine Antwort: Design, Design, Design

Wie sind Jason Goldberg und Bradford Shellhammer ganz konkret auf den Gedanken zur Gründung von Fab gekommen? Nach eigenen Angaben waren es insgesamt drei zentrale Fragen, die zum Gründungskonzept führten:

  • Was ist unsere Leidenschaft?
  • Worin können wir die besten der Welt werden?
  • Welcher Markt eröffnet uns die besten Chancen?

Die Antwort auf jede der drei Fragen lautet gleich: Design. Bei Fab dreht sich alles um Design und das spürt man als Besucher vom ersten Moment an. Das Konzept ist aufgegangen, denn heute gilt Fab als die E-Commerce-Plattform mit dem weltweit schnellsten Wachstum. Wie bereits erwähnt, zählt Fab mittlerweile rund 13 Millionen Mitglieder in insgesamt 28 Ländern. 70 Prozent der Umsätze werden in den USA und 30 Prozent in Europa erzielt. Bisher hat das Unternehmen schon mehr als 7 Millionen Produkte verkauft.

 

Wir bringen Menschen zum Lächeln

Die zentrale „Smile-Garantie“ bei Fab: „Wir versprechen Dir, Du wirst es bei uns lieben. Falls nicht, sorgen wir dafür.“ Für die Kunden der Social-Commerce-Plattform mag das zutreffen. Bisherige Mitarbeiter empfinden, zumindest in Deutschland, allerdings zur Zeit wohl anders. Anfang August dieses Jahres hat das Unternehmen nämlich bekanntgegeben, sich von insgesamt 150 Mitarbeitern der Berliner Europa-Zentrale zu trennen. Mit finanziellen Engpässen hängt die Personalentscheidung nicht zusammen. Fab ist nämlich durch die Beteiligung zahlreicher Investoren sehr komfortabel finanziert. Das Europa-Geschäft soll künftig von den USA aus gesteuert werden und hierin liegt der Grund für den aktuellen, extremen Personalabbau.

 


 

 

 


 

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.