[Gründerstory] Aus Nachhilfe wird Digital Education: Die tutoria GmbH im Gründerportrait

Wenn Sie das Wort Nachhilfe hören, dann fallen Ihnen sicher keine herausragenden Start-ups, sondern eher trostlose Nachmittage in der Kinder- und Jugendzeit ein. Das innovative Unternehmen tutoria, 2007 in München von Matthias Ick gegründet, hat die ehemals trockene Nachhilfe in unsere moderne Zeit katapultiert und ist mit diesem Konzept sehr erfolgreich.


 

Immer mehr traditionelle und alltägliche Bereiche und Themen werden durch digitale Technologien und die Integration von Internetfunktionen ganz neu interpretiert und ständig entstehen auf diese Weise innovative Geschäftsideen mit erheblichen Potenzialen. Als Matthias Ick im Jahr 2007 mit tutoria ein Online-Portal zur Vermittlung von Nachhilfelehrern konzipierte und in die Tat umsetzte, da konnten sich viele Beobachter wahrscheinlich nicht vorstellen, wie erfolgreich das Münchner Start-up einmal werden würde. Das Thema Nachhilfe klingt insgesamt nicht sonderlich attraktiv und ist für viele Menschen mit geradezu abscheulichen Assoziationen verknüpft. Für Matthias Ick und sein engagiertes Team war dies scheinbar ein besonderer Anreiz, sich auf ganz neue Art und Weise mit diesem Bereich auseinanderzusetzen und auf diese Weise ehrgeizige Eltern auf der einen und talentierte Lehrer auf der anderen Seite konsequent miteinander in Verbindung zu bringen.

Das reine Geschäftsmodell im Kernbusiness ist sehr einfach: Per Eingabe der eigenen Postleitzahl erhalten kostenlos angemeldete Nutzer eine Aufstellung von Nachhilfelehrern in der Umgebung. Entscheiden Sie sich dafür, sie zu buchen, dann wird deren Leistung auf Stundenbasis abgerechnet, wobei tutoria eine kleine Provision erhält. Die Eltern und Schüler wiederum können auf eine ganze Reihe von praktischen und sinnvollen Funktionen zurückgreifen, die das Lernen interessanter, effektiver und erfolgreicher gestalten. So wurde unter dem Einfluss von tutoria aus der guten alten Nachhilfe längst die moderne Digital Education.

 

Der Leistungsgedanke liegt im Trend der Zeit

Leistung ist vor allem in den letzten Jahren ein zentraler Begriff in unserer Gesellschaft geworden. Immer mehr Eltern sorgen sich, wenn ihre Kinder dem anspruchsvoller werdenden Schulunterricht nicht angemessen folgen können und haben mit jeder schlechten Note wachsende Angst um die Zukunft ihres Nachwuchses. Ob diese Ausrichtung auf den puren Leistungsgedanken eine gute Sache ist, sei einmal dahingestellt. Sie ist allerdings eine Tatsache und das kann man allein schon daran erkennen, dass deutsche Eltern pro Jahr rund eine Milliarde Euro für die Nachhilfe ihrer schulpflichtigen Kinder ausgeben.

Obwohl es bereits eine ganze Reihe von Einrichtungen und Instituten zum Thema Nachhilfe gab, als tutoria 2007 gegründet wurde, konnte sich das Start-up fast von Beginn an deutlich vom Mitbewerb abheben und bis heute eine sehr vorteilhafte Marktposition entwickeln. Die Ursache hierfür liegt nicht nur im unternehmerischen und visionären Geschick von Gründer Matthias Ick und an dem früh aufkeimenden Interesse attraktiver Investoren. Der Erfolg von tutoria erklärt sich vor allem auch aus dem Gesamtkonzept mit seinem pädagogischen Betreuungs- und Beratungsangebot sowie aus der konkreten Gestaltung der Plattform mit ihren vielen Funktionen und Optionen, die wir uns im Folgenden ein wenig näher anschauen wollen.

 

Die entscheidenden Erfolgsfaktoren eines herausragenden Start-ups

Das moderne Leben fordert inzwischen auch von Kindern ein hohes Maß an Flexibilität und das Angebot von tutoria passt sich nahtlos an diese veränderten Gegebenheiten an. Im Mittelpunkt des Leistungsprogramms steht die klassische Nachhilfe, die als Einzelnachhilfe zu Hause oder online statt findet. Das Zentrum des Geschäftsmodells von tutoria bildet dabei die Plattform selber. Hier gehen die Bewerbungen von potenziellen Nachhilfelehrern, die durch das Unternehmen vor ihrer Freischaltung sehr sorgfältig überprüft werden, ebenso ein, wie die Anfragen interessierter Eltern, die auf der Suche nach einer Fachkraft zum Unterrichten ihrer Kinder sind. Dabei stellt tutoria allen drei Gruppen webgestützte Reporting-, Kontroll-, Bewertungs- und Erinnerungsfunktionen zur Verfügung, die das individuelle Lernen stark erleichtern.

Insgesamt – und hierin liegt ein ganz wesentlicher Erfolgsfaktor des Startups – beschränkt sich tutoria allerdings nicht auf die reine Nachhilfe. Mittlerweile gliedert sich das Leistungsangebot in vier Bereiche: Schule, Studenten, Erwachsene und Unternehmen. Im Sektor Schule findet man neben der bereits vorgestellten Nachhilfe auch ein spezielles Programm, mit dem sich Abiturienten auf ihre Prüfungen vorbereiten können. Unter dem Stichwort Studenten wird ebenfalls eine qualifizierte Prüfungsvorbereitung, darüber hinaus aber auch eine individuelle Studienbegleitung angeboten. Im Bereich für Erwachsene stößt man vorrangig auf ein breites Angebot an Sprachkursen, während sich der Geschäftsbereich Unternehmen mit der innerbetrieblichen Weiterbildung beschäftigt. Hierunter fallen nicht nur spezielle Schulungsangebote für Auszubildende, sondern auch Kurse für Sprachen, Mathematik und für betriebliches Rechnungswesen.

Alles in allem präsentiert sich das System tutoria in einem modernen und ansprechenden Gewand. Die Bedienung der sympathischen Plattform erfolgt weitgehend intuitiv. Dieser Aspekt ist sehr wichtig, da er beim Besucher Rückschlüsse auf die Qualität der Lernangebote erzeugt. Auf den Internetseiten von tutoria entdecken Besucher viele Informationen über das Unternehmen selber und über die vielen angebotenen Module und ihre jeweilige Methodik. Auf diese Weise wirkt das Angebot auch auf Kinder und Jugendliche, die ja in Bezug auf erhobene Zeigefinger und schulische Zusatzlektionen in der Freizeit eher empfindlich reagieren, sicher nicht abstoßend.

 

Signifikante Meilensteine kennzeichnen einen beispiellosen Aufstieg

Das Start-up tutoria hat mit seinem Geschäftskonzept einen Bereich besetzt, der für Außenstehende vor allem mit anspruchsvoller Bildung und gesellschaftlicher Verantwortung in Verbindung gebracht wird und kaum Assoziationen zu erheblichen Einnahmemöglichkeiten weckt. Der sich aus dieser Fehleinschätzung ergebende Imagegewinn hat dem Unternehmen mit Sicherheit sehr dabei geholfen, sich am Markt erfolgreich zu platzieren. Dabei haben erfahrene Investoren schon sehr früh realisiert, welches Potenzial sich hinter dem Projekt verbirgt.

Nachdem das Start-up Ende 2007 von Matthias Ick gegründet wurde, erfolgte die Übernahme durch Holtzbrinck Digital bereits im Jahr 2010. Holtzbrinck Digital ist dabei der Unternehmensbereich der Holtzbrinck Gruppe, der sich in der Regel mit eher kurzfristigen Engagements beschäftigt und seine Beteiligungen im Normalfall recht schnell wieder veräußert. Im Falle von tutoria verlief dies allerdings völlig anders. Bereits zwei Jahre später übernahm nämlich die Macmillan Gruppe, ebenfalls eine Holtzbrinck Tochter, das Nachhilfe- und Bildungs-Portal und setzte den Gründer Matthias Ick kurzerhand als Managing Director von Macmillan Digital Education ein.

Auch in Sachen Diversifikation ließ sich tutoria nicht zu viel Zeit. Bereits im Jahr 2011 wurde das B2B Modul Nachhilfe für Auszubildende eingeführt. 2012 folgte dann ein eigenständiges Premium-Produkt mit individueller Schülerbetreuung, 2013 der Marktantritt in Österreich und 2014 den Ausbau des Erwachsenen-Bereichs, in dessen Mittelpunkt vor allem Sprachen stehen.

 


 

 


 

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.