[Geschäftsidee] tado.com – die smarte Fernsteuerung für die eigene Heizung

Wer berufstätig und tagsüber unterwegs ist, hat in der kalten Jahreszeit das Problem der optimalen Heizungsregulierung. Die Absenkung der Temperatur beim Verlassen der Wohnung ist mit einem Handgriff erledigt und nicht die eigentliche Frage, sondern, wie man vor der Rückkehr wieder raufreguliert. Wer will schon nach Feierabend in einer kalten Wohnung sitzen und eine Stunde oder länger warten, bis wieder eine angenehme Zimmertemperatur erreicht ist?


Nun gibt es smarte Lösungen, mit denen man selbst über ein Mobilgerät die Temperatur regulieren kann. Was aber, wenn das Meeting länger dauert als geplant, man vielleicht im Stau steht oder anderweitig aufgehalten wurde und die Temperatur zu früh raufsetzte oder es vielleicht vergessen hat. Gegen diese Unpässlichkeiten hat das Münchner Start-up tado° mit der tado°-Box ein smartes Thermostat entwickelt, das lernt, wie sich die Wohnung am effizientesten aufheizen lässt. Beim Entfernen von der Wohnung senkt es die Temperatur ab. Nähert sich der Bewohner wieder seinen vier Wänden, beginnt es mit der Aufheizung, und zwar so, dass die Raumtemperatur beim Eintreffen optimal ist. Das System nutzt Standortinformationen des Nutzers als Parameter für Regulierung der Heiztemperatur in der Wohnung. Die 2011 gegründete tado° GmbH ist einer der wenigen deutschen Anbieter auf diesem Markt und mit seiner Lösung überaus erfolgreich.

 

Temperatur rauf oder runter – das ist hier die Frage

Warum soll man während der Abwesenheit die Wohnung auf Wohlfühltemperatur heizen? Das fragen sich nicht nur Berufstätige. Die FF Solution UG, ein vom LMU Entrepreneurship Center der Uni München unterstütztes Start-up, entwickelte 2011 eine Lösung, die es in sich hat. Mit der Marktreife der Lösung erfolgte Ende 2012 die Umfirmierung und Gründung der tado° GmbH. Im Mittelpunkt steht eine kleine, an die Heizungsanlage anschließbare Box, die über den heimischen Internetzugang mit dem Smartphone kommuniziert. Die Box ist eine Art Wandthermostat – nur viel intelligenter.

Im Gegensatz zu vielen anderen smarten Lösungen ist tado° in jeder Hinsicht lernfähig: Die App auf dem Smartphone berücksichtigt nicht nur die Wettervorhersagen, sondern auch die Besonderheiten der Wohnung. Sie weiß, welche Heizelemente in welchen Räumen die Wohnung am besten und effizientesten auf die optimale Temperatur bringen. Die Entfernung des Wohnungsinhabers von der Wohnung spielt bei tado° eine zentrale Rolle. Mit der Zunahme der Distanz wird die Heiztemperatur bis zu einem definierten Grenzwert abgesenkt. Bewegt sich der Bewohner mit seiner tado°-App auf dem Smartphone hingegen wieder auf die Wohnung zu, dann fährt tado° die Heizung hoch. Die Wohnung hat beim Eintreffen des Wohnungsinhabers exakt die Temperatur, die sie beim Verlassen auch hatte. Die Höhe der zwischenzeitlichen Absenkung während der Abwesenheit steuert die tado°-Box, die ständig mit der tado°-App auf dem Smartphone in Verbindung steht, automatisch.

Durch den Einsatz von tado° lassen sich laut Herstellerangaben bis zu 31 Prozent der Energie- und Heizkosten jährlich einsparen. Doch das System kann noch mehr. Durch die Verbindung in die Cloud ist eine Fernwartung der Heizung möglich. Der digitale Heizungscheck im Rahmen des tado° Care-Programms vermittelt professionelle Heizungsinstallateure, bietet telefonischen Kundenservice und Instruktionen zur Selbsthilfe, falls einmal ein Fehler auftritt. Die tado° Box kann für 249,- Euro gekauft oder für 9,99 Euro im Monat gemietet werden.

Die intelligente Cloud-Lösung wurde 2013 zur besten Geschäftsidee vom BITKOM Innovators Pitch gekürt und bietet als europäische Lösung den größten Konkurrenten Nest aus den USA erfolgreich Paroli. Doch damit ist tado° noch längst nicht am Ende seiner Pläne, wie der Geschäftsführer Leopold von Bismarck verlauten ließ. Mit Tado Cooling ist das nächste große Ding schon in den Startlöchern. Hierbei geht es um die Ausweitung der Geschäftsidee auf Klimaanlagen.

 

Das Potenzial smarter Home-Lösungen ist immens

Auch wenn das Internet der Dinge auf viele noch abstrakt wirkt, kommen immer mehr smarte Home-Lösungen auf den Markt. Heizungs- und Klimaregulierung, Gebäudesicherheit, Rollladensteuerung, Topfpflanzenversorgung – Ideen gibt es ohne Ende. Dabei steht der ganz große Durchbruch erst noch bevor. Gerade im Bereich Energiemanagement gibt es – angesichts der hohen Energiepreise – einen großen Bedarf an Lösungen zur Überwachung und Steuerung von Heizungs- und Klimaanlagen über Mobilgeräte. Ein iPhone oder Smartphone besitzt inzwischen fast jeder, sodass Zugangsmöglichkeiten universell sind.

Wer hier Ideen für pfiffige Hardwarekomponenten und zugehörige Apps entwickeln kann, wird den Erfolg auf seiner Seite haben. Tado° zeigt, wie es geht. Was fehlt, ist eigentlich nur noch ein Investor, den der Erfinder vom Potenzial seiner Lösung überzeugen muss. Nicht nur auf Crowd-Funding-Plattformen suchen Investoren händeringend nach zukunftweisenden, Erfolg versprechenden Produkten und Lösungen, in die sie investieren können. Denn, ganz ohne Kapitalspritzen wird es bei der Entwicklung, Produktion, Vertrieb und Vermarktung nicht gehen. Je besser und ausgereifter die Lösung, desto einfacher dürfte die Kapitalbeschaffung sein.

 


 

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.