[Geschäftsidee] Coffeecircle bietet fair und nachhaltig gehandelten Kaffee aus Äthiopien

Kaffeetrinker machten sich früher wenig Gedanken darüber, woher ihr Kaffee stammt und unter welchen Bedingungen er produziert wurde. Seit vielen Jahren hat sich das grundlegend geändert. Längst ist es im Mainstream angekommen, dass Plantagenarbeiter von ihren Löhnen kaum leben können und Kaffee oft unter fragwürdigen ökologischen Bedingungen angebaut wird. Siegel wie Fairtrade entstanden, um dem entgegenzuwirken. Die beste Gewähr dafür, dass den Erzeugern tatsächlich ein fairer Erlös verbleibt, lässt sich nur im Rahmen von Projekten realisieren, bei denen die Verantwortlichen selbst dafür sorgen, dass alles mit rechten Dingen zugeht.


Genauso war das auch bei Martin Elwert, Robert Rudnick und Moritz Waldstein-Wartenberg aus Berlin, die selbst im Kaffeeland Äthiopien im Rahmen von Entwicklungshilfeprojekten gearbeitet hatten und die dortigen Bedingungen bestens kannten. Im Jahr 2010 gründeten sie ihre Handelsplattform Coffeecircle.com für Gourmet-Kaffee aus Äthiopien. Im Unterschied zu anderen Projekten kombinieren die Gründer ihren Kaffeehandel mit direkter Aufbauhilfe vor Ort. Das hatte es in dieser Form bisher noch nicht gegeben und der Erfolg von Coffeecircle sollte nicht lange auf sich warten lassen. Das enorme Potenzial, das in der Kombination von Transparenz, Nachhaltigkeit und Projektarbeit liegt, erkannte auch der deutsche Handelskonzern Tengelmann, der sich 2011 mit 30 Prozent an dem Start-up beteiligte.

 

Direct Fair Trade – fairer geht’s nicht

Das Schlagwort „nachhaltig“ wird inzwischen so inflationär gebraucht, dass es zum Allgemeinplatz geworden ist. Fast jeder Markenhersteller wirbt heutzutage damit. Oftmals ist überhaupt nicht klar, was der Hersteller genau damit meint und inwieweit dieses Prädikat auf die Produkte und den Herstellungsprozess auch wirklich zutrifft. Ganz anders ist das hingegen bei Coffeecircle, einem 2010 gegründeten Start-up aus Berlin. Die drei Gründer Martin Elwert, Robert Rudnick und Moritz Waldstein-Wartenberg sehen sich als Pioniere von „Direct Fair Trade“ einer neuen Art des Handels. Vor der Gründung von Coffeecircle hatten Martin Elwert und Moritz Waldstein-Wartenberg am Aufbau für Waisenhäuser und Schulen im Rahmen von Entwicklungsprojekten in Äthiopien mitgearbeitet und tiefe Einblicke in die äthiopische Kultur bekommen. Vor allem entwickelten sie ein Bewusstsein für die Kaffeetradition des Landes und lernten den einzigartigen Geschmack des äthiopischen Kaffees kennen.

Direct Fair Trade unterscheidet sich von anderen Projekten aus Bereichen des fairen Handels durch direkte Involvierung aller Beteiligten. Von jedem verkauften Kilogramm Kaffee erhalten die Kaffeebauern einen Euro zurück. Dadurch möchte Coffeecircle zum einen die Lebensbedingungen der Arbeiter und ihrer Familien im Erzeugerland verbessern und zum anderen Projekte vor Ort fördern, die den dort lebenden Menschen zugutekommen. Jedes Jahr nach der Kaffeeernte fahren die Gründer selbst ins Land und binden die Menschen vor Ort in die Entscheidungen über soziale Projekte mit ein. Die Prioritäten in Äthiopien liegen beim Zugang zu Trinkwasser, der Verbesserung der Gesundheitsversorgung und der Sicherung der Ausbildung.

In seinem Online-Shop bietet Coffeecircle handverlesene Spitzenkaffees aus Äthiopien zu Preisen, die sortenabhängig zwischen 12,- Euro und 23,50 Euro pro 500 Gramm kosten. Darüber hinaus gibt es Probierpakete mit den wichtigsten Sorten für 4,50 Euro und Kaffeezubehör wie Tassen, Filter und Kaffeemühlen. Coffeecircle vertreibt seine Kaffees nicht nur im Online-Shop, sondern arbeitet außerdem mit zahlreichen Bioläden und Cafés in ganz Deutschland und im benachbarten Ausland zusammen, wo man den Kaffee kaufen und genießen kann. Und das Beste ist: Die Kunden können selbst mitentscheiden, für welches Projekt der gespendete Euro ausgegeben wird. Das Geschäftsmodell überzeugte nicht nur die Kunden, sondern auch Investoren wie den Handelskonzern Tengelmann, der sich 2011 mit 30 Prozent an Coffeecircle beteiligte.

 

Social Entrepreneurship gehört die Zukunft

Für viele Verbraucher ist fair gehandelter Kaffee inzwischen zur Selbstverständlichkeit geworden. Die Marktanteile sind in den zurückliegenden Jahren rasant gestiegen. Seit 2005 verzehnfachte sich der Umsatz mit fair-trade-zertifizierten Produkten in Deutschland von 50 Millionen Euro auf rund 500 Millionen Euro in 2012. Kaffee hat hieran den mit Abstand größten Anteil. Trotzdem ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein, denn gemessen am gesamten Kaffeeumsatz betrug der Fair Trade-Anteil in Deutschland 2012 gerade einmal 2,2 Prozent. Mit anderen Worten: Es gibt einen starken Trend und noch erhebliches Potenzial für fair gehandelten Kaffee und andere Produkte. Die Verbraucher sind aufgeklärt und es existiert eine große Bereitschaft etwas mehr für diese Erzeugnisse zu bezahlen. Für sozial engagierte Gründer gibt es viel zu tun. Eine Möglichkeit ist, wie das Beispiel Coffeecircle zeigt, direkt vor Ort bei den Erzeugern selbst mitzuwirken und eigene Projekte anzustoßen. Der große Vorteil dieser Vorgehensweise – die natürlich einiges an Erfahrung im Entwicklungshilfebereich voraussetzt – ist, dass dem Verbraucher ein hohes Maß an Transparenz geboten werden kann. Er weiß, woher sein Produkt stammt, wer es wie produziert hat und was mit den vom Verkaufspreis abgezweigten Spenden konkret geschieht. Wer dies zu kommunizieren versteht, ist der geborene Social Entrepreneur.

 


 

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.