Frisch gegründet im E-Commerce: Und wie geht es jetzt weiter?

Sie haben sich endlich Ihren lang erträumten Wunsch von der beruflichen Selbstständigkeit erfüllt und ihr eigenes Unternehmen im Bereich Online-Handel eröffnet? Nachdem die Anstrengung der eigentlichen Gründung nun hinter Ihnen liegt, wollen Sie sicher wissen, wie es nun weiter geht. Was können Sie selber bewerkstelligen, um Ihre ersten Wochen und Monate möglichst erfolgreich zu gestalten. Wie entwickeln Sie sich optimal vom unerfahrenen Gründer zum souveränen Unternehmer? Welche Entscheidungen erhöhen jetzt die Chancen für einen dauerhaft positiven Geschäftsverlauf? Wir bieten Ihnen Antworten auf diese und andere Fragen und vertrauen Ihnen Profi-Strategien für Einsteiger im E-Commerce an.

Frisch gegründet im E-Commerce: Und wie geht es jetzt weiter?

In der Start- und Gründungsphase werden die Weichen gestellt

Als Gründer stehen Sie einerseits noch ganz am Anfang Ihrer beruflichen Karriere als selbständiger Unternehmer. Auf der anderen Seiten stellen Sie aber vor allem in der jetzigen Phase die Weichen für Ihren späteren geschäftlichen Erfolg. Fehler, die Sie jetzt begehen, können über lange Zeit mit negativen Konsequenzen verbunden sein. Ebenso werden Ihnen positive und richtige Entscheidungen über lange Zeit nützlich sein. Die Schwierigkeit besteht also nur darin, zwischen falschen und richtigen Entscheidungen zu unterscheiden und stets das Optimale für Ihr Unternehmen zu tun. Doch gerade hierfür benötigen Sie unternehmerischen Weitblick und berufliche Erfahrung. Beides lässt sich leider nur allmählich erwerben und nicht kurzfristig erzwingen.

Als Einsteiger ist es deshalb besonders wichtig, dass Sie jetzt keine grundlegend verkehrten Entscheidungen treffen. Denn genau diese sind es, die Ihnen schon nach kurzer Zeit, wirtschaftlich betrachtet, das Genick brechen können. Eine verpasste Chance mag dagegen zwar ärgerlich sein. Sie stellt aber keine wirkliche Gefahr dar und lässt sich in aller Regel zu einem späteren Zeitpunkt nachholen. Konzentrieren Sie sich deshalb also vor allem darauf, keine falschen und gefährlichen Entscheidungen zu treffen. Nehmen Sie sich für die Entscheidungsprozesse immer ausreichend Zeit, lassen Sie sich nicht drängen und verzichten Sie lieber auf eine interessante Chance, anstatt einen schwerwiegenden Fehler zu begehen. Stellen Sie sich Ihr gerade erst gepflanztes Unternehmen wie einen Säugling vor, der vor allem Sorgfalt, Vorsicht und Geduld braucht. Für gefährliche Abenteuer bleibt in den nächsten Jahren noch genug Zeit, wenn es erst einmal gelungen ist, die Frühphase erfolgreich zu meistern.

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen: Der lernende Chef

Sie sollten von sich selber nicht erwarten, vom ersten Tag an bereits ein perfekter Unternehmer, Vorgesetzter und Chef zu sein. Es handelt sich hierbei um einen anspruchsvollen und vielseitigen Beruf, für den es keine geregelte Ausbildung gibt. Sicher spielen Talent und unternehmerisches Gespür eine wichtige Rolle. In erster Linie wird aber Ihre Erfahrung zeigen, ob Sie ein guter, mittelmäßiger oder ein schlechter Chef werden. Stellen Sie sich diesen Prozess ähnlich vor wie bei einem Fahranfänger. Man sagt, dass ein junger Autofahrer rund 100.000 Kilometer Fahrpraxis benötigt, bevor er eine grundlegende Sicherheit im Umgang mit dem Kraftfahrzeug erwirbt. Wenn Sie sich zurück erinnern, dann wird Ihnen sicher wieder einfallen, dass Sie sich bereits als Führerschein-Neuling und mit wenigen Tausend Kilometern Fahrpraxis dem Steuern eines Autos völlig gewachsen fühlten. Hierbei handelte es sich um eine akute Fehleinschätzung und manch junger Autofahrer musste dies am eigenen Leib auf bitterste Weise erleben. In Wirklichkeit ist es nun einmal erforderlich, dass man viele verschiedene, auch kritische, Situationen im Straßenverkehr erlebt hat, bis man von sich behaupten kann, ein versierter, guter und sicherer Fahrer zu sein.

Ganz ähnlich ist das auch im Unternehmertum. Sie werden nicht vom ersten Tag an alles richtig machen. Aber Sie werden mit jedem einzelnen Tag besser werden. Was Ihnen noch heute schwierig oder gar unlösbar erscheint, wird Ihnen bereits in wenigen Wochen oder Monaten viel leichter von der Hand gehen. Und eines Tages werden Sie an die heutige Zeit zurückdenken, lächeln und sich darüber amüsieren, wie hilflos und unsicher Sie sich zu Beginn Ihrer selbständigen Karriere gefühlt haben. Nehmen Sie sich Zeit und begreifen Sie sich selber als lernenden Menschen. Verstehen Sie es als Chance und Gelegenheit, dass Sie Tag für Tag mit neuen beruflichen Situationen in Berührung kommen dürfen, die allesamt dazu beitragen, dass Sie einmal ein guter, souveräner und verantwortlicher Unternehmer, Vorgesetzter und Chef sein werden.

Die folgenden Strategien und Tipps werden Ihnen dabei helfen, die ersten Wochen, Monate oder auch Jahre der Selbständigkeit erfolgreich und unbeschadet zu überstehen:

Strategie 1: Mit Disziplin am Ball bleiben

Die heiße Gründungsphase, in der Sie Ideen geschmiedet, Konzepte erarbeitet, Kapital eingeworben und Schwierigkeiten bekämpft haben, liegt hinter Ihnen und mittlerweile haben Sie auf dem Chefsessel Platz genommen. Auch wenn die hinter Ihnen liegenden Wochen und Monate sehr anstrengend waren und Ihnen vieles abverlangt haben, so dürfen Sie jetzt doch nicht nachlassen. Bleiben Sie mit viel Disziplin und Motivation am Ball, halten Sie sich an feste Arbeitszeiten und erfüllen Sie alle Aufgaben, die Sie sich für einen Tag gestellt haben, mit Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit.

Wenn es Ihnen schwer fällt, jetzt die nötige Motivation aufzubringen, dann führen Sie sich kurz vor Augen, aus welchen Gründen Sie sich selbständig gemacht haben und welche Träume oder Wünsche ursprünglich zu diesem Vorhaben geführt haben. So tanken Sie frische Disziplin.

Strategie 2: Vorsicht vor hohen Kosten

Eine große Gefahr während der Start- und Anfangsphase besteht darin, dass Sie sich jetzt zu viele finanzielle Verpflichtungen einhandeln, die Sie auf Dauer gesehen nicht erfüllen können. Junge Unternehmer neigen dazu, zu früh weiteres Personal einzustellen, die Firmenräume zu vergrößern, einen teuren Firmenwagen anzuschaffen oder sich zu kostspielig einzurichten. Die hinter diesen Anschaffungen und Entscheidungen stehenden Wünsche und Bedürfnisse sind gut nachvollziehbar. Allerdings ist es im Moment einfach noch zu früh, um sich zu viele und zu hohe finanzielle Verpflichtungen ans Bein zu binden. Jede Entscheidung, mit der Sie sich jetzt dauerhafte Kosten einhandeln, wird sich in der Zukunft dämpfend auf Ihren Gewinn auswirken. In Ihrer jetzigen Situation ist es deutlich besser, erst einmal die tatsächlichen Gewinne abzuwarten und sich dann zu überlegen, was Sie davon anschaffen wollen, als umgekehrt vorzugehen.

Untersuchen Sie Ihre Entschlüsse besonders kritisch in Bezug darauf, ob sich hieraus laufende Kosten für die Zukunft ergeben. Lassen Sie bei solchen Angelegenheiten Vorsicht walten und verschieben Sie entsprechende Dinge lieber erst einmal auf einen späteren Zeitpunkt.

Strategie 3: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Ihr neues Geschäftsmodell ist Ihnen in vielerlei Hinsicht noch völlig fremd. Obwohl Sie wahrscheinlich Vorwissen und Grundkenntnisse zu verschiedenen Themen mitbringen, gibt es doch noch viele Bereiche, mit denen Sie sich noch nicht sonderlich gut auskennen. In dieser Situation ist es besonders wichtig, dass Sie mit verlässlichen und vor allem belastbaren Informationen arbeiten. Verlassen Sie sich nicht auf die voreilige Einschätzung, dass schon alles gut läuft, sondern bemühen Sie sich darum, den Geschäftsverlauf anhand ganz konkreter Daten, Zahlen und Fakten zu messen und zu dokumentieren. Erfahrene Unternehmer nutzen hierzu sogenannte KPI (Key Performance Indicator), mit denen Sie auf einen Blick erkennen können, wie das Unternehmen tagesaktuell da steht und welche Entwicklungen sich gerade abzeichnen.

Gerade für Online-Händler gibt es mittlerweile sehr leistungsfähige KPI-Dashboards, die Ihnen auf einen Blick alle wichtigen Kennzahlen Ihres Shops anzeigen und Ihnen auf diese Weise dabei helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Nutzen Sie entsprechende Programme, um Ihr Unternehmen sicher und verantwortlich zu führen.

Strategie 4: Mehr neue Besucher anlocken

Als erfolgreicher Online-Händler benötigen Sie vor allem eines: Jeden Tag möglichst viele neue Besucher auf Ihren Shop-Seiten. Sie werden schnell feststellen, dass es eine ganze Reihe von Möglichkeiten gibt, um potenzielle Kunden auf Ihre Seiten zu locken. Besonders wichtig ist dabei Ihr Ranking bei Google, das Sie durch die Suchmaschinenoptimierung (SEO) positiv steuern. Zusätzlich können Sie Werbeanzeigen auf den Ergebnisseiten nutzen, um Neukunden gezielt anzusprechen. Aber auch Newsletter-Marketing oder Affiliate-Programme bieten jungen Web-Shops ausgezeichnete Möglichkeiten, um neues Publikum auf die eigenen Angebote aufmerksam zu machen. Bewährt hat sich dabei eine möglichst flexible Mischung der verschiedenen Methoden, um dem Shop einen gleichmäßigen Zulauf neuer Kunden zu verschaffen.

Die Suchmaschinenoptimierung ist ein aufwendiger und komplizierter Prozess, dessen Ergebnisse nicht auf den ersten Blick erkennbar sind. Man muss sich hiermit vielmehr über eine längere Zeit beschäftigen, um erste Erfolge zu sehen und darf auch dann nicht nachlassen, wenn man das einmal erreichte Ranking behalten möchte.

Strategie 5: Vom Besucher zum Kunden

Selbst wenn Sie alles dafür getan haben, Tag für Tag möglichst viele neue Besucher auf Ihren Shop-Seiten begrüßen zu können, so haben Sie allein damit noch nicht einen einzigen Cent Umsatz erzielt. Die Besucher müssen nämlich in Ihrem Shop auch tatsächlich einkaufen, um Ihnen Umsätze und Gewinne zukommen zu lassen. Über die Frage, wie viele Ihrer Besucher auch tatsächlich zu zahlenden Kunden werden, gibt die Conversion-Rate Auskunft. Dieser Prozentwert ist ein sehr wichtiger Index dafür, wie gut Ihr Angebot dem Markt entspricht und wie perfekt die Abläufe und Prozesse in Ihrem Shop entworfen und umgesetzt sind. Eine niedrige Conversion-Rate ist immer ein Warnsignal dafür, dass mit der Ausrichtung Ihrer Angebote oder dem Kaufvorgang selber etwas nicht stimmt. Einem solchen Signal müssen Sie unbedingt nachgehen, da Sie ansonsten bares Geld verlieren.

Die Conversion-Rate gehört zu den wichtigsten Werten, mit denen Sie die Shop-Performance messen. Als Internetunternehmer werden Sie sich mit dieser Zahl Tag für Tag beschäftigen. Schaffen Sie von daher frühzeitig Instrumente, mit denen sich die Conversion-Rate über beliebige Zeiträume messen lässt und berücksichtigen Sie die Werte innerhalb aller wichtigen Entscheidungen.

Strategie 6: Vom Kunden zum Stammkunden

Als erfolgreicher Online-Händler wollen Sie neue Besucher zu einer möglichst hohen Quote zu zahlenden Käufern machen. Darüber hinaus ist es aber fast ebenso wichtig, einmalige Kunden zu treuen Stammkunden zu entwickeln. Dies gelingt Ihnen nur dann, wenn Ihre Kunden restlos zufrieden mit Ihrem Shop, Ihren Angeboten, Ihren Produkten und Ihrem Service sind. Da Kosten und Zeitaufwand der Gewinnung neuer Kunden erheblich sind, ist es betriebswirtschaftlich mehr als sinnvoll, wenn ein Kunde mehrfach bei Ihnen einkauft. Nur so verteilen sich die Kosten der Neukundengewinnung auf einen hohen Gesamtumsatz. Die Stammkundenquote ist von daher, ähnlich wie die Conversion-Rate, ein sehr wichtiger Wert für Online-Händler und zeigt Ihnen auf einen Blick, wie zufrieden Ihre Kunden mit Ihnen sind.

Machen Sie es sich zur persönlichen Aufgabe, jederzeit für die maximale Zufriedenheit Ihrer Kunden einzutreten. Nehmen Sie im Unternehmen die Position eines Anwaltes Ihrer Käufer ein und tragen Sie Sorge dafür, dass jeder einzelne Mitarbeiter mit größter Umsicht und Gewissenhaftigkeit zum Wohl der Kunden tätig ist.

Strategie 7: Augen und Ohren offen halten

Gerade als stark beschäftigter Internetunternehmer unterliegen Sie schnell der Gefahr, nur noch die eigenen betrieblichen Abläufe zu sehen und blind für alle anderen Angelegenheiten zu werden. Diesen Effekt sollten Sie unter allen Umständen vermeiden, da er sich sehr schnell negativ auf Ihre Geschäftsentwicklung auswirken kann. Es ist wichtig, dass Sie jederzeit den Überblick darüber behalten, was an Ihrem Markt und Ihrer Branche aktuell los ist, welche neuen Entwicklungen und Trends sich hier ergeben und mit welchen Methoden und Instrumenten Ihre Konkurrenten um die Gunst der Verbraucher werben. Halten Sie, bei aller Konzentration auf Ihr Unternehmen, Augen und Ohren deshalb stets offen und verlieren Sie die größeren Zusammenhänge nie aus dem Blick.

Legen Sie sich ein eigenes System zu, mit dem Sie den Markt und die Konkurrenz systematisch und stetig beobachten können. Setzen Sie hierzu auf die Lektüre bestimmter Zeitschriften und Internetseiten, besuchen Sie Fachmessen und Kongresse und beobachten Sie vor allem die Aktivitäten Ihrer größten Konkurrenten.

Strategie 8: Ihre Geschäftsidee ist nicht in Stein gemeißelt

Ihrer Unternehmensgründung liegt eine bestimmte Geschäftsidee zugrunde. Diese haben Sie eigens entwickelt, um sich selbständig zu machen und Ihr eigener Chef zu werden. Bei aller Konzentration auf Ihr zentrales Geschäftsmodell sollten Sie sich jederzeit vor Augen halten, dass Sie die konkrete Geschäftsidee später noch einmal ändern können, wenn dies erforderlich ist. Das soll nicht bedeuten, dass Sie nicht hartnäckig an Ihrem Konzept arbeiten und festhalten sollen. Es soll Sie vielmehr nur davor schützen, nicht dauerhaft auf das falsche Pferd zu setzen und eine Geschäftsidee nur deshalb beizubehalten, weil Sie sich nun einmal anfänglich hierfür entschieden haben. Sie behalten als Unternehmer dauerhaft die Freiheit, Ihr geschäftliches Konzept zu verändern, verbessern oder sogar auch vollständig zu wechseln.

Bleiben Sie Ihren eigenen Konzepten gegenüber kritisch. Halten Sie nicht an einer Idee fest, nur weil Sie diesen Weg ursprünglich einmal eingeschlagen haben. Beobachten Sie vor diesem Hintergrund permanent Ihre Geschäftsergebnisse und auch die jeweiligen Rahmenbedingungen und erhalten Sie sich die Bereitschaft, die Geschäftsidee im Notfall zu wechseln.

 

 

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.