E-Commerce im Nebenberuf: Vor- und Nachteile für nebenberufliche Online-Händler

Beruflich selbständig zu sein ist für viele Menschen ein schöner Traum, an dessen Erfüllung sie sich letztlich aber doch nie heranwagen. Zu groß ist die Angst vor dem Scheitern und zu gering das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Dabei muss die Gründung eines Unternehmens nicht zwangsläufig einem Sprung ins kalte Wasser gleichkommen.


Alles auf eine Karte setzen oder doch lieber in kleinen Schritten?

Nur wenige berufliche Erfahrungen sind so erfüllend und befriedigend wie die Gründung und Leitung eines eigenen Unternehmens. Wer die Chance erhält, den Bürostuhl des Angestellten gegen einen Chefsessel einzutauschen, der kann in vielerlei Hinsicht von seinem neuen Status profitieren. Da ist zunächst einmal das hohe Maß an persönlicher Selbstbestimmung. Niemand gibt Anweisungen, keiner ordnet die Erledigung bestimmter Aufgaben an und man ist ausschließlich sich selber verpflichtet.

Es ist nicht mehr erforderlich, sich jeden Morgen abzuhetzen, um gerade noch pünktlich das Büro zu betreten, da man selber ganz allein darüber entscheidet, wann die eigene Arbeitszeit beginnt und wann sie endet. Außerdem bestimmt man selber, mit welchen konkreten Aufgaben man sich selber beschäftigen möchte und welche Tätigkeiten man lieber einem Mitarbeiter überträgt.

Hat man selber eine neue Idee, dann braucht man nicht erst einen Vorgesetzten davon zu überzeugen, dass es sich lohnt, den Einfall einfach einmal auszuprobieren. Und wenn man auf den Gedanken kommt, neue Fähigkeiten oder die eigene kreative Ader zu entwickeln, dann stößt man als selbständiger Unternehmer auf keine unüberwindbaren Hindernisse. Hinzu kommen das meist deutlich höhere Einkommen und der verbesserte Status in der Gesellschaft, die mit dem Unternehmertum verbunden sind. Eigentlich lassen sich insofern in Verbindung mit der beruflichen Selbständigkeit also nur Vorteile erkennen.

Wären da nur nicht die Risiken, die grundsätzlich mit dem Schritt in die Selbständigkeit verbunden sind. Denn wie tief fällt man, wenn man als eben noch hochfliegender Unternehmer plötzlich scheitert, alles verliert und von einem Tag auf den anderen plötzlich vor dem Nichts steht? Wie kommt man mit seiner Zukunft zurecht, wenn man auf einmal hoch verschuldet ist und seine Verpflichtungen über Jahre mühsam erfüllen muss? Und wie wirkt es sich auf die Psyche und das Selbstbewusstsein aus, wenn man sich eingestehen muss, dass man es als Unternehmer einfach nicht gebracht hat?

Diese Fragen und berechtigten Zweifel verhindern bei vielen Menschen, dass sie sich letztlich in das Abenteuer einer Unternehmensgründung stürzen. Angesichts der gefürchteten Risiken verzichten sie lieber von vornherein darauf, sich auf dem Chefsessel zu erproben und kommen so nie in den Genuss der wunderbaren Erfahrung, sein eigenes Unternehmen zu führen. Dabei gibt es einen hervorragenden Ausweg aus diesem Dilemma: die berufliche Selbständigkeit auf nebenberuflicher Basis.

 


 

Nicht nur für Sicherheitsfanatiker: der ideale Weg in die Selbständigkeit

Wenn wir von nebenberuflicher Selbständigkeit sprechen, dann meinen wir damit einen besonders sicheren Weg, der uns in kleinen Schritten zum eigenen Unternehmen führt. Wir behalten dabei unseren angestammten Hauptjob zunächst bei und setzen lediglich unsere bislang freien Stunden ein, um am Geschick unseres eigenen Unternehmens zu arbeiten. So gewöhnen wir uns ganz allmählich an unsere neue Rolle als Chef, wachsen langsam mit unseren Aufgaben und können jederzeit einen Rückzieher machen, ohne dass dies zu einschneidenden finanziellen Konsequenzen führt.

Dieser Weg ist nicht nur vorteilhaft für den Gründer selber, sondern auch für dessen Familie. Diese muss zwar über einen gewissen Zeitraum oft auf die Gesellschaft des zunächst doppelt belasteten Selbständigen verzichten. Dafür behält sie aber die gewohnte finanzielle und soziale Sicherheit. Für den Gründer selber ist eine solche Konstruktion dadurch vor allem gut mit einer tief empfundenen Verantwortung für das Wohl der Familie zu vereinbaren.

Und auch der Unternehmer selber wird ein gutes Stück Leistungsdruck los, das sich oft eher als lähmend und nicht als beflügelnd erweist. Man setzt einfach nicht alles auf eine Karte, sondern behält ein ausgeprägtes Sicherheitsnetz, das einen auffängt, wenn tatsächlich einmal etwas schief läuft. Und entwickelt sich das eigene Unternehmen so gut wie erhofft, dann kann man zu einem etwas späteren Zeitpunkt immer noch den bisherigen Hauptjob aufgeben und sich fortan ganz und gar dem Unternehmertum widmen.

In diesem Zusammenhang stehen viele angehende Gründer vor der wichtigen Frage, ob sie im Falle einer nebenberuflichen Selbständigkeit eigentlich die Erlaubnis ihres Chefs benötigen. Grundsätzlich hat jeder Angestellte das Recht auf die Ausübung einer Nebentätigkeit, solange der Hauptberuf nicht negativ beeinflusst wird, man seinem Vorgesetzten keine Konkurrenz macht, man Krankheitszeiten nicht nutzt, um sein Unternehmen nach vorne zu bringen und solange Haupt- und Nebenjob klar voneinander getrennt sind.

Werden diese Voraussetzungen klar erfüllt, dann ist die Erlaubnis vom Chef eigentlich nicht erforderlich. Allerdings sollte man sich überlegen, ob es nicht besser ist, hier von Anfang an mit offenen Karten zu spielen. Wir raten dazu, die Pläne zur eigenen Gründung offen mit dem Vorgesetzten zu besprechen und ihn um seine Meinung und sein Einverständnis zu bitten.

Die Selbständigkeit im Nebenberuf ist mit einer Reihe von Vorzügen und Nachteilen verbunden. Wir stellen Ihnen im Folgenden die wichtigsten Aspekte vor, die für und gegen das Modell sprechen, sodass Sie sich selber ein Bild davon verschaffen können, ob sich das Modell für Sie eignet.

 

Weniger Druck führt zu besseren Leistungen

Vorteil 1: Weniger Druck führt zu besseren Leistungen

Wer sich nebenberuflich selbständig macht, der reduziert damit den Leistungsdruck, der im Normalfall auf einem Unternehmer lastet, erheblich. Da man genau weiß, dass man auch von den Einkünften aus dem Hauptjob gut überleben kann, fällt der Druck weg, vom ersten Monat an überzeugende Umsätze und Ergebnisse vorweisen zu müssen. Man kann sich mit der Entwicklung des Unternehmens viel Zeit lassen und man ist nicht dazu gezwungen, sich auf Geschäfte einzulassen, mit denen man nicht völlig einverstanden ist oder bei denen man ein schlechtes Gefühl hat. Daher sind nebenberuflich Selbständige meist sehr gelassen und fühlen sich in ihrer neuen Rolle als Chef sicher und wohl.

 

Langsam in die Chefrolle schlüpfen

Vorteil 2: Langsam in die Chefrolle schlüpfen

Chef zu sein kann man nicht lernen. Es gibt keine Kurse, keine Lehrgänge und keine Anleitungen, die dabei helfen, in die neue Rolle als Unternehmer zu schlüpfen. Zwar kann man sich mit anderen Selbstständigen austauschen, Bücher und Erfahrungsberichte lesen oder sich Vorbilder zur Orientierung suchen. In letzter Konsequenz muss man seine persönlichen Erfahrungen auf dem Weg zu einem guten Vorgesetzten aber selber sammeln, muss aus seinen Fehlern lernen und sich ganz allmählich in der neuen Rolle zurecht finden. Dieser Prozess ist für nebenberuflich Selbständige viel einfacher und stressfreier als für ihre hauptberuflichen Kollegen. Sie können sich die benötigten Strukturen allmählich aufbauen und im eigenen Timing in die Rolle als Chef und die damit verbundenen Aufgaben hineinwachsen.

 

Mit Netz und doppeltem Boden

Vorteil 3: Mit Netz und doppeltem Boden

Wer sich nebenberuflich selbständig macht, der behält zunächst seinen Hauptjob und damit auch sein Einkommen und seine soziale Absicherung. Kleine Fehler in der Führung des eigenen Unternehmens, Rückschläge beim Umsatz oder unerwartete Ausgaben führen daher nicht sofort zum finanziellen Kollaps. Die Finanzierung des eigenen Lebensunterhalts und das wirtschaftliche Überleben der Familie bleiben stets gesichert. Außerdem profitiert man erheblich davon, dass die Sozialversicherungen durch den Hauptjob zunächst erhalten bleiben und man im Falle von Krankheit, Pflegebedürftigkeit, Unfällen oder Arbeitslosigkeit einen gewissen Schutz genießt.

 

Finanzielle Rücklagen schaffen Sicherheit

Vorteil 4: Finanzielle Rücklagen schaffen Sicherheit

Selbständige im Nebenberuf erhalten Einnahmen aus zwei verschiedenen Quellen und können dadurch flexibler planen und wirtschaften. Das gewohnte Einkommen aus dem Hauptberuf wird durch die ersten Einnahmen aus dem eigenen Unternehmen ergänzt. Auf diese Weise steht insgesamt deutlich mehr Geld zur Verfügung, das eingesetzt werden kann, um in das eigene Unternehmen zu investieren oder, was noch wichtiger ist, um Rücklagen für schlechte Zeiten zu bilden. So entsteht innerhalb von kurzer Zeit eine ausgeprägte finanzielle Unabhängigkeit, die viel Sicherheit und Komfort mit sich bringt.

 


 

Arbeiten, wenn andere die Freizeit genießen

Nachteil 1: Arbeiten, wenn andere die Freizeit genießen

Natürlich darf man nicht unterschätzen, dass man als nebenberuflich Selbständiger unter einer ausgeprägten Doppelbelastung steht. Nachdem man seinen Hauptjob beendet hat, warten die zahlreichen Verpflichtungen und Aufgaben des selbständigen Unternehmers auf ihre Erledigung. Während Freunde, Bekannte und Kollegen ihren Feierabend ungestört genießen, ihre Wochenenden nach Belieben gestalten oder ihren Urlaub entspannt verbringen, ist man selber viele Stunden an den Schreibtisch gefesselt und muss die zahlreichen privaten Vergnügungen auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Hierfür muss vor allem auch die eigene Familie viel Verständnis aufbringen, da ansonsten ausgeprägte Konflikte und Probleme vorprogrammiert sind. Der einzige Trost in dieser Lage: Die Doppelbelastung ist kein dauerhafter Zustand, sondern dient nur der Übergangszeit.

 

Misstrauische oder neidische Geschäftspartner

Nachteil 2: Misstrauische oder neidische Geschäftspartner

Nicht jeder Außenstehende wird von der nebenberuflichen Selbständigkeit begeistert sein. So ist es gut möglich, dass verschiedene Geschäftspartner, Lieferanten oder Kunden eher abweisend darauf reagieren, dass der Unternehmer sich lediglich in seiner Freizeit mit der eigenen Firma beschäftigt. Hier kommt leicht Misstrauen gegen Motivation und Zuverlässigkeit auf, das es im Laufe der Zeit auszuräumen gilt. Ebenso ist es möglich, dass die berufliche Umgebung mit Neid auf den neuen Status reagiert, den man sich ja aufbaut, ohne wie andere Unternehmer ins volle Risiko zu gehen. Mit solchen Reaktionen muss man rechnen und man muss lernen, mit Widersachern und Neidern auf angemessene Art umzugehen.

 

Probleme mit dem Hauptberuf

Nachteil 3: Probleme mit dem Hauptberuf

Die harte Doppelbelastung kann unter Umständen dazu führen, dass der Hauptberuf unter der neuen Selbständigkeit leidet. Damit ist nicht nur der enorme Zeitaufwand gemeint, den nebenberufliche Unternehmer in ihre beiden beruflichen Existenzen investieren müssen, sondern auch die geistige Aufmerksamkeit. So fällt es vielen entsprechend Beschäftigten schwer, sich mit vergleichbarer Intensität um zwei gleichzeitige Projekte zu kümmern. In der Regel leidet in solchen Situationen dann eher der Hauptberuf als das eigene Unternehmen. In der Folge drohen ernste Konsequenzen, die bis zum Jobverlust reichen können und die damit alle Vorteile mit einem Schlag zunichte machen, die eigentlich mit der nebenberuflichen Selbständigkeit verbunden sind.

 

Mangelnde Motivation und fehlende Disziplin

Nachteil 4: Mangelnde Motivation und fehlende Disziplin

Als ersten Vorteil der nebenberuflichen Selbständigkeit haben wir im Vorangegangenen den Wegfall von starken Leistungsdruck genannt. Dieser kann sich, je nachdem, zu welchem Unternehmertyp der Gründer gehört, aber auch nachteilig auswirken. Manche Menschen benötigen gerade ein bestimmtes Maß an Druck, um eine ausgeprägte Leistungsfähigkeit zu entwickeln. Fällt der Druck weg, dann kommt es bei der Disziplin und Motivation zu Ausfällen, unter denen dann das frisch gegründete Unternehmen stark zu leiden hat. Letztlich kann nur jeder Gründer selber entscheiden, ob ihn der Wegfall von wirtschaftlichem Druck eher beflügelt oder dämpft und dann seine ganz persönlichen Konsequenzen daraus ziehen.

 


 

Fazit: Die nebenberufliche Selbständigkeit ist nichts für jedermann

Wir haben nun die wichtigsten Vorzüge und Nachteile der nebenberuflichen Selbständigkeit gegeneinander antreten lassen, um Ihnen ein möglichst vollständiges Bild der Gesamtthematik zu vermitteln. Die Vorteile in Bezug auf die verbesserten Einnahmemöglichkeiten, die Aufrechterhaltung der finanziellen und sozialen Sicherheit sowie die Chance, sich ganz allmählich und ohne Druck in der neuen Rolle als Chef zurechtzufinden, sind natürlich nicht von der Hand zu weisen und bilden in ihrer Summe das eigentliche Potential dieses interessanten Modells.

Andererseits setzt das Funktionieren dieser Form der Unternehmensgründung aber auch die Bereitschaft und die Möglichkeit zu einem besonders hohen Arbeitseinsatz voraus. Sicher muss diese Belastung nicht auf unbegrenzte Zeit bewältigt werden. Mittel- bis langfristig besteht hier natürlich die Zielsetzung, den bisherigen Hauptjob irgendwann aufzugeben und sich, mit normalem Zeiteinsatz, ausschließlich um die Führung des eigenen Unternehmens zu kümmern.

Wer allerdings daran zweifelt, ob er während der ersten Wochen, Monate und vielleicht sogar Jahre auf einen Großteil seiner Freizeit verzichten kann oder wer eine Familie hat, der es schwer fällt, die Doppelbelastung mitzutragen, der sollte sehr gründlich und kritisch darüber nachdenken, ob das Modell für ihn tatsächlich in Frage kommt.

Nicht zuletzt sollten die Überlegungen zum Thema nebenberufliche Selbständigkeit auch einen guten Anlass dafür bilden, einmal darüber nachzudenken, ob man eher unter Druck oder eher in persönlicher Freiheit zu Höchstleistungen fähig ist. Nur wenn man sich zutraut auch ohne übermäßigen Leistungsdruck und mit der Sicherheit des angestammten Einkommens ausreichend Disziplin und Motivation aufzubringen, sollte man sich für eine Unternehmensgründung im Nebenberuf entscheiden.

 

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Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.