[Gründerstory] Der Name ist Programm: Barzahlen.de im Gründerportrait

Manche Geschäftsideen machen auf sich aufmerksam, weil sie Dinge miteinander verbinden, die auf den ersten Blick einfach nicht zusammenpassen. Dies gilt auch für das Start-up Barzahlen.de, das den Einkauf im Internet gegen Bargeld ermöglicht. Wie das geht und welche Köpfe hinter dem interessanten Konzept stecken, verraten wir in unserer Gründerstory.


 

Die Zahlungsmöglichkeiten im Internet werden ständig komplexer und immer mehr Anbieter bemühen sich darum, ihre Zahlungssysteme im Online-Handel unterzubringen. Dabei basieren fast alle Methoden auf einem ähnlichen Prinzip: Der Kunde muss sich für einen der Dienste registrieren und dort viele persönliche und sensible Daten angeben, um Zahlungsvorgänge abwickeln zu können. Einen ganz anderen Weg geht das Start-up Barzahlen.de, das von Achim Bönsch, Sebastian Seifert und Florian Swoboda im März 2011 gegründet wurde. Hier begleicht der Kunde seine Rechnung im Online-Handel nämlich einfach mit Bargeld. Wie das funktioniert, wie das Gründerteam auf die Idee zum neuen Zahlungsverfahren kam und warum Barzahlen.de so erfolgreich ist, erfahren Sie jetzt.

 

Wie funktioniert die Barzahlung im Online-Handel überhaupt?

Eigentlich klingt die Kombination von Online-Handel und Barzahlung absurd, da es ja bei dieser Form des Einkaufs gerade um die räumliche Distanz zwischen Kunde und Verkäufer geht. Eine Form der Zahlung per Bargeld, die auch im E-Commerce gebräuchlich ist, kennen wir trotzdem alle: Die Nachnahme. Das Zahlungsverfahren ist allerdings bei Händlern wie bei Verbrauchern aus gutem Grund sehr unbeliebt: Die Versender erheben nämlich hohe Gebühren, wenn sie direkt an der Haustüre Geld kassieren sollen. Die Händler müssen teilweise recht lange auf den Geldeingang warten und der Kunde muss, ohne genau zu wissen, wann der Paketbote denn überhaupt kommen wird, Bargeld in ausreichender Menge zur Hand haben.

Barzahlen.de, hierbei handelt es sich übrigens um ein Projekt der Cash Payment Solutions GmbH aus Berlin, beschreitet hier einen ganz anderen Weg. Kunden kaufen hier wie gewohnt im Online-Shop ein und wählen beim Checkout die Option „Barzahlen“. Im Hintergrund wird nun ein Barcode erstellt, den der Käufer wahlweise ausdrucken oder auf sein Handy schicken lassen kann. Mit diesem begibt er sich nun zur Kasse einer der angeschlossenen stationären Einzelhändler und bezahlt den Betrag dort mit Bargeld. Hierzu muss er sich weder registrieren, noch gegenüber dem Kassenpersonal seine Anonymität aufgeben. Die erfolgte Zahlung wird dem jeweiligen Online-Händler in Echtzeit mitgeteilt. Er kann die bestellte Ware daraufhin sofort versenden.

Rücksendungen funktionieren ebenso einfach. Der Kunde erhält in diesem Fall ebenfalls einen Barcode, mit dem er jetzt bei einem der Partner allerdings Bargeld abholen kann. Unter anderem sind übrigens alle dm- und real-Filialen bereits an das System angeschlossen. Fast jedem Verbraucher steht somit in Deutschland ein Einzelhändler in unmittelbarer Nähe zur Verfügung, bei dem er die Zahlungen zu seinen Online-Einkäufen tätigen kann. Für den Verbraucher ist der Service dabei kostenlos. Der Händler zahlt für das Zahlungssystem eine Gebühr, die im Bereich der Nutzungskosten für andere Zahlungsanbieter liegt.

 

Eine Gründung mit analytischem Sachversand

Es gibt Geschäftsideen, die das Herz des Gründers und der Verbraucher auf emotionale Weise im Sturm erobern und solche, die eher nüchtern und analytisch am „grünen Tisch“ ins Leben gerufen werden. Zur zweiten Sorte gehört auch Barzahlen.de. Die drei Gründer Achim Bönsch, Sebastian Seifert und Florian Swoboda haben hier ein Konzept mit einem sehr sachlichen Hintergrund verwirklicht. Im Prinzip hat sich das Gründerteam mit zwei Faktoren auseinandergesetzt. Zum einen handelte es sich um die immer noch extrem hohen Abbruchquoten im Online-Handel, die meist im Zusammenhang mit dem Zahlungsvorgang stehen. Zum anderen stand die Tatsache im Mittelpunkt, dass die Deutschen, im Gegensatz zu ihren europäischen Nachbarn, im stationären Einzelhandel zu mehr als 80 Prozent mit Bargeld bezahlen. In Kombination beider Aspekte stellten sich die Gründer vor die Frage, wie man das bevorzugte Zahlungsverhalten deutscher Verbraucher sinnvoll mit einer Lösung für die Abbruchproblematik der Online-Händler verbinden kann. Das Ergebnis dieser Überlegungen ist Barzahlen.de.

Besonders interessant bei diesem Modell: Letztlich gewinnen hier alle Beteiligten. Verbraucher, die ihre persönlichen Finanzdaten im Internet nicht preisgeben wollen, entdecken eine sichere und komfortable Möglichkeit, anonym im Internet zu bezahlen. Händler können endlich auch diese sensible Zielgruppe mit ihren hohen Anforderungen an den Datenschutz erfolgreich bedienen. Und auch die angeschlossenen Zahlungspartner profitieren von einer höheren Kundenfrequenz und ziehen solche Konsumenten in ihre Filialen, die auf konventionelle Werbung eher kritisch reagieren.

 

Barzahlen.de: Ein Konzept, das perfekt in unsere Zeit passt

Stellt man sich vor die Frage, warum Barzahlen.de erfolgreich ist, dann stößt man schnell darauf, dass dieses Konzept besonders gut in unsere Zeit passt. Verbraucher haben heute berechtigte Sorge um die Sicherheit ihrer Daten im Web. Ob Internetkriminalität, der scheinbar unstillbare Datenhunger von in- und ausländischen Behörden und Geheimdiensten oder auch einfach das Misstrauen gegenüber Online-Händlern, die man noch nicht kennt: Das Credo von immer mehr Konsumenten lautet heute Datensparsamkeit, denn Informationen, die ich gar nicht erst preisgeben, können auch nicht missbraucht werden.

Vor diesem Hintergrund bewegt sich die Geschäftsidee von Barzahlen.de auf der Höhe der Zeit. Der Erfolg zeigt sich dabei nicht nur an der regen Nachfrage durch Händler und Verbraucher, sondern auch daran, dass sich zahlreiche Investoren für das Start-up interessieren und dem Gründertrio bereits zu einer komfortablen Finanzlage verholfen haben.

 


 

 


 

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.