Chatsprache, Emoticons, Emojis und Kaomojis: Die sozialen Netze verstehen

Mal ganz ehrlich: Haben Sie beim Durchstöbern von Postings innerhalb der sozialen Netze oder beim Lesen von Kommentaren auf Ihrer Webseite auch schon einmal gedacht, Sie wären in ein fremdes Sprachgebiet geraten und hätten vor lauter Abkürzungen, Zeichen und Bildchen nicht mehr verstanden, worüber die Menschen überhaupt reden? Keine Sorge, damit sind Sie nicht allein.

Themenübersicht: Die sozialen Netze verstehen
Chatsprache für Anfänger
A – F G – L M – R S – Z
Emoticons, Emojis und Kaomojis
Leetspeak – Gamer-Sprache

 


 

Chatsprache für Anfänger: Gut ist, was kurz ist

Um was geht es eigentlich bei den spezifischen Sprachformen, die innerhalb der Internetkommunikation gepflegt werden? Es geht vor allem um Geschwindigkeit. Man will Zeit sparen, möglichst wenig tippen und sich möglichst schnell verständlich machen. Dies mag auf Uneingeweihte wie der blanke Hohn wirken, da sie ja gerade durch die Verwendung dieser neumodischen Sprachformen gar nichts mehr verstehen. Ist man allerdings eingeweiht, dann erfolgt das Verständnis deutlich schneller.

 

Abkürzung Steht für Bedeutet
A
AAMOF As A Matter Of Fact Tatsache ist, …
Acc Account Benutzerkonto
ACK Acknowledgment / Full ACK Volle Zustimmung
AFAIC As Far As I’m Concerned Soweit es mich betrifft
AFAICT As Far As I can tell Soweit ich sagen kann
AFAIK As Far As I Know Soweit ich weiß
AFAIR As Far As I Remember Soweit ich mich erinnere
AFK Away from Keyboard (Bin) nicht an der Tastatur
AGF Assume good faith Von guten Absichten ausgehen
AISI As I see it Wie ich das sehe
AIUI As I understand it Wie ich das verstehe
AKA Also known as Auch bekannt als …
ANSCD And now (for) something
completely different …
Und nun etwas völlig anderes …
ASAP As soon as possible So bald wie möglich
ASL (auch A/S/L) Age Sex Location Alter, Geschlecht, Ort?
(Frage an Neueinsteiger im Chat)
ATM At The Moment Jetzt gerade
B
B2K / BTK Back To Keyboard Zurück an der Tastatur
B2T / BTT Back To Topic Zurück zum Thema
BB Bye, Bye / Bis bald Auf Wiedersehen / Tschüss
BBIAB Be Back In A Bit Bin gleich wieder da
BBL Be Back Later Bin später wieder da
BBS Be Back Soon Bin bald zurück
BD Bis dann
BF Best Frinds Beste Freunde
BG breitgrins
BM Bis morgen
BN Bis nachher
boon Anfänger Variante von noob
BR Best regards Schöne Grüße
BRB Be Right Back Bin gleich wieder da
BTAIM Be that as it may Wie dem auch sei
BTDT Been there, done that Ich war da und hab’s selbst probiert
BTW By The Way Übrigens / Da wir gerade dabei sind
C
C&P / CP Copy and Paste Kopieren und Einfügen
C6/CS Cybersex Sex über das Internet
CU See You Man sieht sich! / Bis dann
CUL8R See You later Bis später
D
dad Denk An Dich
Dafuq What the fuck Was zum Teufel
DAU Dümmster anzunehmender User
DL oder D/L Download
DND Do Not Disturb Nicht stören
DUW Duck und weg Wegducken und davonlaufen
E
EOBD End Of Business Day Ende des Arbeitstages
EOD End Of Discussion Ende der Diskussion
EOM End of message Ende der Meldung
F
F2F Face to Face Von Angesicht zu Angesicht
FACK / Full Ack Full Acknowledge Volle Zustimmung
FAQ Frequently Asked Questions Häufig gestellte Fragen
FFS For Fuck’s Sake Um Himmels willen
FG Freches Grinsen (auch: Fettes/Fieses Grinsen)
FOAD Fuck Off And Die Geh sterben!
FTFY Fixed That For You Habe es für dich korrigiert
FTR For The Record für das Protokoll
FTW For The Win Überlegenheitsausdruck
FU Fuck you Fick dich / Fickt euch
FUBAR Fucked Up Beyond All Repairs Total im Arsch (irreparabel)
FWIW For whatever it’s worth Wozu auch immer es gut sein mag
FYEO / 4YEO For Your Eyes Only Nur für deine Augen (Vertraulich)
FYI For Your Information / Interest Zu Deiner Information
FML Fuck My Life Fick mein Leben
G
G2G / GTG Got To Go Ich muss weg! / Ich muss gehen!
GF Girlfriend Freundin (Partnerin)
GG großes Grinsen
GIYF Google is your friend Google ist dein Freund
(Bei Google suchen statt zu fragen)
GJ Good Job / Great Job Gute Arbeit
GL Good Luck Viel Glück
GLG Ganz liebe Grüße Abschlussformel
GN(8) Good Night / Gute Nacht
Grats / Gratz / GZ Congratulations Gratulation
GSD Gott sei Dank!
GTFO Get The Fuck Out Hau ab! / Verschwinde!
GTFOH Get The Fuck Out Of Here Verzieh dich! / Verschwinde!
H
HAND Have a nice day Schönen Tag noch
HDF Halt die Fresse / Halt deine Fresse
HDGDL Hab‘ dich ganz doll lieb
HDL Hab‘ dich lieb
HEL / HEAGDL Hab‘ euch lieb bzw.
Hab‘ euch alle ganz doll lieb
HF Have fun Viel Spaß!
HGW Herzlichen Glückwunsch
HTH Hope This Helps Hoffe das hilft weiter
I
IANAL I am not a lawyer Ich bin kein Anwalt
IC I See Ich sehe bzw. Ich seh’ schon
IDA Ich dich auch
IDK I don’t know Ich weiß (es) nich
IEA Ich euch auch
IIRC oder WIMRE If I remember correctly Wenn ich mich richtig erinnere
ILD Ich liebe dich
ILU / ILY I Love U / You Ich liebe dich
IMHO In My Humble Opinion Meiner bescheidenen Meinung nach
IMO In My Opinion Meiner Meinung nach
IOW In other words Mit anderen Worten …
IRL In Real Life Im wirklichen Leben
ISTR I Seem To Recall Ich glaube mich zu erinnern
J
JFYI Just For Your Information Nur zu deiner/eurer Information
JFTR Just for the record(s) (Nur) fürs Protokoll
JK oder J/K Just Kidding Ist/war nicht ernst gemeint
JTLYK Just to let you know… Nur, um dich wissen zu lassen, (dass)…
K
k / kk / kay OK / (Alles) klar (auch hinter Zahlen als Angabe
für Tausend → 10k = 10.000)
kA Keine Ahnung
kB Kein Bock
kP Kein Plan (oder Kein Problem)
kD Kein Ding (oder Keine Ursache)
L
LD Lieb‘ Dich (Alternative zu HDL; aber nicht im
Sinne von ILD (Ich liebe Dich))
LG Liebe Grüße
LMAO Laughing My Ass Off Lache mir den Arsch ab
LMFAO Laughing My Fucking Ass Off Lache mir meinen verdammten Arsch ab
L2P / LTP Learn To Play! Lern zu spielen!
(Aufforderung besser zu werden)
LMGTFY Let Me Google That For You Ich google das jetzt mal für dich.
(→ Nutze Google, bevor du mich fragst)
LOFL Lying on the floor Laughing Liege vor Lachen auf dem Boden
LOL Laughing Out Loud Lautes Auflachen
M
mE Meines Erachtens (oder: Mit Einschränkung(en) / Mit Erlaubnis)
MfG Mit freundlichen Grüßen
mk / mkay hm okay nachdenkliches OK
mMn Meiner Meinung nach
mom Moment Einen Augenblick bitte
MOTD Message Of The Day Nachricht des Tages
N
N/A Not Available / Applicable Nicht verfügbar  /anwendbar
n1 Nice one Schön! / Gut gemacht!
n8 Night Gute Nacht
nc no comment Kein Kommentar
nb / noob / n00b Newbie Anfänger oder auch Ahnungsloser
(oft als Beleidigung)
np No Problem Kein Problem
NPOV Neutral point of view Neutraler Standpunkt
NP: Now Playing: ungefähr: Ich höre gerade:
NSFL Not safe for life Nicht ungefährlich für das Leben
NSFW Not safe / suitable for work Unpassend für den Arbeitsplatz
NSY Not Seen Yet Noch nicht gesehen
NVM Never mind Schon gut
O
O RLY? Oh really? Ach, wirklich? / Tatsächlich? (spöttisch )
OMFG Oh My Fucking God Ach du (heilige) Scheiße
OTOH On the other hand Andererseits …
P
PEBKAC / PBKC Problem exists between
keyboard and chair
Problem besteht zwischen
Tastatur und Stuhl
PLS / PLZ/PLX Please Bitte
POV Point of view Sichtweise
PPL people Leute, Menschen, Personengruppe
pwned besiegt / dominiert eher: jemanden klar besiegen
Q
Q&A questions and answers Fragen und Antworten
R
RE Return(ed) Bin zurück – wird nach AFK benutz
rekt bzw. #rekt zerstört / gescheitert
RL Real Life Das richtige Leben
(außerhalb des Internets)
RLY? Really? Wirklich? / Echt?
ROFL / ROTFL Rolling on (the) floor laughing Ich roll‘ lachend auf dem Boden
ROFLOL / ROTFLOL Rolling on (the) floor laughing out loud Ich roll‘ laut lachend auf dem Boden
RTFM Read the fucking manual Lies das verdammte Handbuch
S
SCNR Sorry, Could Not Resist Entschuldigung, das konnte ich mir nicht verkneifen
SFW Safe / suitable for work Für den Arbeitsplatz geeignet
SIG Signature Unterschrift
SMH Shaking My Head (als tatsächliches Kopfschütteln zu verstehen)
SNAFU Situation Normal All Fucked Up Lage normal, alles im Arsch
(„Operation gelungen, Patient tot.“)
SO Significant other Bessere Hälfte (bezüglich einer Lebenspartnerschaft)
Sry Sorry Entschuldigung
STFU Shut The Fuck Up Sei, verdammt noch mal, still!
T
TBH to be honest um ehrlich zu sein
TGIF Thank God It’s Friday Gott sei Dank ist heute Freitag
THX / TNX / TX Thanks / Thank You Danke
TIA Thanks In Advance Danke im Voraus
TIL Today I Learned Heute habe ich gelernt, (dass)…
TL;DR / TLDR Too Long; Didn’t Read Zu lang, lese ich nicht
(Bezug auf Texte / Artikel)
TMI Too Much Information Zu viele Details
TTYL / TTUL / T2UL Talk To (2) You (u) Later Komme später wieder auf dich zurück
U
U You … Du …
UTFSE Use The Fucking Search-Engine Benutz die verdammte Suchfunktion/-maschine
V
V(L)G viele (liebe) Grüße
vlt / vllt Vielleicht
W
w00t Wie bitte? / Juchhu! (Ausdruck von großer Begeisterung)
w8 wait Warte (kurz)!
WB Welcome back Willkommen zurück.
WD Wieder da (wird meist in Chats benutzt)
WE Weekend Wochenende
WEG Wide Evil Grin breites böses Lächeln
WFM Works for me Bei mir geht’s, was ist dein Problem?
WTF What the fuck; seltener: Why the fuck Was soll die Scheiße? / Was ’n das fürn Scheiß?
WTH What the hell bzw. What the heck (engl.) Was, zur Hölle, …?! bzw. Was, zum Teufel, …?!
wut / wat What? Was?
wyd What You Doing? Was machst du?
X
XOXO Kisses and hugs! Küsse und umarme Dich!
Y
Y? Why? Warum? (englichen Aussprache vom Buchstaben „Y“)
YAW / YRW / YW You are Welcome / You’re Welcome Bitte schön
YHBT You have been trolled Du wurdest zum Narren gehalten.
YMMD You made my day Du hast mir den Tag versüßt / gerettet
YOLO You only live once Man lebt nur einmal. (Rechtfertigung für
verrückte oder unsinnige Taten)

 

Ein wesentlicher Bestandteil sämtlicher Internetsprachformen sind die zahlreichen Abkürzungen. Die meisten davon leiten sich, wie gut zu erkennen ist, von englischen Ausdrücken ab. Als Online-Händler werden Sie mit diesen Ausdrucksformen vor allem dann konfrontiert, wenn Sie Ihren Besuchern im Shop eine Chat-Funktion anbieten. Aber auch innerhalb der Kommunikation in den sozialen Netzen finden sich solche Abkürzungen immer häufiger. Kennt man ihre Bedeutung nicht, so kann man eine Äußerung oder einen Kommentar leicht falsch verstehen.

Wenn Ihnen zum Beispiel ein Kunde per Chat mitteilt, ein von Ihnen geliefertes Produkt sei „FUBAR“, dann verwendet er keine kindliche Aussprache des Wortes „Furchtbar“, sondern teilt Ihnen stattdessen mit, dass Ihr Artikel völlig zerstört bei ihm eingetroffen ist. FUBAR steht nämlich für das englische „Fucked Up Beyond ALL Repairs“. Wirft Ihnen Ihr Gesprächspartner ein anerkennendes „GJ“ zu, dann können Sie sich freuen. Diese Abkürzung steht nämlich für „Good Job“ und bedeutet damit so viel wie „Gute Arbeit“ oder „gut gemacht“.

Sie sehen: Wer sich mit den gängigen Abkürzungen und Finessen in Sachen Chatsprache nicht auskennt, der gerät schnell auf eine verkehrte Fährte. Missverständnisse auf dieser Ebene können schnell zu ernsthafteren Verstimmungen führen. Daher sollten Sie sich unbedingt zumindest mit den Grundzügen dieser Sprachformen beschäftigen, um nicht Gefahr zu laufen, mit Interessenten, Besuchern oder Kunden in Streit zu geraten. Wenn Sie künftig einmal unsicher darüber sind, was Ihr Kunde mit einer bestimmten Abkürzung meint, dann können Sie die Tabelle als kleines Nachschlagewerk verwenden.

 


Emoticons, Emojis und Kaomojis: Symbole können Missverständnisse vermeiden

Wenn Menschen miteinander sprechen, dann transportieren sie Inhalte nicht nur durch die eigentlichen Wörter, sondern auch durch die Stimme, die Betonung, den Gesichtsausdruck oder die Körperhaltung. Da wir entsprechende Zeichen alle auf eine ähnliche Weise interpretieren, können wir im Rahmen direkter Begegnungen und bei der Verwendung von Umgangssprache oft in sehr kurzer und knapper Form miteinander kommunizieren. Will man eine ähnliche Verständnistiefe auch im schriftlichen Ausdruck erreichen, dann muss man deutlich ausführlicher und vorsichtiger formulieren. Hierin liegt unter anderem der Grund dafür, dass man früher sehr stark zwischen der Schriftsprache und dem mündlichen Ausdruck unterschied.

Neben vielen anderen Effekten und Auswirkungen hat das digitale Zeitalter auch einen großen Einfluss auf den Umgang mit Sprache. Sowohl mit E-Mail als auch mit SMS oder anderen Kurznachrichten und der Kommunikation innerhalb der sozialen Netze stehen plötzlich Verständigungsformen im Mittelpunkt, die zwar in Schriftform verfasst werden, allerdings eindeutig der Umgangssprache zugeordnet werden müssen. Wir äußern uns hier also zum einen sehr kurz und verzichten zum anderen auf strenge sprachliche Regeln. Dies geht eindeutig zu Lasten der eindeutigen Verständlichkeit, die wir, im Gegensatz zur mündlichen Kommunikation, nicht mit zusätzlichen Zeichen oder Gesten verständlicher gestalten können

 

Zeichen Bedeutung Zeichen Bedeutung
XD lachend die Augen zukneifen 8- O Schock
>:) fies grinsend °_° geschockt, starrend
>:D fies lachend !-) davongekommen mit blauem Auge
:‘-D lachend mit Tränen >.< zugekniffene Augen
:‘-) vor Freude weinen -.- genervt und geschlossene Augen
:‘-( weinend aus Trauer -.-„ verlegen und genervt
:- ( traurig bzw. unglücklich :S besorgt
:-[] schreien :-> sarkastisch zwinkernd
:-< sehr traurig =B) Sonnenbrille, cool
:-/ skeptisch, nicht zufrieden O:-) Heiligenschein bzw. Unschuld
:- | nachdenklich und ernst 3:-|> teuflisch
:/) das ist nicht lustig ;o) Ist nur Spaß
:-* Kuss :- P herausgestreckte Zunge
:-X ich sage nichts :-v nicht aufhören zu reden
:-& sprachlos :-~) Schnupfen
:-. flüstern bzw. kein Kommentar :p~~~~ sabbernd
¦-o gähnend bzw. schlafend %-) | %-( verwirrt bzw. planlos
:*) alkoholisiert, betrunken ($)_($) geldgeil oder Gier
@-) benommen bzw.benebelt } { streng vertraulich
^////^ verlegen lächeln, peinlich /o\ Facepalm
:<| abgehoben, hochnäsig, arrogant o/ \o | ^5 High Five
:-] schadenfroh, hämisch \o/ jubelnd (hands in the air)
:-@ fluchend *\0/* Cheerleader bzw. Jubel
:- || böse bzw. aufgebracht („\(^_^)/“) jubelnd
>:-< crazy \m/ Metal Faust
o_O | oO WTF?! ^^ happy, Augenbrauen hochziehend
:- o ungläubig bzw. erstaunt ^-^ glücklich, lachende Augen
:-O erstaunt, erschrocken @^-^@ verlegen, lächeln, peinlich
=:-o Angst, Horror -^_^- erröten, lächeln, peinlich
*(^_^)* verlegen, erröten, lächeln, peinlich ^(°@°)^ Schweinchen bzw. Ferkel

 

So sind zum Beispiel scherzhafte Bemerkungen, Ironie oder auch eine ernsthafte Verärgerung oder Verstimmung kaum mehr auf Anhieb zu erkennen. Aus diesem Grund haben sich bereits früh sogenannte Smileys eingebürgert. Hierbei handelt es sich, wie Sie wissen, um grafische Darstellungen von Gesichtsausdrücken, mit denen wir bestimmte Gefühle und Intentionen selbst dann zum Ausdruck bringen können, wenn wir uns nur ganz kurz und knapp äußern.

Unterschieden werden hierbei unterschiedliche Arten von Symbolen. Wenn von einem Emoticon die Rede ist, dann meint man damit eine Folge von normalen ASCII-Zeichen, die, wenn man sie um 90 Grad drehen würde, ein Gesicht mit einem bestimmten Gesichtsausdruck bilden. Was Sie in diesem Zusammenhang sehr erstaunen wird: Bereits in früheren Jahrhunderten haben Schriftsetzer häufiger damit experimentiert, aus einfachen Satzzeichen oder Buchstaben kleine Gesichter zu formen. Verwendung finden die Emoticons immer dann, wenn Menschen in eher lockerer Weise schriftlich miteinander kommunizieren. Interessant ist dabei, dass Emoticons mitunter auch in handschriftlichen Aufzeichnungen, Mitteilungen oder Briefen Verwendung finden und sich nicht auf die rein elektronische Kommunikation beschränken.

Von einem Smiley spricht man immer dann, wenn das verdeutlichende Gesicht tatsächlich als Grafik und nicht als Zeichenfolge angezeigt wird. Viele Messenger-Programme und Mail-Clients verwandeln entsprechende Eingaben mittlerweile eigenständig in kleine Gesichter, sodass Smileys längst zu einem gewohnten Bild geworden sind. Ihren Ursprung haben die standardisierten Zeichnungen von Gesichtszügen übrigens im Jahr 1963. Damals entwarf der US-amerikanische Werbefachmann und Grafiker Harvey Ball ein Gesicht, das aus zwei Punkten und einem gebogenen Strich in einem gelben Kreis bestand. Es handelte sich hierbei um eine Auftragsarbeit für eine Versicherungsgesellschaft. Diese ließ das lächelnde Gesicht auf Anstecknadeln drucken, um so für eine bessere Stimmung im Unternehmen zu sorgen.

Von Emojis sprechen wir immer dann, wenn dementsprechende kleine Bilder nicht auf reine Emotionen beschränkt sind, sondern auch Gegenstände, Pflanzen, Tiere, Speisen, Getränke oder andere Dinge darstellen können. Die Emojis zählen dabei zu den japanischen Emoticons und zeichnen sich vor allem durch ihre Vielfalt aus. Diejenigen Emojis, die sich mit dem Ausdruck von Gefühlen beschäftigen, werden in Japan als Kaomojis bezeichnet. Interessant in diesem Zusammenhang: Da Japaner in Bezug auf ihre Mimik eher zurückhaltend sind, konzentrieren sich Emojis in vielen Fällen auf die Darstellung von Augen. Westliche Emoticons zielen dagegen stärker auf den Mund ab, da wir es in unserem Kulturkreis eher gewohnt sind, fröhlich und ausgelassen zu lachen oder unseren Mund mimisch auf andere Weise zu verziehen.

 


Neumodischer Quatsch oder Kulturgut?

Wahrscheinlich gehört das zu jedem Generationswechsel dazu: Die jungen Leute eignen sich eine eigene Sprache, eine eigene Musik, einen eigenen Stil und ein eigenes Verhalten an und die Elterngeneration schüttelt verständnislos den Kopf und fragt sich, was sie wohl falsch gemacht hat. Teilweise behindert dieses kulturelle Ungleichgewicht die zwischenmenschliche Kommunikation erheblich. Dies ist spätestens dann der Fall, wenn man gar nicht mehr versteht, was die jüngeren Menschen eigentlich versuchen mitzuteilen.

Aber stellen Sie sich vor, wie es wäre, wenn sich innerhalb der letzten Jahrhunderte keine jugendliche Generation mit ihren Vorstellungen durchgesetzt hätte. Wir würden wohl noch immer im finsteren Mittelalter festsitzen, in der Mehrzahl über recht reduzierte sprachliche Ausdrucksmöglichkeiten verfügen und versuchen, Konflikte per Faustrecht zu lösen. Auch wenn Ihnen das moderne Gehabe der Jugend mitunter gehörig auf die Nerven geht, sollten Sie sich daher immer wieder vor Augen führen, dass eine gewisse Essenz dessen, was Sie heute nervt, schon morgen zum Kulturgut gehören wird.

Als Online-Händler können Sie sich ohnehin nicht aussuchen, ob Sie sich auf die sprachlichen Kapriolen der jungen Generation einlassen wollen oder nicht. Früher oder später müssen Sie sich mit diesem Thema beschäftigen, weil Sie Ihre potenzielle Kundschaft ansonsten einfach nicht mehr verstehen werden. Und da im E-Commerce heute die direkte Kommunikation zwischen den Anbietern und ihren Kunden längst zum Normalfall geworden ist, lässt es sich nicht vermeiden, zumindest einen gewissen Teil der geheimnisvollen Internetsprachen zu erlernen.

Ein kleiner Hinweis an dieser Stelle: Lernen bedeutet hierbei vor allem, dass Sie verstehen, was Ihnen jüngere Verbraucher mitteilen wollen. Es ist nicht erforderlich und auch nicht unbedingt ratsam, dass Sie sich der modernen Sprache selbst bedienen. Dies birgt sogar die Gefahr, dass Sie gegenüber Ihrer Zielgruppe einen anbiedernden Eindruck erwecken. Beschränken Sie sich also nach Möglichkeit darauf, die Sprache Ihrer Kunden zu verstehen und bleiben Sie darüber hinaus bei Ihren eigenen Ausdrucksformen.

 


Leetspeak: Vom Geheimcode zur Gamer-Sprache

Vielleicht ist Ihnen anhand unserer kleinen Tabelle im ersten Abschnitt schon aufgefallen, dass in einigen der Abkürzungen Zahlen anstelle von Buchstaben auftauchen. Dies ist zum Beispiel bei F2F (Face to Face) oder w8 (Wait) der Fall. Was vielen Menschen nicht bewusst sind: Es gibt im Internet einen relativ weit verbreiteten Code, der darauf basiert, dass in geschriebenen Wörtern bestimmte Buchstaben durch Zahlen oder Sonderzeichen ersetzt werden, die ähnlich aussehen, wie der ersetzte Buchstabe. Man bezeichnet diese Sprachform als Leetspeak. Dies klingt vielleicht ein wenig abstrakt, wird aber schnell deutlicher, wenn man sich zum einen den Ursprung dieser sprachlichen Variante vor Augen führt und zum anderen Beispiele näher betrachtet.

Ursprünglich war Leetspeak eine Art von Geheimsprache für Eingeweihte. Verbreitung fand sie anfänglich in der Hackerszene, später aber auch unter den Anhängern bestimmter Computerspiele. Die Bezeichnung „Leet“ in Leetspeak geht auf den Begriff der Elite zurück. Dieser wurde zunächst auf Eleet und später auf Leet gekürzt und soll aussagen, dass es sich bei dieser Sprache um eine Verständigungsform handelt, die nur Eingeweihten, also in gewisser Weise einer Elite, zugänglich ist. Übertragen in Leetspeak schreibt sich Leet übrigens „1337“.

Sie können an diesem Beispiel gut erkennen, dass die Ziffer „1“ für den Buchstaben „L“, die Ziffer „3“ für den Buchstaben „E“ und die Ziffer „7“ für den Buchstaben „T“ steht. Wie gesagt: Hierbei handelt es sich nicht um einen Code, bei dem bestimmte Zahlen willkürlich bestimmte Buchstaben ersetzen. Stattdessen wird nach Ähnlichkeiten zwischen Ziffern und Buchstaben verfahren, um bestimmte Begriffe in Leetspeak zu übertragen.

Eine wesentliche Bedeutung erhielt Leetspeak dadurch, dass entsprechend geschriebene Begriffe in der Regel zwar von Menschen, nicht aber von Maschinen entschlüsselt werden können. Während der Spam-Filter Ihres E-Mail-Programms zwar auf das Wort „Viagra“ reagiert und Sie vor entsprechender Werbung bewahrt, erkennt der Algorithmus die Zeichenfolge „v!49|24“ nicht auf Anhieb, obwohl sie doch dieselbe Bedeutung hat. Nimmt man hier noch Sonderzeichen hinzu, dann erhält man Kreationen wie „\/|ágrà“, die für den Menschen zwar lesbar sind, für Computer aber keine Bedeutung haben.

Wenn Sie es innerhalb von Chatnachrichten, Postings oder Kommentaren mit Zeichenfolgen zu tun haben, die auf Anhieb völlig unsinnig wirken und in denen Ziffern, Buchstaben und Sonderzeichen wild durcheinander gewirbelt werden, dann werfen Sie einmal in Ruhe einen Blick auf solche „Wörter“ und versuchen Sie deren Bedeutung dadurch zu entschlüsseln, indem Sie einfach überprüfen, ob es Ähnlichkeiten zu bestimmten Buchstaben gibt. In der Regel bekommt man die Bedeutung mit ein wenig Übung relativ leicht heraus.

 


Bin ich hier im Comic-Heft?

Rrrrums, Klirrrr, Mampf, Boing: Passionierten Lesern von Comics sind diese und ähnliche Ausdrucksformen durchaus ein Begriff. Wer sich in der Welt der gezeichneten Kurzgeschichten weniger gut auskennt, der wird eher mit Unverständnis reagieren und muss zumindest einen zweiten Blick auf den jeweiligen Begriff werfen, um ihm eine Bedeutung abzuringen. Hiermit kommen wir aber bereits zum springenden Punkt: Wenn man sich ein wenig bemüht und der Fantasie freien Lauf lässt, dann erschließt sich die Comic-Sprache mehr oder weniger von selbst.

Es handelt sich nämlich um eine lautmalerische Ausdrucksform, deren Zweck vor allem darin besteht, ein komplexeres Erlebnis mit lediglich einem Wort zu beschreiben. Während nämlich die Bezeichnung „Klirrrr“ einen sehr genauen Eindruck von dem Geräusch eines zu Bruch gehenden Gegenstandes aus Glas, Keramik oder Porzellan vermittelt, würden Sie eine ganze Menge Wörter benötigen, um den entstehenden Schall ähnlich anschaulich zu beschreiben.

Der hauptsächliche Vorteil der Comic-Sprache: Sie ist auch für den Uneingeweihten verständlich, wenn er sich nur ein bisschen Mühe gibt.

 

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.