Aktuelle Änderungen bei Facebook treffen vor allem kleine Unternehmen

Ein neues Update bei Facebook sorgt für drei maßgebliche Veränderungen, die sich auf die Darstellung von Ereignissen in den News Feeds der einzelnen Mitglieder beziehen. Hierdurch verschlechtert sich vor allem die Priorität, mit der Postings von Unternehmen und Organisationen angezeigt werden. Wir erläutern die Folgen für kleine und mittlere Unternehmen.

Die sozialen Netze und ihre Bedeutung für den E-Commerce

Kein Online-Händler würde heute noch die zentrale Bedeutung des Social Media-Marketings für seinen geschäftlichen Erfolg in Zweifel ziehen. Im Mittelpunkt stehen dabei nach wie vor die Möglichkeiten, die Facebook gewerblichen Anbietern ermöglicht, um bestehende Kunden zu binden und neue Käuferschichten zu gewinnen.

Bei der konkreten Wirkungsweise des Social Media-Marketings geht es dabei grundsätzlich um den empfehlenden Charakter, den Likes, Postings und Kommentare mit sich bringen. Einfachstes Beispiel in diesem Zusammenhang: Einer Ihrer Follower interagiert mit Ihrer Fanpage und versieht zum Beispiel ein bestimmtes Angebot mit einem „Like“. Dies bekommen innerhalb ihrer eigenen News Feeds nun auch die Freunde und Follower dieser Person zu sehen, was dazu führt, dass Sie eine hohe Chance darauf haben, von solchen potenziellen Neukunden wahrgenommen und besucht zu werden. In diesem Fall wirkt die Interaktion Ihres Fans als aktive Bewertung innerhalb von dessen virtuellem Freundeskreis. Experten wissen heute genau, dass solche persönlichen Bewertungen eine deutlich größere Wirkung aufweisen als die Werbeaussagen von Unternehmen, denen tendenziell eher misstraut wird.

Bisher hat Facebook im individuellen News Feed die Interaktionen von Freunden mit Unternehmen und deren Fanpages gleichberechtigt mit eher privaten Aktivitäten angezeigt. Doch genau das soll sich jetzt ändern. Facebook hat am 21. April nämlich eine Reihe von Änderungen in Bezug auf die News Feed-Darstellung angekündigt, die wir uns im Folgenden einmal detailliert anschauen und ihre Auswirkungen auf den Handel untersuchen wollen.

 

Die aktuellen Änderungen bei Facebook und ihre Auswirkungen

Am 21. April 2015 haben Max Eulenstein, Product Manager bei Facebook, und Lauren Scissors, User Experience Researcher im Facebook Newsroom, die folgenden Änderungen bekannt gegeben:

Grundsätzlich geht es bei dem, was Facebook aktuell verändert hat, um den News Feed der einzelnen User und dort das Verhältnis zwischen den privaten Beiträgen von Freunden und den Interaktionen mit gewerblichen Fanpages. Insgesamt entspricht es dem Ziel von Facebook, dass im News Feed Informationen angezeigt werden, die das einzelne Mitglied wirklich interessieren. Deshalb bemüht sich das soziale Netz um eine ausgewogene Mischung an Updates von Freunden, Prominenten, Unternehmen und Organisationen, mit denen der Anwender jeweils verbunden ist. Mit den aktuell beschlossenen Änderungen reagiert Facebook nun einerseits auf diesen Anspruch und versucht andererseits der Tendenz gerecht zu werden, dass heute immer mehr Informationen auf Facebook geteilt werden und der News Feed damit immer umfangreicher wird.

Max Eulenstein und Lauren Scissors führen aus, dass sie in der Vergangenheit viele Feedbacks von Facebook-Mitgliedern erhalten haben, die sich mit dem individuellen News Feed beschäftigen und darüber hinaus aktiv damit begonnen haben, User über ihre Wünsche und Vorlieben zu befragen. Die erste Konsequenz aus den damit verbundenen Erkenntnissen führt nun dazu, dass künftig mehrere Updates und Postings derselben Quelle im News Feed angezeigt werden. Dies wurde bisher unterbunden, um zu vermeiden, dass die Informationen zu einseitig wurden.

Die zweite Änderung bezieht sich auf die Wünsche der Facebook-Mitglieder, mehr über die privaten Aktivitäten ihrer Freunde erfahren zu wollen. Im Ergebnis sollen Fotos, Videos oder Status-Updates von Freunden innerhalb des News Feeds deutlich weiter oben angezeigt werden. Andere Informationen, hierzu zählen damit vor allem solche von Unternehmen und Organisationen, landen weiter unten und erhalten dort künftig weniger Aufmerksamkeit.

Bei der dritten Änderung geht es darum, dass viele Facebook-Mitglieder offensichtlich wenig oder kein Interesse daran haben, etwas darüber zu erfahren, wenn ihre Freunde externe Beiträge liken oder kommentieren. Entsprechende Beiträge sollen künftig weit unten oder sogar gar nicht im News Feed angezeigt werden und so Raum für private Updates von Freunden und Inhalte von Seiten, die man bereits selbst geliked hat, schaffen.

 

Die Folgen der Facebook Updates für Online-Händler

Wenn Sie die Facebook-Änderungen vor allem aus Ihrer Perspektive als privater Anwender betrachten, dann werden Sie wahrscheinlich kaum Konsequenzen und vor allem keine negativen Effekte wahrnehmen. Doch wie wirken sich die Updates auf die Situation von Online-Händlern aus, die Facebook im Rahmen ihrer Social Media-Marketing-Aktivitäten einsetzen?

Betrachten wir die angekündigten Änderungen noch einmal der Reihe nach. Das erste Update bezieht sich darauf, dass verschiedene Postings derselben Quelle künftig gleichzeitig im News Feed angezeigt werden können, was Facebook bisher vermieden hat. Dies hat für Sie als Online-Händler keine negativen Auswirkungen und könnte im Zweifelsfall sogar positiv wirken, wenn sie innerhalb kurzer Zeitabstände mehrfach etwas posten.

Beim zweiten Update stellt sich die Situation bereits ganz anders dar. Facebook will die Postings privater Freunde künftig weiter oben im Feed auftauchen lassen und andere Äußerungen, also auch solche von Unternehmen, nach unten drängen. Dies geht eindeutig zu Lasten der Aufmerksamkeit, die Ihren Postings entgegengebracht wird. Hiermit dürfte ein deutlicher Verlust in Bezug auf die Wahrnehmung Ihrer Facebook Statements verbunden sein.

Das dritte Update wirkt sich noch einschneidender aus. Bisher gelang die Neukundengewinnung über Facebook vor allem auf der Basis von Interessenten, die innerhalb ihrer eigenen News Feeds auf Interaktionen ihrer Freunde gegenüber Unternehmen und Organisationen aufmerksam wurden. Einer ihrer Facebook-Freunde kommentierte oder teilte zum Beispiel ein tolles Angebot in einem Online-Shop und sie konnten dies unmittelbar in ihrem News Feed sehen. Damit war die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie ebenfalls einen Blick auf das attraktive Angebot warfen und dabei vielleicht sogar zum Kunden wurden. Nun will Facebook künftig allerdings private Postings und Kommentare deutlich bevorzugen und Interaktionen von Freunden, die sich auf Unternehmen oder Organisationen beziehen, entweder weit unten im Feed oder womöglich gar nicht mehr anzeigen. An dieser Stelle droht ein deutlicher Verlust an neuen Besuchern und Interessenten, die Sie bisher über Facebook gewinnen konnten und für die Sie nun einen Ersatz benötigen.

Schwierig gestaltet sich diese Aufgabe vor allem vor dem Hintergrund der fast gleichzeitigen Änderungen bei Google. Hier wurde vor kurzer Zeit das Update „mobile-friendly“ umgesetzt, das vor allem Seiten berücksichtigt, die auf den Abruf durch mobile Endgeräte optimiert wurden. Im Gegenzug sollen Seiten abgestraft werden, die sich nicht ausgiebig mit der mobilen Optimierung beschäftigt haben. In kritisch eingestellten Fachkreisen wurde das Update zunächst als „Mobilegeddon“ bezeichnet. Mittlerweile haben allerdings einige Experten bereits Entwarnung gegeben und ausgeführt, dass es bislang wohl kaum zu Abwertungen gekommen ist.

Es bleibt aber abzuwarten, wie sich die Bewertung von Seiten künftig verändern wird. Mit Blick auf die Änderungen bei Facebook sollten sich Online-Händler in jedem Fall rechtzeitig mit neuen Strategien zur Neukundengewinnung beschäftigen.

 


 

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.