5 Methoden, mit denen Sie die sozialen Netze für sich arbeiten lassen

Kein Trend im Internet hat sich je so massiv und stark entwickelt und verbreitet wie der Hype um die sozialen Netze. Für clevere Online-Händler ist dabei das Sammeln von Fans und Freunden und das Verbreiten von Informationen weitaus mehr als nur ein Hobby. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die sozialen Netze für Ihr Unternehmen arbeiten lassen können und machen Sie mit den wichtigsten Methoden des Social Media-Marketing vertraut.

Online-Handel und soziale Netze

Als unbeteiligter Beobachter kann man ruhig geteilter Ansicht sein, wenn es um die sozialen Netze und unseren Umgang mit diesem Internet-Phänomen geht. Ob es wirklich nötig ist, sich hier bis zum Äußersten zu entblößen, eine Selbstdarstellung zu betreiben, wie es sie nie zuvor gab und nicht mehr in Lage zu sein, den Blick länger als 30 Sekunden vom Display des Smartphones zu lassen, daran scheiden sich die Geister. In der gesellschaftlichen Debatte über die sozialen Netze spielt auch zunehmend die Frage eine Rolle, wie massiv wir es zulassen wollen, von Wirtschaftsunternehmen und Behörden ausspioniert zu werden, wenn wir die Netzwerke exzessiv nutzen. Gerade der Blick auf den überwiegend sorglosen Umgang junger Menschen mit Facebook, Twitter und Co. sorgt hier bei vielen Menschen für Fassungslosigkeit.

Welche Einstellung Sie ganz privat auch immer zu den Netzwerken im Internet haben: Wenn Sie Online-Händler sind, dann sollten Sie zumindest nicht darauf verzichten, die sozialen Netze als Plattform für die Kommunikation Ihres Unternehmens zu nutzen. Andernfalls werden Sie bestimmte Kundengruppen künftig gar nicht mehr erreichen und früher oder später das Nachsehen gegenüber der Konkurrenz haben. Kein Experte im Bereich E-Commerce bezweifelt inzwischen noch den signifikanten Einfluss der sozialen Netze auf das Kaufverhalten der Verbraucher. Auf diesen Plattformen tauschen sich die Menschen nämlich längst nicht mehr vorrangig über private Themen aus, sondern beschäftigen sich intensiv mit Produkten, Angeboten und Kauftipps. Vor diesem Hintergrund bilden der Online-Handel und die sozialen Netze längst eine untrennbare Einheit, von der vor allem die Shop-Betreiber profitieren können, die sich dem immer noch wachsenden Trend nicht verschließen.

Social Media-Marketing: Pflicht oder Kür?

Der Beginn des exzessiven Wachstums der sozialen Netze wird im Allgemeinen auf das Jahr 2005 datiert. Der wesentliche Unterschied zu den klassischen Medien liegt bei dieser Spielart der Kommunikation vor allem in der Fähigkeit zur Interaktion. Die Zeiten, in denen bekannte Unternehmen fast ausschließlich Anzeigen- und TV-Werbung nutzten, um ihre Botschaften an potenzielle Kunden zu übermitteln, sind vorbei. Heute geht es immer stärker um den gegenseitigen Austausch zwischen Anbietern und Konsumenten und in diesem Bereich sind die sozialen Netze unschlagbar. Besonders wertvoll sind dabei die direkten Rückmeldungen, die Werbetreibende unmittelbar von ihren Zielgruppen erhalten und die eine ganz neue Qualität der Marktforschung begründet haben.

Ein besonders interessanter Nebeneffekt: Die Nutzung der sozialen Netze zur Verbreitung von Werbung ist eine ausgesprochen kostengünstige Alternative zur klassischen Werbung. Damit ist der Austausch mit den Massen nicht länger den großen Konzernen vorbehalten. Mit den passenden Ideen und Konzepten ist mittlerweile fast jedes Unternehmen dazu in der Lage, unzählige Verbraucher auf direktem Wege zu erreichen, ohne hierfür Unsummen aufwenden zu müssen. Von dieser Entwicklung profitieren vor allem die Online-Händler, da es zwischen ihren Aktivitäten bei den sozialen Netzen und ihren Internet-Shops keinen Medienbruch gibt. Außerdem sind die Nachrichten- und Informationsströme in den Netzwerken so schnell und flexibel, dass man sofort auf aktuelle Entwicklungen oder Bedarfssituationen reagieren kann, ohne hierfür einen sonderlichen zeitlichen Vorlauf einplanen zu müssen.

Die Kehrseite dieser Flexibilität ist allerdings die relative Unbeständigkeit des erreichten Status eines Internetunternehmens. Da der Konkurrenz die gleichen Mittel und Instrumente zur Verfügung stehen, droht man seine Position zu verlieren, wenn man die sozialen Netze kurzfristig vernachlässigt. Hier ist daher Kontinuität und Disziplin gefragt, wenn man seine geschäftlichen Ziele dauerhaft erreichen will. Die Frage, ob es sich beim Social Media-Marketing für Online-Händler um eine Pflicht oder eine Kür handelt, ist also leicht zu beantworten. Wer als Shop-Betreiber auf die Integration dieser neuen Medien verzichtet, der entscheidet sich gleichsam auch gegen ein beträchtliches Potenzial an Kunden und wird eher früher als später seine Marktposition verlieren.

Make or Buy: Selber machen oder Experten beauftragen

Für jeden Online-Händler, der seine Marketingaktivitäten auf die sozialen Netze ausdehnen will, stellt sich die Frage, ob er den entsprechenden Aufwand im eigenen Unternehmen darstellen oder doch lieber einen externen Dienstleister beauftragen soll. Dies ist nicht leicht zu beantworten, da es für und gegen beide Vorgehensweisen eine Reihe von Argumenten gibt, die man gründlich bedenken sollte.

Zunächst gilt, dass die Qualität der sozialen Kampagnen der entscheidende Faktor ist. Wenn das Unternehmen mit seinem Team nicht in der Lage ist, erfolgreiche Konzepte für die sozialen Medien zu planen und zu realisieren, dann bleibt dem Shop-Betreiber ohnehin nichts anderes übrig, als nach versierten Experten zu suchen. Ob es sich dabei eher um ein externes Unternehmen oder um einen neuen Mitarbeiter handelt, hängt vor allem mit dem Budget und der Langfristigkeit der geplanten Aktivitäten zusammen.

Bestehen allerdings im Unternehmen die Ressourcen, um sich selbst mit dem Social Media-Marketing zu beschäftigen, dann spricht vieles dafür, diesen Bereich in Eigenregie umzusetzen. Auf der einen Seite entsteht auf diese Weise wertvolles Insider-Wissen, das im Unternehmen selbst am besten aufgehoben ist. Auf der anderen Seite ist die Authentizität, die eine Grundlage jeder erfolgreichen Social Media-Kampagne bildet, fast nur erreichbar, wenn sie von den Beteiligten selbst initiiert wird. Diese Aspekte sollten bedacht werden, bevor man als Shop-Betreiber die Make or Buy-Entscheidung trifft.

Online-Händler, die sich in Eigenregie mit dem Social Media-Marketing beschäftigen wollen, erhalten durch die folgenden 5 Methoden und die dazugehörigen Praxistipps eine hilfreiche Unterstützung für einen erfolgreichen Auftritt in den sozialen Netzwerken.

 

Methode 1: Vergessen Sie alles, was Sie über Werbung wissen

Die beste und wirksamste Möglichkeit, um jeder Social Media-Kampagne von Anfang an jegliche Chance auf Erfolg zu rauben, besteht darin, dieses Medium lediglich als weitere Werbe- und Vertriebsplattform zu betrachten. Vergessen Sie deshalb im ersten Schritt alles, was Sie über Werbung wissen oder zu wissen glauben. Ihre möglichen Fans und Follower werden sich blitzschnell von Ihnen abwenden, wenn Sie ihnen in den sozialen Netzen abgedroschene Werbebotschaften und plumpe Kaufaufrufe zumuten. Stattdessen wird von Ihnen erwartet, dass Sie mit exklusiven Inhalten, spannenden Geschichten, durchdachten Angeboten und wirklich überzeugenden Beiträgen punkten. Was auf den ersten Blick fast unerreichbar erscheint, lässt sich schnell bewältigen, wenn Sie sich darauf konzentrieren, dass es sich bei den sozialen Netzwerken um eine ganz neue Form der Kommunikationsträger handelt, die daher auch ganz neue Formen des Dialogs benötigt.

Unser Tipp: In den sozialen Netzen werden Sie von den Konsumenten anhand der Originalität und Überzeugungskraft Ihrer Inhalte gemessen. Legen Sie daher größten Wert auf den Content und geben Sie sich hier nicht mit bequemen Kompromissen zufrieden. Verzichten Sie lieber auf ein Posting, wenn Ihnen kein interessantes Thema einfällt und warten Sie ab, bis Ihre Kreativität zurückkehrt.

 

Methode 2: Stellen Sie Authentizität über jeden anderen Anspruch

In den sozialen Netzen geht es für Sie als Online-Händler vor allem darum, einen authentischen und überzeugenden Auftritt zu liefern. Authentisch bedeutet in diesem Zusammenhang, dass man Sie als Person hinter Ihren Postings erkennen kann und nicht den Eindruck erhält, dass Ihre Beiträge unpersönlich und ohne innere Beteiligung verfasst sind. Da es sich bei der Kommunikation über die sozialen Netze um eine Form des Dialoges mit Ihren potenziellen Kunden handelt, bei denen beide Seiten als gleichberechtigte Partner auftreten, ist es sehr wichtig, dass Ihre Fans und Follower eine Person und Persönlichkeit hinter dem erkennen können, was Sie an Inhalten, Postings oder Kommentaren bringen. Schließlich muss sich Ihr Follower auch ganz persönlich zeigen, wenn er mit Ihnen kommunizieren will. Wenn bei Ihrer Zielgruppe Zweifel an Ihrer Authentizität entstehen, dann sind Ihre Bemühungen in Sachen Social Media-Marketing akut vom Scheitern bedroht. Deshalb sollten Sie die Authentizität Ihrer Äußerungen und Beträge höchstmöglich priorisieren.

Unser Tipp: Niemand kann von Ihnen erwarten, dass Sie alle Aktivitäten im Bereich der sozialen Netze persönlich übernehmen. Natürlich werden Sie bestimmte Aufgaben innerhalb Ihres Teams vergeben. Umso wichtiger ist es, dass Sie sich mit Ihren Mitarbeitern auf eine einheitliche Person einigen, die Sie gemeinsam darstellen wollen, also eine Art von Unternehmens-Avatar. Nur auf diese Weise kann es Ihnen gelingen, auch dann einen authentischen Eindruck zu hinterlassen, wenn verschiedene Personen daran beteiligt sind, in Ihrem Namen innerhalb der sozialen Netze zu posten.

 

Methode 3: Erst kommt die Analyse dann das Konzept

Viele Online-Händler betrachten die Arbeit innerhalb der sozialen Netze mit einer gewissen Wahllosigkeit. Sie posten mal hier einen Beitrag, beantworten dort eine Frage oder mischen sich in eine Diskussion ein, ohne dass Ihre Handlungen einem bestimmten Muster oder einer Struktur folgen. Diese Art der Wahllosigkeit ist für jede Social Media-Kampagne ausgesprochen schädlich. Kommunikation kann immer nur dann überzeugen, wenn sie einem Plan oder einem Vorhaben folgt. Um ein sinnvolles Konzept zu erarbeiten müssen Sie aber zunächst Ihren konkreten und individuellen Bedarf kennen. Schließlich wollen Sie mit jeder Form von Marketing ganz bestimmte Ziele erreichen und in dieser Hinsicht bildet das Social Media-Marketing ganz sicher keine Ausnahme. Diesem Grundsatz folgend sollte also jeder Aktivität in diesem Bereich eine sorgfältige Analyse Ihrer Ist-Situation vorausgehen. Erst wenn Sie genau wissen, welche Ziele Sie mit Ihren Kampagnen und Aktionen erlangen wollen, können Sie damit beginnen, die geeigneten Konzepte zu entwerfen.

Unser Tipp: Behalten Sie Ihre konzeptionellen Überlegungen nicht für sich selbst, sondern teilen Sie sie mit allen Personen, die an der Umsetzung Ihrer Social Media-Kampagnen beteiligt sind. Nur wenn Ihre Mitarbeiter, Ihre Freiberufler und Ihre externen Dienstleister exakt wissen, wie Sie Ihre Ziele erreichen wollen, können Sie sie optimal unterstützen.

 

Methode 4: Nur individuelle Kampagnen erreichen individuelle Ziele

Wenn Sie im Bereich Social Media-Marketing erfolgreich sein wollen, dann müssen Sie auf jeden Fall individuell vorgehen. Es gibt keine Patentrezepte oder verbindlichen Anleitungen für passende Konzepte im Online-Handel. Dafür sind die eigenen Ziele, die denkbaren Kunden und die jeweiligen Produktbereiche und Angebote einfach viel zu verschieden. Übernehmen Sie also keine fertigen Strategien von anderen Online-Händlern, auch wenn diese noch so überzeugend und geeignet auf Sie wirken. Legen Sie stattdessen größten Wert auf ein eigenständiges Konzept, das optimal zu Ihrer Ausgangssituation, Ihren Zielen und allen anderen wichtigen Parametern passt. Schließlich wollen Sie Ihre potenziellen Kunden durch Einzigartigkeit überzeugen und ihnen keine Kopie einer standardisierten Vorgehensweise liefern.

Unser Tipp: Auch wenn wir dringend davon abraten, die Social Media-Strategien anderer Händler zu übernehmen, so kann es nicht schaden, sich von den Auftritten Ihrer direkten Konkurrenten zumindest inspirieren zu lassen. Sie sollten deren Aktivitäten in den sozialen Netzen von daher immer im Auge behalten und sinnvolle oder erfolgreiche Elemente übernehmen. Sie können davon ausgehen, dass Sie von Ihren Mitbewerbern ebenso eingehend beobachtet und imitiert werden.

 

Methode 5: Kritik ist nicht das Hindernis, sondern das Ziel

Die Kommunikation innerhalb der sozialen Netze ist dialogisch und nicht monologisch gehalten. Mit anderen Worten: Ihre Zielgruppe hat hier die Möglichkeit, auf Sie zu reagieren und Ihnen zu antworten. Dabei sollten Sie nicht davon ausgehen, dass alles, was Ihre Follower Ihnen zu sagen haben, grundsätzlich positiv ist. Sie werden zwar viele freundliche, ermutigende und zustimmende Postings, Beiträge und Kommentare erhalten. Zusätzlich werden Sie aber auch Kritik, negative Bewertungen und Vorwürfe zu lesen bekommen. Für viele Unternehmer handelt es sich hierbei um eine ganz neue Erfahrung, weil sie sich über lange Zeit daran gewöhnt haben, mit ihren Kunden zu sprechen, ohne diesen eine Antwortmöglichkeit einzuräumen. Wer sich angesichts kritischer Äußerungen als Shop-Betreiber allerdings ärgert, der hat die Chancen und Möglichkeiten der sozialen Netze nicht begriffen. In der Regel werden Sie nämlich von Ihren Fans und Followern nicht kritisiert, weil man Sie ärgern will, sondern als direkte und unmittelbare Äußerung eines Ärgernisses, von dem Sie sonst nie etwas erfahren hätten. Kritische Äußerungen einzufangen, auszuwerten und zu berücksichtigen gehört insofern nicht zu den Störungen innerhalb der sozialen Netze sondern zu deren wichtigsten Eigenschaften.

Unser Tipp: Bemühen Sie sich gemeinsam mit Ihrem Team um eine konsequente Auswertung aller kritischen Stimmen aus den sozialen Netzen und nutzen Sie diese direkten Äußerungen, um Ihr Angebot und Ihren Service stetig im Sinne Ihrer Kunden zu verbessern.

 


 

 

Über den Autor

Sebastian Huke

Sebastian Huke

Artikel des Autors

Sebastian Huke ist bereits seit 2011 Redakteur und Marketing-Manager beim E-Commerce-Magazin INTERNETHANDEL und seine Begeisterung für neue Geschäftsideen ist kein Geheimnis. Daher betreut er im Magazin sowie im Unternehmensblog die Bereiche Geschäftsideen und Gründung. So stellt Sebastian Huke regelmäßig neue Start-ups vor, führt Interviews, erarbeitet Gründerstorys und verfasst auch themenübergreifende Artikel in den Bereichen Online-Handel und Marketing.