Nach eigenen Angaben wird sich Deutschlands größtes Online-Auktionshaus eBay bis Mitte des Jahres 2010 von 400 der insgesamt 1.000 in Berlin beschäftigten Mitarbeiter trennen. Betroffen sind dabei vor allem Betriebsangehörige, die sich derzeit mit Supportaufgaben beschäftigen. Zum Ausgleich ist eBay derzeit mit dem Aufbau eines Kompetenzzentrums für Kundenbetreuung in Irland beschäftigt. Hier werden rund 100 Arbeitsstellen entstehen. Unternehmenssprecher führten deutlich aus, dass sich eBay nicht in einer wirtschaftlichen Notsituation befände. Die Verringerung der Belegschaft diene lediglich dem Zweck, den Anforderungen des wachsenden Wettbewerbs gerecht zu werden und den Kundenservice gleichzeitig zu verbessern. Kurz nach der Bundestagswahl gehören Meldungen über einen drastischen Personalabbau scheinbar immer mehr zur Tagesordnung. Wenngleich es eBay nicht zu unterstellen ist, dass aus politischen Gründen mit der Verkündung der unpopulären Entscheidung abgewartet wurde, so lässt sich nicht übersehen, dass eigene Kündigungen in Zeiten von globaler Wirtschaftskrise und deutschlandweiten Massenentlassungen besser in der Öffentlichkeit vertretbar sind als in wirtschaftlich stabilen Phasen. Was in normalen Zeiten durchaus Anlass für berechtigte Empörung wäre, geht heute in einer Flut von negativen Wirtschaftsnachrichten schnell unter. Da das Image von eBay aufgrund der allgemeinen Geschäftspolitik und durch den stark kritisierten Umgang mit der gewerblichen Händlerschaft in der letzten Zeit ohnehin stark gelitten hat, erhofft sich die Konzernleitung durch den gewählten Zeitpunkt der drastischen Personalmaßnahme scheinbar eine weniger drastischen öffentlichen Umgang mit der Entscheidung. Wer bereits in den letzten Jahren Gründe zur berechtigten Kritik an den Supportleistungen von eBay gesehen hat, der fragt sich berechtigt, wie sich der Kundenservice durch den Abbau von 400 Stellen in diesem Arbeitsbereich verbessern lassen soll. Schon jetzt ist der Kundensupport bei eBay deutlich überlastet, was man an den teilweise unerträglichen Reaktionszeiten unschwer erkennen kann.
Künftig werden also rund 100 Mitarbeiter in Irland die Aufgaben der 400 scheidenden Betriebsangehörigen übernehmen. Wer hier von einer Verbesserung der wichtigen Serviceleistungen ausgeht, dürfte sich im Irrtum befinden. Die soziale Komponente eines so einschneidenden Personalabbaus wird zusätzlich wohl kaum zu einer Verringerung der Kritik an Deutschlands größtem Online-Auktionshaus führen. Auch der deutliche Verweis darauf, dass die Entscheidung nicht auf einer wirtschaftlichen Notlage beruht, ist für die scheidenden Betriebsangehörigen kaum tröstend. Zu wissen, dass der Arbeitgeber nicht aus finanziellen Notwendigkeiten sondern wohl eher aus Gründen der Gewinnoptimierung handelt, wird das Einsetzen einer persönlichen wirtschaftlichen Notlage der gekündigten Mitarbeiter nicht erträglicher machen.